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Auswirkung von Corona auf die Berufsbildung im europäischen Vergleich

Die Corona-Krise stellt die Berufsbildung in ganz Europa vor große Herausforderungen. Seit Wochen findet kein Präsenzunterricht mehr statt, viele Betriebe mussten ihre Azubis nach Hause schicken. Auf die aktuelle Situation reagieren die europäischen Staaten zum Teil ganz unterschiedlich. Dies zeigt ein im April erschienener Bericht der Cedefop-Gemeinschaft von Lehrlingsausbildungsexperten.

Auswirkung von Corona auf die Berufsbildung im europäischen Vergleich

Der Bericht "How are European countries managing apprenticeships to respond to the COVID-19 crisis" bietet einen Überblick über ad-hoc-Maßnahmen und die daraus folgenden Auswirkungen auf die Berufsausbildung in 22 europäischen Ländern. Mit Isabelle Le Mouillour, Leiterin des Arbeitsbereichs „Berufsbildung im internationalen Vergleich, Forschung und Monitoring“ war das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) an der Erstellung des Berichts beteiligt. Frau Le Mouillour ist seit 2018 Mitglied der Cedefop-Gemeinschaft von Lehrlingsausbildungsexperten (Cedefop community of apprenticeship experts).

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Berichts waren die meisten Schulen – darunter auch Berufsschulen – in ganz Europa geschlossen. Der Unterricht fand nur noch online statt, so wie es in vielen Schulen zurzeit immer noch der Fall ist. Der Bericht macht deutlich, dass Umfang und Qualität des Unterrichts stark von den IT-Kompetenzen des Lehrpersonals sowie von der technischen Ausstattung und den Online-Angeboten der Schulen abhängen.

Eine der akutesten Fragen, mit denen sich alle Staaten intensiv befassen, ist die Durchführung der Abschlussprüfungen. In einigen Ländern wurde bereits beschlossen, die Prüfungen auf Juni oder Oktober 2020 zu verschieben. Andere Länder beraten auch über die Möglichkeit von Online-Prüfungen.

In den meisten Staaten wurde die Ausbildung im Betrieb zurückgefahren. Trotzdem wird versucht, an den Ausbildungsverträgen festzuhalten und die Inhalte auf andere Weise zu vermitteln. So bieten Betriebe vermehrt Online-Projekte an, die die Auszubildenden dann im Homeoffice bearbeiten. Trotz aller Bemühungen gibt es auch Betriebe, die ihre Auszubildenden in Kurzarbeit schicken müssen.  

Der Bericht weist auf große Unterschiede in den einzelnen Branchen hin: So hat beispielsweise der Bereich Gastronomie und Tourismus in vielen Ländern und Regionen Europas eine sehr hohe wirtschaftliche Bedeutung. Gerade in dieser Branche ist es derzeit kaum möglich den Auszubildenden praktische Inhalte zu vermitteln.

Eine weitere gravierende Auswirkung der Pandemie, die im Bericht noch nicht aufgegriffen wurde, jedoch im Falle einer wirtschaftlichen Rezession zu befürchten ist, ist eine nachlassende Ausbildungsbereitschaft der Betreibe in weiten Teilen Europas.