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Grundlegendes zu Zusatzqualifikationen

Was genau sind Zusatzqualifikationen, welche Rolle spielen Sie in der beruflichen Bildung und was sind inhaltliche Schwerpunkte?

Grundlegendes zu Zusatzqualifikationen

Im Bereich der Berufsausbildung ist in den letzten Jahren eine dynamische Entwicklung zu beobachten, die den gestiegenen Anforderungen der Arbeitswelt durch zahlreiche innovative Qualifizierungsmodelle begegnet. Hierzu zählen auch Zusatzqualifikationen. Entsprechend dem Berufsbildungsgesetz wird unter einer Zusatzqualifikation eine Maßnahme verstanden, die über das Ausbildungsberufsbild hinaus zusätzliche berufliche Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt. Zusatzqualifikationen richten sich an Auszubildende in einem staatlich anerkannten Ausbildungsberuf, finden während der Ausbildung statt und ergänzen die Ausbildung durch zusätzliche Inhalte.

Rechtliche Grundlagen

Eine wichtige rechtliche Grundlage für Zusatzqualifikationen ist das Berufsbildungsgesetz (BBiG). Nach § 5 Abs. 2 Nr. 5 und § 49 BBiG werden unter Zusatzqualifikationen zusätzliche berufliche Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten verstanden, die die berufliche Handlungsfähigkeit ergänzen oder erweitern.

In der Handwerksordnung (HwO) finden sich die entsprechenden Regelungen in den Paragraphen 26, 39a, 42 und 42a. Von den im Rahmen des BBiG/HwO geregelten Zusatzqualifikationen hat nur ein sehr kleiner Teil bundesweite Gültigkeit. Diese sind als sogenannte kodifizierte Zusatzqualifikationen in der jeweiligen Ausbildungsordnung verankert und somit Bestandteil der regulären Ausbildung (§ 5 BBiG, Absatz 2, Nr. 5 und § 49).

Dauer von Zusatzqualifikationen

Der zeitliche Umfang der in der AusbildungPlus-Datenbank verzeichneten Zusatzqualifikationen ist sehr unterschiedlich: Die Spannweite reicht von unter 40 bis über 1.000 Stunden für den Erwerb einer Zusatzqualifikation. Die meisten Zusatzqualifikationen verteilen sich relativ gleichmäßig auf Angebote von 40 bis 500 Stunden. Den größten Anteil haben weiterhin die Modelle mit einer Dauer von 200 bis 499 Stunden: Sie machen 25,8 Prozent aus. Einen geringfügig kleineren Anteil machen Angebote unter 40 Stunden (20,4%) sowie solche von 40 bis 79 Stunden (16,8%) aus. Nur eine sehr geringe Anzahl (7,7%) der Zusatzqualifikationen erfordert einen zeitlichen Aufwand zwischen 500 und 999 oder gar mehr als 1.000 Stunden (3,5%).

Welche Zusatzqualifikationen gibt es?

Zusatzqualifikationen können berufsspezifisch oder berufsübergreifend ausgerichtet sein. Berufsspezifisch sind sie dann, wenn sie eine auf das Berufsbild aufbauende Erweiterung oder Vertiefung zu den Inhalten eines bestimmten Ausbildungsberufes bieten.

 

Beispielhaft sei hier die Zusatzqualifikation „Finanzmanagement“ angeführt, die explizit für den Beruf Bankkauffrau/-mann zusätzliches spezifisches Wissen vermittelt.

 

Berufsübergreifende Zusatzqualifikationen bieten für mehrere Berufe gleichermaßen eine Ergänzung, ohne explizit auf die Inhalte eines bestimmten Ausbildungsberufs abzustellen. Beispiele hierfür sind der „Europäische Computerführerschein (ECDL)“ oder Zusatzqualifikationen, die fremdsprachliche Kompetenzen vermitteln. Lehrlinge in Handwerksberufen können zusätzlich betriebswirtschaftliche Kenntnisse erlangen und auf diese Weise schon während der Ausbildung einen Teil der Meisterprüfung absolvieren. Oder sie machen während ihrer Ausbildung die Fachhochschulreife nach.

 

Vor allem berufsspezifische Zusatzqualifikationen knüpfen inhaltlich an die in Lehrplänen und

Ausbildungsordnungen festgelegten Ausbildungsinhalte an und können bedarfsorientiert Ergänzungen zu diesen bieten, was die Ausbildung insbesondere auch für die Auszubildenden aufwerten kann. Unternehmen können diese somit als Instrument nutzen, um die Attraktivität der Berufsausbildung in ihrem Unternehmen zu steigern. Damit steigt ebenfalls die Chance, Auszubildende zu gewinnen und Fachkräfte langfristig zu binden. Nicht zuletzt wird damit auch das Berufsprinzip gestärkt.

Inhalte von Zusatzqualifikationen

Inhaltlich lassen sich die Angebote an Zusatzqualifikationen acht Themenschwerpunkten zuordnen. Die meisten Zusatzqualifikationen sind den Internationalen Qualifikationen/Fremdsprachen zuzuordnen, gefolgt von Zusatzqualifikationen mit dem Schwerpunkt Betriebswirtschaft/Kaufmännischer Bereich. An dritter und vierter Stelle folgen die Bereiche Technik/Technologie sowie Tourismus und Gastronomie. Die restlichen Angebote verteilen sich auf die Schwerpunkte Medien und Telekommunikation, Informationstechnologie (EDV/ IT) sowie Körperpflege und Gesundheit und Sonstige.

Anbieter

Zusatzqualifikationen werden in erster Linie von Ausbildungsbetrieben und Berufsschulen angeboten. Dies sind die beiden Lernorte im dualen System der Berufsausbildung und damit die wichtigsten Akteure. Weiterhin zählen die Industrie- und Handelskammern sowie die Handwerkskammern und deren Bildungszentren zu den bedeutenden Anbietern von Zusatzqualifikationen.