Print version Recommend this page VFH - Virtuelle Fachhochschule und Chronologie
Prof. Dr. Rolf Granow
Hintergrund und Rahmenbedingungen
Die zunehmende Globalisierung der Wirtschaft seit Beginn der 90er Jahre und die rasante Entwicklung im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien veränderte den internationalen Bildungsmarkt und eröffnete Potenziale für die innovative Nutzung des Internets im Hochschulbereich. Ziel der BMBF-Förderung des Leitprojekts "Virtuelle Fachhochschule" war es, die Möglichkeiten zur Nutzung von Multimedia und Internet für das Lernen und den Zugang zu Information und Wissen an deutschen Fachhochschulen auszuloten. Es galt, die Aktivitäten in der Nutzung der neuen Medien zu bündeln, den internationalen Anschluss an die anderen Industrienationen nicht zu verlieren und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Fachhochschulen bzw. des gesamten Hochschulwesens auf einem sich internationalisierenden Bildungsmarkt zu verbessern und auszubauen.
Projekt "Virtuelle Fachhochschule"
Parallel war seit Mitte der 90er Jahre an deutschen Hochschulen ein stark nachlassendes Interesse an technischen Studiengängen zu verzeichnen. Diese Entwicklung betraf insbesondere Fachhochschulen mit ausgeprägt ingenieurwissenschaftlichem Profil wie die Fachhochschule Lübeck. Angesichts dramatisch zurückgehender Studierendenzahlen in allen technischen Studiengängen wurde dort 1997 auf Veranlassung des Rektorates eine fachbereichsübergreifende Task-Force gebildet, deren Aufgabe darin bestand, durch systematische Nutzung von Internet und Multimedia neue Studierendenpotenziale für die Hochschule zu erschließen. Damit sollte ein Beitrag geleistet werden, Existenz und Wettbewerbsfähigkeit der Hochschule zu sichern.
Vor diesem Hintergrund wurde das Projekt Virtuelle Fachhochschule konzipiert. Die neuen Medien erschienen als tragfähige Technologieplattform, um Studierende auch außerhalb der Region und des traditionellen Präsenzstudiums zu erreichen.Die Praxisorientierung von Fachhochschulen eröffnet dabei Wettbewerbsvorteile gerade im Bereich des berufsbegleitenden Studierens, welches in weit höherem Maße einen Bezug des Wissenserwerbs zur eigenen beruflichen Situation der Studierenden erfordert, als es bei Schulabgängern/-innen der Fall ist, die die überwiegende Zahl der Präsenzstudierenden bilden. Deshalb war es erklärtes Ziel der Initiative Virtuelle Fachhochschule, Online-Studiengänge zu konzipieren, zu entwickeln und zu implementieren, die es Studierenden ermöglichen, sich auf hohem Niveau wissenschaftliche Qualifikationen zu erarbeiten und über das Internet anerkannte akademische Abschlüsse zu erlangen.
Eine wichtige Basis des Projektes Virtuelle Fachhochschule war die hochschulübergreifende Zusammenarbeit im Verbund. Eine Hochschule allein hätte die hohen Entwicklungskosten für Online- Studiengänge nicht tragen können, und auch eine hochschulübergreifende Nutzung solcher Bildungsangebote wäre ohne Kooperationen nicht realisierbar gewesen. Im Verbund wurden die verschiedenen Erfahrungen der Hochschulen mit dem Ziel der Bereitstellung von Online-Fernstudiengängen gebündelt und bildeten die Grundlage für weitere Innovationen.
Die Erfahrung, dass gemeinsam entwickelte Studiengänge erfolgreich an mehreren Hochschulen unterschiedlicher Bundesländer implementiert werden können, ist ein bedeutender Meilenstein in der deutschen Hochschullandschaft. Die FH Lübeck ergriff 1997 die entsprechende Initiative,die Idee einer gemeinsamen "Virtuellen Fachhochschule" umzusetzen. Bereits 1996 zeigte eine Studie des BMBF, dass sich die Fachhochschulen offener bei der Adaption der neuen Medien verhalten als Universitäten.
Das Leitprojekt hat gezeigt, dass es möglich ist, Online-Studiengänge in einem länderübergreifenden Verbund von Hochschulen zu implementieren und ihren Betrieb auf Dauer anzulegen und zu finanzieren. Insofern hat es die Anschubfinanzierung des Bundes ermöglicht, innovative Entwicklungen zu initiieren, die zu einer Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der beteiligten Hochschulen und Länder im Bereich der wissenschaftlichen Aus- und Weiterbildung geführt haben. Sie hat exemplarisch gezeigt, wie Hochschulkooperationen gestaltet, wie Online-Studienangebote betrieben werden können und die Gestaltung von anspruchsvollen internetbasierten, multimedial unterstützten Lehr- und Lernszenarien umgesetzt werden kann.
Diese Beiträge zur Entwicklung des Online-Fernstudiums sind national wie international anerkannt und haben bereits zur Gründung vergleichbarer internationaler Hochschulkooperationen geführt. Die beteiligten Hochschulen des Verbundes gehören inzwischen zu den wichtigen Anbietern von Online-Lehre auf Hochschulniveau und haben auf der Grundlage des Projektes vielfältige weitere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten entfaltet.
Es ist den beteiligten Hochschulen gelungen, sich durch das Internet zusätzliche Studierende im Bereich des berufs- und lebensbegleitenden Lernens zu erschließen und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit auch auf Landesebene auszubauen. Damit hat das Projekt nicht nur in hohem Maße zur Weiterentwicklung von E-Learning beitragen können und wissenschaftliche Fragestellungen in diesem Zusammenhang bearbeitet, sondern auch unmittelbar die Ergebnisse bis zur praktischen Einsatzreife an den Hochschulen gebracht und dort nahtlos umgesetzt.
Die ersten Absolventen des Online-Studiengangs Medieninformatik haben dieses anspruchsvolle Studium noch während der Projektlaufzeit im Oktober 2004 mit sehr guten Resultaten abschließen können. Die inzwischen vorhandenen umfangreichen Studien- und Prüfungserfahrungen haben gezeigt, dass das Online-Studium an der Virtuellen Fachhochschule praxisbezogene wissenschaftliche Qualifikation auf hohem Niveau vermittelt. Die Studienleistungen der Online-Studierenden halten jedem Vergleich mit denen im Präsenzstudium stand. Dieses ist sicherlich in starkem Maße auf die hohe Motivation der Online-Studierenden zurückzuführen, denen das Internet die Möglichkeit eröffnet, neben Beruf und Familie ein Studium zu absolvieren und die erhebliche Zeit zu investieren.
Somit konnten neue Zielgruppen für die akademische Aus- und Weiterbildung gewonnen werden. Mit der im Projekt entwickelten oncampus-Methode und den damit verknüpften Entwicklungsprozessen wurden neue didaktische Szenarien zur Vermittlung von Wissen auf Hochschulniveau mittels Internet und Lernraum entwickelt. Außerdem hat das Projekt belegt, wie eine arbeitsteilige Struktur von Hochschulen in einem Verbund Studiengänge anbieten kann.
Das Projekt VFH hat durch seine innovativen Ansätze bei der Umsetzung und Durchführung von hochwertigen E-Learning-Angeboten eine Vorreiterrolle in der Bundesrepublik übernommen und wird diese auch in Zukunft weiter ausbauen. Die organisatorische und technische Durchführung der Studienangebote wurde im Jahr 2004 der oncampus GmbH übertragen, einer Ausgründung zur nachhaltigen Verwertung der Projektergebnisse, die neben dem Betrieb der Online-Studiengänge des Verbundes VFH insbesondere die Verwertung der Projektergebnisse im Rahmen modularer Weiterbildung zur Aufgabe hat.

Startseite des Portals oncampus

Der Hochschulverbund
Virtuelle Fachhochschule
und seine assoziierten Partner
Konzeption und Finanzierung der Studiengänge
Das Konzept der Online-Studiengänge sah von Anfang an vor, den Studierenden nicht nur multimedial aufbereitete Lernmaterialen zur Verfügung zu stellen, sondern der Betreuung durch Hochschullehrer/- innen und Mentoren/-innen sowohl im Netz als auch in begleitenden Präsenzphasen eine erhebliche Bedeutung zukommen zu lassen, um die Studiengangsziele effektiv und effizient zu erreichen. Wenngleich der Stellenwert dieser Betreuung in der Antragsphase noch unterschätzt wurde, zeigten die Untersuchungen zum state-ofthe- art im E-Learning im ersten Projektjahr sehr deutlich, dass der Studienerfolg wie auch die Abbrecherquoten im Online-Studium maßgeblich von der Betreuungsqualität abhängen. Die eigenen Erfahrungen im praktischen Studienbetrieb seit 2001 haben diese Bewertung inzwischen voll und ganz bestätigt.
Bereits im Antrag war vorgesehen, dass in der Konzeption des Online-Studiums das Studieren im Netz mit Präsenzphasen an den Hochschulen geeignet kombiniert werden, um die Qualifikationsziele der Studiengänge mit der gleichwertigen Entwicklung fachlicher, methodischer und sozialer Befähigungen effizient zu erreichen. Ausgehend von der Analyse bestehender internationaler Erfahrungen und den Anforderungen der Zielgruppe von Studierenden, die ein Studium parallel zu Beruf und Familie suchten, wurde ein Konzept gewählt, nach dem ca. 80 % der Arbeitsbelastung der Studierenden als betreutes Selbststudium über das Internet absolviert werden sollten und ca. 20 % durch ergänzende Präsenzphasen an den Hochschulen. Um berufsbegleitend zu sein, sollten die Präsenzveranstaltungen an den Wochenenden am Freitag und Samstag stattfinden.
Aus dem Projekt heraus hat sich 2001 der Hochschulverbund Virtuelle Fachhochschule (VFH) gebildet, dem derzeit sieben Fachhochschulen aus sechs Bundesländern, sowie drei assoziierte Partner angehören. Der Hochschulverbund VFH ist durch Vertrag der beteiligten Fachhochschulen entstanden, der auf Dauer geschlossen ist. Die Mitglieder des Verbundes sind:
- Fachhochschule Lübeck,
- Technische Fachhochschule Berlin,
- Fachhochschule Brandenburg,
- Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel,
- Hochschule Bremerhaven,
- Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven,
- Fachhochschule Stralsund.
Die Mitglieder des Hochschulverbundes haben sich im Verbundvertrag verpflichtet, die im Projekt entwickelten Online-Studiengänge bei sich einzurichten und sich gegenseitig die Rechte an den Modulen der Studiengänge zu definierten Bedingungen einzuräumen sowie für die laufende Aktualisierung der Inhalte Sorge zu tragen. Der Hochschulverbund hat die Verantwortung übernommen, die eingesetzten Studienmodule für die Studierenden bereitzustellen und zu aktualisieren, sowie die Aufgabe, das Spektrum der neuen online-basierten Studiengänge gemeinsam zu erweitern.
Der Verbund ist eine dezentrale Organisation ohne eigene Rechtspersönlichkeit. Er koordiniert sich über eine Verbundgeschäftsführung (FH Lübeck) und eine 0,25-Stelle für die Gremienbetreuung (TFH Berlin). Die Verbundgeschäftsführung finanziert die FH Lübeck aus eigenen Mitteln, die Gremienbetreuung an der TFH Berlin wird aus den Einnahmen des Verbundes finanziert, die ihm aus den Beiträgen der assoziierten Partner entstehen. Alle weiteren Dienstleistungen für die Verbundorganisation werden durch die oncampus GmbH erbracht:
- Betrieb des hochverfügbaren Lernraumsystems,
- Betrieb der Informationsplattform www.oncampus.de,
- Bereitstellung der Studienmodule im Lernraumsystem,
- Organisation der Kurse,
- Abrechnung und Verteilung der Medienbezugsgebühren,
- Vorbereitung der Einnahmen-/Ausgabenrechnung
für den Verbund.
Die oncampus GmbH erhält hierfür 20 % der Einnahmen aus den eingenommenen Medienbezugsgebühren. Hierüber wurde ein Vertrag mit den Hochschulen des Verbundes Ende 2003 geschlossen, so dass ein reibungsloses Weiterführen des laufenden Studienbetriebs auch nach Auslaufen der Projektförderung für diese Aufgaben gewährleistet war.
Online-Studiengang Medieninformatik
Bereits unmittelbar nach Projektstart fiel die Entscheidung, den Studiengang als Bachelor-/Master- Programm zu konzipieren und zu entwickeln. Er ist konsekutiv aufgebaut, der Bachelor-Studiengang hat 180 cps ECTS (3 Jahre Vollzeitäquivalent), der Master-Studiengang hat 120 cps ECTS (2 Jahre Vollzeitäquivalent).
In die Curriculum-Entwicklung waren alle Hochschulen eingebunden, die an der Entwicklung des Studiengangs beteiligt waren, um die vorhandenen Kompetenzen optimal zu bündeln. Es war vorgesehen, dass alle anbietenden Hochschulen später dieselben Module nutzen, so dass eine länderübergreifende Standardisierung der Stoffpläne im ersten Projektjahr erforderlich wurde. Diese Arbeiten erfolgten zunächst durch das Teilvorhaben selbst, verlagerten sich mit der Bildung des Fachausschusses jedoch zunehmend dorthin, da über den Fachausschuss die Zusammenarbeit mit den Fachbereichen und den Hochschulleitungen organisiert war, die letztendlich für die Einführung der Studiengänge zuständig waren.
Mit zunehmender Konkretisierung des Studiengangs wurde die Einbeziehung der Fachbereiche immer relevanter, so dass der Fachausschuss dann im Jahr 2000 neu konstituiert und nunmehr aus den Dekanen und Studiengangsverantwortlichen gebildet wurde, die an den beteiligten Hochschulen die Verantwortung für Einführung und Durchführung des Studiengangs trugen.
Der Bachelor-Studiengang Medieninformatik wurde für den Hochschulverbund VFH durch die ASIIN akkreditiert, dort ist auch die Akkreditierung des Masterstudiengangs beantragt.Aus der Akkreditierung heraus ergaben sich verschiedene Hinweise zur Weiterentwicklung des Studiengangs. Entsprechend dem Meilensteinplan des Startberichtes konnte der Bachelor-Studiengang termingerecht Ende 2001 produktiv gestartet werden. Nach weiteren drei Jahren wurde dann auch der konsekutive Masterstudiengang termingerecht zum Wintersemester 2004/2005 gestartet, so dass die ersten Bachelor-Absolventen, die ihr Studium in der Regelstudienzeit beendet hatten, ohne Verzögerung weiter studieren konnten.
Online-Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen
Der Online-Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen wurde zunächst als Diplom-Studiengang mit acht Semestern Regelstudienzeit geplant. Es war lange Zeit umstritten, ob es sinnvoll sei, einen solchen interdisziplinären Studiengang als Bachelor- Studiengang zu gestalten. Erst im Jahr 2001 erfolgte auf Initiative des Projektbeirates, der sich die beteiligten Länderministerien anschlossen, die Entscheidung, dieses Konzept doch auf einen Bachelor- Abschluss umzustellen und die Qualifizierungsziele und das Curriculum entsprechend anzupassen.
Um den komplexen Anforderungen eines interdisziplinären Studiengangs zwischen Technik und Wirtschaft Genüge zu tragen, ist der Studiengang mit 240 cps ECTS, das entspricht acht Semestern Regelstudienzeit im Vollzeitstudium, konzipiert. Zum Masterabschluss soll dann der Übergang in einen zweisemestrigen MBA-Studiengang erfolgen können, sodass die Struktur eines mit der Bologna- Erklärung konformen gestuften Studiums erhalten bleibt. Diese recht späte Neukonzeption führte dazu, dass der Studienbetrieb nicht Ende 2001, sondern erst im Wintersemester 2002 aufgenommen wurde. Hinsichtlich Konzeption und Implementierung gilt das für die Medieninformatik dargestellte Vorgehen analog. Die Akkreditierung des Studiengangs für den Verbund ist bei der FIBAA beantragt.

Aufbau des Onlinestudiums
Medieninformatik

Präsenzphase im
Online-Studiengang
Wirtschaftsingenieurwesen

Messepräsenz der VFH
Online-Weiterbildung
Mit der erfolgreichen Gründung des Hochschulverbundes und der dauerhaften Implementierung der Online-Studiengänge wurde auch die Verwertung der Projektergebnisse in der Weiterbildung sinnvoll. Auf Anregung des Projektbeirates wurde ab 2002 das Konzept einer Verwertungsgesellschaft aufgegriffen.
Als Informationsplattform für die Studiengänge diente bereits seit 2000 das Portal oncampus.de. So lag es nahe, auch die Verwertungsgesellschaft als oncampus GmbH zu gründen. Eckpunkte des Gesellschaftskonzeptes bildeten:
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- Die Gesellschaft wird mit einem Grundkapital von 25.000 Euro gegründet,
- Gesellschafterinnen werden ausschließlich Hochschulen des Verbundes VFH,
- für die Anschubfinanzierung stellen die Gesellschafterinnen der Gesellschaft Leistungen bereit, die sie aus anderen Drittmittelprojekten
finanzieren, die für diesen Zweck eingeworben werden, - die Gesellschaft bietet ausschließlich wissenschaftliche E-Learning-Kurse an, die sie im Namen von Hochschulen vertreibt und organisiert,
- neben den Modulen der VFH-Studiengänge wird die Gesellschaft auch kostenpflichtige weiterbildende Masterstudiengänge anbieten, die die Gesellschafterinnen bei sich entwickeln,
- die Gesellschaft vermarktet ebenfalls die im Hochschulverbund bereits verfügbaren E-Learning-Services (Lernraumbetrieb, Informationsportal, Kursorganisation).
Mit diesen Rahmenbedingungen wurden Geschäftsplan und Gesellschaftsvertrag der oncampus GmbH erarbeitet und abgestimmt. Die Gesellschaft wurde dann entsprechend diesem Konzept Ende 2003 gegründet, zunächst durch die FH Lübeck als Einzelgesellschafterin. Die spätere Aufnahme weiterer Gesellschafterinnen ist vorgesehen.
Seit dem Jahr 2004 erbringt die Gesellschaft für den Hochschulverbund VFH den technischen und organisatorischen Studienbetrieb. Seit 2005 erbringt sie diese Art von E-Learning-Services auch für den internationalen Hochschulverbund "Baltic Sea Virtual Campus (BSVC)", um dadurch zusätzliche Deckungsbeiträge zu erwirtschaften.
Seit dem Wintersemester 2003/2004 bietet die Gesellschaft Module der VFH-Studiengänge für die modulare Weiterbildung an. Dieses erfolgt im Auftrag der Hochschulen und es ist möglich, bei erfolgreichem Abschluss eines Moduls Leistungspunkte zu erhalten, die bei Aufnahme eines Studiums später verbindlich angerechnet werden können. Ebenso wurden komplexere Hochschulzertifikate definiert, die in der Regel ca. sechs Module umfassen. Diese Zertifikate werden im Bereich der Informatik seit dem Wintersemester 2004/ 2005 angeboten, im Wirtschaftsingenieurwesen sind sie für das Wintersemester 2005/2006 vorgesehen. Mit diesem Weiterbildungskonzept erreicht oncampus eine neuartige Durchlässigkeit von Weiterbildung und Studium, die in dieser modularen Struktur bislang noch nicht existierte und wesentlich zur Wettbewerbsfähigkeit der Gesellschaft beiträgt soll. Im Wintersemester 2004/2005 haben knapp 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diese Weiterbildungsangebote genutzt, im Sommersemester 2005 waren es über 150.
Aus dem Projekt VFH konnten keine weiterbildenden Masterstudiengänge entwickelt werden. Um trotzdem in diesem Marktsegment agieren zu können, vertreibt die oncampus GmbH Online-Masterstudiengänge, die zum VFH-Konzept passen und im Rahmen anderer Projekte entwickelt wurden. Seit dem Wintersemester 2004/2005 bietet oncampus den internationalen Masterstudiengang "Industrial Engineering (MSc)" an, im Wintersemester 2005/2006 wird der ebenfalls internationale Masterstudiengang "Transregional Management" das Produktportfolio erweitern. Für 2006 ist dann ein Masterstudiengang "Health Care Management (MBA)" geplant. Ebenso gibt es inzwischen ernsthafte Bemühungen, unter teilweiser Nutzung von VFH-Master-Modulen ein Angebot im Bereich der Wirtschaftsinformatik aufzubauen.
Umsetzung des Projektvorhabens
Die Koordination des Gesamtprojektes erfolgte durch die Projektleitung (PL), die Projektgeschäftsführung (PGF) und das Projektmanagement (PM). Das Projektmanagement der VFH setzte sich aus dem Projektleiter, seinem Stellvertreter und den Leiter/innen der Teilvorhaben zusammen. Im Projektmanagement wurden alle projektrelevanten Entscheidungen getroffen. Es stellte das oberste Entscheidungsgremium des Projektes dar. Das Projektmanagement (PM) tagte in der Regel alle ein bis zwei Monate. Fanden die Sitzungen zunächst noch in Präsenz statt, so wurden sie ab 2001 fast ausschließlich als verteilte Videokonferenzen mit drei bis vier Standorten organisiert. Bedingt durch die verteilte Arbeitsweise an verschieden Standorten war ein hoher Kommunikationsaufwand erforderlich, um das Projekt zum Erfolg zu begleiten.
Die Einbindung der Hochschulen in das Projekt erfolgte über die so genannte "Rektorenrunde", in der die Hochschulleitungen des Projektkonsortiums vertreten waren. Sie tagte bis zur Gründung des Hochschulverbundes im Jahr 2001 und wurde dann durch die Versammlung der Verbundhochschulen weitergeführt. In dieser Runde erfolgte die Information der Hochschulleitungen über die Projektergebnisse; sie befasste sich mit dem Konzept des Hochschulverbundes und bereitete die Umsetzung der Online-Studiengänge an den Hochschulen vor. In der Rektorenrunde wurden dazu insbesondere Fragen der Konzeption, Organisation und Finanzierung des Hochschulverbundes diskutiert und beraten. Auch wurde hierüber die Abstimmung mit den beteiligten Ländern organisiert.
Der Beirat war maßgeblich daran beteiligt, auch das Wirtschaftsingenieurwesen als Bachelor- statt als Diplom-Studiengang zu gestalten, begleitete mit seinen Stellungnahmen den Prozess der Einführung von Bachelor-/Master-Studiengängen an Fachhochschulen insgesamt und drang auf Maßnahmen zur Sicherung der Akzeptanz für diesen Änderungsprozess.
Mit Abschluss des Projektes haben die Hochschulen des Verbundes VFH den Beirat gebeten, ihnen auch in Zukunft beratend zur Seite zu stehen. Die Beiratsmitglieder sind diesem Wunsch gern gefolgt. Die konstituierende Sitzung des Verbundbeirates fand Anfang 2005 statt.
Neben der projektinternen Kommunikation fand ein breiter öffentlicher Erfahrungsaustausch statt durch die Präsenz des Projektes auf Kongressen, Messen und Tagungen. Regelmäßig berichteten Projektmitglieder über die erzielten Fortschritte und Ergebnisse auf der Learntec in Karlsruhe und auf der Online Educa in Berlin. Das Projekt war dort jeweils auf den Ständen des Projektträgers präsent. Seit dem Start der Online-Studiengänge verfügte das Projekt über einen eigenen Messestand, um eine noch breitere Öffentlichkeit z. B. auf den Hannover- Messen oder verschiedenen Bildungsmessen zu informieren.
Verwertung der Projektergebnisse
Der Verwertungsplan wurde durch die Projektleitung erstellt und mit Zuwendungsgeber und Projektträger sowie dem Beirat abgestimmt. Es wurden die Kosten- und Finanzierungsstrukturen für den dauerhaften Betrieb der grundständigen Studiengänge ebenso erarbeitet wie die Geschäftsplanung für die Verwertungsgesellschaft oncampus GmbH.
Die Verwertung der Projektergebnisse wurde im Projekt nicht nur konzipiert, sondern auch vorbereitet und umgesetzt. Gerade das Schaffen von Strukturen für die Verwertung gehört zu den lang dauernden Prozessen. Deshalb begannen diese Aktivitäten bereits im ersten Projektjahr und wurden kontinuierlich weitergeführt. So konnte es gelingen, die Verwertung der Ergebnisse in Form von Regelstudienangeboten schon zur Halbzeit des Projektes sicher zu stellen, indem der Hochschulverbund VFH gegründet wurde und die Verbundhochschulen die Implementierung und Finanzierung der Online-Studiengänge jeweils für sich verbindlich betrieben.
Für die dauerhafte Finanzierung der fortlaufenden Modulaktualisierung stellte die Einführung von Medienbezugsgebühren für die grundständigen Studienangebote einen wesentlichen Meilenstein dar, der im Zusammenwirken mit den Hochschulen und deren Ländern zu lösen war, da vor Ort die Rechtsgrundlagen für einheitliche Gebühren bzw. Entgelte zu schaffen waren. Dieses Ziel wurde im Sommersemester 2002 erreicht.
Für die Verwertung in der Weiterbildung lag der Schwerpunkt der Aktivitäten in der Folgezeit darauf, die Verwertungsgesellschaft oncampus GmbH für den Verbund zu konzipieren, zu gründen und ihre Geschäftstätigkeit aufzunehmen.
Die erstmalige Nutzung der Projektergebnisse erfolgte bereits während der Projektlaufzeit. Die ständig steigenden Bewerberzahlen zeigen, dass die Idee eines Online-Studiums akzeptiert wird, wobei insbesondere technikaffine jüngere Menschen diese Möglichkeit aufgreifen. Die in den ersten Durchläufen zur Verfügung gestellten Studienplätze konnten voll ausgelastet werden. Die Bewerberzahlen für die beiden VFH-Studiengänge und anderer virtueller Studiengänge bestätigen diesen Trend.
Im Sommersemester 2005 sind über 1.000 Studierende in den Online-Studiengängen des Hochschulverbundes VFH eingeschrieben. Der Anteil der weiblichen Studierenden beträgt insgesamt 23%. Im Schnitt belegen sie drei bis vier Studienmodule je Semester (im Vollzeitstudium sind sechs Module je Semester zu belegen). Die Abbrecherquoten liegen bislang unter denen der vergleichbaren Präsenzstudiengänge, die Prüfungsergebnisse waren bislang in keinem Fall schlechter als bei den Präsenzstudierenden, in der Regel sind sie besser.
Seit 2003/04 werden erste Studienmodule des VFHVerbundes über die oncampus GmbH in der Weiterbildung als betreute Einzelmodule oder Modulpakete angeboten. Im Wintersemester 2004/2005 nutzten 94 Studierende diese Angebote, im Sommersemester 2005 sind es 154 Studierende. Das Angebot der Studienmodule wird marktgerecht ständig erweitert. Einen deutlichen Nachfrageschwerpunkt bilden Studienmodule zu betriebswirtschaftlichen und Management-Themen.
Vernetzung mit Nachfolgeprojekten
Bereits im Vorfeld des Projektes gab es Überlegungen, E-Learning für den Aufbau von deutschschwedischen Hochschulkooperationen zu thematisieren, um eine stärkere regionale Vernetzung zu erreichen. Der Strukturansatz des Leitprojektes überzeugte die schwedischen Partner, und so gaben bereits im Projektantrag die Universität Lund und andere Hochschulen der südschwedischen Region Skane wie auch die Regierung der Region selbst Absichtserklärungen und Interessensbekundungen ab, mit dem Projekt kooperieren zu wollen und gemeinsam neue Lerntechnologien für den Aufbau einer Informationsgesellschaft erproben und nutzen zu wollen.
Die Universität Lund und die Fachhochschule Lübeck ergriffen dann ab 1999 die Initiative zum Aufbau einer Ostseekooperation, deren vorrangiges Ziel es war, E-Learning zu nutzen, um Regionalentwicklung und Vernetzung der Regionen voran zu treiben. Die beiden Hochschulen unterzeichneten hierzu ein Kooperationsabkommen, welches durch eine Vereinbarung der Landesregierungen von Skane und Schleswig-Hostein bekräftigt wurde. Es zeigte sich bald, dass es sinnvoll ist, Hochschulen und Regionen aus dem gesamten Ostseeraum für diese Ziele zu gewinnen, um E-Learning-Angebote auf international wettbewerbsfähigen Niveau gemeinsam zu entwickeln und zu nutzen. Das transnationale Hochschulkonsortium wurde seit dem Jahr 2000 aufgebaut und umfasst heute zwölf Hochschulen aus Deutschland, Schweden, Dänemark, Finnland, Polen, Litauen, Lettland und Russland.
Daraus entstand das Projekt "Baltic Sea Virtual Campus (BSVC)", welches mit Förderung aus dem Interreg IIIb-Programm der Europäischen Union von 2002 bis 2005 durchgeführt werden konnte. Analog dem Leitprojekt VFH wurde aus dem Projekt heraus Mitte 2004 der auf Dauer angelegte Hochschulverbund BSVC durch Vertragsschluss der beteiligten Hochschulen gegründet. Ende 2004 konnte dann der erste aus diesem Projekt hervorgegangene Masterstudiengang "Transregional Management" starten.
Für den Aufbau des Hochschulverbundes BSVC konnte in umfangreichem Maße auf die Ergebnisse des Leitprojektes VFH zurückgegriffen werden. Das galt sowohl für die Grundsätze von Strukturbildung, Organisation und Finanzierung als auch für die eingesetzten Lehr- und Lernszenarien und deren Technologien. Dabei wurde ein sehr fruchtbarer Erfahrungsaustausch zwischen den deutschen und den skandinavischen Ansätzen in der Gestaltung von Online-Kursen initiiert, der Anlass zur Weiterentwicklung der Didaktik von Online- Kursen gibt.
Ende 2004 schlossen die Universität Lund und die Fachhochschule Lübeck dann ein erneutes Strategieabkommen mit dem Ziel
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ihre Forschungsaktivitäten im E-Learning-Bereich zu koordinieren und zu bündeln,
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gemeinsam die regionalen Gesundheitsinitiativen durch E-Learning zu unterstützen,
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die jeweiligen Vermarktungsaktivitäten für E-Learning-Angebote zu koordinieren.
Seit 2005 haben die Ausgründungen Lund Education AB und oncampus GmbH eine strategische Partnerschaft aufgebaut, die sich zunächst auf das gemeinsame Angebot von E-Learning-Services bezieht, das für den Verbund BSVC erbracht wird, aber auch die gemeinsame internationale Vermarktung des Online-Masterstudiengang "Transregional Management" umfasst und weitere internationale Kooperationen vorsieht.
Auf regionaler Ebene realisiert die Fachhochschule seit 2002 das Projekt "Das Portal nach vorn - wissenschaftliche Online-Weiterbildung für Schleswig- Holstein". Dort werden in den Jahren 2003 bis 2005 umfangreiche Train-the-Trainer-Programme für Lehrende aller Hochschulen in Schleswig-Holstein angeboten, die Erfahrungen aus dem Leitprojekt VFH hinsichtlich Online-Betreuung, didaktischmethodischer Gestaltung von Online-Kursen und der Entwicklung von Online-Modulen in die Breite tragen. Diese Programme werden sehr gut angenommen und wurden bislang von mehr als 65 Teilnehmern/- innen genutzt.
Das Kooperationsprojekt der FH Lübeck mit der FH Flensburg "Intersectional Management in Health Care" entwickelt Online-Module auf Bachelor- Niveau im Bereich des Pflegemanagements unter Nutzung der Lübecker Produktionsumgebung. Ihre Vermarktung wird ebenfalls über die oncampus GmbH erfolgen.
Im BLK-Projekt "Health Care Management" entwickelt die FH Lübeck gemeinsam mit internationalen Partnern Module für einen Online-Studiengang "MBA in Health Care Management", die auch die Lübecker Produktionsstruktur nutzen und über die oncampus GmbH vermarktet werden.
So hat es nicht nur die FH Lübeck als Zuwendungsempfängerin erreicht, ihre Wettbewerbsfähigkeit als Hochschule durch Profilbildung regional und überregional auszubauen; dieses gilt auch für die anderen Hochschulen des Verbundes, die sich mit ihrer ausgewiesenen E-Learning-Kompetenz im Wettbewerb mit anderen Hochschulen erfolgreich profilieren konnten. Dies hat zu einer Vielzahl von Folgeaktivitäten geführt, insbesondere aber dazu, dass zusätzliche Mittel für den dauerhaften Betrieb der eingeführten Online-Studiengänge eingeworben werden konnten. Auf diese Weise konnten die Projektergebnisse und -erkenntnisse aus dem Leitprojekt VFH an verschiedenen Standorten in weiterführende Strukturen und Anschlussprojekte überführt werden.
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