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Landwirt/in aus gutem Grund – Versorgung mit Lebensmitteln

Landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Getreide, Kartoffeln oder Milch stellen die Grundversorgung der Bevölkerung sicher. Landwirte und Landwirtinnen üben somit gerade in Krisenzeiten einen systemrelevanten Beruf aus. In den vergangenen Jahrzehnten ist dabei die Produktivität deutlich gestiegen. Konnte ein Landwirt oder eine Landwirtin nach dem zweiten Weltkrieg zehn Menschen versorgen, so waren es im Jahre 2018 bereits 139 Menschen.

Landwirt/in aus gutem Grund – Versorgung mit Lebensmitteln

Die landwirtschaftliche Primärproduktion gilt gemäß Ernährungssicherstellungs- und -vorsorgegesetz (ESVG) als kritische Infrastruktur, da pflanzliche Produkte wie Getreide oder Kartoffeln sowie tierische Erzeugnisse wie Eier, Milch oder Fleisch die Grundversorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln sicherstellen. Da Landwirte und Landwirtinnen viele Kulturen schon im vergangenen Herbst ausgesät haben und Saatgut für Frühjahrskulturen in der Regel schon eingelagert wurde, sind hier keinerlei Engpässe zu erwarten. Dies gilt auch für die Erzeugung tierischer Produkte, da Nutztiere überwiegend in Familienbetrieben und durch fest angestellte Mitarbeiter/-innen versorgt werden.

Profil und Tätigkeitsschwerpunkte des Berufs:

Das Berufsbild von Landwirten und Landwirtinnen ist maßgeblich durch den Umgang mit Tieren und Pflanzen sowie das Arbeiten in und mit der Natur geprägt. In der Berufsausbildung spiegelt sich die Breite landwirtschaftlicher Tätigkeiten in besonderem Maße wider. Insgesamt 17 Betriebszweige aus den Bereichen Pflanze und Tier sind Gegenstand der Ausbildungsordnung. Im Rahmen der Ausbildung sind dabei mindestens zwei Betriebszweige der Pflanzenproduktion und der Tierhaltung zugrunde zu legen.

In der Pflanzenproduktion handelt es sich um die Betriebszweige Getreide-, Zuckerrüben-, Kartoffel-, Körnermais-, Ölfrüchte-, Hülsenfrüchte-, Ackerfutterbau, Grünlandwirtschaft und Waldbau. Den Fachkräften kommt hier zunächst die Aufgabe zu, Maßnahmen zur Bodenbearbeitung und -pflege unter Erhalt einer nachhaltigen Bodenfruchtbarkeit durchzuführen. Auf dieser Grundlage bestellen und pflegen sie Pflanzenbestände und achten dabei auf ein umweltverträgliches Führen von Kulturen. Hier spielen etwa Maßnahmen zur bedarfsgerechten Düngung und zum integrierten Pflanzenschutz eine Rolle. Schließlich ist auch das Ernten und Verwerten pflanzlicher Produkte Teil der Tätigkeit.

In der Tierhaltung kann zwischen den Betriebszweigen Milchviehhaltung, Rinderaufzucht oder Rindermast, Sauenhaltung und Ferkelerzeugung, Schweineaufzucht oder Schweinemast, Legehennenhaltung, Geflügelaufzucht oder Geflügelmast, Schafhaltung und Pferdehaltung ausgewählt werden. Hier stehen unter anderem das Tränken, Füttern und Pflegen von Tieren im Rahmen einer tierwohlorientierten Haltung, das Überwachen der Gesundheit von Tieren und das Reinigen von Stallungen im Mittelpunkt. Gewonnene tierische Erzeugnisse sind darüber hinaus im Hinblick auf deren Qualität zu beurteilen.

Hinzu kommt das Bedienen und Führen von Schleppern, Transportmitteln und technischen Anlagen, die zunehmend digitalisiert und vernetzt zum Einsatz kommen. Hier spielen auch vorbeugende Instandhaltungs- und Instandsetzungsarbeiten eine Rolle. Grundlage allen „Landwirtschaftens“ ist das Planen von Produktions- und Arbeitsprozessen sowie das fortlaufende Kontrollieren und Steuern durchgeführter Maßnahmen, auch unter wechselnden witterungsbedingten Verhältnissen.

Landwirte und Landwirtinnen bewegen sich in ihrer beruflichen Tätigkeit im Spannungsverhältnis zwischen ökonomischen Notwendigkeiten und ökologischen Anforderungen. So sind einerseits Aspekte wie der Schutz von Boden und Trinkwasser, Landschaftspflege sowie Tierschutz, Artenschutz und Biodiversität von Bedeutung. Eine besonders nachhaltige Form stellt dabei das ökologische Landwirtschaften dar. Andererseits sind aber auch wirtschaftliche Aspekte zu berücksichtigen. Vor diesem Hintergrund sind etwa das Beobachten von Marktentwicklungen, das Mitwirken an der Vermarktung pflanzlicher und tierischer Erzeugnisse und das Abwickeln von Geschäftsvorgängen Teil der Ausbildung. Damit wird in gewissem Umfang bereits in der beruflichen Erstausbildung der Blick auf eine spätere Betriebsführung geöffnet.

Berufliche Einsatzfelder:

Landwirte und Landwirtinnen arbeiten vor allem in landwirtschaftlichen Betrieben des Pflanzenbaus und der Tierhaltung. Im Bereich des Pflanzenbaus können sie darüber hinaus auch in landwirtschaftlichen Lohnunternehmen tätig werden. Möglich ist auch eine Tätigkeit in agrartechnischen Dienstleistungsunternehmen.

Zugangsmöglichkeiten/Voraussetzungen:

Eine Ausbildung zum/zur Landwirt/in ist grundsätzlich wie bei allen Ausbildungsberufen an keine formale schulische Voraussetzung gebunden. Jedoch ist die erfolgreiche Bewerbung um einen Ausbildungsplatz in einem Unternehmen Bedingung, um eine Ausbildung in dem Beruf zu absolvieren. Gute Voraussetzungen sind das Interesse am Umgang mit Pflanzen und Tieren, handwerkliches Geschick und technisches Verständnis. Selbstständiges Arbeiten und Verantwortungsbewusstsein, Organisationstalent, Problemlösefähigkeit und Flexibilität sowie unternehmerisches Denken sind weitere Voraussetzungen. Eine gute körperliche Verfassung und die Bereitschaft, sich in der Tierhaltung auf eine hohe Arbeitsintensität und im Pflanzenbau auf saisonale Arbeitsspitzen einzustellen, kennzeichnen den Beruf ebenfalls.

Zukunftsaussichten:

Im Bereich der Landwirtschaft vollzieht sich ein anhaltender Strukturwandel. Die Zahl landwirtschaftlicher Betriebe wird geringer, gleichzeitig werden die Betriebe bei steigender Produktivität größer. Damit geht eine zunehmende Spezialisierung einher mit der auch die Nachfrage nach spezialisierten Fachkräften steigt. Die Auszubildenenzahlen sind vor diesem Hintergrund in den vergangenen Jahren sehr stabil geblieben. Im Anschluss an die Ausbildung besteht die Möglichkeit sich zum Landwirtschaftsmeister oder zur Landwirtschaftsmeisterin und damit zur Führungskraft fortzubilden. Ein Großteil der Absolventen und Absolventinnen ist dabei als Unternehmer/in im eigenen Betrieb tätig. In spezialisierten Großbetriebe werden aber auch Fachkräfte für einzelne Bereiche benötigt. Vor diesem Hintergrund kann eine Fortbildung zum Fachagrarwirt oder zur Fachagrarwirtin, etwa im Bereich Besamungswesen, Herdenmanagement, Klauenpflege oder Landwirtschaftliche Direktvermarktung durchlaufen werden. Anwendungsbezogene Grundlagen und die Vorbereitung auf eine Tätigkeit als Betriebsleiter/in werden aber auch durch den Unterricht an Einjährigen und Zweijährigen Fachschulen vermittelt.

Ausbildungszeit:

Die Ausbildung zum/zur Landwirt/in dauert in der Regel 3 Jahre. Mit Fachhochschulreife, Hochschulreife oder einer bereits abgeschlossenen Berufsausbildung kann die Ausbildung von drei auf bis zu zwei Jahre verkürzt werden.

Zahlen zur Ausbildung:

Die Ausbildungsvergütung im Beruf Landwirt/in liegt im ersten Ausbildungsjahr bei 681 Euro im Westen und 630 Euro im Osten, im zweiten Ausbildungsjahr bei 743 Euro und 685 Euro und im dritten Ausbildungsjahr bei 800 Euro und 752 Euro.

Im Jahr 2018 befanden sich insgesamt 8.937 Auszubildende in einer Ausbildung zum/zur Landwirt/in, darunter 1.470 Frauen, wobei sich die meisten Auszubildenden in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bayern finden. In diesem Jahr absolvierten 3.690 Auszubildende ihre Abschlussprüfung, die Erfolgsquote betrug hier 94,1%. Zur Abschlussprüfung können darüber hinaus auch Personen zugelassen werden, die mindestens das Eineinhalbfache der für einen anerkannten Ausbildungsberuf vorgeschriebenen Ausbildungszeit in der Landwirtschaft tätig waren oder auf andere Weise glaubhaft machen können, dass sie die berufliche Handlungsfähigkeit erworben haben. 1.284 Personen haben davon im Jahr 2017 Gebrauch gemacht, die Erfolgsquote dieser Gruppe lag dabei mit 95,1% noch über der Quote derjenigen Personen, die eine betriebliche Ausbildung durchlaufen haben.