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Basale
Stimulation ist ein Konzept zur Wahrnehmungs-
und Kommunikationsförderung. Es geht davon
aus, dass die Wahrnehmung bestimmter Patienten
- z.B. Bewusstlose, Desorientierte oder Hemiplegiker
durch elementare Anregungen entscheidend verbessert
werden kann. Um wahrnehmen oder kommunizieren
zu können, ist Bewegung nötig, d.h.
Fördern der Wahrnehmung fördert die
Bewegung. Einige Einblicke in die Basale Stimulation
gibt dieser Beitrag.
Basale
Stimulation geht davon aus, dass alle Aktivitäten
eines Menschen in Wechselbeziehung zueinander
stehen. Kommunikation, Bewegung und Wahrnehmung
werden im Zusammenspiel betrachtet. Besondere
Bedeutung erhält dabei die Körpereigenwahrnehmung.
Sie gibt Informationen über das Körper-Ich
(Körperselbstbild).
Wenn z. B. ein Mensch lange ohne Bewegung ist,
kann er seine Körperform nicht mehr eindeutig
wahrnehmen (Körperbildstörung).
In Studien ist festgestellt worden, dass die Wahrnehmung
sehr rasch abnimmt, wenn Bewegung fehlt. Kann
ich mich selbst nicht wahrnehmen, sind meine Gedanken
und Bemühungen stark darauf konzentriert,
mich selbst zu finden: Wo oder wie befinde ich
mich im Raum (liegend, sitzend oder stehend)?
Wo fange ich an, wo höre ich auf? Endet mein
Körper an den Füßen oder an den
Zehen? Nehme ich meine Füße nur noch
als Masse wahr und nicht als ein Gebilde mit fünf
Zehen?
Herkunft
des Konzepts
In
den 70er Jahren entwickelte der Sonderpädagoge
und Heilpädagogische Psychologe Prof. Dr.
Andreas Fröhlich das Konzept der Basalen
Stimulation zur Früh- und Wahrnehmungsförderung
für schwerst- und mehrfachbehinderte Kinder.
Die wohl wichtigste Erkenntnis war, dass über
den Körper dieser Kinder ein Zugang zu ihrer
Wahrnehmungswelt geschaffen werden konnte und
somit Kommunikation möglich wurde. Die Vermittlung
von Erfahrungen vollzog sich dabei nicht über
Sprache und Bild, sondern über Berührung,
Bewegung und unmittelbare Auseinandersetzung mit
der Umwelt.
Die
Krankenschwester und Diplom-Pädagogin Christel
Bienstein hat das Konzept der Basalen Stimulation
in den 80er Jahren aufgegriffen und in Abstimmung
mit Andreas Fröhlich auf die Pflege Erwachsener
übertragen. In enger Zusammenarbeit konnte
ein Pflegekonzept entwickelt werden, das in unterschiedlichen
Fachbereichen von der Neonatologie bis zur Gerontopsychiatrie
für eine patientenorientierte Pflege genutzt
werden kann.
Was ist Wahrnehmung?
Wahrnehmung
ist die sinngebende Verarbeitung von Reizen. Für
uns ist Wahrnehmung so selbstverständlich,
dass wir erst darüber nachdenken, wenn wir
in eine Situation geraten in der wir ihre möglichen
Grenzen erfahren, z. B. dermaßen konzentriert
arbeiten, dass wir herantretende Personen nicht
bemerken.
Damit
unser Gehirn die wahrgenommenen Reize verarbeiten
kann, sind unterschiedliche Informationen nötig.
Ein gleichbleibender Reiz führt zur Gewöhnung,
er kann nicht mehr differenziert verarbeitet werden.
Dies wird z. B. deutlich, wenn wir in einen Raum
kommen, der schlecht gelüftet ist, und die
im Raum befindlichen Personen dies nicht wahrnehmen.
Um Materialien oder Gegenstände wahrnehmen
zu können, brauchen wir Veränderungen,
wir müssen Unterschiede feststellen können,
wir brauchen Vergleiche und Grenzen, und um den
Reiz verarbeiten zu können, sind Pausen notwendig.
Die
Basale Stimulation orientiert sich an den Entwicklungsstufen
des Menschen, so wie er sie in seinem Entwicklungsprozess
ab der Embryonalzeit durchläuft. Innerhalb
der fünf Entwicklungsstufen lässt sich
die Wahrnehmung in sieben Bereiche
(Sinne) differenzieren.
Stufen
sensorischer Entwicklung
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In
der ersten Stufe werden die basalen Sinne
aufgebaut (basal (griech.)
= an der Basis/der Grundfläche befindlich):
Der somatische Sinn
betrifft Erfahrungen, die wir über unseren
Körper und unsere Haut machen. Die somatische
Stimulation soll Oberflächen und Grenzen
bewusst machen, der Mensch soll den eigenen
Körper spüren. Uns gibt z. B. die
Kleidung Informationen über unser Körperbild.
Der vibratorische Sinn
betrifft feine Schwingungen, die unser Körper
aufnimmt. Die vibratorische Stimulation ist
wichtig für die Wahrnehmung des Knochengerüstes,
sie gibt uns das Gefühl von innerer Stabilität.
Wir erfahren Vibrationen z. B. durch Gehen
oder durch unsere Stimme.
Der vestibuläre
Sinn betrifft unser Gleichgewicht.
Die vestibuläre Stimulation lässt
uns wahrnehmen, in welcher Position wir uns
im Raum befinden und wie wir uns bewegen.
Position und Bewegung unseres Körpers
können wir selbst mit geschlossenen Augen
wahrnehmen. Erfahrbar machen wir sie uns u.a.
durch Nicken und Drehen des Kopfes, Schaukeln
und Wiegen des Körpers.
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Die
zweite Stufe ist der oral-nasale
Sinn, er betrifft das Schmecken und
Riechen. Die oral-nasale Stimulation vermittelt
uns Genuss und beeinflusst auch unsere Emotionen
(Geruchssinn ist mit dem limbischen System
verbunden). Die Mund-Nasenzone ist sehr wahrnehmungsstark.
Bestimmte Gerüche rufen Erinnerungen
hervor, z. B. Vanille
Weihnachten, Pfefferminz
Erkältung. Ein gesunder Mensch wird durch
seine Mobilität mit den unterschiedlichsten
Gerüchen konfrontiert. Oral sammeln wir
unsere Erfahrungen, z. B. durch den Genuss
von Speisen und Getränken.
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Die
dritte Stufe ist der akustische
Sinn, er betrifft das Hören. Wir
nehmen im täglichen Leben eine Vielzahl
von Geräuschen wahr.
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Die
vierte Stufe ist der taktil-haptische
Sinn, er betrifft das Tasten und Fühlen.
Mittels taktil-haptischer Stimulation machen
wir uns unsere Umwelt durch aktives Fühlen
begreifbar. Hierzu benutzen wir in der Hauptsache
unsere Hände, aber auch Füße
und Mund. Wir erkennen z. B. mit tastenden
Händen auch im Dunklen bekannte Gegenstände.
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Die
fünfte Stufe ist der visuelle
Sinn, er betrifft das Sehen. Die visuelle
Stimulation soll uns helfen, unsere Umgebung
wahrzunehmen, z. B. Personen und Gegenstände
zu erkennen. Ein Sehender wird mit einer Vielzahl
von Eindrücken und Reizen konfrontiert.
Erwachsene
haben eine Vielzahl an unterschiedlichen Erfahrungen
der Sinne, auf die wir als Pflegende zurückgreifen
können. Dadurch gewinnt die Pflegeanamnese
als Hilfsmittel zur Umsetzung der Basalen Stimulation
an Bedeutung.
Es
gibt viele Kanäle, durch die ich mit einem
Menschen in Beziehung treten kann. Einer der wichtigsten
ist die Berührung. Berührung spielt
besonders bei stark wahrnehmungsgestörten
Menschen eine wesentliche Rolle bei der Kontaktaufnahme
und ist mitunter die einzige Möglichkeit
zur Kommunikation! Dabei haben die Hände
einen hohen Stellenwert, sie können zum Übermittler,
zum Sprachrohr werden und sind ein Medium, über
das die Kommunikation fließen kann. Die
Hände werden zum therapeutischen Mittel,
sie dienen als Werkzeug, vermitteln unser Tun.
Deshalb sollten Pflegende sich bewusst machen,
dass ihre Hände nicht rein funktionell arbeiten,
sondern dass sie bei dem Menschen, den wir berühren,
etwas auslösen.
Berühren und berührt werden beinhaltet
eine Vielzahl möglicher, oft widersprüchlicher
und gegensätzlicher Botschaften, wie Gefühle
von Nähe, Gehalten werden, Trost, Unterstützung
oder auch Angriff, Distanzverletzung u.a. Aus
diesem Grund ist die Qualität der Berührung
entscheidend. Aus Sicht der Basalen Stimulation
sollte eine Berührung - z. B. bei einer Pflegehandlung
- eindeutig, ruhig und flächig sein, was
bedeutet: Ich kündige mich durch einen klaren
Beginn (Begrüßung)
an. Dies kann ich durch Auflegen einer Hand an
der Schulter und über die Sprache tun. Während
des Kontaktes sollten meine Hände ruhig,
im Ganzen und flächig aufgelegt sein. Die
Finger werden dabei geschlossen gehalten. Die
Hände sollten einen gleichmäßigen
Druck ausüben und sich der Körperform
des Menschen anpassen. Während des Kontaktes
sollen keine Unterbrechungen stattfinden. Auch
das Ende der Berührung wird durch eine Verabschiedung,
Händedruck oder Auflegen einer Hand an der
Schulter verdeutlicht.
Fazit
für die Praxis
Beim
Lesen dieses Beitrags werden Sie festgestellt
haben, dass viele pflegerische Maßnahmen
bereits basal stimulierend durchgeführt werden.
Durch das bewusste Umsetzen des Konzepts der Basalen
Stimulation können wir die Pflege jedoch
qualitativ verbessern und zum Wohlbefinden und
zur Gesundung von Menschen entscheidend beitragen
bzw. deren Krankheitssituation angenehmer gestalten.
Sehr
wesentlich für die Ausführung der Basalen
Stimulation ist die Bereitschaft der Pflegenden,
sich mit dem Patienten und dessen Angehörigen
auseinander zu setzen und sich einzufühlen.
Erst dadurch wird es möglich, Fähigkeiten
des Patienten zu erkennen. Dabei wird eine entscheidende
Rolle spielen, inwieweit wir in der Lage sind,
trotz all der Hektik im Alltag unser Handeln bewusst
zu reflektieren und den pflegebedürftigen
Menschen als Ganzen wahrzunehmen.
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