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Literatur und Informationen zur Ausbildung

GEHRLEIN-MILZ, I.

Gehirnjogging – Gehirntraining im Rahmen der Gesundheitsförderung
In: Pflege aktuell 5/2002, S. 281 - 283


Die Basis für geistige Leistungsfähigkeit beruht auf der Funktion von Nervenzellen und Nervenver­bindungen (Synapsen) im Gehirn. Alter und Krankheit können die geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Mit Fitnesstraining kann der Mensch nicht nur seinen Körper, sondern auch seinen Geist beweglich halten. Mentales Aktivierungstraining ist ein Thema aus dem Spektrum Gesundheitsförderung ...

Mit dem Ziel, die Leistungsfähigkeit von Geist und Gedächtnis maximal zu nutzen, entstand mit dem »Mentalen Aktivierungs-Training« (MAT) eine Methode, die die Grundgrößen unserer Hirnleistung trainiert und nicht, wie bei anderen Methoden, Wissen abfragt oder neues Wissen vermittelt. Hierin unterscheidet es sich ganz wesentlich von anderen Gedächtnistrainingsarten. Im Rahmen des Gedächtnistrainings soll der Patient die Möglichkeit erhalten, sich geistig zu aktivieren, um »das Eigentliche« tun zu können. Was das Eigentliche ist, hängt von den Lebenszielen und der gegenwärtigen Lebenslage des Einzelnen ab.

Seit 1995 wird in der Schussental Klinik in Aulendorf an einem Pflegekonzept »Gedächtnistraining« intensiv gearbeitet. Die ersten Anstöße gaben Patienten, die unter erheblichen Orientierungsproblemen litten. Darunter ist folgendes zu verstehen: Störung zeitlicher, örtlicher und situativer Orientierung, reduzierte Informationsverarbeitung, Kurzzeitgedächtnisstörungen, Lerndefizite.

Im Alltag einer Fachklinik spielt die redu­zierte Informationsverarbeitung und die Kurzzeitgedächtnisstörung eine besondere Rolle, da diese Defizite ohne entsprechende Erfahrung der Pflegekräfte im Rahmen der Pflegeanamnese oft nicht erkannt werden.

Durch Pflegevisite Handlungsbedarf erkannt

Wir wurden durch die Pflegevisiten für die Bedürfnisse alter und orientierungsgestörter Menschen sensibler und erkannten Handlungsbedarf. Im Rahmen der regelmäßigen Patientenbefragungen erhielten wir auffallend häufig folgende Anmerkungen:

  • fühlte mich überfordert

  • fand mich schlecht zurecht

  • die ersten Tage waren schlimm

  • fühlte mich auf meinem Zimmer allein - wollte nicht klingeln

  • zu viele Menschen im Speisesaal

  • weiß gar nicht, was ich hier soll

  • wollte am liebsten gleich wieder abreisen

....

Neben den Pflegevisiten und den Patientenfragebögen gaben uns Patienten ebenfalls Rückmeldungen bei: dem Erstkontakt, dem Erheben der Pflegeanamnese, der Wahrnehmung, der pflegerischen Sprechstunde, im Stationsforum (ein Mal wöchentliche Zusammenkunft aller Patienten eines Bereichs mit der zuständigen Pflegekraft, um sich über Positives, Negatives und Wünschenswertes auszutauschen), in themenzentrierten Interaktionsgruppen (wöchentlich eine Stunde, von Pflegekraft geleitet, Beispiele für Themen: »Wie knüpfe ich Beziehungen?«, »Was bedeutet für mich Krankheit/Gesundheit usw.?«).

In allen Kontakten fiel den Pflegekräften ebenfalls die schwierige Integration älterer Patienten auf. Diese Patienten sprechen häufig von Orientierungsproblemen, Gedächtnisstörungen, Merkschwächen, Konzentrationsproblemen. Für die Mitarbeiter des Pflegeteams war dies Grund genug, über das bestehende Pflegekonzept nachzudenken und nach neuen Möglichkeiten zu suchen, Pflege auch für diese Patienten bedürfnisgerechter zu gestalten. Unser gemeinsam definiertes Ziel:

  • ältere und orientierungsgestörte Patien­ten in den Stationsablauf einbinden

  • Orientierungsprobleme schon im Rah­men der Pflegeanamnese zu erkennen

  • den Patienten kontinuierlich erleben können

  • eine durch Verstehen geprägte Beziehung aufzubauen.

... (Es) ... wurde (daraufhin) eine Veränderung des gesamten Stationskonzeptes vorgesehen. Alle Pflegekräfte sollten befähigt werden, Orientierungsprobleme beim Patienten zu erkennen. Ein Pflegestandard soll Handlungsgrundlagen aufzeigen, diese sollen fortlaufend verbessert werden und im Pflegealltag zur Anwendung kommen. Das Pflegekonzept »Orientierungsförderung« soll auf jeden Patienten persönlich zugeschnitten werden. Bedarfsorientierung und Beziehungspflege gibt den Rahmen vor, in dem das Orientierungsproblem erfasst werden kann. Alle Pflegekräfte werden besonders sensibilisiert, indem sie Testverfahren kennen lernen und damit aufgezeigt bekommen, worauf sie im Kontakt mit dem Patienten besonders zu achten haben, um Orientierungsprobleme zu erkennen. Ein Standard »Orientierungsförderung« wird gemeinsam erarbeitet.

Vier Pflegekräfte, die eine Zusatzausbildung »Gesundheitsförderung« absolviert haben, brachten das Thema »Gedächtnistraining« zur Sprache. Wir setzten uns mit den verschiedensten Ansätzen und Möglichkeiten auseinander und entwickelten Handlungsgrundlagen, die das Ziel »Orientierungsförderung« verfolgten.

Die Kernaussage des Standards: Patienten mit Orientierungsproblemen sollen sich sicher, gefördert und angenommen fühlen. Die Integration in das Klinik- und Stationskonzept gelingt.

Dies ist nur dann zu erreichen, wenn alle  Pflegekräfte akzeptieren dass

  • es verschiedensten Ursachen von Orien­tierungsproblemen gibt

  • wir Einblick in die Lebenswelt des Pati­enten brauchen, um Vertrautheit zu erreichen

  • der Bewegungsradius des Patienten so wenig wie möglich eingeschränkt werden darf und trotzdem gewährleistet ist, dass er nicht in Gefahr gerät

  • notwendige Orientierungshilfen zum Einsatz kommen (z.B. niedriges Bett und dieses an eine Wand schieben) der Patient eine fördernde, vertrauensvolle und verlässliche Umgebung braucht. Nur so gelingt der »Mut zur Lücke«

  • erholsamer Schlaf nicht erzwungen werden kann (Patient muss nicht im Bett liegen)

und sich mit viel Ideenreichtum an einen individuellen Pflegeplan wagen. Diese Aufgaben werden inzwischen im Pflegealltag prima gelöst.

Die Zusatzausbildung Gesundheitsförderung sensibilisierte

Die Auseinandersetzung mit diesem Thema hat den Blickwinkel aller Pflegekräfte verändert. Wir sind sensibler geworden, erfassen Probleme der Patienten in diesem Bereich viel schneller und haben eine Selbstverständlichkeit im Umgang mit Orientierungsproblemen erlangt. Die Kommunikationszeit mit diesen Patienten wurde erheblich ausgedehnt. Nun war die Zeit reif für den nächsten Schritt: Die Entwicklung eines Pflegekonzepts »Gedächtnistraining«.

Zuerst sammelten wir viel Wissen auf dem Weg der Literatursichtung. Die Begriffe »Gehirnjogging«, »Gehirntraining«, Gedächtnistraining begegneten uns immer wieder. Entsprechende Bücher gibt es massenhaft auf dem Markt. ...

Nicht jede geistige Tätigkeit ist automatisch auch ein sinnvolles Gehirntraining. Deshalb wurden bestimmte Aufgaben und Übungen entwickelt, die das Gehirn optimal trainieren. Es sind dazu keine Vorrichtungen oder Apparate erforderlich. Die Übungen erfordern keine Vorkenntnisse und keine Einarbeitung. Es genügt, die einfachen Erklärungen zu den Übungsaufgaben durchzulesen oder anzuhören und schon können Sie mit dem Training beginnen.

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