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BIBB REPORT Ausgabe 6/08

Welche Jugendlichen bleiben ohne Berufsausbildung?

Ursula Beicht, Joachim Gerd Ulrich

Der Anteil der Jugendlichen, der ohne Berufsausbildung bleibt, stagniert nach Auswertungen des Mikrozensus bereits seit etwa zehn Jahren bei rund 15% - und damit auf hohem Niveau. Dies ist angesichts der beträchtlichen Arbeitsmarktrisiken, die Personen mit fehlendem Berufsabschluss zu tragen haben, und angesichts des sich bereits abzeichnenden Fachkräftemangels sozial und wirtschaftlich kaum zu verantworten. Besonders häufig bleiben Jugendliche mit fehlendem Schulabschluss oder schlechten Schulnoten ohne Ausbildung. Aber auch die familiäre Herkunft, die Wohnregion, das Geschlecht sowie eigene Kinder, die betreut werden müssen, sind von Bedeutung. Dem Werdegang in der ersten Phase nach Verlassen der allgemeinbildenden Schule kommt eine Schlüsselrolle zu. Dies wird nachfolgend auf Datenbasis der Übergangsstudie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) aufgezeigt.

Hohe Risiken eines fehlenden Ausbildungsabschlusses

Die Nachteile einer fehlenden Berufsausbildung für die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind seit langem bekannt. Es gibt umfassende wissenschaftliche Erklärungen aus ökonomischer und soziologischer Perspektive für die abnehmenden Beschäftigungschancen gering qualifizierter Personen (vgl. Solga 2005). Zudem sprechen die Fakten für sich: So sind die Arbeitslosenquoten von Personen ohne Berufsabschluss im Vergleich zu Personen mit abgeschlossener Ausbildung seit Beginn der 1980er-Jahre überproportional gestiegen (vgl. Reinberg/Hummel 2007, S. 1). 2005 waren von den Erwerbspersonen mit fehlendem Berufsabschluss 26,0% arbeitslos, gegenüber 9,7% bei einem Lehr- oder Fachschulabschluss und lediglich 4,1% bei einem Hoch- oder Fachhochschulabschluss.(01) Unter den arbeitslosen Jugendlichen unter 25 Jahren betrug im gleichen Jahr der Anteil der Ungelernten fast die Hälfte (vgl. Antoni 2007, S. 5). Von den Erwerbstätigen ohne Ausbildungsabschluss ist ein hoher Anteil - schätzungsweise zwischen 20% bis gut 40% - inzwischen nur noch geringfügig beschäftigt (vgl. Reinberg/Hummel 2005, S. 3). Im Niedriglohnsektor der sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigung sind ungelernte Arbeitskräfte überproportional vertreten (ebd.), wobei es auch längerfristig, d.h. im Verlauf von fünf bis sechs Jahren, insgesamt nur sehr wenigen gelingt, in ein Beschäftigungsverhältnis über dem Niedriglohnniveau aufzusteigen (vgl. Schank u.a. 2008).

Die Arbeitsmarktrisiken der Personen ohne Berufsausbildung werden sich in den nächsten Jahren wohl noch weiter verschärfen, da die bereits stark gesunkene Zahl der Arbeitsplätze für Ungelernte selbst bei günstiger Konjunktur voraussichtlich weiter abnehmen wird. So sind Arbeitsplätze mit geringen Qualifikationsanforderungen momentan insbesondere in der Industrie, aber auch im Dienstleistungsbereich durch Verlagerungen ins Ausland gefährdet. Zwischen 2001 und 2006 gingen in größeren deutschen Unternehmen ab 100 Beschäftigten bereits über 78.000 solcher Arbeitsplätze verlagerungsbedingt verloren, bei den höher qualifizierten Arbeitsplätzen waren es lediglich 4.000 (vgl. Statistisches Bundesamt 2008).

Das Institut zur Zukunft der Arbeit rechnet mit einem bedeutenden "Rückgang an Arbeitsplätzen für die Gruppe der Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung (...). Bis 2010 betrifft der dortige Abbau rund 390.000 Stellen. Bis 2020 setzt sich dieser Trend entgegen einer allgemeinen Ausweitung der Arbeitskräftenachfrage fort, und es ist mit einer Kürzung um rund 415.000 weiteren Stellen zu rechnen" (Bonin u.a. 2007, S. 80). Bei einer fehlenden Berufsausbildung kann somit heute weniger denn je mit einer dauerhaften, existenzsichernden Integration in das Beschäftigungssystem gerechnet werden.

Ausbildungslosigkeit im Spiegel bisheriger Studien

Wie viele Jugendliche ohne Ausbildung bleiben, ist eine nicht einfach zu beantwortende Frage. Die Ungelerntenquote kann ausschließlich auf Basis von Stichprobenerhebungen ermittelt werden. In jüngerer Zeit wurde sie anhand von zwei Datenquellen berechnet: zum einen im Rahmen der BIBB/EMNID-Studie von 1998 (vgl. Troltsch u.a. 1999), in der über 14.500 repräsentativ ausgewählte Jugendliche zu ihrer beruflichen und bildungsbezogenen Biografie telefonisch befragt wurden, zum anderen auf Basis des Mikrozensus, einer jährlich durchgeführten Repräsentativerhebung (1%-Bevölkerungsstichprobe) des Statistischen Bundesamtes über die Bevölkerung und den Arbeitsmarkt.

Die Höhe der ermittelten Quote ausbildungsloser Jugendlicher wird dabei von drei Faktoren maßgeblich beeinflusst, und zwar

(a) von der betrachteten Altersgruppe,
(b) der Definition von "Ausbildungslosigkeit" und
(c) dem Bezugszeitpunkt.

(a) Die Ungelerntenquote variiert zum Teil deutlich, je nachdem, welche Altersgruppen einbezogen werden. In der BIBB/ EMNID-Untersuchung wurden junge Erwachsene von 20 bis 29 Jahren berücksichtigt und neben einer Gesamtquote auch differenzierte Quoten für die Altersgruppen 20 bis 24 Jahre und 25 bis 29 Jahre ermittelt. Ebenso wurde in der Regel bei den Auswertungen des Mikrozensus vorgegangen (vgl. BMBF 2006; BMBF 2008 a). Es gibt aber auch Berechnungen auf Basis des Mikrozensus, bei denen der Personenkreis noch um jüngere Altersjahrgänge, d.h. von 15 bis 19 Jahren, erweitert wurde (vgl. Troltsch 2006), ebenso wie Auswertungen, die sich auf Personen im Alter von 25 bis unter 35 Jahren bezogen (Konsortium Bildungsberichterstattung 2006).

(b) Die ermittelte Ungelerntenquote hängt sehr stark davon ab, nach welchen Kriterien ein Jugendlicher als ausbildungslos eingestuft wird. Hierbei besteht das Problem, dass vor allem in den jüngeren Kohorten viele Jugendliche noch nicht über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen, sich aber aktuell in Bildungsprozessen befinden und somit zumindest gute Chancen auf einen späteren Berufsabschluss bestehen. Bliebe dieser Aspekt unberücksichtigt, würde ein relativ großer Anteil von Personen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit künftig einen Berufsabschluss erreichen werden, den Ungelernten zugerechnet. Um eine solche Überschätzung zu vermeiden, wurden in der BIBB/EMNID-Studie die Jugendlichen, die sich noch in einer Berufsausbildung oder einem Hoch- bzw. Fachhochschulstudium befanden, nicht zu den Ausbildungslosen gezählt.(02) Ähnlich wurde bei den Mikrozensus-Auswertungen verfahren: Hier sind bei den Ungelernten jeweils alle Personen unberücksichtigt geblieben, die zum Erhebungszeitpunkt eine allgemeinbildende oder berufliche Schule besuchten, an einer Hochschule studierten, Auszubildende waren, an einer Maßnahme der beruflichen Fort- und Weiterbildung teilnahmen oder Grundwehr- bzw. Zivildienst leisteten (vgl. BMBF 2006, Troltsch 2006).(03) Der Ausschluss dieser Personen, von denen zwar viele, jedoch nicht alle zu einem Berufsabschluss kommen werden, kann allerdings eine tendenzielle Unterschätzung der Ungelerntenquote zur Folge haben.(04)

(c) Unterschiedliche Messzeitpunkte haben einen deutlichen Einfluss auf die ermittelte Ungelernten-quote: So befinden sich z.B. im Frühjahr mehr Jugendliche in Schule oder Ausbildung als im Sommer, wenn das neue Schul- bzw. Ausbildungsjahr noch nicht begonnen hat. Die BIBB/EMNID-Erhebung fand im Juni/Juli 1998 statt, und die Fragen zur beruflichen bzw. bildungsbezogenen Situation der Jugendlichen bezogen sich auf diesen Erhebungszeitpunkt. Beim Mikrozensus galt bis zum Jahr 2004 das Konzept der festen Berichtswoche, d.h., die Angaben waren in der Regel auf eine Woche im April zu beziehen und ergaben somit eine Momentaufnahme der Verhältnisse im Frühjahr. Ab 2005 wurde auf eine gleichmäßig auf alle Wochen des Jahres verteilte Erhebung umgestellt, was eine Ermittlung von Jahresdurchschnitten ermöglicht. Dies hat allerdings zur Folge, dass die auf Basis des Mikrozensus berechneten Quoten ab 2005 mit den Vorjahresergebnissen nicht mehr ohne weiteres verglichen werden dürfen.

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An dieser Stelle soll aber nicht näher auf die in der Vergangenheit ermittelten und teilweise recht stark voneinander abweichenden Ergebnisse der verschiedenen Schätzansätze eingegangen werden. Stattdessen wird ausschließlich anhand der Mikrozensus-Auswertungen(05) betrachtet, wie sich die Zahl der ausbildungslosen jungen Erwachsenen in den Altersgruppen der 20- bis 29-Jährigen sowie der Untergruppe der 20- bis 24-Jährigen entwickelt hat. Wie Übersicht 1 zeigt, haben sich die Quoten der Jugendlichen ohne Berufsausbildung im Zeitraum von 1996 bis 2004 kaum verändert, sondern bewegten sich sowohl in der Gesamtgruppe der 20- bis 29-Jährigen als auch in der Untergruppe der 20- bis 24-Jährigen um die 15%. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die Ungelerntenquote aufgrund der eng gefassten Definition von "Ausbildungslosigkeit" nicht sensibel gegenüber strukturellen Veränderungen in den beruflichen Bildungsverläufen ist. So führte z.B. die wachsende Zahl von Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz, die sich in schulischen Bildungsgängen des Übergangssystems befanden, zu keiner rechnerischen Erhöhung der Quote ungelernter Jugendlicher.

Erfolgt anhand der ermittelten Ungelerntenquote eine Hochrechnung auf die Wohnbevölkerung im Alter von 20 bis 29 Jahren, so ergibt sich für 2005 eine Gesamtzahl von 1,6 Millionen Jugendlichen ohne Berufsausbildung, und damit eine beträchtliche Größenordnung. Der relativ starke Anstieg im Jahr 2005 kann allerdings nicht vorbehaltlos als reale Veränderung interpretiert werden, sondern dürfte ganz wesentlich auf die methodische Umstellung beim Mikrozensus zurückzuführen sein.

Der Nationale Bildungsbericht 2008 weist für das Jahr 2006 eine Ungelerntenquote von rd. 17% bei den 20- bis 29-Jährigen aus (Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2008). Die Berechnung basiert ebenfalls auf dem Mikrozensus. Sie schließt aber Personen in Wehr- und Zivildienst völlig aus und ist deshalb mit den o.g. Werten nur bedingt vergleichbar.

Statistische Determinanten der Ausbildungslosigkeit

Wovon hängt es ab, ob Jugendliche ein hohes oder niedriges Risiko haben, ohne Berufsabschluss zu bleiben? Antworten auf diese Frage lassen sich aus der BIBB-Übergangsstudie ableiten. Hierbei handelt es sich um eine im Sommer 2006 durchgeführte, repräsentative Befragung von Jugendlichen im Alter von 18 bis 24 Jahren, die retrospektiv Auskunft über ihre gesamte Bildungs- und Berufsbiografie gaben (vgl. Beicht/Friedrich/Ulrich 2007 und 2008). So ist es möglich, auch bildungsbiografische Aspekte detailliert in die Analyse mit einzubeziehen.(06)

Betrachtet werden dabei die ersten Wege nach Beendigung der allgemeinbildenden Schule, denen "eine hohe präjudizierende Bedeutung für die Chance" zugeschrieben wird, "einen Berufsausbildungsabschluss zu erreichen" (Wagner 2005, S. 20). Zugrunde gelegt werden die Angaben von 2.595 Jugendlichen im Alter von 20 bis 24 Jahren, die bei erstem Verlassen der allgemeinbildenden Schule maximal über einen mittleren Abschluss verfügten. Sie werden im Folgenden vereinfachend als "nichtstudienberechtigte Jugendliche" bezeichnet. Abiturienten bleiben unberücksichtigt, da für sie der Beobachtungszeitraum nach Beendigung der Schule zu kurz war, um bereits sinnvolle Aussagen zum Anteil der Personen ohne Berufsabschluss treffen zu können.(07) Zudem sind Abiturienten nicht zu den gering qualifizierten Personen und damit nicht zu den "typischen" Ausbildungslosen zu zählen, da ihre hohe schulische Bildung als eine (zumindest teilweise) Kompensation für einen fehlenden Ausbildungsabschluss verstanden werden kann (vgl. Wagner 2005, S. 108).

Ansonsten wurde die gleiche (enge) Definition von Ausbildungslosigkeit zugrunde gelegt, wie sie bei den Mikrozensus-Auswertungen verwendet wird.(08) Als "ungelernt" gelten danach nur Personen ohne Berufsabschluss, die im Befragungsmonat erwerbstätig oder arbeitslos/arbeits suchend waren, an einer Maßnahme der Bundesagentur für Arbeit (z.B. Berufsvorbereitungsmaßnahme, Ein-Euro-Job) teilnahmen, ein betriebliches Praktikum (einschließlich einer Einstiegsqualifizierung) durchführten, einen Ausbildungsplatz suchten oder sich aus privaten Gründen (z.B. Kinderbetreuung, Krankheit) zu Hause befanden.

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Im Rahmen eines statistischen Erklärungsmodells (logistische Regression) lassen sich eine Reihe von Determinanten identifizieren, die - unter Kontrolle der jeweils anderen Einflussgrößen - einen eigenständigen Effekt auf das Risiko der Ausbildungslosigkeit für nichtstudienberechtigte Jugendliche haben, dieses also erhöhen oder vermindern (vgl. Übersicht 2). Neben den schulischen Bildungsvoraussetzungen der Jugendlichen sowie dem Bildungs- und Berufsstatus der Eltern sind es vor allem bestimmte bildungsbiografische Verläufe, von denen wichtige Einflüsse ausgehen. Darüber hinaus spielen unterschiedliche soziodemografische Merkmale eine bedeutende Rolle.

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Die einbezogenen Determinanten sind nicht unabhängig voneinander, sondern korrelieren zum Teil. Zwischen welchen Merkmalen es statistisch bedeutsame Zusammenhänge gibt und in welche Richtung diese gehen, ist in Übersicht 3 dargestellt. Hier wird das Zusammenwirken der einzelnen Einflussgrößen deutlich, z.B. dass ein Schul- und Berufsabschluss der Eltern und eine qualifizierte Tätigkeit des Vaters(09) sich positiv auf das Erreichen eines mittleren Schulabschlusses auswirken, und ein solcher wiederum die Gefahr eines Ausbildungsabbruchs mindert.(10)

Die in Übersicht 2 und 3 enthaltenen Ergebnisse können wie folgt zusammengefasst werden:

  • Die Gefahr der Ausbildungslosigkeit vergrößert sich für nichtstudienberechtigte Jugendliche, wenn ihre schulischen Bildungsvoraussetzungen ungünstig sind.(11) Dabei wirkt sich nicht nur ein fehlender Schulabschluss/Sonderschulabschluss negativ aus, sondern schlechte Noten auf dem Schulabgangszeugnis sind ebenfalls von großer Bedeutung. Wie Übersicht 3 zeigt, korreliert eine schlechte Durchschnittsnote signifikant mit der Ausbildungslosigkeit (tau = 0,101; a = 0,001). Zugleich wird aus Übersicht 2 deutlich, dass die Note auch dann von signifikanter Bedeutung ist, wenn weitere Einflussgrößen berücksichtigt werden. Fällt das Abgangszeugnis im Durchschnitt um eine ganze Note schlechter aus, steigt das Risiko, ausbildungslos zu bleiben, um 51% an.
  • Der Status der Eltern hat einen deutlichen Einfluss: Kinder von Eltern, die beide sowohl über einen Schul- als auch einen Berufsabschluss verfügen, sind nicht nur erfolgreicher in der Schule, sondern sie bleiben auch seltener ungelernt. Dies dürfte damit zusammenhängen, dass zum einen ihre Chancen auf dem Ausbildungsmarkt erheblich größer sind (vgl. Beicht/Friedrich/Ulrich 2007 und 2008) und zum anderen seltener ein Ausbildungsabbruch wegen zu hoher Leistungsanforderungen erfolgt.
    Eine qualifizierte Berufstätigkeit des Vaters wirkt sich ebenfalls günstig auf die Chancen aus, einen Berufsabschluss zu erreichen,(12) was sich womöglich damit erklären lässt, dass dieser bei einer guten Einbindung in betriebliche Netzwerke seinen Kindern bessere Zugangswege zu Ausbildungsplätzen verschaffen und sie auch stärker im Ausbildungsverlauf unterstützen kann.
  • Soziodemografische Merkmale der Jugendlichen spielen ebenfalls eine Rolle. In den Analysen wurden Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund unterschieden. Lag ein Migrationshintergrund vor, wurde danach differenziert, ob die betreffenden Jugendlichen in Deutschland geboren bzw. vor dem 6. Lebensjahr eingereist waren, oder ob sie erst später nach Deutschland kamen. Die Gefahr, keinen Berufsabschluss zu erreichen, ist demnach bei Einreise ab dem 6. Lebensjahr, d.h. für Personen, die mit zunächst meist geringen Kenntnissen der deutschen Sprache als "Quereinsteiger" in das deutsche Schulsystem einmündeten, signifikant größer.(13) Für die bereits vor dem 6. Lebensjahr in Deutschland lebenden Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist dagegen im Vergleich zu den einheimischen Jugendlichen - bei Kontrolle der anderen Einflussfaktoren - kein signifikant erhöhtes Risiko der Ausbildungslosigkeit zu verzeichnen.(14)
  • Junge Frauen haben häufiger als junge Männer einen mittleren Schulabschluss und bessere Noten im Abgangszeugnis. Ihnen stehen daher neben der dualen Berufsausbildung insbesondere auch vollqualifizierende schulische Bildungsmöglichkeiten offen (vgl. Beicht/Ulrich 2008). Aber auch unter Kontrolle dieser und aller anderen Einflussfaktoren besteht für junge Frauen eine geringere Gefahr der Ausbildungslosigkeit. Der Unterschied hängt nicht etwa damit zusammen, dass junge Männer seltener eine Berufsausbildung anstreben (vgl. Beicht/Friedrich/Ulrich 2008). Doch offenbar verfolgen junge Frauen das Ziel, einen Berufsabschluss zu erwerben, hartnäckiger als junge Männer und lassen sich durch Hemmnisse und Rückschläge weniger entmutigen.
  • Wenn junge Frauen jedoch bereits ein eigenes Kind zu betreuen haben, steigt ihr Risiko, ohne Ausbildung zu bleiben, rapide an. Eine Ausbildung erfordert in der Regel mindestens den gleichen Zeitaufwand wie eine Vollzeit-Erwerbstätigkeit und ist zeitlich nicht realisierbar, wenn keine ausreichenden externen Betreuungsmöglichkeiten für das Kind vorhanden sind.
  • Mit zunehmendem Alter der Jugendlichen sinkt das Risiko, ungelernt zu bleiben. Dies resultiert daraus, dass teilweise nach einer Phase der Erwerbstätigkeit, der Arbeitslosigkeit oder des Zuhausebleibens aus privaten Gründen doch noch (oder doch wieder) eine Ausbildung oder ein Schulbesuch aufgenommen wird.
  • Ostdeutsche Jugendliche besitzen häufiger einen mittleren Schulabschluss und bessere Schulnoten. Dies erklärt, warum sie seltener ohne Berufsausbildung sind. Ein eigenständiger Einfluss der Wohnregion in West- oder Ostdeutschland ist jedoch nach dem Regressionsmodell nicht nachweisbar. Dies deutet darauf hin, dass sich die Ausbildungschancen in Ost und West letztlich nicht unterscheiden.
  • Eine Auswirkung hat dagegen die Einwohnerdichte der Wohnregion (in Abgrenzung der Arbeitsagenturbezirke): Für Jugendliche aus Regionen mit hoher oder mittlerer Siedlungsdichte besteht eine größere Gefahr der Ausbildungslosigkeit als für Jugendliche, die in eher schwach besiedelten Gebieten leben. Ein Grund hierfür dürfte darin liegen, dass mit zunehmendem Verstädterungsgrad der Regionen die Chancen der Einmündung in eine Berufsausbildung für Lehrstellenbewerber deutlich abnehmen (vgl. Beicht/Friedrich/Ulrich 2008). Zwar gibt es in Ballungsräumen mehr Ausbildungsplätze als auf dem Land, doch werden diese auch sehr häufig mit leistungsstarken Jugendlichen aus dem Umland besetzt. Dies schmälert die Chancen der "Großstadtkinder" ganz erheblich.
  • Von besonderer Bedeutung sind die Weichenstellungen nach Verlassen der allgemeinbildenden Schule: Jugendliche, die in der Schule nicht erfolgreich waren, also z.B. keinen Schulabschluss erreichten oder schlechte Noten erhielten, haben öfter bei Schulende keinen weiteren Bildungswunsch. Sie münden häufiger auch längerfristig nicht in eine Ausbildung ein und sind deshalb besonders gefährdet, ungelernt zu bleiben.
  • Für Jugendliche, die sich drei Monate nach Beendigung der Schule nicht wieder im Bildungssystem befinden, besteht ebenfalls ein stark erhöhtes Risiko der Ausbildungslosigkeit. Sind sie erst einmal zu Hause geblieben, wird der Wechsel in eine Berufsausbildung offenbar schwieriger: Zum einen sinken die Chancen auf einen Ausbildungsplatz, zum anderen nimmt wahrscheinlich auch die Resignation zu.
  • Der Abbruch einer Berufsausbildung führt zu einem äußerst starken Anstieg der Gefahr, ohne Ausbildung zu bleiben. Oftmals wird keine Möglichkeit gefunden oder gesehen, die abgebrochene Berufsausbildung in einem anderen Betrieb bzw. einer anderen Ausbildungsstätte weiterzuführen. Allerdings strebt ein Teil der Jugendlichen dies auch nicht an, z.B. wenn der Beruf nicht zusagte oder die Ausbildung zu schwierig war. Die Aufnahme einer weiteren Ausbildung gelingt dann häufig nicht mehr, insbesondere, wenn der Ausbildungsabbruch erst sehr spät erfolgte.
  • Jugendliche, die über schlechte schulische Voraussetzungen verfügen und deren Eltern geringer qualifiziert sind, nehmen überdurchschnittlich häufig an Maßnahmen (15) teil. Hierdurch können ihre Nachteile in Bezug auf die Chance, einen Ausbildungsplatz zu erhalten und einen Berufsabschluss zu erreichen, jedoch nicht vollständig ausgeglichen werden, und dies kann auch kaum von einem ein- oder zweijährigen Bildungsgang erwartet werden.(16)
    Zudem spielen Selbstselektionsprozesse eine Rolle: Bei sich wiederholenden Misserfolgs¬erfahrun¬gen in der Schule und bei Bewerbungen um eine Ausbildungsstelle kann auch die Teilnahme(notwendigkeit) an einer Übergangsmaßnahme als weiterer Misserfolg verstanden werden. Dies kann dazu führen, dass verstärkt die Chancenlosigkeit der Bemühungen um einen Ausbildungsplatz antizipiert und infolgedessen die Bewerbungen schließlich ganz eingestellt werden. Zudem besteht die Gefahr, dass der wiederholte Besuch von Übergangsmaßnahmen auch von anderen als Erfolgslosigkeit interpretiert und so für die Jugendlichen zum Stigma wird.

Ein Ergebnis zu einer Teilgruppe der Jugendlichen überraschte und scheint sonstigen Befunden zu diesem Personenkreis zu widersprechen: Für Jugendliche, die nach Verlassen der allgemeinbildenden Schule - meist mit mittlerem Abschluss und gutem Notendurchschnitt - die Fachoberschule oder ein Fachgymnasium besuchen,(17) wurde ebenfalls eine erhöhte Wahrscheinlichkeit gemessen, im Alter von 20 bis 24 Jahren noch ohne Ausbildung zu sein. Allerdings muss dieser Befund keinesfalls in dem Sinne interpretiert werden, dass der Besuch der Fachoberschule oder des Fachgymnasiums die Chancen auf einen Berufsabschluss auch auf längere Sicht vermindert. Vielmehr ist er Folge der von uns übernommenen Definition von "Ausbildungslosigkeit" und des Umstandes, dass Fachoberschüler bzw. Fachgymnasiasten bei Beendigung dieser Schulformen in der Regel bereits mindestens 18 oder 19 Jahre alt sind. Junge Männer müssen im Anschluss daran häufig erst einmal den Wehr- bzw. Zivildienst ableisten. Somit befand sich ein relativ großer Teil dieser Schulabsolventen (insbesondere im Alter von bis zu 21 Jahren) zum Befragungszeitpunkt im Sommer 2006 auf der Suche nach einer Ausbildungsmöglichkeit bzw. wartete auf deren Beginn oder jobbte.

Die Berufsausbildungsprozesse der ehemaligen Fachoberschüler bzw. Fachgymnasiasten hatten somit oft noch nicht begonnen. Definitionsgemäß zählten sie damit zu den noch "Ausbildungslosen". Die Gruppe der Absolventen von Fachoberschule bzw. Fachgymnasium ist somit ein gutes Beispiel für das Erfordernis, für Teilgruppen ermittelte Quoten stets auch vor dem Hintergrund der jeweils verwendeten Definition von "Ausbildungslosigkeit" zu interpretieren.

Wie setzt sich die Gruppe der ausbildungslosen Jugendlichen zusammen?

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Wie sich die nichtstudienberechtigten Jugendlichen ohne Ausbildung im Hinblick auf ihre Ressourcen und soziodemografischen Merkmale verteilen, ist in Übersicht 4 dargestellt.(18)

Demnach haben 70% die allgemeinbildende Schule mit maximal einem Hauptschulabschluss verlassen, überproportional viele erreichten keinen Abschluss oder lediglich einen Sonderschulabschluss. Auch die Schulnoten waren bei weit über der Hälfte (62%) - mit einem Notendurchschnitt im Abgangszeugnis von 3,0 und schlechter - nicht gut. In den meisten Fällen verfügte allenfalls ein Elternteil der Jugendlichen über einen Schul- und Berufsabschluss, überwiegend ging der Vater auch keiner qualifizierten Tätigkeit nach. Damit sind sowohl die Bildungsvoraussetzungen als auch der familiäre Hintergrund der Jugendlichen ohne Ausbildung häufig eher ungünstig.

Die Differenzierungen nach soziodemografischen Merkmalen zeigen: Besonders stark sind Jugendliche mit Migrationshintergrund von Ausbildungslosigkeit betroffen, sie haben einen Anteil von fast zwei Fünfteln. Junge Männer bleiben insgesamt etwas häufiger ohne Ausbildung als junge Frauen. Fast ein Fünftel der ungelernten Jugendlichen - es handelt sich überwiegend um junge Frauen - hat ein eigenes Kind zu betreuen. Auf die jüngeren Altersgruppen von 20 und 21 Jahren entfällt ein deutlich größerer Anteil der ausbildungslosen Jugendlichen als auf die älteren Gruppen von 23 und 24 Jahren. Die mit Abstand meisten ungelernten Jugendlichen leben in Regionen mit mittlerer und hoher Siedlungsdichte.

In den Verteilungen spiegeln sich damit insgesamt die je nach Merkmalsausprägungen unterschiedlichen Risiken von Ausbildungslosigkeit wider. Es wird aber vor allem auch deutlich, dass es sich bei den Ausbildungslosen keineswegs um eine homogene Gruppe von Jugendlichen handelt.

Typische bildungsbiografische Verläufe von ausbildungslosen Jugendlichen

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Nachdem bereits wichtige bildungsbiografische Determinanten von Ausbildungslosigkeit identifiziert wurden, soll nun der Werdegang der nichtstudienberechtigten Jugendlichen ohne Ausbildung nach Verlassen der allgemeinbildenden Schule genauer betrachtet werden. Wie aus Übersicht 5 hervorgeht, hat mehr als ein Drittel von ihnen zwar einmal eine Berufsausbildung begonnen, diese aber abgebrochen bzw. nicht abgeschlossen. Überwiegend handelte es sich dabei um eine betriebliche Ausbildung, relativ oft wurde jedoch auch eine nicht-betriebliche Ausbildung in einem nach Berufsbildungsgesetz anerkannten Ausbildungsberuf oder in einem Schulberuf erfolglos beendet.

Insgesamt fast zwei Drittel der ausbildungslosen Jugendlichen mündeten jedoch nie in eine Ausbildung ein, und zwar größtenteils, weil sie keinen Ausbildungsplatz finden konnten. Sehr häufig hatten sie bei Schulende oder später erfolglos nach einer betrieblichen Lehrstelle gesucht. Die Hälfte davon hatte zusätzlich noch schulische Ausbildungsmöglichkeiten in die Suche einbezogen - aber ebenfalls ohne Erfolg. Nur wenige strebten ausschließlich eine schulische Ausbildung an und konnten dies nicht realisieren. Insgesamt ein Zehntel der ungelernten Jugendlichen hat allerdings (noch) niemals nach einer Ausbildungsstelle gesucht. Von ihnen besuchte wiederum über ein Drittel (35%) im Anschluss an die allgemeinbildende Schule eine Fachoberschule oder ein Fachgymnasium.

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Im Folgenden wird untersucht, welche bildungsbiografischen Verlaufsmuster nichtstudienberechtigte Jugendliche ohne Berufsausbildung in den ersten drei Jahren nach Ende der allgemeinbildenden Schule aufweisen, wozu wir die Optimal-Matching-Technik anwendeten (zur Methode siehe Kasten). Hierbei ergaben sich vier Teilgruppen von Jugendlichen mit relativ homogenen biografischen Sequenzmustern.(19) Da eine vollständige grafische Darstellung für alle Untersuchungsfälle hier nicht möglich ist, beschränkt sich die Übersicht 6 auf jeweils 15 Verlaufsmuster von Personen, die aus den einzelnen Teilgruppen nach dem Zufallsprinzip ausgewählt wurden.

Die Optimal-Matching-Technik (vgl. u.a. Brüderl/Scherer 2006, Erzberger/Prein 1997, Schaeper 1999) ermöglicht es, typische Verlaufsstrukturen aufzudecken. Untersucht wurden monatsgenau die Aktivitäten der Jugendlichen ab dem 3. Monat bis zum 36. Monat nach (erstem) Verlassen der allgemeinbildenden Schule, und zwar differenziert nach sechs Zustandsarten (vgl. Übersicht 6). Mit dem Optimal-Matching-Verfahren werden für alle in die Analyse einbezogenen Personen paarweise Ähnlichkeitsmaße berechnet, d.h., es liegen dann für jede Person die Informationen darüber vor, wie ähnlich bzw. wie unähnlich ihr biografisches Sequenzmuster im Vergleich zu jeder anderen Untersuchungsperson ist. Auf dieser Basis erfolgt dann über eine Clusteranalyse mit der Ward-Methode die Typisierung der Verlaufsmuster.

In Gruppe 1 finden sich die Fälle, in denen das Übergangssystem zur dauerhaften Warteschleife wurde. Meist mündeten die betreffenden Jugendlichen unmittelbar nach Verlassen der allgemeinbildenden Schule in eine berufsvorbereitende Maßnahme oder sie besuchten eine teilqualifizierende Berufsfachschule. Nach drei Jahren befanden sich fast alle Personen dieser Gruppe immer noch in einem Bildungsgang des Übergangssystems, nun auch relativ häufig in einem betrieblichen Praktikum oder einer Einstiegsqualifizierung. Dies war dann in der Regel bereits die zweite oder dritte Übergangsmaßnahme, obwohl drei Viertel der Jugendlichen bei Schulende oder später einen Ausbildungsplatz suchten. Insgesamt knapp ein Fünftel der Jugendlichen ohne Ausbildung (19%) weist ein solches Verlaufsmuster auf.(20)  Weit überproportional sind hier Personen ohne Schulabschluss oder mit Sonderschulabschluss vertreten.

In Gruppe 2 konzentrieren sich die Jugendlichen, die nach Beendigung der Schule bei der Ausbildungsplatzsuche zunächst erfolgreich waren, d.h. meist schnell in eine vollqualifizierende Berufsausbildung mündeten. Sie führten diese zunächst auch durch, dann folgte jedoch nach längerer Zeit ein Ausbildungsabbruch bzw. eine Beendigung der Ausbildung ohne Abschluss. Als Grund hierfür gab mehr als die Hälfte der Jugendlichen an,(21) dass ihnen die Ausbildung nicht zugesagt habe oder doch nicht das Richtige gewesen sei. Jeder Zweite bezeichnete die Ausbildung als zu schwierig, teilweise war die Zwischen- oder Abschlussprüfung nicht bestanden worden. Ebenso oft wurden Probleme mit Ausbildern, Lehrern, Kollegen oder Mitschülern genannt. Auch persönliche, finanzielle oder gesundheitliche Schwierigkeiten spielten häufiger eine Rolle. Rund einem Viertel der Jugendlichen war vom Ausbildungsbetrieb gekündigt worden, manchmal war der Betrieb auch in Konkurs gegangen. Nach Abbruch der Ausbildung waren die meisten Jugendlichen arbeitslos bzw. blieben aus privaten oder sonstigen Gründen erst einmal zu Hause. Insgesamt hatten 18% der Jugendlichen ohne Berufsabschluss einen solchen Werdegang. Hierunter finden sich überdurchschnittlich viele junge Männer, Jugendliche mit maximal Hauptschulabschluss sowie Personen mit Migrationshintergrund.

In Gruppe 3 sind Jugendliche anzutreffen, die nach Verlassen der allgemeinbildenden Schule - meist mit einem mittleren Abschluss - eine Fachoberschule oder ein Fachgymnasium besuchten und anschließend noch keine Ausbildung aufnahmen.(22) Zwei Fünftel dieser Jugendlichen hatten bei Schulende erfolglos einen Ausbildungsplatz gesucht, drei Fünftel entschieden sich dagegen unmittelbar für den weiteren Schulbesuch, um noch einen höheren Schulabschluss zu erreichen. Größtenteils wurde die Fachoberschule bzw. das Fachgymnasium bis zum Ende durchlaufen, in rund einem Viertel der Fälle jedoch vorzeitig abgebrochen. Häufigste Abbruchgründe waren auch hier, dass die Schule sich doch nicht als das Richtige erwiesen hatte oder die Leistungsanforderungen zu hoch waren. Knapp drei Viertel der Jugendlichen schlossen die Fachoberschule oder das Fachgymnasium mit der Hoch- bzw. Fachhochschulreife ab und sind damit keinesfalls zu den "typischen" Ausbildungslosen zu rechnen.

Von den Jugendlichen ohne Berufsausbildung zählen 17% zu diesem Verlaufsmustertyp. Häufig sind hier Jugendliche mit guten Schulnoten auf dem Abgangszeugnis der allgemeinbildenden Schule vertreten sowie relativ viele junge Männer. Diese Gruppe lässt aufgrund ihrer guten Leistungsvoraussetzungen am ehesten erwarten, dass in einigen Jahren doch noch ein Berufsabschluss erreicht wird.

In Gruppe 4 sind die Verläufe auf den ersten Blick weniger einheitlich. Das Gemeinsame besteht hier jedoch darin, dass die Aufnahme einer Ausbildung nach einer längeren Phase des Zuhausebleibens und/oder einer Erwerbstätigkeit nicht mehr gelang, auch dann nicht, wenn eine Bildungsmaßnahme des Übergangssystems vorgeschaltet war. Zu erklären ist dies nicht mit einem generell mangelnden Ausbildungswunsch dieser Jugendlichen. Vielmehr suchten über 95% von ihnen im Laufe der Zeit einen Ausbildungsplatz. Einige hatten sogar schon einmal eine Ausbildung begonnen, aber nach kurzer Zeit wieder abgebrochen. Insgesamt sind 46% der ausbildungslosen Jugendlichen dieser Gruppe zugeordnet. Sehr oft sind hier Jugendliche ohne Schulabschluss bzw. mit Sonder- oder Hauptschulabschluss anzutreffen sowie Personen mit Migrationshintergrund. Auch junge Frauen, die ein eigenes Kind zu betreuen haben, kommen hier besonders häufig vor.

Aktuelle Situation der Jugendlichen ohne Ausbildung

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Die berufliche Situation der ungelernten Jugendlichen zum Befragungszeitpunkt im Sommer 2006 stellte sich wie folgt dar: Nur rund ein Drittel der Jugendlichen ohne Ausbildung (34%) war zu diesem Zeitpunkt erwerbstätig, davon ein nicht unbeträchtlicher Teil mit weniger als 20 Wochenstunden (vgl. Übersicht 7).

Mehr als jeder Zehnte nahm an einer nichtschulischen Maßnahme des Übergangssystems teil. Über die Hälfte (55%) war aktuell jedoch weder im Bildungs- noch im Erwerbssystem, sondern suchte nach einer Ausbildungsmöglichkeit, war arbeitslos oder blieb aus privaten Gründen zu Hause. Die ungünstige Lage der ungelernten Jugendlichen wird vor allem auch bei einem Vergleich mit den übrigen Jugendlichen deutlich: Von letzteren ging ein erheblich größerer Anteil einer Erwerbstätigkeit nach (47%) - die zudem fast immer mehr als 20 Wochenstunden umfasste -, und ein wesentlich geringerer Anteil befand sich außerhalb des Bildungs- und Erwerbssystems (13%).

Gemeinsam sind den meisten ungelernten Jugendlichen Misserfolgserfahrungen, die bei vielen bereits in der Schule begannen und die sich bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz oder in der Ausbildung fortsetzten. Dies beeinflusste offenbar auch ihr Selbstbild: So sagen ungelernte Jugendliche signifikant seltener(23) als die übrigen Jugendlichen von sich, dass sie auf vieles stolz sein könnten (81% versus 94%) - am wenigsten diejenigen, die ihre Ausbildung nach längerer Zeit abgebrochen haben (59%). Jugendliche ohne Ausbildung blicken auch weniger häufig zuversichtlich in die Zukunft (69% vs. 80%), am seltensten wiederum die späten Ausbildungsabbrecher (52%).

Erheblich verbreiteter ist bei ungelernten Jugendlichen dagegen ein Gefühl von Machtlosigkeit und Fatalismus (sog. "externale Kontrollüberzeugungen"), d.h., sie haben öfter die Überzeugung, dass andere über ihr Leben bestimmen (30% vs. 21%), dass sie an störenden Dingen nichts ändern können (51% vs. 38%) und dass Erfolg weniger von Leistung als von Glück abhängt (34% vs. 29%). Auch diese Haltung ist bei den Ausbildungsabbrechern besonders ausgeprägt, so sind fast vier Fünftel (79%) der Auffassung, nichts ausrichten zu können, wenn sie etwas stört.

Fünf Prozent der Jugendlichen ohne Ausbildung (gegenüber weniger als einem Prozent bei den übrigen Jugendlichen) bezeichnen sich selbst sogar ganz drastisch als Versager. Von denjenigen, die bereits eine längere Phase zu Hause geblieben oder erwerbstätig waren, sind es sogar 7%.

Eine abgeschlossene Berufsausbildung ist heute in der Regel die Mindestqualifikation für den Einstieg ins Arbeitsleben. Selbst für Tätigkeiten, die eher geringe Qualifikationen erfordern, stellen Betriebe inzwischen bevorzugt Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung ein (vgl. BMBF 2008 b). Die noch existierenden Arbeitsplätze mit geringen Qualifikationsanforderungen sind zudem von Verlagerungen ins Ausland bedroht. Das ohnehin beträchtliche Arbeitsmarktrisiko von Ungelernten wird sich somit künftig noch weiter verschärfen.

Die Ungelerntenquote von Jugendlichen lag zuletzt bei mindestens 15% - und damit auf einem für eine Bildungsgesellschaft zu hohen Niveau. Ein erhebliches Risiko, ohne Berufsabschluss zu bleiben, besteht vor allem bei ungünstigen schulischen und familiären Bildungsvoraussetzungen. Auch Jugendliche mit Migrationshintergrund, die erst nach dem 6. Lebensjahr nach Deutschland kamen, sind besonders oft betroffen, ebenso junge Frauen, die bereits ein eigenes Kind zu betreuen haben.

Ganz entscheidend sind die ersten Stationen nach Verlassen der allgemeinbildenden Schule. In den meisten Fällen strebten die ungelernten Jugendlichen ursprünglich eine Ausbildung an. Fast alle suchten bei Schulende oder später einen Ausbildungsplatz - sehr oft jedoch ohne Erfolg. Nur wenige Jugendliche hatten nach Beendigung der Schule nie einen Ausbildungswunsch - größtenteils wahrscheinlich deshalb, weil sie sich aufgrund ihrer schlechten schulischen Voraussetzungen von vornherein keine Chancen auf einen Ausbildungsplatz ausrechneten. Haben Jugendliche nach der Schule mehrfach hintereinander Maßnahmen des Übergangssystems durchlaufen oder sind sie erst einmal für längere Zeit erwerbstätig gewesen bzw. zu Hause geblieben, so gelingt die Aufnahme einer Ausbildung häufig nicht mehr. Ein Teil der ungelernten Jugendlichen hat zwar die Einmündung in eine Ausbildung einmal geschafft, diese wurde dann aber wieder abgebrochen, und zwar oftmals zu einem relativ späten Zeitpunkt; in diesen Fällen wurde häufig keine neue Berufsausbildung mehr begonnen.

Eine Sondergruppe stellen die Jugendlichen dar, die nach Beendigung der allgemeinbildenden Schule eine Fachoberschule oder ein Fachgymnasium besuchen. Vor allem in der Altersgruppe von 20 bis 21 Jahren befinden sie sich noch relativ oft auf der Suche nach einem Ausbildungs- oder Studienplatz und jobben häufig zur Überbrückung. Um zu den Chancen dieser Schulabsolventen auf einen Berufsabschluss tragfähige Aussagen treffen zu können, ist ein längerer Beobachtungszeitraum erforderlich, als es die BIBB-Übergangsstudie ermöglichte. Mit dem Erwerb der Fachhochschul- oder Hochschulreife sind diese Jugendlichen keinesfalls zu den gering qualifizierten Personen zu rechnen. Problematischer dürfte allerdings die Situation für diejenigen Jugendlichen ohne Ausbildung sein, die die Fachoberschule oder das Fachgymnasium ohne Abschluss verließen. Dies traf z.B. 2005/2006 insgesamt auf 16% der Abgänger aus Fachoberschulen und 13% der Abgänger aus Fachgymnasien (einschließlich Berufsoberschulen und technischen Oberschulen) zu (vgl. Statistisches Bundesamt 2007).(24)

Die Jugendlichen ohne Ausbildung sind somit keine homogene Gruppe. Sie unterscheiden sich sowohl hinsichtlich ihrer persönlichen Merkmale als auch in ihrem bildungsbiografischen Werdegang zum Teil sehr deutlich. Viele befinden sich nicht mehr in einem Alter, in dem Nichtstudienberechtigte üblicherweise eine klassische berufliche Erstausbildung beginnen. Ihre Chancen auf einen Ausbildungsplatz sinken als "Altbewerber" (vgl. Ulrich/Krekel 2007, Eberhard/Krewerth/Ulrich 2005) immer weiter. Inwieweit der Ausbildungsbonus - die ab Herbst 2008 vorgesehene staatliche Fördermöglichkeit für Betriebe, die zusätzliche Ausbildungsstellen mit Altbewerbern besetzen (vgl. Troltsch/Gericke/Saxer 2008) - hieran grundsätzlich etwas ändern wird, bleibt abzuwarten.

Für viele Jugendliche ohne Ausbildung wird es auch aufgrund ihrer persönlichen Situation - z.B. wenn sie auf das Einkommen aus ihrer Erwerbstätigkeit angewiesen sind -  sowie einer zunehmenden Lernentwöhnung immer schwerer, noch im Rahmen einer "normalen" Ausbildung zu einem Berufsabschluss zu kommen. Eine bessere Möglichkeit dürften daher oftmals die speziell auf den Personenkreis der ungelernten jungen Erwachsenen zugeschnittenen Nachqualifizierungswege bilden. Im Rahmen einer Modellversuchsreihe des Bundesinstituts für Berufsbildung wurden in der Vergangenheit bereits adäquate Konzepte für eine abschlussbezogene berufliche Nachqualifizierung in berufsbegleitender, modularer Form entwickelt und erfolgreich erprobt (vgl. Granato/Gutschow 2004).(25)

Mit der berufsbegleitenden Ausgestaltung besteht die Möglichkeit, Qualifizierung mit Teilzeitbeschäftigung zu verbinden. Alternativ kann auch eine Kombination von Qualifizierung und langen betrieblichen Praktikumsphasen vorgesehen werden. Der modulare Aufbau ermöglicht es, an Vorkenntnisse, berufliche Vorerfahrungen und informell erworbene Kompetenzen anzuknüpfen. Eine unterbrochene Qualifizierung oder eine abgebrochene Ausbildung können auf diese Weise fortgesetzt werden. Die Module lassen es somit zu, sehr unterschiedliche Lernvoraussetzungen zu berücksichtigen, was aufgrund des heterogenen Personenkreises der ungelernten Jugendlichen von besonderem Vorteil ist.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat 2008 Förderprogramme für modular angelegte Nachqualifizierungen aufgelegt. So wird im Rahmen der Initiative "Perspektive Berufsabschluss" u.a. die "abschlussorientierte modulare Nachqualifizierung" von gering Qualifizierten gefördert (vgl. BMBF 2008 c). Mit dem Programm JOBSTARTER CONNECT wird das BIBB im Auftrag des BMBF u.a. Projekte fördern, die Maßnahmen der Nachqualifizierung für junge un- und angelernte Erwachsene durch den Einsatz von bundeseinheitlichen Ausbildungsbausteinen strukturieren (vgl. BMBF 2008 d).

Die besonderen Schwierigkeiten, die vor allem junge Frauen mit Kind bei der Durchführung einer Berufsausbildung haben, wurden im Sommer 2008 vom Hauptausschuss des BIBB thematisiert. In seiner Sitzung vom 27. Juni 2008 wurde eine Empfehlung zur Verlängerung bzw. Verkürzung der Ausbildungszeit verabschiedet, die erstmals auch die so genannte Teilzeitberufsausbildung mit einbezieht. Durch Verkürzung der täglichen oder wöchentlichen Ausbildungszeit soll eine Möglichkeit eröffnet werden, Berufsausbildung und Kinderbetreuung besser miteinander zu vereinbaren. Die gesetzliche Grundlage hierfür wurde bereits mit der Novellierung des Berufsbildungsgesetzes 2005 geschaffen (§ 8 BBiG).

Es sollten alle Anstrengungen unternommen werden, um von den mehr als anderthalb Millionen Jugendlichen, die ohne Ausbildung blieben, möglichst viele doch noch über eine klassische Berufsausbildung, eine Teilzeitberufsausbildung oder über die erprobten Wege einer Nachqualifizierung zu einem Berufsabschluss hinzuführen. Nur so kann diesen jungen Menschen eine dauerhafte, existenzsichernde Integration ins Erwerbssystem ermöglicht und die Abhängigkeit von staatlichen Transferleistungen vermieden werden.

Vor dem Hintergrund der einschneidenden demografischen Veränderungen und des sich bereits jetzt abzeichnenden Fachkräftemangels muss es aber auch im besonderen Interesse der Wirtschaft sein, auf dieses Qualifizierungs- und Arbeitsmarktpotenzial, das derzeit als "stille Reserve" brach liegt, nicht zu verzichten. Daher sollten die Unternehmen in weit größerem Umfang als bisher den ungelernten jungen Erwachsenen eine zweite Chance geben.

Künftig sollten sich die bildungspolitischen Anstrengungen jedoch auch insbesondere darauf richten, dass möglichst alle Jugendlichen von vornherein eine "klassische Ausbildung" erhalten und die Quote der ungelernten Jugendlichen erheblich sinkt. Die positive Entwicklung auf dem Lehrstellenmarkt bietet hierfür eine günstige Voraussetzung.

  • 1 Auch wenn die Arbeitslosenquoten aufgrund der wirtschaftlichen Erholung in letzter Zeit rückläufig waren, ist von einer grundlegenden Veränderung der unterschiedlichen qualifikationsspezifischen Arbeitsmarktrisiken keinesfalls auszugehen.
  • 2 Bei Berechnung der Ungelerntenquote (Jugendliche ohne Ausbildung * 100 / Gesamtzahl der Jugendlichen) sind sie im Nenner jedoch enthalten.
  • 3 Personen ohne beruflichen Abschluss, die sich in einer Anlerntätigkeit befanden, wurden dabei als Ungelernte eingestuft.
  • 4 Andererseits ist jedoch auch damit zu rechnen, dass von den als ausbildungslos definierten Jugendlichen ein Teil später doch noch einen Berufsabschluss erwirbt. Angesichts der inzwischen zeitlich oft stark ausgedehnten Übergangs-, Ausbildungs- und Nachqualifizierungsprozesse wäre daher zu überlegen, ob es nicht angemessener wäre, die Altergrenze künftig erst bei 35 Jahren zu ziehen.
  • 5 Der Mikrozensus dürfte aufgrund der umfangreichen Stichprobengröße sowie der Auskunftspflicht der Befragungspersonen die zuverlässigste Datenquelle zur Ermittlung der Ungelerntenquote darstellen.
  • 6 Dies erfolgte in den bislang vorliegenden neueren Studien zu den Jugendlichen ohne Ausbildung in dieser Weise noch nicht (vgl. Wagner 2005, Troltsch 1999). Der Mikrozensus liefert hierzu keine Daten.
  • 7 Einbezogen sind jedoch alle Jugendlichen mit maximal mittlerem Schulabschluss, die nachträglich an einer Fachoberschule oder einem Fachgymnasium die Hoch- oder Fachhochschulreife erworben haben, da diese Schulformen nicht den allgemeinbildenden, sondern den beruflichen Schulen zuzurechnen sind.
  • 8 Auf Basis der BIBB-Übergangsstudie errechnet sich für die Gesamtgruppe der 20- bis 24-Jährigen (unter Einschluss der Personen mit Hoch- oder Fachhochschulreife) eine Ungelerntenquote von 15,8% (gewichtet), die damit nicht wesentlich von der anhand des Mikrozensus 2005 ermittelten Quote von 16,7% abweicht. Für die Jugendlichen, die die allgemeinbildende Schule mit maximal mittlerem Schulabschluss verließen, liegt die gewichtete Ungelerntenquote nach der BIBB-Übergangsstudie bei 14,8%.
  • 9 Ausgegangen wurde hierbei von dem beruflichen Status des Vaters (bzw. der Mutter, wenn diese alleinerziehend war) zu dem Zeitpunkt, als der Jugendliche 15 Jahre alt war.
  • 10 Daneben ist auch die Korrelation der Einzelmerkmale mit der abhängigen Variablen "ausbildungslos" des Regressionsmodells ausgewiesen. Hier wird deutlich, welche Zusammenhänge sich jeweils bivariat, also ohne Kontrolle der übrigen Einflussvariablen, ergeben.
  • 11 Von den im Folgenden beschriebenen Merkmalen gingen jeweils signifikante eigenständige Einflüsse auf das Risiko der Ausbildungslosigkeit aus.
  • 12 Allerdings ist dies als eigenständiger Einfluss im Regressionsmodell nur auf dem 10%-Niveau signifikant.
  • 13 Hierzu ist anzumerken, dass ausschließlich Jugendliche befragt werden konnten, die über ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache verfügten.
  • 14 Anders ist dies jedoch in der bivariaten Betrachtung. Hier sind die Zusammenhänge zwischen Ausbildungslosigkeit und Migrationshintergrund unabhängig von der Aufenthaltsdauer in Deutschland gleich stark ausgeprägt.
  • 15 Hierunter werden verstanden: berufsvorbereitende Lehrgänge, Berufsvorbereitungsjahr, Berufsgrundbildungsjahr, teilqualifizierende Berufsfachschule (BFS), Praktikum, Einstiegsqualifizierung (EQJ).
  • 16 Allerdings mündeten aufgrund des Ausbildungsplatzmangels in den vergangenen Jahren auch sehr viele Jugendliche in Maßnahmen des Übergangssystems ein, die bei besserer Lage auf dem Lehrstellenmarkt durchaus unmittelbar eine Ausbildung hätten beginnen können. Relativ vielen dieser Jugendlichen gelang im Anschluss an eine solche Maßnahme die Aufnahme einer Berufsausbildung (vgl. Beicht/Friedrich/Ulrich 2008).
  • 17 Einschließlich Berufsoberschulen und technischen Oberschulen.
  • 18 Bei den im Folgenden ausgewiesenen Verteilungen handelt es sich jeweils um gewichtete Werte. Durch die Gewichtung nach wichtigen Merkmalen, insbesondere Alter und Schulabschluss, wurde die Stichprobe an die Strukturen der Grundgesamtheit angepasst (vgl. Beicht/Friedrich/Ulrich 2008).
  • 19 Zu den Details der durchgeführten Analysen vgl. Beicht/ Friedrich/Ulrich 2008, Kap. 4.3.3; es wurde hier in analoger Weise vorgegangen. Bei zeitlich parallelen Aktivitäten wurde jeweils der prioritäre Status festgelegt, wobei Bildungsaktivitäten immer Vorrang vor anderen Aktivitäten (z.B. Jobben) hatten. In der Substitutionskostenmatrix wurden alle Kosten auf den Wert 1 gesetzt, lediglich Substitutionen der beiden letzten Aktivitätenarten untereinander wurden (wegen der Ähnlichkeit der Kategorien, d.h., in beiden Fällen befanden sich die Jugendlichen zu Hause) lediglich mit Kosten von 0,5 veranschlagt.
  • 20 Es handelt sich auch hier um gewichtete Anteilswerte.
  • 21 Es konnten mehrere Gründe für den Ausbildungsabbruch genannt werden.
  • 22 Manchmal wurde vorab noch ein Bildungsgang des Übergangssystems durchlaufen, in einigen Fällen wurde auch nach einer Unterbrechung der Besuch einer allgemeinbildenden Schule wieder aufgenommen.
  • 23 Chi-Quadrat-Test.
  • 24 Anfang der 1990er-Jahre hatten die Anteile lediglich 9% (Fachoberschule) bzw. 11% (Fachgymnasium) betragen. Offenbar sind wegen des zwischenzeitlichen Lehrstellenmangels verstärkt Realschulabsolventen in die Fachoberschulen bzw. Fachgymnasien eingemündet, die die entsprechenden Voraussetzungen hierfür zwar formell mitbrachten, aber gleichwohl Schwierigkeiten hatten, den Anforderungen zu entsprechen.
  • 25 Umfangreiche Informationen zum Thema "Nachqualifizierung" finden sich in den Internetportalen, die in der Rubrik "weiterführende Literatur" am Ende aufgeführt sind.
  • Antoni, Manfred u.a.
    Die Schwächsten kamen seltener zum Zug
    IAB-Kurzbericht 2/2007
  • Autorengruppe Bildungsberichterstattung
    Bildung in Deutschland 2008. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu Übergängen im Anschluss an den Sekundarbereich I
    Bielefeld 2008
  • Beicht, Ursula; Friedrich, Michael; Ulrich, Joachim Gerd
    Deutlich längere Dauer bis zum Ausbildungseinstieg. Schulabsolventen auf Lehrstellensuche
    BIBB REPORT 2/2007
  • Beicht, Ursula; Friedrich, Michael; Ulrich, Joachim Gerd (Hrsg.)
    Ausbildungschancen und Verbleib von Schulabsolventen
    Bielefeld 2008
  • Beicht, Ursula; Ulrich, Joachim Gerd
    Ausbildungsverlauf und Übergang in Beschäftigung. Ein Vergleich von Absolventen mit betrieblicher und schulischer Berufsausbildung
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  • Bonin, Holger u.a.
    Zukunft von Bildung und Arbeit. Perspektiven von Arbeitskräftebedarf und -angebot bis 2020
    IZA Research Report Nr. 9. Bonn 2007
  • Bundesinstitut für Berufsbildung
    Empfehlung des Hauptausschusses des Bundesinstituts für Berufsbildung vom 27.6.2008 zur Abkürzung und Verlängerung der Ausbildungszeit/zur Teilzeitberufsausbildung (§ 8 BBiG/§ 27 HwO) sowie zur vorzeitigen Zulassung zur Abschlussprüfung (§ 45 Abs. 1 BBiG/§ 37 Abs. 1 HwO)
  • Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
    Berufsbildungsbericht 2006
    Kap. 2.2.10 Jugendliche ohne abgeschlossene Berufsausbildung, S. 140-142
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  • Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF b)
    Berufsbildungsbericht 2008
    Kap. 3.5.6 Abschlussorientierte Qualifizierung An- und Ungelernter, S. 169-171 (vorläufige Fassung)
  • Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF c)
    Bekanntmachung von Richtlinien zur Förderung des Programms "Perspektive Berufsabschluss"
    17.1.2008-18.2.2008
  • Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF d)
    Neues Förderprogramm JOBSTARTER CONNECT gestartet
    Pressemitteilung 140/2008
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    "Man muss geradezu perfekt sein, um eine Ausbildungsstelle zu bekommen". Die Situation aus Sicht der Lehrstellenbewerber
    In: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis 34 (2005) 3, S. 10-13
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    Optimal-Matching-Technik: Ein Analyseverfahren zur Vergleichbarkeit und Ordnung individuell differenter Lebensverläufe
    In: ZUMA-Nachrichten 40/1997, S. 52-81
  • Granato, Mona; Gutschow, Katrin
    Eine zweite Chance: Abschlussbezogene Nachqualifizierung für junge Erwachsene mit Migrationshintergrund
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    Höhere Bildung schützt auch in der Krise vor Arbeitslosigkeit
    IAB-Kurzbericht 9/2005
  • Reinberg, Alexander; Hummel, Markus
    Der Trend bleibt - Geringqualifizierte sind häufiger arbeitslos
    IAB-Kurzbericht 18/2007
  • Schaeper, Hildegard
    Erwerbsverläufe von Ausbildungsabsolventinnen und -absolventen - eine Anwendung der Optimal-Matching-Technik
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    Niedriglohnbeschäftigung. Sackgasse oder Chance zum Aufstieg?
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    Ohne Abschluss in die Bildungsgesellschaft. Die Erwerbschancen gering qualifizierter Personen aus soziologischer und ökonomischer Perspektive
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    Qualifikation entscheidet über Verlagerung von Arbeitsplätzen
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    Jugendliche ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Struktur- und Biografiemerkmale
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    1,6 Millionen Jugendliche im Abseits? Strukturelle Ausbildungslosigkeit in Deutschland
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    Ausbildungsbonus - bringt er Altbewerber in Ausbildung?
    BIBB REPORT 5/2008
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    Jugendliche ohne Berufsausbildung. Eine BIBB/EMNID-Untersuchung. Hrsg.: Bundesministerium für Bildung und Forschung
    Bonn 1999
  • Ulrich, Joachim Gerd; Krekel, Elisabeth M.
    Zur Situation der Altbewerber in Deutschland. Ergebnisse der BA/BIBB-Bewerberbefragung 2006
    BIBB REPORT 1/2007
  • Wagner, Sandra J.
    Jugendliche ohne Berufsausbildung. Eine Längsschnittstudie zum Einfluss von Schule, Herkunft und Geschlecht auf ihre Bildungschancen
    Aachen 2005

Umfangreiche Informationen zum Thema "Nachqualifizierung" sind u.a. abrufbar im Internetportal des Bundesinstituts für Berufsbildung "Good Practice Center - Förderung von Benachteiligten in der Berufsbildung" (www.good-practice.de/), dem vom Institut für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik - INBAS GmbH in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung erstellten Internetportal "Neue Wege zum Berufsabschluss - Berufsbegleitende Nachqualifizierung an- und ungelernter junger Erwachsener" (www.berufsabschluss.de/index.html) und dem Internetportal der Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) "Qualifizierung gering Qualifizierter" (www.transfer-qualifizierungswege.de/c.php/transqual/index.rsys).

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