Qualifizierung von älteren Arbeitnehmern
Qualifizierung von älteren Arbeitnehmern in den neuen Bundesländern aus Metall- und Elektroberufen sowie aus der industriellen Produktion
Die Anwendung der im Modellversuch entwickelten Motivationsbausteine zur Beseitigung von Motivationsbarrieren älterer Arbeitnehmer hat zu zwei Erkenntnissen geführt: Erstens kommt es entscheidend darauf an, eine allgemeine und eher diffuse resignative Haltung der Teilnehmer auf besondere und präzise zu formulierende kognitive und emotionale Vorbehalte zurückzuführen. Erst so werden sie einer gezielten Bearbeitung zugänglich. Zweitens darf sich eine erfolgreiche Gegenstrategie nicht damit bescheiden, dem pessimistischen Selbstbild der Teilnehmer mit einer konträren optimistischen Theorie zu begegnen. Das Verfahren Behauptung - Gegenbehauptung wirkt wenig überzeugend. Dem Teilnehmer muss im praktischen Unterrichtsgeschehen die Überzeugungskraft der Gegenposition erfahrbar gemacht werden. Die Verzahnung von Unterricht und Werkstattarbeit sowie der gezielte Einsatz von Lernexperimenten haben sich als äußerst erfolgreiche Instrumente der Motivierung erwiesen.
Ältere Arbeitnehmer stehen oftmals im Ruf, lernunfähig und lernunwillig zu sein. Die moderne Berufspädagogik zeigt, dass beide Etikettierungen verfehlt sind und eine tatsächlich vorhandene Lernentwöhnung bei älteren Teilnehmern falsch interpretieren. Diese sind aufgrund langjähriger Lernabstinenz mit den Formen institutionellen Lernens ebenso wenig vertraut wie mit modernen Medien im Unterricht. Bereits die bloße Unterrichtsdauer über viele Stunden oder die Verwendung von theoretisch abgefassten Lehrbüchern oder der PC-Einsatz können Schwierigkeiten bereiten. Diese zu überwinden war die Aufgabe einer im Modellversuch erarbeiteten erwachsenenspezifischen Didaktik. Ihre Kernpunkte wurden wie folgt entwickelt: Interaktive Lernzielformulierung, partizipatives Lernen (Leittextmethode, Rollenspiel), Teamwork (Synergieeffekte durch Gruppenlernen), exemplarisches Lernen (vom Einfachen zum Komplexen, vom Konkreten zum Abstrakten, didaktische Reduktion für ganzheitliches Wissen), Transferfähigkeit (Lernen mit "Ernstcharakter", Praxisrelevanz), Dezentralisierung und Verkopplung der Lernorte (Unterricht und Werkstattarbeit als Wechselwirkungsgeflecht).
Im Unterschied zum Kind und Jugendlichen zeigen Erwachsene aktive Eigenverantwortlichkeit bei der Gestaltung des Bildungsprozesses, wenn man geeignete Rahmenbedingungen zur Verfügung stellt. Als konsequente Erweiterung und Ergänzung der erwachsenenspezifischen Didaktik, die vom Grundprinzip des partizipativen Lernens ausgeht, hat sich der Einsatz des ebenfalls entwickelten Weiterbildungscontrollings erwiesen. Weiterbildungscontrolling ist hier nicht Kontrolle von Teilnehmerwissen post festum. Seine Kriterien sind erheblich weiter gefasst, seine Methode ist prozessbegleitend. Die Qualität jeder Weiterbildung bemisst sich nach folgenden Kriterien: Entsprechung gegenüber einem betrieblichen Qualifikationsbedarf, Teilnehmerorientierung, Lernprozessqualität und Lernfortschritt. Daraus folgt: Die Qualität der Weiterbildung darf nicht erst an ihrem Ende beurteilt werden, weil dann jede Korrektur zu ihrer Optimierung unmöglich geworden ist. Und: Der Teilnehmer selbst avanciert von einer beurteilten zur beurteilenden Instanz. So wie die Erweiterung seines Kenntnisstands einem prüfenden Urteil der Ausbilder ausgesetzt ist, so wird die Ausbildungsqualität selbst der Prüfung des Lernenden unterworfen, um sie verbessern zu können. Knüpft die Weiterbildung an vorhandenes Vorwissen an und bietet sie Unterstützung bei individuellen Problemen? Ist die Stoffvermittlung präzise oder weitschweifig, praxisrelevant oder abstrakt? Bietet die Methode Freiräume für Partizipation? Das Instrumentarium des Weiterbildungscontrollings besteht in Checklisten, die adressatenspezifisch für Teilnehmer und Ausbilder konzipiert sind. In regelmäßigen Abständen erheben sie Wissensstand und Schwierigkeiten der Lernenden sowie Leistungsfähigkeit und Mängel der Ausbildung auch aus der Sicht der Teilnehmer. Das Feedback wird so zur erfolgreichen Optimierung des Bildungsprozesses genutzt.
Durchführungsträger: ProTeGe Greiz, Tel. 03661-7049-0




