Chemikant/Chemikantin
Ausbildungsdauer
3 ½ Jahre
Struktur des Ausbildungsberufs
Die Ausbildung umfasst Pflichtqualifikationseinheiten und sowie vier Wahlqualifikationseinheiten, die aus einer Auswahlliste mit neunzehn Einheiten auszuwählen sind. Knapp ein Viertel der Ausbildungszeit ist für diese Wahlqualifikationseinheiten vorgesehen.
Zur Neuordnung von 2001
Neue Arbeitsformen wie Gruppenarbeit und prozessorientierte interdisziplinäre Zusammenarbeit prägen in zunehmenden Maße die Facharbeit von Chemikant/innen. Ausgehend von der Analyse dieser Trends und unter Einbeziehung einschlägiger Modellversuchsergebnisse haben die Sozialpartner ein neues Berufskonzept entworfen. Dabei spielen neben fachlichen (chemisch-technischen) Qualifikationen - insbesondere berufsübergreifende Qualifikationen vor allem im Bereich der Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik sowie der Anlagentechnik eine wesentliche Rolle. Chemikant(inn)en sollen in der Ausbildung befähigt werden, entlang einer Prozesskette zu arbeiten und alle dabei anfallende Arbeiten auch fachfremder Art - zu erledigen. Leitbild für die Ausbildung sind Chemikant(inn)en, die in Teamarbeit Prozessabläufe steuern, Maßnahmen zur Vermeidung oder schnellen Behebung von Fehlern und Störungen treffen und für Wartung und Instandhaltung sorgen.
Die Ausbildung umfasst Pflicht- und Wahlqualifikationseinheiten. Die Pflichtqualifikationseinheiten schaffen die Grundlage für eine breite berufliche Verwendung und zielen auf prozessorientiertes Arbeiten ab.
Durch die Wahlqualifikationseinheiten werden die Inhalte der Pflichtqualifikation entsprechend den besonderen Anforderungen des ausbildenden Betriebes vertieft oder erweitert. Die Auswahlmöglichkeiten tragen dabei der sehr differenzierten Firmenlandschaft in der chemischen Industrie Rechnung. Für die Vermittlung von Wahlqualifikationseinheiten sind 40 Wochen Ausbildungszeit vorgesehen. Die Regeln für die Auswahl der Wahlqualifikationseinheiten verbinden hohe Flexibilität in den Inhalten der Ausbildung mit der Wahrung eines einheitlichen Berufsbilds für alle Chemikant(inn)en.
Wahleinheiten, die nicht in der beruflichen Erstausbildung vermittelt werden, können später Gegenstand der beruflichen Weiterbildung sein.
Inkraft seit: 1. August 2001
Ausbildungsprofil
| 1. Berufsbezeichnung Chemikant / Chemikantin Ausbildungsdauer 3 ½ Jahre Die Ausbildung erfolgt an den Lernorten Betrieb und Berufsschule. Arbeitsgebiet Chemikanten und Chemikantinnen arbeiten team- und prozessorientiert vor allem in der chemischen sowie der verwandten Industrie (Kautschuk-, Kunststoff- und Mineralölverarbeitung, Entsorgungswirtschaft, Wirkstoffproduktion). Ihr Einsatzbereich umfasst dabei die Herstellung, Aufbereitung und Verarbeitung chemischer Stoffe und Zubereitungen. Das Aufgabenspektrum umfasst die Bedienung und Überwachung von Produktionsanlagen mit Hilfe von Anlagen der Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik, die Durchführung von Maßnahmen zur Wartung und vorbeugenden Instandhaltung eingesetzter Geräte und Anlagen sowie chemisch-technische Arbeiten und die prozessbegleitende Bestimmung von Stoffkonstanten und Stoffeigenschaften. Berufliche Qualifikationen Chemikanten/Chemikantinnen verfügen über breit angelegte Fertigkeiten und Kenntnisse
auf dem Gebiet der Verfahrens-, Prozessleit- und Anlagentechnik, die sie entlang der
Prozesskette zu einer interdisziplinären Zusammenarbeit befähigen. Im letzten
Ausbildungsabschnitt haben Chemikant/innen, abhängig von den betrieblichen Schwerpunkten
des Ausbildungsbetriebes, Spezialkenntnisse und fertigkeiten sowie internationale
Kompetenz erworben.
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Inhalte der Berufsausbildung
Ausbildungsberufsbild
1. Berufsbildung, Arbeits- und Tarifrecht;
2. Aufbau und Organisation des Ausbildungsbetriebes;
3. betriebliche Maßnahmen zum verantwortlichen Handeln (Responsible Care):
3.1 Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit,
3.2 Anlagensicherheit,
3.3 Umweltschutz,
3.4 Einsetzen von Energieträgern,
3.5 Umgehen mit Arbeitsgeräten und mitteln einschließlich Pflege und Wartung,
3.6 Qualitätsmanagement, Kundenorientierung,
3.7 kostenbewusstes Handeln;4. Arbeitsorganisation und Kommunikation:
4.1 Planen und Steuern von Prozess-, Betriebs- und Arbeitsabläufen,
4.2 Arbeiten im Team,
4.3 Informationsbeschaffung, Dokumentation,
4.4 Kommunikations- und Informationssysteme;5. Umgehen mit Arbeitsstoffen und Bestimmen von Stoffkonstanten;
6. verfahrenstechnische Grundoperationen;
7. installationstechnische Arbeiten;
8. Instandhaltung von Fördermitteln;
9. Messtechnik;
10. Betreiben von Produktionsanlagen;
11. thermische und mechanische Verfahrenstechnik;
12. Instandhaltung von Produktionseinrichtungen;
13. Steuer- und Regelungstechnik;
14. Optimieren von Produktionsabläufen;
vier der nachfolgend genannten 19 Wahlqualifikationseinheiten, davon mindestens eine aus Nr. 1 8:
Wahlqualifikationseinheiten:
- Produktionsverfahren,
- Verarbeitungstechnik,
- Vereinigen von Stoffen,
- Trocknen,
- Zerkleinern,
- Extrahieren,
- Klassieren und Sortieren,
- Entstauben,
- Pneumatik und Hydraulik,
- Rohrsystemtechnik,
- Elektrotechnik,
- Automatisierungstechnik,
- Umwelttechnik,
- Labortechnik,
- Qualitätsmanagement,
- Logistik, Transport und Lagerung,
- Kälte- und Tieftemperaturtechnik,
- Anwenden produktionsbezogener mikrobiologischer Arbeitstechniken,
- internationale Kompetenz.
Ihr Ansprechpartner/Ihre Ansprechpartnerin im BIBB
Liste
der Ansprechpartner für die anerkannten Ausbildungsberufe
Kontakt per Telefon: Wählen Sie bitte 0228 107- und dann die
Durchwahlnummer.
Kontakt per E-Mail: Bitte an [Nachname (Umlaute als ae,oe,ue)] @bibb.de.
Organisationen, die an der Neuordnung beteiligt waren:
Arbeitgeber
Kuratorium der Deutschen Wirtschaft für Berufsbildung
Adenauerallee 8a
53113 Bonn
Bundesarbeitgeberverband Chemie e.V.
Postfach1280
65002 Wiesbaden
Arbeitnehmer
Deutscher Gewerkschaftsbund
Wallstraße 61 65
10179 Berlin
Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie
Königsworther Platz 6
30167 Hannover
Bund
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie
Referat II B6
53107 Bonn
Bundesministerium für Bildung und Forschung
Referat 222
Heinemannstraße 2
53175 Bonn
Länder
Sekretariat der Ständigen Konferenz der
Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK)
Lennéstraße 6
53113 Bonn
Hinweise (u.a Verbindung zu anderen Berufen)
Berufsfeldzuordnung
Berufsfeld VII Chemie, Physik und Biologie
Schwerpunkt B: Produktionstechnik
Berufsklassifikation:
Bundanstalt für Arbeit (BA) 1410
Statistisches Bundesamt (StBA) 1410
Die Neuordnung der Berufsausbildung zum Chemikanten/zur Chemikantin erfolgt gleichzeitig mit der zum Pharmakanten/zur Pharmakantin. Beide Berufe sind einem gemeinsamen Berufsfeld zugeordnet und weisen gleiche Strukturelemente, aber voneinander abweichende zeitliche Gliederungen auf.
Infos/Grafiken/Veröffentlichungen
Anerkennungsdatum/Quelle
BGBl. 2001, Teil I, S. 350 vom 15. März 2001
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