Ausbildung an Berufsfachschulen nach BBiG/HWO
Die beste Zugangsmöglichkeit für Absolventen betrieblicher oder schulischer Berufsausbildung zum Arbeitsmarkt bietet auch heute ein Kammerabschlusszeugnis. Deswegen sieht das neue Berufsbildungsrecht aus dem Jahre 2005 durch eine entsprechende Ermächtigung der Landesregierungen vor, dass Schülerinnen und Schüler von Berufsfachschulen einen erleichterten Zugang zur Kammerprüfung erhalten.
Um den Stand der Umsetzung dieser Neuregelung von Berufsbildungsgesetz (BBiG) und Handwerksordnung (HwO) zu ermitteln, führte das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) Befragungen in Landesministerien, Berufsschulen und Betrieben durch.
Wie die Interviews in den Bildungsressorts von 13 Bundesländern im Sommer 2006 ergaben, werden in diesen Ländern Gespräche innerhalb der Landesregierungen und mit den Kammern mit dem Ziel geführt, die schulischen Kapazitäten besser als bisher zu nutzen. Es sind drei unterschiedliche Strategien zu beobachten, wie die vom Gesetz geschaffenen Möglichkeiten umgesetzt werden sollen.
Anschließende Interviews in 10 Berufsschulen im Frühjahr 2007 zeigten, dass diese sich auf unterschiedliche, regional bestimmte Weise auf die neue Situation eingestellt haben. Sie sehen keine Schwierigkeiten, bisher rein schulische Ausbildungsgänge an die Curricula der entsprechenden dualen Ausbildungsberufe anzupassen. Sie geraten jedoch an Grenzen, wenn es um die Gewinnung von Betrieben geht, wo die Jugendlichen die zur Kammerprüfung notwendigen betriebspraktischen Anteile leisten können.
Eine ergänzende Befragung mit Hilfe des Referenz-Betriebs-Systems (RBS) des BIBB hat allerdings gezeigt, dass rund drei Viertel der befragten Betriebe sich vorstellen könnten, bestimmte Kombinationsmodelle Berufsfachschule / Betrieb für ihre Ausbildung zu nutzen. Eine 3-jährige Vollausbildung in Berufsfachschulen fand wegen befürchteter "Verschulungstendenzen" die geringste Zustimmung.
Als Schlussfolgerung aus den Untersuchungen hält der Berufsbildungsbericht 2007 fest, dass die notwendige Umstrukturierung der berufsfachschulischen Ausbildung nur langsam in Gang kommt. Notwendig wäre ein eindeutiges bildungspolitisches Signal der Spitzenverbände, dass solche berufsfachschulischen Ausbildungsgänge erwünscht sind. Auch die Umwandlung der bisherigen (teilqualifizierenden) Berufsfachschulbildungsgänge in voll qualifizierende mit angemessen betreuten Praxisanteilen wäre erforderlich. Zudem müssten die Befristungen in den §§ 43,2 und 7 BBiG aufgehoben werden.
Die Untersuchung fand in den Jahren 2006 und 2007 im Rahmen des Ständigen Vorhabens 1.0.001 (Untersuchungen zur Vorbereitung des Berufsbildungsberichts) des Bundesinstituts für Berufsbildung statt. Verantwortliche: Harald Brandes und Edith Bellaire.




