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Duale Berufsausbildung ohne Abschluss - Ursachen und weiterer bildungsbiografischer Verlauf

Analyse auf Basis der BIBB-Übergangsstudie 2011

Ursula Beicht, Günter Walden

Nicht alle Jugendlichen, die eine Berufsausbildung im dualen System beginnen, schließen diese auch erfolgreich ab. Zwar setzen viele Jugendliche eine nicht beendete Ausbildung anschließend in einem anderen Beruf fort, im schlimmsten Fall kommt es aber zu einem dauerhaften Ausstieg aus der Bildungsbeteiligung. Für Auszubildende - ebenso wie für Ausbildungsbetriebe - stellt eine nicht abgeschlossene Ausbildung in einem Beruf deshalb häufig ein Problem dar. Viele Fragen sind aber ungeklärt: Wie oft bleiben Auszubildende ohne Abschluss, weil sie die Ausbildung vorzeitig beenden (müssen) oder die Abschlussprüfung nicht bestehen? Gibt es Faktoren, die das Risiko, dass eine duale Ausbildung ohne Abschluss bleibt, deutlich erhöhen oder vermindern? Welches sind aus Sicht der Jugendlichen die Gründe für die vorzeitige bzw. nicht erfolgreiche Beendigung ihrer Ausbildung? Welchen Werdegang haben Jugendliche nach einer ersten dualen Berufsausbildung ohne Abschluss? Wie oft münden sie erneut in duale Ausbildung oder in eine andere vollqualifizierende Ausbildungsform ein? Auf Datenbasis der Übergangsstudie 2011 des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) wird diesen Fragestellungen im vorliegenden Beitrag nachgegangen.

Welche Angaben liefert die Berufsbildungsstatistik zur Ausbildung ohne Abschluss?

Die Problematik des Abbruchs einer dualen Berufsausbildung ist angesichts des drohenden Fachkräftemangels gegenwärtig von besonderer bildungspolitischer Bedeutung und hat jüngst auch große öffentliche Aufmerksamkeit erlangt (vgl. z.B. Die Welt online vom 25.1.2013). Dabei interessiert insbesondere die Frage, wie viele Ausbildungsteilnehmer/-innen erfolglos bleiben. Amtliche Statistiken liefern hierzu allerdings keine einfache und eindeutige Antwort. In der Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder (im Folgenden: Berufsbildungsstatistik) werden zwar regelmäßig vorzeitige Lösungen von Ausbildungsverträgen und nicht bestandene Abschlussprüfungen erfasst, doch lässt sich hieraus nicht unmittelbar berechnen, wie oft eine angefangene Berufsausbildung tatsächlich nicht erfolgreich beendet wurde.

In der Berufsbildungsstatistik wird jährlich auf Basis der ermittelten Zahl der Vertragslösungen eine Quote der Lösungen berechnet. Außerdem erfolgen Auswertungen im Hinblick auf eine Reihe statistischer Merkmale (Beruf, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, höchster allgemeinbildender Schulabschluss, Ausbildungsbereich). Allerdings ergeben sich aus der Statistik keine Hinweise auf Gründe für Vertragslösungen. Im Jahr 2011 wurden im Bundesgebiet fast 150.000 Ausbildungsverträge (24,4%) vorzeitig gelöst (vgl. im Folgenden Uhly 2013). Dabei gibt es zwischen den verschiedenen Ausbildungsberufen sehr große Unterschiede. Die Spannweite reicht vom Beruf Verwaltungsfachangestellte/-r mit der geringsten Quote von 3,7% zum/zur Restaurantfachmann/-frau mit der höchsten Quote von 51,0%. Größere Unterschiede zeigen sich auch nach Schulabschluss der Jugendlichen: je höher dieser ist, umso niedriger liegt die Lösungsquote. Beruf und Schulabschluss scheinen dabei jeweils eine eigenständige Einflusskraft zu haben (Baethge u.a. 2011: 214). Zwischen Männern (24,1%) und Frauen (24,9%) gibt es bei den Vertragslösungsquoten dagegen nur geringe Unterschiede (Uhly 2013). Hinsichtlich des Zeitpunkts der Vertragslösung entfallen 33,7% der Fälle auf die Probezeit und weitere 31,1% werden ebenfalls noch im ersten Jahr gelöst (Uhly 2013).

Während es bei Vertragslösungen noch unklar ist, ob es tatsächlich zur Beendigung der Ausbildung im betreffenden Beruf ohne Abschluss kommt, stellt die nicht erfolgreiche Absolvierung der Abschlussprüfung für Auszubildende in jedem Fall ein gravierendes negatives Ereignis dar. Auf Basis der Berufsbildungsstatistik wird regelmäßig die Quote der bestandenen Abschlussprüfungen ermittelt. Bezogen auf alle Prüfungsteilnehmer/-innen (einschließlich Wiederholungsprüfungen) betrug diese im Jahr 2011 92,2% (Ebbinghaus 2013).

Lösung von Ausbildungsverträgen
Ein Ausbildungsvertrag kann nach § 22 Berufsbildungsgesetz in der Probezeit (maximal vier Monate) von beiden Parteien jederzeit ohne Angabe eines Grundes und ohne Einhaltung einer Frist gekündigt werden; danach kann der Vertrag nur noch aus einem wichtigen Grund fristlos gelöst werden. Auszubildende haben nach der Probezeit außerdem das Recht, den Ausbildungsvertrag mit einer Frist von vier Wochen zu lösen, wenn sie die Berufsausbildung aufgeben oder sich für eine andere Berufstätigkeit ausbilden lassen wollen. Vertragslösungen werden in der Öffentlichkeit häufig mit einem Abbruch der Ausbildung gleichgesetzt, was allerdings nicht richtig ist (vgl. z.B. Bohlinger 2002, Uhly 2013). Keineswegs darf der Anteil der Vertragslösungen mit einer Drop-out-Quote verwechselt werden, denn Jugendliche können im Anschluss an die Vertragslösung auch eine duale Ausbildung in einem anderen Beruf aufnehmen (vgl. z.B. Bohlinger 2002: 21). Ebenfalls besteht bei Auflösung des Ausbildungsvertrages die Möglichkeit, dass die Ausbildung im betreffenden Beruf bei einem anderen Betrieb fortgesetzt wird. Die Berufsbildungsstatistik erfasst den Verbleib nach einer Vertragslösung nicht (Uhly 2013).

Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse liegen bereits vor?

Vertragslösungen waren in der Vergangenheit mehrfach Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Breiter angelegte quantitative Erhebungen bilden hier allerdings die Ausnahme. Es dominieren qualitative Studien mit eingegrenzten Untersuchungspopulationen (vgl. den Überblick bei Bohlinger 2002: 24). In jüngster Zeit wurden auch Untersuchungen für bestimmte Regionen durchgeführt (Piening u.a. 2012, Piening/Hauschildt/Rauner o.J.). Die letzte repräsentative Befragung von Jugendlichen für Deutschland aus dem Jahr 2003 (Schöngen 2003) ergab, dass bei etwa jeder zweiten Vertragslösung ein neuer Ausbildungsvertrag abgeschlossen wird. Von dieser Gruppe blieben etwa 60% in ihrem bisherigen Beruf (Schöngen 2003: 36). Anders als für Deutschland liegt für die Schweiz eine aktuelle repräsentative Studie vor, die im Längsschnitt angelegt ist und den Untersuchungsschwerpunkt auf den Zeitraum nach der Vertragslösung legt (Schmid 2010). Nach der Vertragslösung beginnt hiernach für die Jugendlichen eine erneute Phase der beruflichen Orientierung und der Berufswahl (Stalder/Schmid 2012: 274). Zwei Jahre nach der Vertragslösung haben dann rund 70% der Jugendlichen wieder eine Ausbildung im Bereich der Sekundarstufe II begonnen (Schmid 2010: 158).

Nach einer aktuellen deutschen Regionalstudie geht in etwa der Hälfte der Fälle die Initiative zur Lösung des Vertragsverhältnisses vom Betrieb aus, in 30% der Fälle von den Auszubildenden und in 20% von beiden Seiten (Piening u.a. 2012: 12). Insbesondere folgende Gründe, die für die Auszubildenden bei Vertragslösungen relevant sind, werden übereinstimmend in der vorliegenden Literatur genannt (vgl. Bohlinger 2002: 43 ff.):

  • Schwierigkeiten mit Ausbildern und Vorgesetzten,
  • falsche Berufswahl,
  • schlechte Ausbildungsqualität,
  • private Probleme,
  • gesundheitliche Probleme,
  • finanzielle Schwierigkeiten.

Aus Sicht der Auszubildenden können vorzeitige Vertragslösungen nicht pauschal als gut oder schlecht klassifiziert werden (Bohlinger 2002: 64). Wenn die Berufswahl nicht die richtige war, handelt es sich um die notwendige Korrektur einer vorausgegangenen falschen Entscheidung. Auch gesundheitliche Probleme, welche durch die Ausbildung im betreffenden Beruf verursacht werden, erfordern eine Umorientierung. Käme es in diesen Fällen nicht zu einer Vertragslösung, dann würden die Probleme verschleppt und sich später verstärkt stellen. Insofern sind Vertragslösungen für die Auszubildenden grundsätzlich nicht nur mit Risiken, sondern auch mit Chancen verbunden. Von zentraler Bedeutung ist aber in jedem Fall, was nach der Vertragslösung passiert und ob es gelingt, wieder in eine Ausbildung einzumünden.

Die letzte repräsentative Studie für Deutschland von Schöngen kommt zu dem Ergebnis, dass etwa jede dritte Vertragslösung auf eine falsche Berufswahl zurückzuführen ist (Schöngen 2003: 36). 46% der Befragten nannten (nicht näher bezeichnete) persönliche Gründe. Nach Schöngen (2003: 36) dominieren allerdings mit rund 70% betriebliche Gründe,(1) die sich insbesondere an Konflikten mit Ausbildern und Vorgesetzten festmachen lassen. Bei einer solchen Problemlage wäre es grundsätzlich sinnvoll, die Vertragslösung entweder zu verhindern oder die Ausbildung in dem gewählten Beruf in einem anderen Betrieb fortzusetzen. Vertragslösungen ergeben sich in den meisten Fällen nicht abrupt, sondern sind ein schleichender Prozess (Stamm 2012: 23). Insofern gibt es grundsätzlich auch Chancen für die Entwicklung von Präventionsstrategien (Bohlinger 2002: 64 ff.). Eine spezielle Problemlage ergibt sich durch Betriebsschließung, Konkurs oder Verlagerung der Betriebsstätte. In der Erhebung von Schöngen gingen 12% aller Fälle auf diese Gründe zurück (Schöngen 2003: 35).

Was die Gründe für Vertragslösungen aus Sicht der Betriebe betrifft, gibt es in der vorliegenden Literatur ebenfalls große Übereinstimmungen. Zu nennen sind insbesondere folgende Gründe (Bohlinger 2002: 45 ff.):

  • Lern- und Leistungsschwierigkeiten der Jugendlichen in Betrieb und Berufsschule,
  • Fehlzeiten der Auszubildenden,
  • mangelnde Motivation der Auszubildenden.

Nach einer aktuellen explorativen Studie dominieren leistungsbezogene und motivationale Faktoren bei den betrieblichen Gründen für Vertragslösungen (Jablonka 2012). Daneben werden häufiger - wie von den Jugendlichen - Aspekte einer falschen Berufswahl angesprochen. Größere Unterschiede in der Betroffenheit von Vertragslösungen gibt es nach einer Auswertung des BIBB-Qualifizierungspanels zwischen einzelnen Betriebsmerkmalen (Bundesinstitut für Berufsbildung 2012, vgl. auch Piening u.a. 2012, Piening/Hauschildt/Rauner o.J.). Zwar steigt mit wachsender Betriebsgröße die Wahrscheinlichkeit, dass es überhaupt zu vorzeitigen Vertragslösungen kommt, was in der Regel mit einer höheren Auszubildendenzahl in größeren Betrieben zusammenhängt. Allerdings ist der Anteil von Betrieben mit einem überdurchschnittlichen Anteil an Vertragslösungen in Kleinbetrieben deutlich größer als in Großbetrieben.

Für die Betriebe stellt eine Vertragslösung immer einen Ressourcenverlust dar. Das BIBB (Wenzelmann/Lemmermann 2012) kommt in einer Modellrechnung für das Jahr 2007 zu dem Ergebnis, dass den betroffenen Betrieben durch Vertragslösungen ein Verlust von etwa 580 Millionen Euro entstanden ist. Eine Reduzierung dieser Kosten könnten Betriebe vor allem durch eine bessere Auswahl von Auszubildenden (Stamm 2012: 21), aber auch durch frühzeitiges Gegensteuern erreichen.

Vertragslösungen stellen in vielen Fällen für die Jugendlichen und in der Regel immer für die betroffenen Betriebe ein Problem dar. Die Bildungspolitik hat hierauf bereits seit längerem durch Initiativen und Programme zur Entwicklung von Präventionsstrategien und zur Verhinderung von Vertragslösungen reagiert (siehe z.B. Böse/Heinke 2010, Jasper u.a. 2009, Quante-Brandt 2005).

Mit den Statistiken zu Vertragslösungen und (nicht) bestandenen Abschlussprüfungen liegen umfangreiche Datenbasen vor, die Informationen zu Größe und Zusammensetzung des Personenkreises enthalten, welcher eine Berufsausbildung in einem Beruf beginnt, aber nicht abschließt. Vielfältige Informationen bieten auch die vorliegenden Studien zur Problematik der Lösung von Ausbildungsverträgen. Aus den vorhandenen Daten und Analysen lässt sich allerdings nicht zuverlässig ermitteln, wie hoch in Deutschland der Anteil unter den Auszubildenden tatsächlich ist, die eine begonnene Ausbildung in einem bestimmten Beruf nicht erfolgreich abgeschlossen haben. Ebenfalls liegen keine aktuellen und repräsentativen Erkenntnisse darüber vor, was nach einer Beendigung der Ausbildung ohne Abschluss geschieht.

Was wird auf Datenbasis der BIBB-Übergangsstudie 2011 untersucht?

Auf Grundlage der BIBB-Übergangsstudie 2011, einer repräsentativen Untersuchung der Verlaufsprozesse beim Übergang von der Schule in Ausbildung und Beschäftigung (siehe Kasten), soll nachfolgend dargestellt werden, wie häufig eine duale Berufsausbildung(2) ohne Abschluss beendet wird. Betrachtet werden dabei Jugendliche, die erstmals in eine duale Berufsausbildung eingemündet waren, diese aber im ursprünglich gewählten Beruf nicht bis zu einem erfolgreichen Abschluss durchgeführt haben. Es handelt sich also um Jugendliche, deren Ausbildung im betreffenden Beruf entweder vor der Abschlussprüfung endete oder die die Abschlussprüfung (endgültig) nicht bestanden haben. Nicht hierzu zählen Jugendliche, die während ihrer Ausbildung im ursprünglichen Beruf den Betrieb wechselten oder die Ausbildung unterbrochen und später im gleichen Beruf wieder weitergeführt haben.

Bei der BIBB-Übergangsstudie 2011 handelt es sich um eine thematisch breit angelegte Studie zu den Übergangsprozessen Schule - Beruf, bei der die Untersuchung vorzeitig bzw. nicht erfolgreich beendeter Ausbildungen keinen Schwerpunkt bildete. Daher richteten sich zum einen in der Erhebung nur wenige Fragen speziell auf diese Thematik, zum anderen sind Jugendliche, die ihre duale Ausbildung ohne Abschluss beendeten, in der Stichprobe vergleichsweise schwach repräsentiert. Dennoch sind auf dieser Datenbasis eine Reihe aufschlussreicher Analysen zur Beendigung einer dualen Ausbildung ohne Abschluss möglich. So kann beispielsweise der Anteil der Jugendlichen ermittelt werden, deren (erste) duale Ausbildung im ursprünglichen Beruf ohne Abschluss endet. Außerdem kann untersucht werden, inwieweit sich Jugendliche mit und ohne erfolgreich abgeschlossener Ausbildung unterscheiden. Es lassen sich Merkmale identifizieren, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen oder vermindern, dass eine Ausbildung ohne Abschluss bleibt. Zudem kann aufgezeigt werden, welches aus Sicht der Auszubildenden die Gründe für eine vorzeitige bzw. nicht erfolgreiche Beendigung der Ausbildung sind. Schließlich ist es auch möglich, den weiteren Werdegang der Jugendlichen nach der ohne Abschluss gebliebenen Ausbildung zu untersuchen, d.h., wie oft sie eine andere vollqualifizierende Ausbildung aufnehmen, wie lange dies dauert und von welchen Faktoren die Wiedereinmündung abhängt.

Die Frage, wie oft Lösungen von Ausbildungsverträgen zu einer Beendigung der dualen Ausbildung ohne Abschluss führen, kann auf Datenbasis der BIBB-Übergangsstudie 2011 nicht beantwortet werden. So wurden in der Erhebung weder Vertragslösungen noch Betriebswechsel während der Ausbildung in einem bestimmten Beruf erfasst. Ein Betriebswechsel führt immer zu einer Vertragslösung mit dem ursprünglichen Ausbildungsbetrieb. In der BIBB-Übergangsstudie 2011 wurde ausschließlich danach gefragt, ob Jugendliche die Ausbildung im jeweiligen Beruf mit oder ohne Abschluss beendet haben.

Wie häufig Auszubildende ihre in einem bestimmten Beruf begonnene erste duale Berufsausbildung ohne Abschluss beenden, ist anhand der BIBB-Übergangsstudie 2011 allerdings nicht ganz einfach zu ermitteln. Die Schwierigkeit dieses Datensatzes besteht darin, dass die bildungsbiografischen Verläufe der befragten 18- bis 24-Jährigen äußerst unterschiedlich sind und die Beobachtungsdauer für die in eine duale Berufsausbildung eingemündeten Befragungspersonen stark variiert. So waren zum Befragungszeitpunkt z.B. einige Jugendliche erst kurze Zeit zuvor in eine duale Ausbildung eingemündet, während andere ihre Ausbildung bereits vor einigen Jahren beendet hatten. Um bei einer solchen Datenstruktur dennoch alle Fälle nutzen zu können, dabei aber die Anteile der Jugendlichen ohne erfolgreichen Abschluss der Ausbildung weder zu über- noch zu unterschätzen, ist eine adäquate Analysemethode notwendig. Aus diesem Grund wurden Kaplan-Meier-Schätzungen durchgeführt, mit denen die Wahrscheinlichkeit der Beendigung einer dualen Ausbildung ohne Abschluss bestimmt werden kann.(3)

BIBB-Übergangsstudie 2011
Hierbei handelt es sich um eine retrospektive Längsschnitterhebung, in der auf repräsentativer Basis die gesamte Bildungs- und Berufsbiografie von Personen der Geburtsjahrgänge 1987 bis 1992 mit Wohnsitz in Deutschland detailliert erfasst wurde (Eberhard u.a. 2013). In der BIBB-Übergangsstudie 2011 wurde das Erhebungsinstrumentarium der Vorgängerstudie aus dem Jahr 2006 (Beicht/Friedrich/Ulrich 2008) weitgehend übernommen und um aktuelle Fragestellungen ergänzt. Die Befragung wurde von Juli bis September 2011 mittels computergestützter Telefoninterviews durchgeführt. Die BIBB-Übergangsstudie 2011 war als reine Mobilfunkerhebung angelegt, d.h., die Stichprobengewinnung und die Befragung erfolgten ausschließlich über das Mobilfunknetz. Dies war erforderlich, weil die Personen der Zielgruppe (18- bis 24-Jährige) inzwischen häufig nicht mehr über das Festnetz erreichbar sind, aber nahezu alle über ein Mobiltelefon verfügen. Im Rahmen der Interviews konnten von 5.333 Personen ausreichend vollständige Angaben gewonnen werden. Die Erhebungsdaten wurden durch Gewichtung nach zentralen Merkmalen (u.a. Schulabschluss, Geschlecht, Geburtsjahr) auf Basis des Mikrozensus an die Strukturen der Grundgesamtheit angepasst.

Wie oft endet eine duale Ausbildung ohne Abschluss?

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Nach der vorgenommenen Schätzung beenden 12% der Auszubildenden ihre erste duale Berufsausbildung im ursprünglich gewählten Beruf innerhalb von 36 Monaten ohne einen Abschluss. Dieser Wert ist nur halb so hoch wie die Lösungsquote der Ausbildungsverträge, die im Jahr 2011 bei 24,4% lag. Die starke Abweichung ist damit zu erklären, dass mit den beiden Quoten etwas Unterschiedliches gemessen wird. Wie vorne bereits erläutert, besteht der wesentliche Unterschied darin, dass bei der hier betrachteten Beendigung ohne Abschluss Betriebswechsel während der Ausbildung im gleichen Beruf nicht berücksichtigt werden. Zu beachten ist auch, dass sich der ermittelte Anteil der Auszubildenden, die in ihrer ersten dualen Ausbildung keinen Abschluss erreicht haben, nicht auf ein bestimmtes Jahr bezieht, sondern dass Fälle aus vielen verschiedenen Jahren in die Berechnung eingegangen sind.

Zwei Sachverhalte sprechen allerdings für eine gewisse Unterschätzung des auf Basis der BIBB-Übergangsstudie 2011 ermittelten Anteils von Jugendlichen, die ihre Ausbildung im ursprünglichen Beruf ohne Abschluss beenden: Zum einen konnten aus methodischen Gründen nur vorzeitige bzw. erfolglose Beendigungen von Ausbildungen innerhalb von 36 Monaten nach Ausbildungsbeginn berücksichtigt werden.(4) Insbesondere in Berufen mit einer längeren Ausbildungsdauer kann die Ausbildung aber auch noch zu einem späteren Zeitpunkt ohne Abschluss enden, was unberücksichtigt bleiben musste. Zum anderen spricht einiges dafür, dass die befragten Jugendlichen begonnene Ausbildungen, die nur sehr kurze Zeit andauerten, häufiger überhaupt nicht angegeben haben. Zwar sollten im Interview alle Bildungsphasen chronologisch aufgeführt werden, in der Erhebung waren aber - um eventuellen Erinnerungsschwierigkeiten der Befragten Rechnung zu tragen - zeitliche Lücken bei den Angaben von bis zu zwei Monaten zulässig (Eberhard u.a. 2013). Gerade wenn eine bereits nach kurzer Zeit wieder beendete Ausbildung schon weit zurücklag und aus Sicht der Jugendlichen für den weiteren Bildungsverlauf keine große Bedeutung hatte, dürfte die Neigung, diese Phase in der Befragung zu übergehen, groß gewesen sein.

Wie aus Übersicht 1 hervorgeht, wird eine erste duale Berufsausbildung am häufigsten innerhalb der ersten zwölf Monate ohne Abschluss beendet. Nach der vorgenommenen Schätzung ist für 3% der Jugendlichen die Ausbildung innerhalb der üblichen Probezeit von vier Monaten wieder zu Ende, und innerhalb des gesamten ersten Jahres sind es 6%. Nach 24 Monaten beträgt der Anteil 10% und erreicht nach 36 Monaten den ermittelten Gesamtwert von 12%.

Wie häufig eine duale Ausbildung innerhalb von 36 Monaten ohne Abschluss endet, unterscheidet sich erheblich danach, welchen Schulabschluss Jugendliche bei Beginn der Ausbildung erreicht haben (vgl. Übersicht 1). Während der geschätzte Anteil bei einem mittleren Schulabschluss nur 9% beträgt, liegt er bei maximal einem Hauptschulabschluss mit 18% doppelt so hoch. Auch nach Geschlecht der Jugendlichen gibt es deutliche Unterschiede: Von den jungen Männern beenden schätzungsweise nur 10% ihre duale Ausbildung innerhalb von 36 Monaten ohne Abschluss, dagegen sind es von den jungen Frauen 15%.(5)

Welches sind Risikofaktoren für eine Beendigung ohne Abschluss?

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Der Personenkreis der Jugendlichen, deren erste duale Berufsausbildung ohne Abschluss endet, unterscheidet sich relativ stark von der Gruppe Jugendlicher, die ihre erste duale Ausbildung erfolgreich abschließen, wie ein Vergleich der Verteilungen wichtiger Merkmale zeigt (vgl. Übersicht 2).(6) Betrachtet werden soziodemografische Merkmale (Geschlecht, Migrationshintergrund, Wohnregion), Merkmale der sozialen Herkunft (Bildung der Eltern, beruflicher Status des Vaters), Merkmale der individuellen Qualifikation der Jugendlichen (Schulabschluss, Schulnoten(7), Teilnahme an Übergangsmaßnahme) und außerdem auch Merkmale der dualen Ausbildung (Art der Ausbildung, Berufsbereich, Wunschberuf).

Dabei wird nochmals sichtbar, dass die erste duale Ausbildung bei jungen Frauen und Jugendlichen mit maximal Hauptschulabschluss deutlich häufiger vorzeitig bzw. erfolglos endet, denn sie sind in der Personengruppe, deren Ausbildung ohne Abschluss geblieben ist, weitaus stärker vertreten als in der Vergleichsgruppe. Darüber hinaus zeigt sich, dass Jugendliche, die ihre Ausbildung ohne Abschluss beenden, öfter einen Migrationshintergrund haben, ihre Eltern häufiger über keinen Berufsabschluss verfügen und der Vater eher eine niedrig qualifizierte Tätigkeit ausübt. Die allgemeinbildende Schule haben diese Jugendlichen mit deutlich schlechteren Noten verlassen und anschließend öfter eine Übergangsmaßnahme besucht.

Auch die Art der dualen Ausbildung unterscheidet sich: Die Jugendlichen, die nicht zu einem erfolgreichen Abschluss kommen, befinden sich vermehrt in einer außerbetrieblichen Ausbildung und erlernen häufiger einen Dienstleistungsberuf.

Der größte Unterschied zeigt sich allerdings in der Bewertung des Ausbildungsberufs: Für zwei Fünftel der Jugendlichen, die ihre Ausbildung ohne Abschluss beenden, stellt dieser nicht den Wunschberuf dar - also mehr als doppelt so oft wie bei denjenigen, die ihre Ausbildung erfolgreich abschließen.(8)

Bestimmte Merkmalsausprägungen sind also mit einer höheren Wahrscheinlichkeit verbunden, dass eine Ausbildung ohne Abschluss endet. Welche Merkmale allerdings für sich gesehen Risikofaktoren für den Ausbildungsverlauf darstellen, lässt sich nur im Rahmen statistischer Erklärungsmodelle identifizieren. So kann mittels logistischer Regressionen festgestellt werden, welche Faktoren - unter Kontrolle aller jeweils anderen einbezogenen Merkmale - einen eigenständigen Einfluss auf das Risiko haben, dass Jugendliche ihre Ausbildung nicht zu einem erfolgreichen Abschluss bringen.

Zunächst wurde ein Modell gerechnet, in das alle oben genannten Merkmale aufgenommen wurden, mit Ausnahme der Bewertung des Ausbildungsberufs (vgl. Übersicht 2, Modell 1).(9) Demnach haben junge Frauen selbst bei Berücksichtigung aller anderen Faktoren ein erheblich höheres Risiko, eine duale Ausbildung ohne Abschluss zu beenden, als junge Männer.(10) Ein erhöhtes Risiko zeigt sich auch für Jugendliche mit einem Migrationshintergrund. Besonders große Gefahr, dass eine Ausbildung ohne Abschluss bleibt, besteht für Jugendliche, wenn ihre Eltern über keinen Berufsabschluss verfügen. Verglichen mit ihnen sind Jugendliche, deren Eltern eine Berufsausbildung abgeschlossen haben oder die eine höhere Schulbildung bzw. einen Hochschulabschluss besitzen, weit weniger gefährdet.

Der Schulabschluss, den Jugendliche bei Beginn der Ausbildung erreicht haben, hat auch bei Kontrolle aller anderen Merkmale erheblichen Einfluss. Am höchsten ist das Risiko eines Ausbildungsverlaufs ohne Abschluss, wenn maximal ein Hauptschulabschluss vorliegt. Damit verglichen sinkt das Risiko bei einem mittleren Schulabschluss deutlich und ist bei einem höheren Schulabschluss am geringsten. Ein beträchtlicher Effekt geht auch von den Schulnoten aus, die Jugendliche bei Verlassen der allgemeinbildenden Schule erhalten haben: Je besser diese ausfallen, desto kleiner ist die Gefahr, dass die Ausbildung ohne Abschluss beendet wird.

Für Jugendliche, die nach der allgemeinbildenden Schule an einer Übergangsmaßnahme teilnehmen, zeigt sich im Vergleich zu denjenigen ohne eine solche Maßnahme ein wesentlich größeres Risiko einer Beendigung der Ausbildung ohne Abschluss. Das gilt, wenn der Besuch der Maßnahme bis zum regulären Ende erfolgt, und in nochmals erhöhtem Maße, wenn die Teilnahme vorzeitig beendet wird. Selbstverständlich bedeutet dieses Ergebnis nicht, dass die Übergangsmaßnahme den späteren Ausbildungsverlauf negativ beeinflusst. Vielmehr ist es so zu interpretieren, dass diese Jugendlichen ihre schulischen Defizite durch die Teilnahme nicht vollständig ausgleichen können und zudem wahrscheinlich häufiger in Berufe mit ungünstigeren Ausbildungsbedingungen einmünden.

Jugendliche, die außerbetrieblich ausgebildet werden, sind stärker gefährdet, ihre Ausbildung ohne Abschluss zu beenden, als diejenigen in betrieblicher Ausbildung. Dies hängt möglicherweise mit dem besonderen Personenkreis der Jugendlichen in außerbetrieblicher Ausbildung zusammen: Es sind insbesondere lernbeeinträchtigte oder sozial benachteiligte Jugendliche, die während der Ausbildung einer sozialpädagogischen Begleitung bedürfen, oder junge Menschen mit Behinderungen, die durch außerbetriebliche Ausbildungsmaßnahmen beruflich eingegliedert werden sollen.(11) Für diese Jugendlichen dürfte es oft besonders schwierig sein, eine mehrjährige Ausbildung durchzuhalten und erfolgreich abzuschließen.(12)

Es wird nun der Frage nachgegangen, ob das für junge Frauen deutlich höhere Risiko, die Ausbildung ohne Abschluss zu beenden, möglicherweise damit zusammenhängt, dass sie viel seltener als junge Männer in ihrem Wunschberuf ausgebildet werden. Zunächst sollen die entsprechenden Verteilungen betrachtet werden. Insgesamt entspricht der Ausbildungsberuf bei 46% der jungen Frauen dem ursprünglichen Berufswunsch; bei den jungen Männern sind es 53%. Für 27% der jungen Frauen und 17% der jungen Männer handelt es sich dagegen nicht um den Wunschberuf. Die Unterschiede dürften auf die deutlich größeren Schwierigkeiten junger Frauen, einen betrieblichen Ausbildungsplatz zu finden, zurückzuführen sein (Beicht/Walden 2012).

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Übersicht 3 verdeutlicht, dass es sowohl bei jungen Frauen als auch bei jungen Männern einen großen Unterschied in der Bewertung des Ausbildungsberufs gibt, je nachdem, ob sie die Ausbildung mit oder ohne Abschluss beendet haben. In beiden Fällen sind aber die Anteile junger Frauen, die nicht in ihrem Wunschberuf ausgebildet worden sind, beträchtlich höher als bei jungen Männern. Einerseits spielt bei Frauen also die fehlende Realisierung des Berufswunschs als möglicher Grund für die Beendigung der Ausbildung ohne Abschluss häufiger eine Rolle. Andererseits bringen Frauen öfter als Männer ihre Ausbildung erfolgreich zu Ende, obwohl ihr Berufswunsch nicht realisiert worden ist.

In einem zweiten Regressionsmodell wurde die Bewertung des Ausbildungsberufs als zusätzliches Merkmal aufgenommen (vgl. Übersicht 2, Modell 2). Dabei zeigt sich erwartungsgemäß, dass das Risiko der Beendigung der Ausbildung ohne Abschluss stark zunimmt, wenn der Ausbildungsberuf nicht der Wunschberuf ist. Es liegt dann für die betreffenden Jugendlichen dreimal so hoch wie für diejenigen, die in ihrem Wunschberuf ausgebildet werden. Das deutlich höhere Risiko junger Frauen, die Ausbildung ohne Abschluss zu beenden, bleibt aber auch bei Berücksichtigung der Bewertung des Ausbildungsberufs bestehen. Ihre seltenere Realisierung des Wunschberufs liefert hierfür also keine ausreichende Erklärung.

Welches sind die Gründe aus Sicht der Jugendlichen?

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In der BIBB-Übergangsstudie 2011 wurden die Jugendlichen, die ihre Ausbildung ohne Abschluss beendet haben, auch nach den Gründen gefragt, die aus ihrer Sicht hierfür ausschlaggebend waren. Wie Übersicht 4 zeigt, gibt mehr als die Hälfte der Betroffenen an, dass die Ausbildung ihnen nicht zugesagt bzw. sich nicht als das Richtige erwiesen hat. Auf junge Frauen trifft dies etwas häufiger zu als auf junge Männer. Ob Jugendliche, die diesen Grund nennen, allerdings eine falsche Berufswahl getroffen haben oder ob sie z.B. wegen einer mangelnden Ausbildungsqualität mit ihrer Ausbildung unzufrieden waren, lässt sich hier nicht klären.

Bei vielen Jugendlichen sind Probleme mit Ausbildern, Lehrern, Kollegen oder Mitschülern verantwortlich für die vorzeitige Beendigung der Ausbildung. Bei jungen Frauen ist dies wiederum etwas öfter der Fall als bei jungen Männern. Oftmals sind auch persönliche, finanzielle oder gesundheitliche Gründe von Bedeutung, wenn die Ausbildung ohne Abschluss endet. Bei jungen Frauen tritt dies deutlich häufiger auf als bei jungen Männern. Dabei stehen sowohl bei männlichen als auch bei weiblichen Jugendlichen gesundheitliche Probleme im Vordergrund. Junge Frauen werden zudem relativ oft von Schwangerschaft und Kindererziehung an einer Fortführung der Ausbildung gehindert; dies könnte auch ein Grund für ihr höheres Risiko sein, dass eine Ausbildung ohne Abschluss bleibt. Aber auch einige junge Männer beenden ihre Ausbildung vorzeitig, um sich der Erziehung ihrer Kinder zu widmen. Mit finanziellen Problemen wird insgesamt nur vergleichsweise selten die Beendigung der Ausbildung ohne Abschluss begründet.

Relativ häufig geben Jugendliche auch an, dass sie ihre begonnene Ausbildung wegen einer angestrebten oder in Aussicht stehenden Alternative nicht zu Ende geführt haben. Die Absicht eines Wechsels in eine andere Ausbildung ist dabei insgesamt wesentlich häufiger der Grund für die Nichtbeendigung der Ausbildung als die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit. Junge Frauen und Männer neigen etwa gleich oft zu einer anderen Ausbildung, während eine Erwerbstätigkeit häufiger von männlichen Jugendlichen angestrebt wird.

Seltener spielen Schwierigkeiten mit den Leistungsanforderungen der Ausbildung eine Rolle. Junge Frauen führen als Grund für die vorzeitige bzw. erfolglose Beendigung der Ausbildung häufiger an, dass diese zu schwierig gewesen sei, als junge Männer. Ein kleinerer Teil der Jugendlichen begründet die Beendigung der Ausbildung ohne Abschluss mit einer nicht bestandenen Zwischen- oder Abschlussprüfung, und zwar junge Männer etwas öfter als junge Frauen.

Wie oft wird wieder eine Ausbildung aufgenommen?

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Wenn Jugendliche ihre in einem bestimmten Beruf begonnene duale Ausbildung ohne Abschluss beenden, stellt sich die entscheidende Frage, ob dies für sie nun tatsächlich den Ausstieg aus dualer oder überhaupt aus vollqualifizierender Ausbildung und den Verbleib ohne Berufsabschluss bedeutet. Daher soll nun der weitere Werdegang dieser Jugendlichen untersucht werden.

Zunächst soll festgestellt werden, wie oft nach Beendigung einer dualen Berufsausbildung ohne Abschluss erneut eine vollqualifizierende Ausbildung, d.h. eine duale oder schulische Berufsausbildung, eine Beamtenausbildung oder ein Studium, aufgenommen wird. Hierfür wurden wiederum Kaplan-Meier-Schätzungen vorgenommen, mit denen die entsprechenden Wahrscheinlichkeiten bestimmt werden können. Betrachtet wird dabei jeweils ein Zeitraum von 24 Monaten nach Beendigung der ersten dualen Ausbildung.(13)

Wie aus Übersicht 5 hervorgeht, mündet schätzungsweise knapp ein Fünftel (19%) der Jugendlichen, deren erste duale Ausbildung ohne Abschluss geblieben ist, innerhalb von einem halben Jahr wieder in eine vollqualifizierende Ausbildung ein. Der Anteil der Wiedereinmündungen erhöht sich innerhalb eines Jahres auf 30% und erreicht innerhalb von zwei Jahren knapp die Hälfte (48%).

Schätzungsweise 34% der Jugendlichen, die ihre erste duale Berufsausbildung ohne Abschluss beenden, beginnen innerhalb von zwei Jahren erneut eine duale Ausbildung. 10% nehmen eine Ausbildung in Schulberufen oder eine Ausbildung in einer Beamtenlaufbahn auf und 3% ein (Fach-) Hochschulstudium.

Die Wahrscheinlichkeit, mit der Jugendliche im Laufe von zwei Jahren erneut eine vollqualifizierende Ausbildung beginnen, unterscheidet sich nur relativ wenig danach, welchen Schulabschluss sie bei Beginn  der ersten dualen Ausbildung hatten (vgl. Übersicht 5). So münden schätzungsweise 47% der Jugendlichen mit mittlerem Schulabschluss und 45% derjenigen mit maximal Hauptschulabschluss wieder in Ausbildung ein.(14)

Zwischen weiblichen und männlichen Jugendlichen zeigt sich bei der Wiedereinmündung in Ausbildung zwar in den ersten 20 Monaten ein deutlicher Unterschied, danach sind die Quoten aber nahezu identisch.(15) Größere Abweichungen gibt es allerdings, was die Art der erneuten Ausbildung betrifft. So nehmen 41% der jungen Männer innerhalb von zwei Jahren wieder eine duale Ausbildung auf, und damit erheblich häufiger als junge Frauen mit 27%. Weibliche Jugendliche münden dagegen mit 18% viel häufiger in eine Ausbildung in Schulberufen oder einer Beamtenlaufbahn ein als männliche Jugendliche mit nur 3%. Der Anteil der Jugendlichen, die nach nicht abgeschlossener dualer Ausbildung ein Studium beginnen, unterscheidet sich zwischen jungen Männern (3%) und jungen Frauen (2%) nur relativ wenig.

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Um Hinweise dafür zu finden, welche Faktoren eine rasche Wiedereinmündung in eine vollqualifizierende Ausbildung fördern oder hemmen, wurden Cox-Regressionen gerechnet.(16) Hierbei sind all die Merkmale berücksichtigt worden, von denen ein möglicher Einfluss angenommen wurde. Dabei handelt es sich um die Merkmale Geschlecht, Migrationshintergrund, Wohnregion, Schulabschluss und Alter der Jugendlichen sowie Art und Berufsbereich ihrer ersten dualen Ausbildung (vgl. Übersicht 6, Modell 1).

Es zeigt sich dabei, dass - unter Kontrolle der jeweils anderen Merkmale - eine (Fach-) Hochschulreife die rasche Wiederaufnahme einer vollqualifizierenden Ausbildung begünstigt. Auch wenn die ohne Abschluss beendete Ausbildung in einem Dienstleistungsberuf erfolgte, ist dies mit höheren Chancen einer raschen Wiedereinmündung verbunden.

Zudem wird deutlich, dass ein höheres Alter die Wiedereinmündungschancen der Jugendlichen mindert. So sind die Chancen von über 20 Jahre alten Personen erheblich geringer als von maximal 18-Jährigen. Nun korreliert allerdings das Alter relativ stark mit der Zeitdauer, in der sich die Jugendlichen in ihrer ersten nicht erfolgreich abgeschlossenen dualen Ausbildung befunden haben. Es könnte daher sein, dass die Wiederaufnahme einer Ausbildung weniger davon abhängt, wie alt die Jugendlichen sind, sondern mehr davon, wie lange die Ausbildung dauerte, die ohne Abschluss endete. Um dies zu prüfen, wurde ein weiteres Modell gerechnet, in dem anstelle des Alters der Jugendlichen die Dauer der ersten dualen Ausbildung einbezogen wurde (vgl. Übersicht 6, Modell 2). Hier zeigen sich zwar mit zunehmender Länge der Ausbildung ebenfalls sinkende Chancen der Wiedereinmündung, dieses Ergebnis ist allerdings nicht signifikant.

Wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass nach einer ohne Abschluss beendeten ersten dualen Berufsausbildung die nächste Ausbildung erfolgreich abgeschlossen wird, konnte mit den zugrunde gelegten Daten nicht bestimmt werden. Es ist aber anzunehmen, dass die Erfolgsquote bei den erneuten Ausbildungen niedriger ausfällt als im Gesamtdurchschnitt.

Welches sind die typischen weiteren Verläufe?

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Gut die Hälfte der Jugendlichen, die eine duale Ausbildung ohne Abschluss beenden, mündet innerhalb von zwei Jahren nicht wieder in eine vollqualifizierende Ausbildung ein. Bei denjenigen, die erneut eine Ausbildung aufnehmen, vergeht bis dahin oftmals eine längere Zeit. Daher sollen abschließend die weiteren Wege der Jugendlichen, deren erste duale Ausbildung vorzeitig bzw. erfolglos endete, mittels einer Sequenzmusteranalyse noch genauer untersucht werden. Hierzu wurde für einen Zeitraum von 18 Monaten nach Beendigung der ersten dualen Berufsausbildung ohne Abschluss der Verbleib der Jugendlichen monatsgenau ermittelt, wobei sieben Statusarten unterschieden wurden (vgl. Übersicht 7).(17) Die bildungs- und berufsbiografischen Verläufe lassen sich als Sequenzen, d.h. als zeitliche Abfolge verschiedener Zustandsarten, darstellen. Auf dieser Grundlage können anschließend unterschiedliche Typen von Verlaufsmustern identifiziert werden.(18)

In der durchgeführten Sequenzmusteranalyse wurden drei biografische Verlaufstypen ermittelt. Um diese zu veranschaulichen, sind in Übersicht 7 die Sequenzmuster von jeweils 20 zufällig ausgewählten Jugendlichen grafisch dargestellt. Die typischen Verläufe und die Personengruppen, die einen solchen Werdegang aufweisen, lassen sich wie folgt beschreiben (vgl. auch Übersicht8):

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Typ 1: Wiedereinmündung in vollqualifizierende Ausbildung
Die Jugendlichen dieses Verlaufstyps beginnen innerhalb von 18 Monaten nach ihrer nicht erfolgreich abgeschlossenen ersten dualen Berufsausbildung erneut eine vollqualifizierende Ausbildung.(19) Diejenigen, die nicht sehr rasch wieder in Ausbildung einmünden, nehmen zwischenzeitlich an einer Übergangsmaßnahme teil, sind erwerbstätig oder befinden sich z.B. wegen der Suche nach einer Ausbildungsmöglichkeit zu Hause. Die betreffenden Jugendlichen verfügen relativ oft über einen mittleren oder höheren Schulabschluss und sind häufig mit unter 19 Jahren noch vergleichsweise jung.

Typ 2: Verbleib in Erwerbstätigkeit oder nicht vollqualifizierender Bildung
Die betreffenden Jugendlichen münden in den ersten eineinhalb Jahren nach Beendigung der dualen Ausbildung ohne Abschluss nicht wieder in eine vollqualifizierende Ausbildung ein. In den weitaus meisten Fällen gehen sie nun einer Erwerbstätigkeit nach, junge Männer absolvieren teilweise ihren Wehr- oder Zivildienst.(20) Einige Jugendliche nehmen an einer Übergangsmaßnahme teil und einige besuchen die Fachoberschule oder ein Fachgymnasium. Junge Männer sind bei diesem Verlaufstyp relativ stark vertreten, ebenso Jugendliche mit Hauptschulabschluss sowie junge Migranten und Migrantinnen.

Typ 3: Verbleib außerhalb des Bildungs- und Erwerbssystems
Diese Jugendlichen nehmen innerhalb von eineinhalb Jahren keine neue Berufsausbildung und in den allermeisten Fällen auch keine andere Art von Bildungsgang auf. Sie gehen auch keiner Erwerbstätigkeit nach. Vielmehr befinden sie sich aus unterschiedlichen Gründen zu Hause. Dieser Verlaufstyp ist damit als besonders problematisch einzuschätzen, denn es besteht die Gefahr, dass die betreffenden Jugendlichen dauerhaft außerhalb des Bildungs- und Erwerbssystems verbleiben. Relativ häufig sind hier junge Frauen vertreten sowie Jugendliche im Alter von 19 Jahren und älter.

Fazit

Nach den Analysen auf Basis der BIBB-Übergangsstudie 2011 beenden schätzungsweise 12% der Auszubildenden die (erste) duale Berufsausbildung ohne Abschluss. Gut ein Drittel von ihnen nimmt in den darauf folgenden zwei Jahren erneut eine duale Ausbildung auf. Insgesamt beginnt knapp die Hälfte der Jugendlichen, deren erste duale Ausbildung ohne Abschluss endete, innerhalb von zwei Jahren wieder eine vollqualifizierende Ausbildung, d.h., sie münden in eine duale Ausbildung, eine Ausbildung in Schulberufen, eine Beamtenausbildung oder in ein Studium ein. Wie viele Jugendliche, die sich einmal in einer dualen Ausbildung befunden haben, endgültig ohne vollqualifizierenden Abschluss bleiben, konnte mit den zugrunde gelegten Daten nicht bestimmt werden.

Die anhand der BIBB-Übergangsstudie 2011 ermittelte Quote für die Beendigung einer ersten dualen Berufsausbildung ohne Abschluss dürfte eher unterschätzt sein. Dies liegt an Erfassungsproblemen, die in einer empirischen Stichprobenuntersuchung mit retrospektiver Erhebung der Bildungsbiografie unvermeidlich sind. Es kann aber als gesichert angesehen werden, dass die tatsächliche Drop-Out-Quote der dualen Berufsausbildung deutlich unter der des Hochschulbereichs liegt (Uhly 2013: 167).(21) Dennoch stellt eine nicht erfolgreich abgeschlossene duale Ausbildung für die betroffenen Jugendlichen - ebenso wie für die betroffenen Betriebe - in der Regel ein gravierendes Problem dar. Deshalb sollte auch die vergleichsweise niedrigere Quote im dualen System noch gesenkt werden.

In der Analyse konnte eine Reihe von Risikofaktoren für die Beendigung einer dualen Berufsausbildung ohne Abschluss identifiziert werden. Es zeigt sich, dass Jugendliche mit niedrigeren schulischen Qualifikationen geringere Chancen auf einen erfolgreichen Abschluss der Ausbildung haben. Am höchsten ist das Risiko für eine Beendigung der Ausbildung ohne Abschluss für Jugendliche, die maximal über einen Hauptschulabschluss und über relativ schlechte Schulnoten verfügen. Ein erhöhtes Risiko zeigt sich darüber hinaus für Jugendliche mit einem Migrationshintergrund und für Personen, deren Eltern keinen Berufsabschluss haben. Besonders auffällig ist, dass junge Frauen die Ausbildung deutlich häufiger ohne Abschluss beenden als junge Männer. Wichtig ist auch, ob es sich bei dem Ausbildungsberuf um den Wunschberuf handelt oder nicht: Werden Jugendliche nicht in ihrem Wunschberuf ausgebildet, so liegt das Risiko für eine Beendigung der Ausbildung ohne Abschluss deutlich höher.

Als Grund für die vorzeitig bzw. nicht erfolgreich beendete Ausbildung wird von den Jugendlichen am häufigsten angegeben, dass die Ausbildung nicht das Richtige gewesen sei. Oft wird auch auf Probleme mit Ausbildern, Lehrern, Kollegen, Mitschülern sowie auf persönliche, finanzielle und gesundheitliche Gründe hingewiesen. Junge Frauen führen relativ häufig wegen Schwangerschaft oder Kinderbetreuung ihre Ausbildung nicht zu Ende. Dies erklärt zu einem gewissen Teil, weshalb für sie das Risiko, eine Ausbildung ohne Abschluss zu beenden, höher ist als für junge Männer.

Eine erfolglose Ausbildungsteilnahme ist oftmals darauf zurückzuführen, dass den Jugendlichen die Ausbildung nicht zusagt. Das heißt, entweder trafen ihre Vorstellungen von den Ausbildungsbedingungen und -inhalten nicht zu oder sie haben ihren Wunschberuf nicht realisieren können. Dies verdeutlicht zum einen, wie notwendig die bestehenden Programme zur Verbesserung von Berufsorientierung und Berufseinstiegsbegleitung sind und dass sie weiter ausgebaut werden sollten. Zum anderen zeigt es aber auch, dass es für Jugendliche häufig nicht sinnvoll ist, eine Ausbildung in einem Beruf zu beginnen, der sehr weit von den eigenen Wünschen entfernt ist und eigentlich nur eine Notlösung darstellt. Dies sollte auch bei der Berufsberatung stärker berücksichtigt werden.

Der Ausstieg aus einer Ausbildung ist für Jugendliche eine kritische Lebenssituation. Zeichnet sich eine vorzeitige Beendigung der Ausbildung ab, so wird eine kompetente Beratung der Jugendlichen benötigt, wobei gegebenenfalls auch der Ausbildungsbetrieb einbezogen werden sollte. Geht es um eher kleinere Konflikte im Betrieb, kann eine solche Beratung dazu beitragen, eine Auflösung des Ausbildungsvertrags zu verhindern. Für den Jugendlichen muss es allerdings nicht immer die sinnvollste Option sein, die Vertragslösung zu vermeiden. Sind die Probleme in der Ausbildung zu groß oder passt der Beruf überhaupt nicht zu den Neigungen des Jugendlichen, so kann ein Betriebs- oder Berufswechsel die bessere Alternative darstellen. Falls es zur Beendigung der Ausbildung im Betrieb kommt, brauchen Jugendliche vor allem schnelle und wirksame Unterstützung, damit ihnen die Wiedereinmündung in Ausbildung gelingt. Ein besonderer Unterstützungsbedarf besteht für junge Frauen, wenn die Fortsetzung der Ausbildung aufgrund von Schwangerschaft und Kinderbetreuung gefährdet ist. Ihnen müssen dann Möglichkeiten eröffnet werden, Ausbildung und familiäre Verpflichtungen so gut miteinander verbinden zu können, dass es nicht zur Überforderung kommt. Auch Betriebe können Maßnahmen ergreifen, um die Zahl von Abbrüchen bzw. erfolglosen Ausbildungsteilnehmern zu senken. Dies kann, neben einer Verbesserung des Rekrutierungsverfahrens, eine Verbesserung der Ausbildungsbedingungen und der Vergütung sowie auch eine bessere Betreuung der Auszubildenden während der Ausbildung sein.

  • 1 In der Studie von Schöngen (2003) konnten die Befragten mehrere Gründe gleichzeitig angeben.
  • 2 Mit dem Begriff "duale Berufsausbildung" ist hier immer eine Ausbildung nach Berufsbildungsgesetz bzw. Handwerksordnung gemeint.
  • 3 Der Vorteil der Kaplan-Meier-Schätzungen liegt darin, dass alle in eine duale Berufsausbildung eingemündeten Personen einbezogen werden konnten, auch wenn sie die Ausbildung erst vor kurzer Zeit begonnen hatten (rechtszensierte Fälle). Eine praxisorientierte Beschreibung des Kaplan-Meier-Verfahrens findet sich in Beicht/Friedrich/Ulrich 2008.
  • 4 Die Begrenzung auf 36 Monate war erforderlich, da es nur relativ wenige - und ausschließlich gewerblich-technische - Berufe mit einer längeren Ausbildungszeit von 42 Monaten gibt. Bei Einbeziehung von 42 Monaten hätte sich die Kaplan-Meier-Schätzung daher für die letzten sechs Monate auf eine nur sehr geringe Fallzahl mit speziellen Berufen gestützt, was das Gesamtergebnis möglicherweise erheblich verzerrt hätte.
  • 5 Die Unterschiede, die sich bei den Kaplan-Meier-Schätzungen nach Schulabschluss und Geschlecht ergeben, sind nach den gängigen Tests (Log-Rank-, Breslow- und Tarone-Ware-Test) jeweils hochsignifikant.
  • 6 Personen, deren Ausbildung zum Befragungszeitpunkt noch nicht beendet war, blieben hier unberücksichtigt.
  • 7 Informationen zu den Schulnoten lagen nur für die zuletzt besuchte allgemeinbildende Schule vor, nicht jedoch für später besuchte Bildungsgänge des Übergangssystems, in denen gegebenenfalls noch ein Schulabschluss erworben wurde.
  • 8 Dabei ist zu beachten, dass die subjektive Einschätzung des Berufs eventuell durch den Verlauf der Ausbildung geprägt sein kann, insbesondere wenn diese ursprünglich positiven Vorstellungen nicht entsprochen hat.
  • 9 Das erste Modell sollte ausschließlich objektive Merkmale beinhalten, daher wurde die subjektive Bewertung des Ausbildungsberufs zunächst nicht einbezogen.
  • 10 Es wird hier ausschließlich auf Ergebnisse der Regressionsmodelle eingegangen, die mindestens auf einem 10%-Niveau signifikant sind.
  • 11 Nur in Ostdeutschland gab es in der Vergangenheit in der außerbetrieblichen Ausbildung auch einen größeren Anteil von "marktbenachteiligten" Jugendlichen, die allein aufgrund der regionalen Ausbildungsmarktlage keinen betrieblichen Ausbildungsplatz erhalten hatten.
  • 12 Für die übrigen in Modell 1 einbezogenen Merkmale - Wohnregion der Jugendlichen, beruflicher Status des Vaters und Berufsbereich der Ausbildung - sind keine signifikanten Einflüsse nachweisbar.
  • 13 Die Begrenzung auf 24 Monate war notwendig, da es in den Daten der BIBB-Übergangsstudie 2011 zu we­nige Fälle mit einer längeren Beobachtungsdauer seit dem Ende der ersten dualen Ausbildung ohne Abschluss gibt
  • 14 Dieser Unterschied ist nach den bei Kaplan-Meier-Schätzungen gängigen Tests (Log-Rank-, Breslow- und Tarone-Ware-Test) jeweils nicht signifikant.
  • 15 Lediglich nach dem Breslow-Test, der die frühen Phasen der Beobachtung stärker gewichtet, ist der Unter- schied nach Geschlecht auf dem 10%-Niveau signifikant.
  • 16 Der Vorteil einer Cox-Regression gegenüber einer ­logistischen Regression ist u.a., dass in die Analyse nicht nur eingeht, ob in eine Ausbildung wiedereingemündet wurde oder nicht, sondern zusätzlich auch die Zeitdauer bis zur Einmündung berücksichtigt wird.
  • 17 Die engere Begrenzung des Beobachtungszeitraums auf 18 Monate war notwendig, um eine ausreichend große Fallzahl zu erreichen. Bei einer Sequenzmusteranalyse müssen Informationen für den gesamten Beobachtungszeitraum vorliegen, eine Berücksichtigung von Fällen, in denen die Zeitspanne von Ausbildungsende bis Erhebungszeitpunkt kürzer war (rechtszensierte Fälle), ist hier - anders als bei den Kaplan-Meier-Schätzungen und den Cox-Regressionen - nicht möglich.
  • 18 Dies erfolgte unter Anwendung der Optimal-Matching-Technik mit anschließender Clusterung. Zum Verfahren der Sequenzmusteranalyse vgl. Erzberger/Prein (1997).
  • 19 Der Personenanteil, der dieser Gruppe zuzurechnen ist, liegt mit 42% niedriger als der Anteil der Wiedereinmündungen, der nach der Kaplan-Meier-Methode geschätzt wurde (48%). Dies hängt vor allem mit der abweichenden Dauer der Beobachtungszeiträume zusammen, die bei der Sequenzmusteranalyse nur 18Monate betrug, bei der Kaplan-Meier-Schätzung dagegen 24 Monate.
  • 20 Zu beachten ist, dass letztere Verbleibsart wegen des Aussetzens der allgemeinen Wehrpflicht für junge Männer momentan keine Rolle mehr spielt.
  • 21 Zur Hochschulstatistik vgl. Heublein u.a. (2012).

Weiterführende Literatur

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    Möglichkeiten und Grenzen von Ausbildungsverlaufsanalysen mit der neuen Berufsbildungsstatistik: das Beispiel (Ausbildungsunterbrechung) Vertragsauflösung.
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  • Beicht, Ursula; Friedrich, Michael; Ulrich, Joachim G. (Hrsg.):
    Ausbildungs­chancen und Verbleib von Schulabsolventen.
    Bielefeld 2008
  • Beicht, Ursula; Walden, Günter:
    Berufswahl und geschlechtsspezifische Unterschiede beim Zugang zu betrieblicher Berufsausbildung.
    In: Zeitschrift für Berufs- und Wirtschaftspädagogik, 108 (2012) 4, S. 494-510
  • Bohlinger, Sandra:
    Ausbildungsabbruch. Einblick in eine vermeintliche Randerscheinung des deutschen Bildungssystems.
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    Ausbildungsabbruch ist vermeidbar! VerA: Auf dem "Tandem" die Ausbildung meistern.
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    BIBB-Qualifizierungspanel: Vorzeitige Lösung von Ausbildungsverträgen, Kurzinformationen Nr. 2.
    Bonn 2012
  • DIE WELT ONLINE:
    Jeder Vierte Azubi schmeißt seine Lehre hin (von Stefan von Borstel) vom 25.01.2013 (http://www.welt.de/113121540)
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    Teilnehmer an Abschlussprüfungen sowie Berufsabschlüsse.
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    Perspektiven beim Übergang Schule - Berufsausbildung. Methodik und erste Ergebnisse aus der BIBB-Übergangsstudie 2011.
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    Ausbildungsabbrüche vermeiden - neue Ansätze und Lösungsstrategien.
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    Hintergründe vorzeitiger Lösungen von Ausbildungsverträgen aus der Sicht von Auszubildenden und Betrieben in der Region Leipzig.
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    Kritisches Lebensereignis "Lehrvertragsauflösung". Eine Längsschnittuntersuchung zum Wiedereinstieg und zum subjektiven Wohlbefinden betroffener Jugendlicher.
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    Zurück zum Start? Berufswahlprozesse und Ausbildungserfolg nach Lehrvertragsauflösungen. In: Bergman, Manfred Max u.a. (Hrsg.): Bildung - Arbeit - Erwachsenwerden. Ein interdisziplinärer Blick auf die Transition im Jugend- und jungen Erwachsenenalter.
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    Betriebliche Kosten von Vertragslösungen.
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