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Die
Basis für geistige Leistungsfähigkeit beruht auf
der Funktion von Nervenzellen und Nervenverbindungen
(Synapsen) im Gehirn. Alter und Krankheit können
die geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.
Mit Fitnesstraining kann der Mensch nicht nur
seinen Körper, sondern auch seinen Geist beweglich
halten. Mentales Aktivierungstraining ist ein
Thema aus dem Spektrum Gesundheitsförderung ...
Mit
dem Ziel, die Leistungsfähigkeit von Geist und
Gedächtnis maximal zu nutzen, entstand mit dem
»Mentalen Aktivierungs-Training« (MAT) eine Methode,
die die Grundgrößen unserer Hirnleistung trainiert
und nicht, wie bei anderen Methoden, Wissen abfragt
oder neues Wissen vermittelt. Hierin unterscheidet
es sich ganz wesentlich von anderen Gedächtnistrainingsarten.
Im Rahmen des Gedächtnistrainings soll der Patient
die Möglichkeit erhalten, sich geistig zu aktivieren,
um »das Eigentliche« tun zu können. Was das Eigentliche
ist, hängt von den Lebenszielen und der gegenwärtigen
Lebenslage des Einzelnen ab.
Seit
1995 wird in der Schussental Klinik in Aulendorf
an einem Pflegekonzept »Gedächtnistraining« intensiv
gearbeitet. Die ersten Anstöße gaben Patienten,
die unter erheblichen Orientierungsproblemen litten.
Darunter ist folgendes zu verstehen: Störung zeitlicher,
örtlicher und situativer Orientierung, reduzierte
Informationsverarbeitung, Kurzzeitgedächtnisstörungen,
Lerndefizite.
Im
Alltag einer Fachklinik spielt die reduzierte
Informationsverarbeitung und die Kurzzeitgedächtnisstörung
eine besondere Rolle, da diese Defizite ohne entsprechende
Erfahrung der Pflegekräfte im Rahmen der Pflegeanamnese
oft nicht erkannt werden.
Durch
Pflegevisite Handlungsbedarf erkannt
Wir
wurden durch die Pflegevisiten für die Bedürfnisse
alter und orientierungsgestörter Menschen sensibler
und erkannten Handlungsbedarf. Im Rahmen der regelmäßigen
Patientenbefragungen erhielten wir auffallend
häufig folgende Anmerkungen:
-
fühlte
mich überfordert
-
fand
mich schlecht zurecht
-
die
ersten Tage waren schlimm
-
fühlte
mich auf meinem Zimmer allein - wollte nicht
klingeln
-
zu
viele Menschen im Speisesaal
-
weiß
gar nicht, was ich hier soll
-
wollte
am liebsten gleich wieder abreisen
....
Neben
den Pflegevisiten und den Patientenfragebögen
gaben uns Patienten ebenfalls Rückmeldungen bei:
dem Erstkontakt, dem Erheben der Pflegeanamnese,
der Wahrnehmung, der pflegerischen Sprechstunde,
im Stationsforum (ein Mal wöchentliche Zusammenkunft
aller Patienten eines Bereichs mit der zuständigen
Pflegekraft, um sich über Positives, Negatives
und Wünschenswertes auszutauschen), in themenzentrierten
Interaktionsgruppen (wöchentlich eine Stunde,
von Pflegekraft geleitet, Beispiele für Themen:
»Wie knüpfe ich Beziehungen?«, »Was bedeutet für
mich Krankheit/Gesundheit usw.?«).
In
allen Kontakten fiel den Pflegekräften ebenfalls
die schwierige Integration älterer Patienten auf.
Diese Patienten sprechen häufig von Orientierungsproblemen,
Gedächtnisstörungen, Merkschwächen, Konzentrationsproblemen.
Für die Mitarbeiter des Pflegeteams war dies Grund
genug, über das bestehende Pflegekonzept nachzudenken
und nach neuen Möglichkeiten zu suchen, Pflege
auch für diese Patienten bedürfnisgerechter zu
gestalten. Unser gemeinsam definiertes Ziel:
-
ältere
und orientierungsgestörte Patienten in den
Stationsablauf einbinden
-
Orientierungsprobleme
schon im Rahmen der Pflegeanamnese zu erkennen
-
den
Patienten kontinuierlich erleben können
-
eine
durch Verstehen geprägte Beziehung aufzubauen.
...
(Es) ... wurde (daraufhin) eine Veränderung des
gesamten Stationskonzeptes vorgesehen. Alle Pflegekräfte
sollten befähigt werden, Orientierungsprobleme
beim Patienten zu erkennen. Ein Pflegestandard
soll Handlungsgrundlagen aufzeigen, diese sollen
fortlaufend verbessert werden und im Pflegealltag
zur Anwendung kommen. Das Pflegekonzept »Orientierungsförderung«
soll auf jeden Patienten persönlich zugeschnitten
werden. Bedarfsorientierung und Beziehungspflege
gibt den Rahmen vor, in dem das Orientierungsproblem
erfasst werden kann. Alle Pflegekräfte werden
besonders sensibilisiert, indem sie Testverfahren
kennen lernen und damit aufgezeigt bekommen, worauf
sie im Kontakt mit dem Patienten besonders zu
achten haben, um Orientierungsprobleme zu erkennen.
Ein Standard »Orientierungsförderung« wird gemeinsam
erarbeitet.
Vier
Pflegekräfte, die eine Zusatzausbildung »Gesundheitsförderung«
absolviert haben, brachten das Thema »Gedächtnistraining«
zur Sprache. Wir setzten uns mit den verschiedensten
Ansätzen und Möglichkeiten auseinander und entwickelten
Handlungsgrundlagen, die das Ziel »Orientierungsförderung«
verfolgten.
Die
Kernaussage des Standards: Patienten mit Orientierungsproblemen
sollen sich sicher, gefördert und angenommen fühlen.
Die Integration in das Klinik- und Stationskonzept
gelingt.
Dies
ist nur dann zu erreichen, wenn alle
Pflegekräfte akzeptieren dass
-
es
verschiedensten Ursachen von Orientierungsproblemen
gibt
-
wir
Einblick in die Lebenswelt des Patienten
brauchen, um Vertrautheit zu erreichen
-
der
Bewegungsradius des Patienten so wenig wie
möglich eingeschränkt werden darf und trotzdem
gewährleistet ist, dass er nicht in Gefahr
gerät
-
notwendige
Orientierungshilfen zum Einsatz kommen (z.B.
niedriges Bett und dieses an eine Wand schieben)
der Patient eine fördernde, vertrauensvolle
und verlässliche Umgebung braucht. Nur so
gelingt der »Mut zur Lücke«
-
erholsamer
Schlaf nicht erzwungen werden kann (Patient
muss nicht im Bett liegen)
und
sich mit viel Ideenreichtum an einen individuellen
Pflegeplan wagen. Diese Aufgaben werden inzwischen
im Pflegealltag prima gelöst.
Die
Zusatzausbildung Gesundheitsförderung sensibilisierte
Die
Auseinandersetzung mit diesem Thema hat den Blickwinkel
aller Pflegekräfte verändert. Wir sind sensibler
geworden, erfassen Probleme der Patienten in diesem
Bereich viel schneller und haben eine Selbstverständlichkeit
im Umgang mit Orientierungsproblemen erlangt.
Die Kommunikationszeit mit diesen Patienten wurde
erheblich ausgedehnt. Nun war die Zeit reif für
den nächsten Schritt: Die Entwicklung eines Pflegekonzepts
»Gedächtnistraining«.
Zuerst
sammelten wir viel Wissen auf dem Weg der Literatursichtung.
Die Begriffe »Gehirnjogging«, »Gehirntraining«,
Gedächtnistraining begegneten uns immer
wieder. Entsprechende Bücher gibt es massenhaft
auf dem Markt. ...
Nicht
jede geistige Tätigkeit ist automatisch auch ein
sinnvolles Gehirntraining. Deshalb wurden bestimmte
Aufgaben und Übungen entwickelt, die das Gehirn
optimal trainieren. Es sind dazu keine Vorrichtungen
oder Apparate erforderlich. Die Übungen erfordern
keine Vorkenntnisse und keine Einarbeitung. Es
genügt, die einfachen Erklärungen zu den Übungsaufgaben
durchzulesen oder anzuhören und schon können Sie
mit dem Training beginnen.
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