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Diagnostik und Forschung in der beruflichen Bildung (WS 06/07)

Spätestens seit der Veröffentlichung der PISA-Studie wird heftig über die "Ausbildungsreife" von Jugendlichen diskutiert. Insbesondere die Arbeitgeber beklagen massive Mängel, während Gewerkschaftsvertreter darin ein Manöver sehen, um vom Lehrstellenmangel abzulenken. Die Diskussion wird dadurch erschwert, dass es sich bei der "Ausbildungsreife" keinesfalls um ein wissenschaftlich geklärtes Konstrukt handelt. In der Veranstaltung wird dargestellt, wie sich das BIBB über eine internetgestützte Befragung von 500 Fachleuten dem Thema zu nähern versucht hat.Das in Bonn ansässige Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) führt umfangreiche Forschungsarbeiten in der beruflichen Bildung durch. Im Rahmen von Praktika, Diplomarbeiten und Promotionsvorhaben eröffnen sie für Studierende eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Beteiligung. Im Seminar stellen Projektleiter/-innen des BIBB ausgewählte Forschungsansätze vor und diskutieren sie mit den Seminarteilnehmern und -teilnehmerinnen in inhaltlicher und methodischer Hinsicht. Die Studierenden sollen so einen Einblick in die Tätigkeiten von Diplom-Psychologen/innen in der angewandten empirischen Sozialforschung erhalten.

Detailinformationen zum Veranstaltungsprogramm (WS 2006/2007)

1. Termin Einführung in die Seminarreihe: Das Forschungsverständnis des BIBB im Widerstreit unterschiedlicher politischer Interessen E.M. Krekel,
J.G. Ulrich,
V. Eberhard
  Die Einführungsveranstaltung gibt einen Überblick über die verschiedenen Forschungsarbeiten des BIBB und die verschiedenen Themen der Veranstaltung. Außerdem sollen organisatorische Fragen geklärt werden. Am Beispiel der Ausbildungsmarktforschung wird zudem das Forschungsverständnis des BIBB vorgestellt. Der Ausbildungsmarkt ist von beträchtlichen politischen Auseinandersetzungen geprägt. Sie bilden wichtige Rahmenbedingungen für die Forschung und ihre Zusammenarbeit mit der Praxis  
 

Literatur:

 
2. Termin   Mangelnde "Ausbildungsreife" von Lehrstellenbewerbern?

B. Ehrenthal,
V. Eberhard,
J.G. Ulrich

  Spätestens seit der Veröffentlichung der PISA-Studie wird heftig über die "Ausbildungsreife" von Jugendlichen diskutiert. Insbesondere die Arbeitgeber beklagen massive Mängel, während Gewerkschaftsvertreter darin ein Manöver sehen, um vom Lehrstellenmangel abzulenken. Die Diskussion wird dadurch erschwert, dass es sich bei der "Ausbildungsreife" keinesfalls um ein wissenschaftlich geklärtes Konstrukt handelt. In der Veranstaltung wird dargestellt, wie sich das BIBB über eine internetgestützte Befragung von 500 Fachleuten dem Thema zu nähern versucht hat.  
 

Literatur:

 
3. Termin   Beeinflussen die bloßen Namen von Berufen die Berufswahl von Jugendlichen? A. Krewerth,
V. Eberhard,
J.G. Ulrich
  Eine zentrale Aufgabe des BIBB ist die Modernisierung von Ausbildungsberufen. Manche Berufe erhalten dabei auch neue Bezeichnungen. Dabei wurde beobachtet, dass sich damit auch die Nachfrage der Jugendlichen veränderte. In den herkömmlichen Berufswahltheorien spielen Berufsbezeichnungen jedoch als erklärende Größen keine Rolle. Das BIBB hat eine Befragung von mehreren Tausend Schülerinnen und Schülern durchgeführt, um die Rolle der Berufsbezeichnungen bei der Berufswahl näher zu klären. Zugleich ging es darum, wie "geeignete" Namen für neue Berufe identifiziert werden können.     
 

Literatur:

  • Eberhard, V. & Krewerth, A. (2006). Berufsbezeichnungen und ihre Rolle bei der Berufswahl. In V. Eberhard, A. Krewerth & J. G. Ulrich (Hrsg.), Mangelware Lehrstelle. Zur aktuellen Lage der Ausbildungsplatzbewerber in Deutschland. (Berichte zur beruflichen Bildung). Bielefeld: Bertelsmann.
  • Eberhard, V. & Ulrich, J. G. (2006) Berufsbezeichnungen und ihre Bedeutung im Kontext der Berufswahl von Jugendlichen. In N. Bley & M. Rullmann (Hrsg.), Übergang Schule und Beruf. Aus der Praxis für die Praxis - Region Emscher-Lippe. Wissenswertes für Lehrkräfte und Eltern (S. 295-304). Recklinghausen: FIAB.
  • Krewerth, A.; Leppelmeier, I. & Ulrich, J. G. (2004): Der Einfluss von Berufsbezeichnungen auf die Berufswahl von Jugendlichen. Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis, 33 (1), 43-47.
  • Krewerth, A.; Tschöpe, T.; Ulrich, J. G. & Witzki, A. (2004.). Berufsbezeichnungen und ihr Einfluss auf die Berufswahl von Jugendlichen. Theoretische Überlegungen und empirische Ergebnisse (Berichte zur beruflichen Bildung, Heft 270) . Bielefeld: Bertelsmann.
  • Ulrich, J. G. (2006): Berufskonzepte von Mädchen und Jungen. In M. Granato & U. Degen (Hrsg.), Berufliche Bildung von Frauen (Berichte zur beruflichen Bildung, H. 278) (S. 37-60). Bielefeld: Bertelsmann.
 
4. Termin  Wer ist schuld an der Lehrstellenmisere? Attributionstheoretische Anmerkungen zu einem endlosen Streit V. Eberhard,
J.G. Ulrich
  Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Deutschland ist seit Jahren viel zu gering. Die für das Ausbildungssystem verantwortlichen Seiten streiten heftig um die Ursachen und Lösungsansätze, ohne dabei wirklich voran zu kommen. Aus der Attributionstheorie lassen sich wichtige Hinweise gewinnen, weshalb dies so ist. Am Beispiel einiger zentraler Vorwürfe an das vermeintliche Fehlverhalten von Lehrstellenbewerbern wird deutlich, wie stark die jeweiligen Ursachendeutungen von der Außenperspektive abhängig sind und einer genaueren empirischen Betrachtung nicht standhalten können.  
 

Literatur:

 
5. Termin   Ausbilden: Ja oder nein? Entscheidungsstrategien von Betriebsinhabern und Personalverantwortlichen   K. Troltsch,
V. Eberhard,
J.G. Ulrich
  Eine schwierige Wirtschaftslage und eine wachsende Zahl von Jugendlichen mit Leistungs- und Verhaltensdefiziten macht die Entscheidung von Betriebsinhabern, sich an Ausbildung zu beteiligen, nicht leichter. Das BIBB hat 2.000 Betriebsinhaber und Personalverantwortliche nach ihren "subjektiven Theorien" zur Zweckmäßigkeit einer eigenen Ausbildungsbeteiligung befragt und versucht, ihre Entscheidungsstrategien in einem Modell nachzuzeichnen  
 

Literatur:

  • Troltsch, K.; Krekel, E. M. & Ulrich, J. G. (2004). Wege und Instrumente zur Steigerung und Stabilisierung der betrieblichen Ausbildungsbeteiligung - Ergebnisse von Expertengesprächen in Betrieben. In E. M. Krekel & G. Walden (Hrsg.), Zukunft der Berufsausbildung in Deutschland: Empirische Untersuchungen und Schlussfolgerungen (Berichte zur beruflichen Bildung, Heft 273) (S. 53-93). Bielefeld: Bertelsmann.
  • Troltsch, K. & Krekel, E. M. (2006): Zwischen Skylla und Charybdis. Möglichkeiten und Grenzen einer Erhöhung betrieblicher Ausbildungskapazitäten. Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis, 35 (1), 12-17.
 
6. Termin   Jugendliche mit Migrationshintergrund: Wie verhalten sie sich auf einem stark angespannten Ausbildungsstellenmarkt, und welche Ausbildungschancen haben sie?  V. Eberhard,
J.G. Ulrich
  Rund 40 Prozent aller türkischstämmigen Jugendlichen in Deutschland erlernen niemals einen Beruf. Die Quote bei den deutschen Jugendlichen liegt bei unter 10 Prozent. Welche Ursachen sind hierfür maßgeblich? Unterscheiden sich die Ausbildungsziele und Bewerbungsstrategien von Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund, und welche Hinweise ergeben sich auf eine mögliche Diskriminierung? Das BIBB hat die Bewerbungsstrategien und den Erfolg von rd. 5.000 Ausbildungsplatzbewerbern mit und ohne Migrationshintergrund untersucht.    
 

Literatur:

 
7. Termin  Belastungen und Beanspruchungen von Erwerbstätigen in einer Arbeitswelt mit wachsendem Konkurrenzdruck    A. Hall,
V. Eberhard,
J.G. Ulrich
  Das BIBB hat in Kooperation mit der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) 20.000 Erwerbstätige detailliert nach ihren beruflichen Tätigkeiten, Anforderungen, Arbeitsbelastungen und -beanspruchungen, nach ihrem Bildungsverlauf, Weiterbildungsverhalten und ihrer Arbeitszufriedenheit befragt. Ziel war es, für Deutschland repräsentative und hochrechenbare Daten zu gewinnen. Es werden der Untersuchungsansatz und exemplarische Ergebnisse vorgestellt.  
 

Literatur:

  • Hall, A. (2006). Arbeit im Wandel, Erwerb und Verwertung beruflicher Qualifikationen. BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2005/2006
 
8. Termin   Weiterbildungs- und Innovationsverhalten von Erwerbstätigen als Erfolgsschlüssel in einer alternden Gesellschaft  V. Eberhard,
J.G. Ulrich
  Bereits in wenigen Jahren wird sich der demographische Wandel in der Arbeitswelt massiv bemerkbar machen. In einer rasch veraltenden Gesellschaft wie Deutschland kommt dem Weiterbildungs- und Innovationsverhalten älterer Erwerbstätiger eine Schlüsselrolle bei der Bewahrung des materiellen Wohlstandes zu. Gleichzeitig gibt es jedoch Hinweise, dass mit zunehmendem Alter das Karrierestreben abnimmt und dies auch das Weiterbildungsverhalten nicht unbeeinflusst lässt. Welche Informationen ergeben sich hierzu aus der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung?  
 

Literatur:

 
9. Termin  Freizeitverhalten und seine Auswirkungen auf die berufliche Orientierung von Jugendlichen   V. Eberhard,
N. Gericke,
J.G. Ulrich
  In Bewerbungsratgebern wird immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, die "richtigen" Hobbys im Lebenslauf zu nennen. Diese Informationen würden Personalverantwortlichen dazu dienen, Näheres über die Persönlichkeit und die beruflichen Interessen des Bewerbers zu erfahren. Doch besteht tatsächlich ein Zusammenhang zwischen den Freizeitaktivitäten und den beruflichen Affinitäten von Bewerbern? Das BIBB hat in einer Studie bei mehreren Tausend Schülerinnen und Schülern untersucht, in welcher Weise das Freizeitverhalten von Jungen und Mädchen die schulischen und beruflichen Orientierungen prägt.  
 

Literatur:

  • Holland, J. L. (1985). Making vocational choices (2nd edition). Englewood Cliffs: Prentice Hall.
  • Super, D. E. (1953). A theory of vocational development. American Psychologist, 8, 185-190.
  • Super, D. E. (1957). Psychology and careers. New York: Harper & Row.
  • Super, D. E. (1974). Measering vocational maturity for counseling and evaluation. Washington: National Vocational Guidance Association.
 
10. Termin  Qualitätssicherung und -entwicklung in der Weiterbildung    A. Krewerth,
V. Eberhard,
J. G. Ulrich
  Insbesondere seit Beginn der 1990er-Jahre gewinnen systematische Verfahren zur Qualitätssicherung und -entwicklung in Weiterbildungsorganisationen beständig an Bedeutung - eine Entwicklung, die bis heute von wissenschaftlicher Seite kontrovers diskutiert wird. Im Rahmen unterschiedlicher Befragungen hat das BIBB ermittelt, welche Verfahren die Weiterbildungsorganisationen tatsächlich nutzen, welche positiven Effekte dies für sie hat und welche Probleme daraus entstehen können. Im Rahmen des Seminars werden zunächst die prinzipiellen Vor- und Nachteile der Qualitätsinstrumente diskutiert. Anschließend werden die empirischen Ergebnisse zu diesem Themengebiet vorgestellt.  
 

Literatur:

 
11. Termin   Regionale und berufliche Mobilitätsbereitschaft bei Jugendlichen  A. Krewerth,
V. Eberhard,
J. G. Ulrich
  Die aktuelle Arbeitsmarktlage verlangt eine hohe Flexibilität. Viele Haupt- und Realschüler sind davon bereits in einem Alter betroffen, in dem sie noch nicht einmal volljährig sind. Sie sind aufgefordert, auch Lehrstellen außerhalb der Heimatregion in Betracht zu ziehen, eventuell sogar von zu Hause fortzuziehen und auch Abstriche zu machen, was ihren Wunschberuf betrifft. Wie reagieren nun die Jugendlichen? Wovon hängt die Mobilitätsbereitschaft ab, und machen die Jugendlichen eher Kompromisse beim Ausbildungsberuf oder bei der Frage eines möglichen Umzugs? Es werden die Untersuchungsansätze und Ergebnisse einer Ende 2006 durchgeführten Befragung bei mehreren Tausend Ausbildungsplatzbewerbern vorgestellt.  
 

Literatur:

  • Eberhard, V.; Krewerth, A. & Ulrich, J. G. (2006).Jugendliche zeigen hohen Einsatz bei der Lehrstellensuche (Pressemeldung vom 03.08.2006)Bonn: Bundesinstitut für Berufsbildung.
  • Krewerth, A. & Ulrich, J. G. (2006). Verbleib der Bewerber nach Abschluss des Geschäftsjahres. In V. Eberhard; A. Krewerth & Ulrich, J. G. (Hrsg.), Mangelware Lehrstelle. Zur aktuellen Lage der Ausbildungsplatzbewerber in Deutschland (Berichte zur beruflichen Bildung). Bielefeld: Bertelsmann.
  • Ulrich, J. G.; Ehrenthal, B. & Häfner, E. (2006). Regionale Mobilitätsbereitschaft und Mobilität der Ausbildungsstellenbewerber. In V. Eberhard; A. Krewerth & Ulrich, J. G. (Hrsg.), Mangelware Lehrstelle. Zur aktuellen Lage der Ausbildungsplatzbewerber in Deutschland (Berichte zur beruflichen Bildung). Bielefeld: Bertelsmann.
 
12. Termin    Welche Forschungsaufgaben sind in Zukunft erforderlich, um die Effizienz des beruflichen Bildungssystems in Deutschland zu sichern und weiter zu verbessern?  E.M. Krekel,V. Eberhard, J.G. Ulrich
  Wie diagnostiziert man eigentlich den zukünftigen Forschungsbedarf in der beruflichen Bildung? Diese Frage ist umso schwerer zu beantworten, je stärker die bildungspolitischen Interessen der Beteiligten divergieren. Das BIBB hat hierzu eine Delphi-Studie durchgeführt und gleichzeitig überprüft, in welcher Form dieses Verfahren zur konsensualen Entscheidungsfindung in der Berufsbildungsforschung beitragen kann.   
 

Literatur:

 
13. Termin  Abschließende Sitzung   G. Walden,
V. Eberhard,
J.G. Ulrich
  Diskussion, Manöverkritik, offene Fragen: In der abschließenden Sitzung sollen Verlauf und Ergebnisse der Seminarreihe evaluiert werden. Zugleich geht es darum, Perspektiven zu erarbeiten, wie interessierte Seminarteilnehmer und -teilnehmerinnen im Rahmen von Seminar- oder Studienabschlussarbeiten in die Forschungsarbeiten des BIBB eingebunden werden können. Außerdem wird ein Überblick darüber gegeben, wie in der Forschungsabteilung 2 des BIBB die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Forscher (Psychologen, Soziologen, Pädagogen, Politologen und Ökonomen) organisiert und gestaltet wird.  
 

 Literatur:

 

Scheinerwerb ist möglich durch Referat oder Hausarbeit

Kriterien Referat:

  • Foliengestütztes, frei gehaltenes Referat von max. 20 Minuten
  • Mindestens vierseitiges Thesenpapier

Kriterien Hausarbeit:

  • Datensatzgestützte Untersuchung einer Fragestellung mittels SPSS (die Daten werden gestellt) und Erstellung eines mindestens 12-seitigen Berichts
  • Alternativ: Literaturanalyse zu einer ausgewählten Fragestellung und Erstel-lung eines mindestens 12-seitigen Berichts

1. Termin

Einführung in die Seminarreihe: Das Forschungsverständnis des BIBB im Widerstreit unterschiedlicher politischer Interessen

Dozenten: E.M. Krekel,  J.G. Ulrich, V. Eberhard

Die Einführungsveranstaltung gibt einen Überblick über die verschiedenen Forschungsarbeiten des BIBB und die verschiedenen Themen der Veranstaltung. Außerdem sollen organisatorische Fragen geklärt werden. Am Beispiel der Ausbildungsmarktforschung wird zudem das Forschungsverständnis des BIBB vorgestellt. Der Ausbildungsmarkt ist von beträchtlichen politischen Auseinandersetzungen geprägt. Sie bilden wichtige Rahmenbedingungen für die Forschung und ihre Zusammenarbeit mit der Praxis.

Literatur:

2. Termin

Mangelnde "Ausbildungsreife" von Lehrstellenbewerbern?

Dozenten: B. Ehrenthal, V. Eberhard, J.G. Ulrich

Spätestens seit der Veröffentlichung der PISA-Studie wird heftig über die "Ausbildungsreife" von Jugendlichen diskutiert. Insbesondere die Arbeitgeber beklagen massive Mängel, während Gewerkschaftsvertreter darin ein Manöver sehen, um vom Lehrstellenmangel abzulenken. Die Diskussion wird dadurch erschwert, dass es sich bei der "Ausbildungsreife" keinesfalls um ein wissenschaftlich geklärtes Konstrukt handelt. In der Veranstaltung wird dargestellt, wie sich das BIBB über eine internetgestützte Befragung von 500 Fachleuten dem Thema zu nähern versucht hat.

Literatur:

3. Termin

Beeinflussen die bloßen Namen von Berufen die Berufswahl von Jugendlichen?

Dozenten: A. Krewerth, V. Eberhard, J.G. Ulrich

Eine zentrale Aufgabe des BIBB ist die Modernisierung von Ausbildungsberufen. Manche Berufe erhalten dabei auch neue Bezeichnungen. Dabei wurde beobachtet, dass sich damit auch die Nachfrage der Jugendlichen veränderte. In den herkömmlichen Berufswahltheorien spielen Berufsbezeichnungen jedoch als erklärende Größen keine Rolle. Das BIBB hat eine Befragung von mehreren Tausend Schülerinnen und Schülern durchgeführt, um die Rolle der Berufsbezeichnungen bei der Berufswahl näher zu klären. Zugleich ging es darum, wie "geeignete" Namen für neue Berufe identifiziert werden können.   

Literatur:

  • Eberhard, V. & Krewerth, A. (2006). Berufsbezeichnungen und ihre Rolle bei der Berufswahl. In V. Eberhard, A. Krewerth & J. G. Ulrich (Hrsg.), Mangelware Lehrstelle. Zur aktuellen Lage der Ausbildungsplatzbewerber in Deutschland. (Berichte zur beruflichen Bildung). Bielefeld: Bertelsmann.
  • Eberhard, V. & Ulrich, J. G. (2006) Berufsbezeichnungen und ihre Bedeutung im Kontext der Berufswahl von Jugendlichen. In N. Bley & M. Rullmann (Hrsg.), Übergang Schule und Beruf. Aus der Praxis für die Praxis - Region Emscher-Lippe. Wissenswertes für Lehrkräfte und Eltern (S. 295-304). Recklinghausen: FIAB.
  • Krewerth, A.; Leppelmeier, I. & Ulrich, J. G. (2004): Der Einfluss von Berufsbezeichnungen auf die Berufswahl von Jugendlichen. Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis, 33 (1), 43-47.
  • Krewerth, A.; Tschöpe, T.; Ulrich, J. G. & Witzki, A. (2004.). Berufsbezeichnungen und ihr Einfluss auf die Berufswahl von Jugendlichen. Theoretische Überlegungen und empirische Ergebnisse (Berichte zur beruflichen Bildung, Heft 270) . Bielefeld: Bertelsmann.
  • Ulrich, J. G. (2006): Berufskonzepte von Mädchen und Jungen. In M. Granato & U. Degen (Hrsg.), Berufliche Bildung von Frauen (Berichte zur beruflichen Bildung, H. 278) (S. 37-60). Bielefeld: Bertelsmann.

4. Termin

Wer ist schuld an der Lehrstellenmisere? Attributionstheoretische Anmerkungen zu einem endlosen Streit

Dozenten: V. Eberhard, J.G. Ulrich

Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Deutschland ist seit Jahren viel zu gering. Die für das Ausbildungssystem verantwortlichen Seiten streiten heftig um die Ursachen und Lösungsansätze, ohne dabei wirklich voran zu kommen. Aus der Attributionstheorie lassen sich wichtige Hinweise gewinnen, weshalb dies so ist. Am Beispiel einiger zentraler Vorwürfe an das vermeintliche Fehlverhalten von Lehrstellenbewerbern wird deutlich, wie stark die jeweiligen Ursachendeutungen von der Außenperspektive abhängig sind und einer genaueren empirischen Betrachtung nicht standhalten können.

Literatur:

5. Termin

Ausbilden: Ja oder nein? Entscheidungsstrategien von Betriebsinhabern und Personalverantwortlichen

Dozenten: K. Troltsch, V. Eberhard, J.G. Ulrich

Eine schwierige Wirtschaftslage und eine wachsende Zahl von Jugendlichen mit Leistungs- und Verhaltensdefiziten macht die Entscheidung von Betriebsinhabern, sich an Ausbildung zu beteiligen, nicht leichter. Das BIBB hat 2.000 Betriebsinhaber und Personalverantwortliche nach ihren "subjektiven Theorien" zur Zweckmäßigkeit einer eigenen Ausbildungsbeteiligung befragt und versucht, ihre Entscheidungsstrategien in einem Modell nachzuzeichnen.

Literatur:

  • Troltsch, K.; Krekel, E. M. & Ulrich, J. G. (2004). Wege und Instrumente zur Steigerung und Stabilisierung der betrieblichen Ausbildungsbeteiligung - Ergebnisse von Expertengesprächen in Betrieben. In E. M. Krekel & G. Walden (Hrsg.), Zukunft der Berufsausbildung in Deutschland: Empirische Untersuchungen und Schlussfolgerungen (Berichte zur beruflichen Bildung, Heft 273) (S. 53-93). Bielefeld: Bertelsmann.
  • Troltsch, K. & Krekel, E. M. (2006): Zwischen Skylla und Charybdis. Möglichkeiten und Grenzen einer Erhöhung betrieblicher Ausbildungskapazitäten. Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis, 35 (1), 12-17.

6. Termin

Jugendliche mit Migrationshintergrund: Wie verhalten sie sich auf einem stark angespannten Ausbildungsstellenmarkt, und welche Ausbildungschancen haben sie?

Dozenten: V. Eberhard, J.G. Ulrich

Rund 40 Prozent aller türkischstämmigen Jugendlichen in Deutschland erlernen niemals einen Beruf. Die Quote bei den deutschen Jugendlichen liegt bei unter 10 Prozent. Welche Ursachen sind hierfür maßgeblich? Unterscheiden sich die Ausbildungsziele und Bewerbungsstrategien von Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund, und welche Hinweise ergeben sich auf eine mögliche Diskriminierung? Das BIBB hat die Bewerbungsstrategien und den Erfolg von rd. 5.000 Ausbildungsplatzbewerbern mit und ohne Migrationshintergrund untersucht.

Literatur:

7. Termin

Belastungen und Beanspruchungen von Erwerbstätigen in einer Arbeitswelt mit wachsendem Konkurrenzdruck

Dozenten: A. Hall, V. Eberhard, J.G. Ulrich

Das BIBB hat in Kooperation mit der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) 20.000 Erwerbstätige detailliert nach ihren beruflichen Tätigkeiten, Anforderungen, Arbeitsbelastungen und -beanspruchungen, nach ihrem Bildungsverlauf, Weiterbildungsverhalten und ihrer Arbeitszufriedenheit befragt. Ziel war es, für Deutschland repräsentative und hochrechenbare Daten zu gewinnen. Es werden der Untersuchungsansatz und exemplarische Ergebnisse vorgestellt.

Literatur:

  • Hall, A. (2006). Arbeit im Wandel, Erwerb und Verwertung beruflicher Qualifikationen. BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2005/2006

8. Termin

Weiterbildungs- und Innovationsverhalten von Erwerbstätigen als Erfolgsschlüssel in einer alternden Gesellschaft

Dozenten: V. Eberhard, J.G. Ulrich

Bereits in wenigen Jahren wird sich der demographische Wandel in der Arbeitswelt massiv bemerkbar machen. In einer rasch veraltenden Gesellschaft wie Deutschland kommt dem Weiterbildungs- und Innovationsverhalten älterer Erwerbstätiger eine Schlüsselrolle bei der Bewahrung des materiellen Wohlstandes zu. Gleichzeitig gibt es jedoch Hinweise, dass mit zunehmendem Alter das Karrierestreben abnimmt und dies auch das Weiterbildungsverhalten nicht unbeeinflusst lässt. Welche Informationen ergeben sich hierzu aus der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung?

Literatur:

9. Termin

Freizeitverhalten und seine Auswirkungen auf die berufliche Orientierung von Jugendlichen

Dozenten: V. Eberhard, N. Gericke, J.G. Ulrich

In Bewerbungsratgebern wird immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, die "richtigen" Hobbys im Lebenslauf zu nennen. Diese Informationen würden Personalverantwortlichen dazu dienen, Näheres über die Persönlichkeit und die beruflichen Interessen des Bewerbers zu erfahren. Doch besteht tatsächlich ein Zusammenhang zwischen den Freizeitaktivitäten und den beruflichen Affinitäten von Bewerbern? Das BIBB hat in einer Studie bei mehreren Tausend Schülerinnen und Schülern untersucht, in welcher Weise das Freizeitverhalten von Jungen und Mädchen die schulischen und beruflichen Orientierungen prägt.

Literatur:

  • Holland, J. L. (1985). Making vocational choices (2nd edition). Englewood Cliffs: Prentice Hall.
  • Super, D. E. (1953). A theory of vocational development. American Psychologist, 8, 185-190.
  • Super, D. E. (1957). Psychology and careers. New York: Harper & Row.
  • Super, D. E. (1974). Measering vocational maturity for counseling and evaluation. Washington: National Vocational Guidance Association.

10. Termin

Qualitätssicherung und -entwicklung in der Weiterbildung

Dozenten: A. Krewerth, V. Eberhard, J. G. Ulrich

Insbesondere seit Beginn der 1990er-Jahre gewinnen systematische Verfahren zur Qualitätssicherung und -entwicklung in Weiterbildungsorganisationen beständig an Bedeutung - eine Entwicklung, die bis heute von wissenschaftlicher Seite kontrovers diskutiert wird. Im Rahmen unterschiedlicher Befragungen hat das BIBB ermittelt, welche Verfahren die Weiterbildungsorganisationen tatsächlich nutzen, welche positiven Effekte dies für sie hat und welche Probleme daraus entstehen können. Im Rahmen des Seminars werden zunächst die prinzipiellen Vor- und Nachteile der Qualitätsinstrumente diskutiert. Anschließend werden die empirischen Ergebnisse zu diesem Themengebiet vorgestellt.

Literatur:

11. Termin

Regionale und berufliche Mobilitätsbereitschaft bei Jugendlichen

Dozenten: A. Krewerth, V. Eberhard, J. G. Ulrich

Die aktuelle Arbeitsmarktlage verlangt eine hohe Flexibilität. Viele Haupt- und Realschüler sind davon bereits in einem Alter betroffen, in dem sie noch nicht einmal volljährig sind. Sie sind aufgefordert, auch Lehrstellen außerhalb der Heimatregion in Betracht zu ziehen, eventuell sogar von zu Hause fortzuziehen und auch Abstriche zu machen, was ihren Wunschberuf betrifft. Wie reagieren nun die Jugendlichen? Wovon hängt die Mobilitätsbereitschaft ab, und machen die Jugendlichen eher Kompromisse beim Ausbildungsberuf oder bei der Frage eines möglichen Umzugs? Es werden die Untersuchungsansätze und Ergebnisse einer Ende 2006 durchgeführten Befragung bei mehreren Tausend Ausbildungsplatzbewerbern vorgestellt.

Literatur:

  • Eberhard, V.; Krewerth, A. & Ulrich, J. G. (2006).Jugendliche zeigen hohen Einsatz bei der Lehrstellensuche (Pressemeldung vom 03.08.2006)Bonn: Bundesinstitut für Berufsbildung.
  • Krewerth, A. & Ulrich, J. G. (2006). Verbleib der Bewerber nach Abschluss des Geschäftsjahres. In V. Eberhard; A. Krewerth & Ulrich, J. G. (Hrsg.), Mangelware Lehrstelle. Zur aktuellen Lage der Ausbildungsplatzbewerber in Deutschland (Berichte zur beruflichen Bildung). Bielefeld: Bertelsmann.
  • Ulrich, J. G.; Ehrenthal, B. & Häfner, E. (2006). Regionale Mobilitätsbereitschaft und Mobilität der Ausbildungsstellenbewerber. In V. Eberhard; A. Krewerth & Ulrich, J. G. (Hrsg.), Mangelware Lehrstelle. Zur aktuellen Lage der Ausbildungsplatzbewerber in Deutschland (Berichte zur beruflichen Bildung). Bielefeld: Bertelsmann.

12. Termin

Welche Forschungsaufgaben sind in Zukunft erforderlich, um die Effizienz des beruflichen Bildungssystems in Deutschland zu sichern und weiter zu verbessern?

Dozenten: E.M. Krekel, V. Eberhard, J.G. Ulrich

Wie diagnostiziert man eigentlich den zukünftigen Forschungsbedarf in der beruflichen Bildung? Diese Frage ist umso schwerer zu beantworten, je stärker die bildungspolitischen Interessen der Beteiligten divergieren. Das BIBB hat hierzu eine Delphi-Studie durchgeführt und gleichzeitig überprüft, in welcher Form dieses Verfahren zur konsensualen Entscheidungsfindung in der Berufsbildungsforschung beitragen kann.

Literatur:

13. Termin

Abschließende Sitzung

Dozenten: G. Walden, V. Eberhard, J.G. Ulrich

Diskussion, Manöverkritik, offene Fragen: In der abschließenden Sitzung sollen Verlauf und Ergebnisse der Seminarreihe evaluiert werden. Zugleich geht es darum, Perspektiven zu erarbeiten, wie interessierte Seminarteilnehmer und -teilnehmerinnen im Rahmen von Seminar- oder Studienabschlussarbeiten in die Forschungsarbeiten des BIBB eingebunden werden können. Außerdem wird ein Überblick darüber gegeben, wie in der Forschungsabteilung 2 des BIBB die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Forscher (Psychologen, Soziologen, Pädagogen, Politologen und Ökonomen) organisiert und gestaltet wird.

Literatur:

Scheinerwerb

Scheinerwerb ist möglich durch Referat oder Hausarbeit.

Kriterien Referat:

  • Foliengestütztes, frei gehaltenes Referat von max. 20 Minuten
  • Mindestens vierseitiges Thesenpapier

Kriterien Hausarbeit:

  • Datensatzgestützte Untersuchung einer Fragestellung mittels SPSS (die Daten werden gestellt) und Erstellung eines mindestens 12-seitigen Berichts
  • Alternativ: Literaturanalyse zu einer ausgewählten Fragestellung und Erstellung eines mindestens 12-seitigen Berichts

Abschließender Fragebogen zur Evaluation der gesamten Übungsreihe

Diagnostik und Forschung in der beruflichen Bildung:
Übung (K6) im Wintersemester 2006/07


Abschließender Fragebogen zur Evaluation der gesamten Übungsreihe

Last modified on: November 23, 2006

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