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Heimliche Helden der Corona-Krise – Gebäudereiniger und Gebäudereinigerinnen

In Zeiten der Corona-Krise bekommt das Thema Hygiene eine besondere Bedeutung. Trotz der hohen Ansteckungsgefahr schützen uns die vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gebäudereinigungsbranche mit Reinigungsmaßnahmen vor der Ansteckung mit dem Virus.

Heimliche Helden der Corona-Krise – Gebäudereiniger und Gebäudereinigerinnen

Die Corona-Krise zeigt uns, dass bestimmte Berufe für die Grundversorgung der Gesellschaft von besonderer Bedeutung sind. Was uns im Normalbetrieb als selbstverständlich vorkommt, rückt in Krisenzeiten in den Fokus der Aufmerksamkeit: intensivmedizinische Versorgung in den Krankenhäusern, die Bereitstellung von Gütern des täglichen Lebens im Einzelhandel oder der öffentliche Nahverkehr, um nur einige zu nennen.

Neben den offensichtlichen Berufsgruppen, wie Ärzte und Ärztinnen, Gesundheits- und Krankenpfleger/-innen, Verkäufern und Verkäuferinnen oder Busfahrer/-innen, gibt es auch die heimlichen Helden der Corona-Krise, die nicht im Scheinwerferlicht der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen. Hierzu zählen die vielen Beschäftigten der Gebäudereinigungsbranche.  

Eine der wichtigsten präventiven Maßnahmen, um die Ansteckungsgefahr zu senken, ist die Hygiene. Das fängt bei jedem selber an:  Hände waschen und Abstand einhalten. Aber auch die gründliche Reinigung, insbesondere von öffentlich zugänglichen Flächen und Gebäuden, trägt dazu bei, das Ansteckungsrisiko so gering wie möglich zu halten. Krankenhäuser, Schulen oder Verkehrsbetriebe beauftragen heutzutage Betriebe der Gebäudereinigungsbranche die Reinigung von Operationssälen, Klassenzimmern, Bussen und Zügen durchzuführen. Zwar macht der Anteil dieser Reinigungen nur etwa ein Fünftel des Branchenumsatzes aus, allerdings ist der Markt fast zu hundert Prozent erschlossen. Das unterstreicht die Bedeutung der Gebäudereinigungsbranche für das Gesundheitssystem, Schulen und den öffentlichen Nah- und Fernverkehr.

Profil des Berufs und Einsatzfelder:

Mit der dreijährigen Berufsausbildung zum Gebäudereiniger und zur Gebäudereinigerin hat die Branche eine qualifizierte Fachkraft, die Reinigungsmaßnahmen professionell durchführen kann. Das Berufsbild ist breit angelegt: Gebäudereiniger und Gebäudereinigerin decken ein vielfältiges Spektrum an Reinigungsmaßnahmen und -verfahren ab. Neben der Haushaltsreinigung sind sie in den Bereichen Grundreinigung, Bauschlussreinigung, Industriereinigungen und Reinigungen an Fassaden und Fenstern tätig. Hinzu kommen weitere Bereiche wie die Schädlingsbekämpfung und die Instandsetzung von Oberflächen durch spezielle Reinigungsverfahren.

Die Durchführung von Hygienemaßnahmen, insbesondere im Gesundheits- und Pflegebereich, ist dabei ein wesentlicher Teil der Qualifikation. Sie sind in der Lage, geeignete Reinigungsmaßnahmen für das jeweilige Objekt auszuwählen, Gefährdungen zu erkennen, Sicherungs- und persönliche Hygienemaßnahmen durchzuführen und dabei persönliche Schutzausrüstung auszuwählen und zu verwenden. Bei der Durchführung von Reinigungsmaßnahmen halten sie Regelungen für den Hygienebereich ein, prüfen, bewerten und dokumentieren die Ergebnisse der Maßnahmen und entsorgen kontaminierte Stoffe und Materialien.

Für die Bewältigung der Corona-Krise sind diese Kompetenzen von äußerster Notwendigkeit, insbesondere um das Ansteckungsrisiko in Krankenhäusern so gering wie möglich zu halten. Das Land Berlin hat als eines der ersten Bundesländer in seiner Liste systemrelevanter Berufe, neben dem ärztlichen und pflegerischen Personal explizit Reinigungskräfte als betriebsnotwendiges Personal im Gesundheitsbereich benannt. Zu dem frühen Zeitpunkt haben jedoch nicht alle Bundesländer die Beschäftigten der Gebäudereinigungsbranche als systemrelevant erklärt. In den späteren Erweiterungen der Listen systemrelevanter Berufe haben nahezu alle Bundesländer die Bedeutung der Reinigungskräfte erkannt, so dass diese Fachkräfte im Rahmen der Notfallbetreuung der Kinder Berücksichtigung finden.

Und nach der Corona-Krise?

In normalen Zeiten nimmt man die vielfältigen Aufgaben der Gebäudereinigungsfachkräfte kaum wahr. Oftmals werden Reinigungstätigkeiten außerhalb der Kernarbeitszeiten durchgeführt, also abends oder nachts. Nach Angaben des Branchenverbandes ist die Wertschätzung von Reinigungskräften im Zuge der Corona-Krise allerdings stark angestiegen.

Auch nach der Corona-Krise sollte die Wertschätzung von Gebäudereiniger und Gebäudereinigerinnen nicht aus dem Fokus der Öffentlichkeit geraten. In einem Branchenreport des DGB von 2017 wird die teilweise prekäre Situation der Beschäftigten thematisiert. Viele Un- und Angelernte arbeiten in der Branche, darunter viele Frauen in Teilzeit, deren Einkommen einem Niedriglohn entsprechen. Der Anteil an qualifizierten Fachkräften, also Menschen mit einer Berufsausbildung, ist mit einem Anteil von etwa 40 Prozent vergleichsweise gering.

Insbesondere die von den üblichen Kernarbeitszeit abweichenden Arbeitszeiten sind ein Problem. Gerade im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Darum sind Initiativen wie „day cleaning“ zu üblichen Geschäftszeiten zu unterstützen. Tariflich konnten Teilerfolge für die Beschäftigten erzielt werden. Bezahlte Feiertage oder ein so genanntes dreizehntes Gehalt.

Nicht nur in Zeiten der Corona-Krise sollte man sich jeden Tag darüber im Klaren sein, wie wichtig es ist, an einem sauberen Arbeitsplatz arbeiten zu können und damit die Tätigkeit von Beschäftigten in der Reinigungsbranche wert zu schätzen.

Zugangsmöglichkeiten, Voraussetzungen und Karriere:

Eine Ausbildung zum Gebäudereiniger und zur Gebäudereinigerin ist grundsätzlich wie bei allen Ausbildungsberufen mit keinen formalen schulischen Voraussetzungen verbunden. Jedoch ist die erfolgreiche Bewerbung um einen Ausbildungsplatz in einem Unternehmen Bedingung, um eine Ausbildung in dem Beruf zu absolvieren.

Wer sich für das Berufsbild entscheidet, sollte ein Interesse an unterschiedlichen Reinigungsverfahren und vielfältigen Einsatzorten haben. Dazu gehört auch die Bereitschaft mit unterschiedlichen Reinigungsmaschinen und Hilfsmitteln, wie beispielsweise Hubarbeitsbühnen zur Fenster- und Fassadenreinigung, umzugehen und örtlich und zeitlich flexibel einsetzbar zu sein.

Gebäudereinigern und Gebäudereinigerinnen stehen nach Abschluss der Gesellenprüfung verschiedene Weiterbil­dungsmöglichkeiten zur Verfügung, z. B.:

  • Ausbildung zum/zur Meister/-in
  • LEH Bachelor in der Studienrichtung Lebensmittel, Ernährung
  • Bachelor im Hygienemanagement
  • Bachelor in der Reinigungstechnik
  • Geprüfter Vorarbeiter bzw. Geprüfte Vorarbeiterin in der Gebäudedienstleistung Unterhaltsreinigung
  • BIV-zertifizierte/-r Geprüfte/-r Objektleiter/-in in der Gebäudedienstleistung
  • Facility Management Bachelor
  • Master Facility Design und Management
  • General Service Manager/-in (FHM)
  • Einsatz als Objekt- oder Bereichsleiter/-in
  • Fachwirt/-in Reinigungs- und Hygienemanagement (FIGR)

Alternativ zu einer Weiterbildung gibt es eine Vielzahl von Fortbildungsmöglichkeiten für Gebäudereiniger und Gebäu­dereinigerinnen, z. B. im Bereich der Desinfektion oder der Schädlingsbekämpfung.

Zahlen zur Ausbildung:

Die Gebäudereinigung ist mit fast 700.000 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen das beschäftigungsstärkste Handwerk in Deutschland. 2018 wurden 846 neue Berufsausbildungsverhältnisse begonnen. Insgesamt erlernen 2004 Auszubildende den Beruf in den jeweiligen Ausbildungsjahren. In der Ausbildung verdienen Gebäudereiniger und Gebäudereinigerin in den alten Bundesländern durchschnittlich 854 Euro bzw. 821 Euro in den neuen Bundesländern (Stand: 2019). 

Die Ausbildungsordnung wurde 2019 modernisiert. Für die Umsetzung der Ausbildung wurde eine Handreichung „Ausbildung gestalten“, zusammen mit den Sachverständigen, erstellt.