SELA: Selbstorganisiertes Lernen
SELA: Selbstorganisiertes Lernen älterer Erwerbspersonen und arbeitsplatzbezogenes Lernen
Ziel des Modellversuchs war es, die Bereitschaft und Fähigkeiten zum selbstorganisierten Lernen am Arbeitsplatz insbesondere von älteren Mitarbeitern zu fördern. Hierzu wurde ein Lernsystem entwickelt, das das individuelle PC-gestützte Selbstlernen mit der betrieblichen Umgebungssituation verbindet. Zu klären war: Welche Bedingungen der Arbeitsplatzsituation wirken sich positiv auf die Bereitschaft zum selbstorganisierten Lernen aus? Welche Bedeutung haben betriebskulturelle Gegebenheiten (Führungsverhalten; Akzeptanz bei den Kollegen; Partizipationskultur) auf die Entwicklung von Haltungen, die das eigenverantwortliche Lernen und die Fähigkeit hierzu begünstigen.
Das Sela-Lernsystem sollte zur Beantwortung beitragen. Es will einerseits aus der Perspektive der betrieblichen Organisationseinheit, andererseits aus der des individuellen Lernprozesses erfolgreiches selbstorganisiertes Lernen begünstigen.
Mit Blick auf den Einfluss der Organisation galt es zu ermitteln, in welchem Zusammenhang die Qualifizierungspraxis zu konkreten Aufgabenstellungen der Unternehmensabteilung steht. Danach erfolgte die Erarbeitung von Aktivitäten zur Verankerung des Konzepts des Selbstorganisierten Lernens (Akzeptanzbildung in der Hierarchie und bei den Kollegen) sowie die Verankerung von Führungsinstrumenten zur Initialisierung, Motivierung und Begleitung der angestrebten Lernprozesse (Coaching, Zielvereinbarung, Lernkontrakte). Im gleichen Zusammenhang ist die Qualifizierung von Multiplikatoren und Trainern zur Sensibilisierung von "nichtfrontalem" Lehrverhalten (Heuristik) zu sehen.
Bezogen auf die individuellen Lernprozesse am PC wurde eine Lernumgebung geschaffen, die im Kern aus einer EDV-Zusatzoberfläche für das Programm Excel besteht, und als Regiezentrum für das selbstorganisierte Lernhandeln fungiert: Auswahl und Spezifikation der Lernaufgabe, Informationen über Lerninhalte und Lernwege, Lernplanung und Erfolgscontrolling, Koordination von personalen und materiellen Lernhilfen (Trainer ordern, Lernkooperation anbahnen) konnten in freiem (hypertextuellen) Lernerzugriff selektiert werden.
Eingesetzt in drei Betrieben bei über 150 Lernern wurde Folgendes - mittels eines eigens geschaffenen Diagnoseinstruments (Forschungsgruppe LOS) - erkennbar: In dem Maße, wie das Selbstlernen in einem betriebskulturellen Kontext stattfand, der die individuelle Lernaktivität mit einer überindividuellen Bedeutsamkeit, Anerkennung und Begleitung durch die Organisation (Führung) verband, wurden eigene Lernaktivitäten positiver erlebt, motivierter praktiziert und trugen zu einer positiven Einstellungsentwicklung zu den eigenen Lernpotentialen bei. Angesichts der großen Bedeutung der Motivation für erfolgreiches Lernen erscheint als weiterer wichtiger Hinweis: Nicht die Bereitstellung von aufbereitetem Lernmaterial "an sich" scheint für die Befähigung zum selbstorganisierten Lernen wichtig, sondern auch und gerade ein sozial geprägter Bedeutungs- und Verbindlichkeitsrahmen (vermittelt beispielsweise durch Akzeptanz und "Lernkontrakte" in der Abteilung). Entsprechende Ausdruckformen von betrieblichem Interesse an individuellen (Lern-)Aktivitäten tragen offensichtlich dazu bei, die hohen Anforderungen an die Selbstregulation (Eigeninitiative, Selbstmotivation, Durchhaltevermögen bei Schwierigkeiten) in den "lehrerfreien" Selbstlernzeiten zu meistern und damit die Herausbildung entsprechender Fähigkeiten zum selbstorganisierten Lernen zu begünstigen.
Durchführungsträger: Bildungszentrum der Wirtschaft im Unterwesergebiet e.V., Tel.: 0421-363250




