Workshop Berufsorientierung
Workshop im BMBF am 15. und 16. September 2008
Die Beiträge der Referentinnen und Referenten machten deutlich, dass das Berufsorientierungsprogramm trotz seiner erst fünfmonatigen Laufzeit auf eine sehr große Resonanz stößt. Schon jetzt sind Maßnahmen für mehr als 27.000 Jugendliche bewilligt.
Von einem erfolgreichen Programmstart berichtete Frau Vera Grämmel von der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe (OWL) zu Bielefeld. 160 Schülerinnen und Schülern haben in der Talentwerkstatt OWL aus 20 Berufen fünf auswählen können, die sie in praktischer Arbeit in den Werkstätten des Handwerkskammer-Bildungszentrums kennenlernten. Überraschend waren die Freude und das hohe Engagement, mit dem die Jugendlichen zwei Wochen lang diese für sie ungewohnte, achtstündige praktische Arbeit in den handwerklichen Berufen auf sich genommen haben. Es gab nicht - wie befürchtet - Fehlzeiten aufgrund mangelnder Motivation. Der Erfolg dieser ersten "Talentwerkstatt" hatte die Unterstützung eines privaten Sponsors und die Anmeldung weiterer 200 Schüler und Schülerinnen zur Folge.
Vera Grämmel
Ein besonderer Denkanstoß waren die Ausführungen von Frau Uta Fiedler vom Berufsbildungszentrum Siegen der IHK Siegen, die aufgrund eigener Erfahrungen mit jungen Menschen über die Erwartungen der Jugendlichen an das Verhalten der Erwachsenen und deren daraus resultierende Verantwortlichkeit sprach. Die von der IHK Siegen in Eigeninitiative durchgeführte Berufsorientierung umfasst inzwischen sämtliche Schulen des Kammerbezirks und steht vor der Ausweitung in andere Regionen in NRW.
Uta Fiedler
In der Diskussion nahmen praktische Fragen zur Durchführung der Berufsorientierung breiten Raum ein. Dabei ging es vor allem um die Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf die Praxistage und um Möglichkeiten der Kompetenzerfassung. Herr Markus Bretschneider, BIBB, stellte den im Auftrag des BMBF entwickelten "Profilpass für junge Menschen" vor, ein Verfahren zur Persönlichkeitsdarstellung und Kompetenzermittlung, das den jungen Menschen möglichst durch sein gesamtes Leben begleiten soll und auch die vielfältigen, informell erworbenen Kompetenzen einbezieht. Frau Sabine Seidel, Institut für Entwicklungsplanung und Sozialforschung (ies), Hamburg, und Frau Renate Söffing vom ProfilPASS-Dialogzentrum Lernende Region-Netzwerk, Köln, erläuterten Handhabung und Hilfestellung für das Lehrpersonal bei der Anwendung des Profilpasses.
Markus Bretschneider
Ein wichtiges Thema beim Erfahrungsaustausch waren Fragen der Organisation der Berufsorientierung, wobei in einzelnen Regionen insbesondere die Finanzierung durch Dritte (Land, Kommune, Wirtschaft u.a.) noch Schwierigkeiten bereitet. Absprachen mit den einzelnen Bundesländern und die mögliche Aufnahme von Fördermittel in die jeweiligen Landeshaushalte wurden als eine Lösung genannt, die Werbung bei Eltern, Wirtschaftsverbänden und privaten Stiftungen um Unterstützung als eine weitere.
Diskutiert wurde ferner die Rekrutierung von Schülerinnen und Schülern für die Berufsorientierungsmaßnahmen. Die Initiative liegt - soweit Fördermittel beantragt werden - bei den Berufsbildungsstätten, dennoch können Schulen durch eigene Aktivitäten dazu beitragen, dass möglichst viele Jugendliche erreicht werden. Herr Hans-Peter Schäfer von der Handwerkskammer zu Köln, und Herr Ludger Reiberg vom Schulamt für die Stadt Köln stellten mit "Pro Praxis" ein beispielhaftes Kooperationsprojekt Wirtschaft - Schule vor und boten ihr Know-How an.
Vortragender: Hans-Peter Schäfer
Ludger Reiberg
Im Hinblick auf eine möglichst nachhaltige Wirkung des Programms bei den Jugendlichen wurde empfohlen, den Einstieg in die Berufsorientierung möglichst früh zu fördern. Herr Horst Fraas, Vertreter des IHK-BildungsZentrums Südlicher Oberrhein GmbH, stellte Bedeutung und Erfolg von Maßnahmen vor, die mit Kindern ab der 5. Klasse - gefördert durch die Bundesagentur für Arbeit und den Europäischen Sozialfonds - durchgeführt wurden. Die positiven Wirkungen und die Verbesserung der schulischen Leistungen sind bei einem frühen Beginn - wie Herr Fraas darlegte - nachzuweisen.
Horst Fraas
In der Diskussion wurde ferner angeregt, Auszubildende in Form von speziellen Patenschaften in die Berufsorientierung von Schülerinnen und Schülern einzubeziehen, um das Lernen von Gleichaltrigen zu fördern und soziales Verhalten zu üben. Betriebe sehen offenbar hierin mehrheitlich keinen Missbrauch der Ausbildung, sondern sind stolz auf die Leistung "ihrer" Azubis.
Ein weiterer Gegenstand des Erfahrungsaustauschs waren Notwendigkeit und Umfang sozialpädagogischer Betreuung sowie die Erreichbarkeit von Jugendlichen aus ländlichen Regionen. Frau Dr. Ulrike Geiger vom BMBF stellte hierzu klar, dass sich das Berufsorientierungsprogramm an einen breiten Adressatenkreis wende, weshalb die Berufsbildungsstätten auch auf weiter entfernte Schulen zugehen sollten. Das BMBF schließe bei den vom ihm geförderten Berufsorientierungsmaßnahmen die Beteiligung von Sozialpädagogen/innen insbesondere bei der Kompetenzfeststellung nicht gänzlich aus. Nicht förderfähig sei jedoch die Schaffung zusätzlicher Dauerstellen für Sozialpädagogen/innen.
Dr. Ulrike Geiger
Alle Expertinnen und Experten äußerten den Wunsch, den Erfahrungsaustausch fortzusetzen. Frau Dr. Heike Niemann, die seit dem 01.09.2008 im BIBB die wissenschaftliche Begleitung des Berufsorientierungsprogramms übernommen hat, wird die Vernetzung der Akteure untereinander und mit dem BIBB übernehmen. Sie wird gute Beispiele aus der Praxis sammeln und kommunizieren und steht für Fragen zur inhaltlichen Gestaltung der Berufsorientierung und Anregungen zur Verfügung.
Dr. Heike Niemann
Sie ist erreichbar unter:
Dr. Heike Niemann
Bundesinstitut für Berufsbildung
Arbeitsbereich 3.4
Robert-Schuman-Platz 3
53175 Bonn
Tel.: 0228/107-2034
Fax: 0228/107-2957




