Meldung 3/2003
Hoher Bekanntheitsgrad onlinegestützter BA-Angebote zur Berufswahl und zur Lehrstellensuche. Dies zeigen erste Ergebnisse der BA/BIBB-Lehrstellenbewerberbefragung 2002.
Im letzten Vermittlungsjahr 2001/2002 waren insgesamt 711.393 Jugendliche bei der Bundesagentur für Arbeit als Ausbildungsstellenbewerber gemeldet. Hochgerechnet rund 350.000 Bewerber griffen im Rahmen ihrer Berufswahl und Lehrstellensuche auch ganz gezielt auf Informationsangebote und Lehrstellenbörsen im Internet zurück. An oberster Stelle stand dabei der Ausbildungs-Stellen-Informations-Service ais der Arbeitsämter. 89 % bzw. 312.000 Bewerber gaben an, dass sie dieses Angebot kannten. Dies ist eines der Ergebnisse der BA/BIBB-Bewerberbefragung 2002.
Im Folgenden finden Sie weitere Informationen zur Befragung, Zusammenfassungen wichtiger Resultate und differenzierte Ergebnistabellen zu allen gestellten Fragen (Grundauszählungen).
Worum handelt es sich bei den BA/BIBB-Bewerberbefragungen?
Bei der BA/BIBB-Bewerberfragungen handelt es sich um eine repräsentative, hoch gerechnete Stichprobenuntersuchungen von Jugendlichen, die bei der Berufsberatung als Ausbildungsstellenbewerber registriert wurden. Die Befragungen finden stets nach Abschluss des Vermittlungsjahres am 30. September statt. An der jüngsten Erhebung im Herbst 2002 nahmen rund 4.000 Personen teil. Erstmalig wurden alle Bewerbergruppen einbezogen, also auch solche Bewerber, die nach der offiziellen Verbleibsstatistik in eine Lehre eingemündet waren. Die Befragung erfolgte wie in den Vorjahren schriftlich-postalisch mit Hilfe eines standardisierten Erhebungsbogens (PDF-Datei).
Was waren die Ziele der Bewerberbefragung 2002?
Die Untersuchung des Jahres 2002 verfolgte im Wesentlichen zwei Ziele:
Zum einen ging es wiederum darum, die Daten, die im Rahmen der amtlichen Statistik erhoben werden, durch zusätzliche Informationen zu ergänzen. Dies betrifft etwa das Bewerbungsverhalten der Jugendlichen, ihr Verbleib im Spätherbst 2002 und die Ursachen für den Nichtbeginn einer Lehre - falls die Jugendlichen etwas anderes als eine betriebliche Berufsausbildung begonnen hatten oder aber noch nicht vermittelt waren.
Zum anderen wurde mit der BA/BIBB-Bewerberbefragung 2002 das Ziel verfolgt, Näheres zur Nutzung des Internets und seiner Angebote im Zuge der Berufswahl und der Lehrstellensuche zu erfahren. Denn ein wachsender Teil des Geschehens auf dem Lehrstellenmarkt verlagert sich seit geraumer Zeit in das Internet. Informationssysteme und Ausbildungsstellenbörsen werden von größeren Firmen, zuständigen Stellen und von der Bundesanstalt für Arbeit angeboten. Offen ist jedoch, wie viele Bewerber diese Angebote nutzen, und in welcher Form sie dies tun.
Wichtige Ergebnisse im Überblick
Verbleib im Spätherbst 2002
Von den 347.569 Bewerbern, die nach der offiziellen Verbleibstatistik zum 30.09. in eine Berufsausbildungsstelle eingemündet waren, befanden sich im Spätherbst 2002 hochgerechnet 313.738 (90,3 %) in einer Lehre. Weitere 10.525 Bewerber berichteten, sie absolvierten eine vollqualifizierende schulische Berufsausbildung bzw. studierten. 8.377 bezeichneten sich als arbeitslos.
Insgesamt 340.441 Bewerber wurden in der Berufsberatungsstatistik des 30.09.2002 zu denen gezählt, die etwas anderes als eine Lehre begonnen hatten bzw. nach Vermittlungsvorschlag unbekannt verblieben waren. Nach den Ergebnissen der Bewerberbefragung absolvierten 57.329 (16,8 %) von ihnen eine Lehre. 38.015 gaben an, eine vollqualifizierende schulische Berufsausbildung bzw. ein Studium begonnen zu haben. 128.613 (37,8 %) besuchten eine allgemein oder berufsbildende Schule oder absolvierten einen Lehrgang des Arbeitsamtes. Die Zahl der Bewerber, die nach eigener Aussage arbeitslos bzw. ohne Beschäftigung waren, betrug 46.135 (13,6 %). Weitere 20.896 (6,1 %) Jugendliche berichteten, lediglich zu "jobben".
Ende September 2002 zählten bundesweit noch 23.383 Personen zu den noch nicht vermittelten Bewerbern. In der Befragung gaben 10.591 von ihnen an, immer noch ohne Beschäftigung bzw. arbeitslos zu sein, weitere 2.316 (9,9 %) "jobbten" zumindest. In einer Lehre befanden sich 2.692 (11,5 %) der ehemals noch nicht Vermittelten, 2.412 (10,3 %) besuchten einen Lehrgang des Arbeitsamtes.
Gründe für einen alternativen Verbleib außerhalb der Lehre
Die Gründe für den alternativen Verbleib außerhalb der Lehre bzw. für eine eventuelle Beschäftigungslosigkeit variierten in Abhängigkeit vom offiziellen Verbleib zum 30.09.2002:
Diejenigen 33.832 Bewerber, die offiziell in eine Lehre eingemündet waren, sich nun aber nicht mehr darin befanden, gaben sehr oft (35,8 %) an, eine Lehre begonnen, aber wieder abgebrochen zu haben.
Von den insgesamt 283.112 Bewerbern, die auch nach der Verbleibsstatistik etwas anderes als eine Lehre begonnen hatten und auch nach eigenen Angaben keine Lehre absolvierten, berichteten 139.034 bzw. 49,1 %, vor allem wegen des fehlenden Bewerbungserfolgs ohne Ausbildungsplatz da zu stehen. 43.707 bzw. 15,4 % sahen auch einen Grund darin, dass ihre schulische Vorbildung noch nicht ausreichte. Sich ganz von selbst umentschieden und neu orientiert hatten sich lediglich 42.057 bzw. 14,9 %.
Unter den offiziell noch nicht Vermittelten war der mangelnde Bewerbungserfolg (75,6 %) der mit Abstand wichtigste Grund für den fehlenden Ausbildungsplatz. 2.819 Bewerber (13,6 %) verwiesen darauf, eine Lehre zwar begonnen, aber wieder abgebrochen zu haben.
Weiteres Interesse an einer Ausbildung
Von den 337.635 Ausbildungsstellenbewerbern, die nach eigener Aussage keine Lehre machten oder arbeitslos waren, waren 89.775 bzw. 26,6 % noch für das bereits begonnene Ausbildungsjahr 2002/2003 an einer Lehre interessiert. 36,5 % äußerten Interesse an einer Lehre im nächsten Jahr, und weitere 13,7 % wollten gerne zu einem noch späteren Zeitpunkt mit einer betrieblichen Ausbildung beginnen. Definitiv an keiner Lehre mehr interessiert waren lediglich 40.078 bzw. 11,9 %.
Bewerber ohne erkennbare Bemühungen um einen Ausbildungsplatz
Nicht alle Bewerber hatten sich aktiv um einen Ausbildungsplatz bemüht oder bemühen müssen: Insgesamt 138.731 bzw. 19,5 % waren nach eigenen Angaben in den letzten 15 Monaten überhaupt nicht auf Lehrstellensuche gewesen. Dies muss allerdings nicht bedeuten, auch ohne Ausbildungsplatz da zu stehen.
Aktivitäten der Bewerber auf Lehrstellensuche
Von den 572.662 Jugendlichen, die in den letzten 15 Monaten aktiv gesucht hatten, hatten 464.860 (81,2 %) schriftliche Bewerbungen verschickt, 240.305 (42,0 %) mündlich bei den Betrieben nachgefragt. 317.268 (55,4 %) hatten sich gleich in mehreren Berufen beworben. Lediglich 267.006 Lehrstellensuchende (46,6 %) hatten alle wichtigen Fragen auch mit ihren Eltern besprochen.
Hoher Bekanntheitsgrad onlinegestützter BA-Angebote zur Berufswahl und zur Lehrstellensuche
Von den insgesamt 572.662 Jugendlichen, die zum Zeitpunkt der Befragung in den letzten 15 Monaten zumindest zeitweise auf Ausbildungssuche gewesen sind, gaben 61,4 % an, auch das Internet als Informationsquelle bei ihrer Suche nach freien Ausbildungsplätzen genutzt zu haben. Von diesen 349.616 Jugendlichen antworteten 89,3 % bzw. 312.229 junge Erwachsene, dass sie den Ausbildungs-Stellen-Informations-Service ais der Arbeitsämter kannten, 37,9 % bzw. 132.642 Lehrstellenbewerber hatten Hinweise auf den Arbeitsgeber-Informations-Service ais erhalten.
Latente Nachfrage
Latente Nachfrager sind erfolglose Bewerber, die in der offiziellen Ausbildungsstellennachfragerstatistik des BIBB unberücksichtigt bleiben, weil sie nach der Verbleibstatistik der Arbeitsämter etwas anderes als eine Lehre begonnen hatten und deshalb nicht mehr zu den noch nicht vermittelten Bewerbern zählen. Ihre Zahl ist relativ hoch, selbst dann, wenn man nur diejenigen berücksichtigt, die sich erkennbar um eine Lehrstelle bemüht hatten:
Ende 2002 gaben 93.081 Jugendliche an, mindestens 10 Bewerbungen und mehr verschickt und im Wesentlichen nur deshalb etwas anderes als eine Lehre begonnen zu haben, weil ihre Bemühungen erfolglos geblieben waren. Im Jahr 2001 waren es 91.698 Jugendliche. Fasst man den Maßstab "erkennbarer" Bemühungen enger und setzt man ihn auf mindestens 20 versandte Bewerbungen an, bleiben 65.193 Bewerber übrig (2001: 67.889). Bei mindestens 30 Bewerbungen sind es 47.097 Bewerber (2001: 45.646) und bei mindestens 40 Bewerbungen immerhin noch 33.352 (2001: 29.526).
Eine Alternativberechnung der latenten Nachfrage erfolgt über die Zahl der alternativ verbliebenen Bewerber, die nach eigenen Angaben auch im Spätherbst noch an der Aufnahme einer Lehre im bereits begonnenen Ausbildungsjahr interessiert sind. Ihre Zahl betrug 70.651 (2001: 69.784).
Jugendliche mit Immigrationshintergrund
Bei knapp einem Fünftel aller Bewerber lässt sich in irgendeiner Form ein Migrationshintergrund in der Familie erkennen. Der Regelfall "Deutsche, in Deutschland geboren mit Deutsch als alleiniger Muttersprache" traf auf 556.090 (78,2 %) der 711.393 Bewerber zu. Hochgerechnet 141.281 (19,9 %) wichen davon ab, weitere 14.022 (2,0 %) konnten nicht eindeutig zugeordnet werden. Besonders hoch (31,8 %) ist der Anteil der Bewerber mit Migrationshintergrund in Nordrhein-Westfalen, besonders niedrig (3,8 %) in den fünf neuen Ländern. Jugendliche mit Migrationshintergrund sind überproportional häufig unter denjenigen Bewerbern zu finden, denen der Einstieg in eine Lehre nicht gelang.
Nachfolgend können Sie Grundauszählungen zu allen Fragen des Fragebogens als pdf-Dateien einsehen bzw. herunterladen.




