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Pasta, Konserven und Seelentröster

Fachkräfte für Lebensmitteltechnik und Süßwarentechnologen/-innen sorgen nicht nur in der Krise für leibliches und seelisches Wohlergehen

Die Ernährungsindustrie ist der viertgrößte Industriezweig Deutschlands, 90% der Betriebe gehören dem die deutsche Wirtschaft tragenden Mittelstand an. Nicht nur in Krisenzeiten halten Fachkräfte für Lebensmitteltechnik und Süßwarentechnologen/-innen die Produktion über das nahezu gesamte Lebensmittelsortiment sprichwörtlich am Laufen.

Pasta, Konserven und Seelentröster

Wer stand in den vergangenen Wochen nicht schon einmal vor einem gehamsterten Pasta- oder Konservenregal und freute sich wie ein Schneekönig, sobald Nachschub wieder verfügbar war? Oder die Freude beim Verzehr eines schönen Stückes Schokolade, einem Nougat-Ei zu Ostern zur Nervenstärkung und Versüßung des neuen Corona-Alltags? – Ohne die in der Krise weiterlaufende Lebensmittelproduktion blieben die Regale bald leer.

Profil und Tätigkeitsschwerpunkte der Berufe:

Fachkräfte für Lebensmitteltechnik und Süßwarentechnologen/-innen bedienen und steuern Produktions-, Abfüll- und Verpackungsanlagen über die gesamte Produktplatte der industriell hergestellten Lebensmittel. So stellen Fachkräfte für Lebensmitteltechnik u. a. Gemüse-, Obst- oder Fischkonserven, Tiefkühlfertigprodukte, Brot- und Backwaren, Joghurt und Käse sowie Säuglingsmilchnahrung und Getränke wie Limonade her.Süßwarentechnolog/-innen sind auf die Herstellung von Süßem und Herzhaften wie Schoko-Riegel, Zuckerwaren, Kekse und Knabberartikel spezialisiert.

In beiden Berufen planen, organisieren und überwachen die Fachkräfte den auftragsbezogenen Rohstoff- sowie Material-, Personal- und Zeiteinsatz auch im Team. Sie nehmen Roh-, Hilfs- und Zusatzstoffe sowie Verpackungsmaterialien an, lagern diese und stellen diese für die Produktion bereit. Entsprechend des jeweiligen Produktionsauftrages rüsten sie die Anlagen und nehmen diese in Betrieb. Treten Störungen der Anlagen oder auftragsbezogener Betriebsabläufe auf, ist es an ihnen, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Das Reinigen und warten der Anlagen nach betrieblichen Vorgaben, beispielsweise vor einem Produktwechsel, gehört ebenfalls zum Aufgabenspektrum.

Als Fachkräfte sind sie mit den verfahrenstechnischen Abläufen der Herstellung, Abfüllung und Verpackung und den rechtlichen Anforderungen an die Qualität und Deklaration von Lebensmitteln sowie den notwendigen hygienischen Maßnahmen und Dokumentationspflichten vertraut und wirken bei der Qualitätssicherung und Produktentwicklung mit.

Berufliche Einsatzfelder:

Fachkräfte für Lebensmitteltechnik arbeiten in der Produktion sämtlicher Branchen der Ernährungsindustrie zum Beispiel der Obst- und Gemüse-, Fleisch- und Fischverarbeitenden Industrie, der Brot- und Backwarenherstellung, der Herstellung von Molkereiprodukten, aber auch von Babynahrung sowie der Getränke- und Süßwarenindustrie. Da die gesetzlichen Anforderungen an die Qualität von Tiernahrung ebenfalls hoch sind, sind Fachkräfte für Lebensmitteltechnik auch in Betrieben der Tiernahrungsherstellung gefragt. So wird die berufliche Abschlussprüfung in den Prüfungsbereichen Technik und Qualitätsmanagement in jeweils einem der drei möglichen Bereiche Nahrungs- und Genussmittel, Getränkeherstellung oder tierische Lebensmittel absolviert.

Süßwarentechnologen/-innen arbeiten vorwiegend in der Produktion von Betrieben, die Schokoladenwaren und Konfekt, Bonbons und Zuckerwaren, Feine Backwaren, Knabberartikel oder Speiseeis industriell herstellen. Sie arbeiten jedoch auch in anderen Branchen der Ernährungsindustrie. Die berufliche Abschlussprüfung im Prüfungsbereich Produktion von Süßwaren findet in einem der fünf genannten beruflichen Einsatzgebiete statt.

Zugangsmöglichkeiten/Voraussetzungen:

Wie bei allen Ausbildungsberufen ist für die Aufnahme einer Ausbildung zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik und zum/zur Süßwarentechnogen/-in rein formal kein Schulabschluss erforderlich. Um eine Ausbildung in einem Beruf absolvieren zu können, ist jedoch eine erfolgreiche Bewerbung um einen Ausbildungsplatz in einem Unternehmen Bedingung.

Interesse an der Herstellung von Lebensmitteln und im Falle der Fachkraft für Lebensmitteltechnik auch an Getränken, technisches Verständnis und handwerkliches Geschick sind gute Voraussetzungen für das Arbeiten an Maschinen und Anlagen. Wichtig sind darüber hinaus Verantwortungs- und Pflichtbewusstsein bei der Einhaltung der für den Lebensmittelbereich hohen Hygiene- und Qualitätsanforderungen sowie Reaktionsschnelligkeit, z.B. bei Anlagenstörungen. Weiterhin sind Organisationstalent sowie Problemlöse- und Kommunikationsfähigkeit von Relevanz. Persönliche Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, beispielsweise für die Produktion im Mehrschichtbetrieb oder bei Veränderung oder Neuerungen von Herstellungsverfahren, Produktionsanlagen oder der Umsetzung neuer Qualitätsanforderungen hilft, den Arbeitsalltag gut zu bestehen.

Zukunftsaussichten:

Die aktuelle Corona-Situation verdeutlicht die Systemrelevanz der lebensmittelherstellenden Betriebe und Unternehmen, ob handwerklich oder industriell, und seiner Fachkräfte. Die Ernährungsindustrie ist im Vergleich zu anderen Branchen und Industriezweigen für die dort beschäftigten Fachkräfte krisensicher.

Die Produktion der Betriebe der Ernährungsindustrie erfolgt in hohem Maße automatisiert. Die weitere Digitalisierung in Bezug auf Vernetzung und Kommunikation der Anlagen und Systeme verläuft in der Branche in unterschiedlichem Tempo. Selbst wenn viele Prozessschritte automatisiert und vernetzt ablaufen: Um Prozesse steuern, Daten interpretieren sowie Abweichungen und mögliche Fehlerquellen für die Produktqualität erkennen zu können, ist nach wie vor das berufliche Fachwissen gefragt. Die Zahlen der Auszubildenden sind in beiden Berufen über die Jahre stabil.

Für beide Berufe gibt es die für die Industrie maßgeschneiderten Fortbildungen zum/zur Industriemeister/-in der Fachrichtung Lebensmitteltechnik und zum/zur Industriemeister/-in der Fachrichtung Süßwaren. Alternativ können auch fachschulische Technikerfortbildungen absolviert werden.

Ausbildungszeit:

Die reguläre Ausbildungszeit beträgt in beiden Berufen drei Jahre. Mit Fachhochschulreife, Hochschulreife oder einer bereits abgeschlossenen Berufsausbildung kann die Ausbildung von drei auf bis zu zwei Jahre verkürzt werden.

Zahlen zur Ausbildung:

Die Ausbildungsvergütung schwankt grundsätzlich nach tariflicher Festlegung und zwischen den Tarifen der Länder. Die Ausbildungsvergütung für den Beruf Fachkraft für Lebensmitteltechnik liegt im ersten Ausbildungsjahr bei 831 Euro, im zweiten Ausbildungsjahr bei 940 Euro und im dritten Ausbildungsjahr bei 1.065 Euro (Stand: 2019). Für Auszubildende im Beruf Süßwarentechnologe/-in liegt die Ausbildungsvergütung zwischen 608 Euro bis 895 Euro im ersten, 729 Euro bis 1.020 Euro im zweiten und 837 Euro bis 1193 Euro im dritten Ausbildungsjahr.

Im Jahr 2018 befanden sich insgesamt 2.271 Auszubildende in einer Ausbildung zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik, davon 780 Frauen. 732 Auszubildende absolvierten die Abschlussprüfung erfolgreich, die Erfolgsquote lag bei 96,8%. In der Ausbildung zum/zur Süßwarentechnologen/-in befanden sich 261 Auszubildende, davon 111 Frauen. Die Erfolgsquote der 75 erfolgreichen Absolventen/innen lag bei 100%.