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Berufsbildung als Treiber von Innovationen

Zweite gemeinsame Jahresvorlesung des BIBB mit der Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

17.05.2022

"Trägt die Berufsbildung zu Innovationen bei?“ Zu dieser Frage referierte Prof. Dr. Uschi Backes-Gellner von der Universität Zürich auf der zweiten gemeinsamen Jahresvorlesung des Bundesinstituts für Berufsbildung und der Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

Berufsbildung als Treiber von Innovationen
v.l.n.r. Prof. Dr. Elisabeth Krekel, Prof. Dr. Jörg Blasius, Prof. Prof. Dr. Uschi Backes-Gellner, Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, Prof. Dr. Volker Kronenberg

Nach dem erfolgreichen virtuellen Auftakt im letzten Jahr wurde die gemeinsame Jahresvorlesung Berufsbildungsforschung des BIBB mit der Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn am 10. Mai fortgesetzt.

In ihrem Vortrag "Berufsbildung und Innovation - ein vermeintlicher Widerspruch und seine Auflösung durch neue Forschungsbefunde" geht Prof. Dr. Uschi Backes-Gellner von der Universität Zürich der Frage nach, inwiefern die duale Berufsausbildung zur Innovationsfähigkeit der Gesamtwirtschaft beiträgt.

Mythos: Akademikerinnen und Akademiker treiben Innovationen voran

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Prof. Dr. Uschi Backes-Gellner (Universität Zürich)

Prof. Dr. Uschi Backes-Gellner argumentiert, dass anders als bisher angenommen, nicht eine große Anzahl von Akademikerinnen und Akademikern Innovationen vorantreibt, sondern die Berufsbildung wesentlich dazu beiträgt. Dies gilt vor allem in Ländern mit einer qualitativ hochwertigen dualen Berufsausbildung, wie in Deutschland und der Schweiz.

Studien von Prof. Dr. Backes-Gellner und Forscherkolleginnen und -kollegen belegen, dass

  • in der dualen Berufsausbildung Fachkräfte mit grundlegenden Qualifikationen ausgestattet werden, die für Innovationen benötigt werden. Neben berufspraktischem Wissen werden auch Methoden- und Sozialkompetenzen vermittelt;

  • Betriebe über ihre Auszubildenden aktuelles Wissen über Innovationsentwicklungen erhalten, da die Ausbildungsinhalte systematisch an den sich ändernden betrieblichen Anforderungen angepasst werden;

  • die Berufsbildung zur Entstehung neuen Wissens und zur Entwicklung innovativer Technologien beiträgt;

  • die Berufsbildung dazu verhilft, dass sich Innovationen in Betrieben schnell ausbreiten können und zwar unabhängig davon, ob Betriebe selbst Innovationen entwickeln oder nur indirekt daran beteiligt sind;

  • das (Berufs-)Bildungssystem für Berufsbildungsabsolventen und -absolventinnen vielfältige Möglichkeiten der Höherqualifizierung bietet. Insbesondere Fachhochschulen rekrutieren ihre Studierenden aus diesem Kreis, die später in Betrieben eine Schnittstelle zwischen berufspraktischen Kenntnissen und Erkenntnissen aus der Forschung bilden.

"Um die Innovationsfähigkeit von Betrieben zu erhalten, muss die Attraktivität der Berufsausbildung weiter gesteigert werden. Dazu brauchen wir vor allem die Gleichwertigkeit der beruflichen mit der akademischen Bildung!"

Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung

Wie kann eine hohe und anhaltende Innovationsfähigkeit in der beruflichen Bildung erlangt werden?

Voraussetzung für die Innovationsfähigkeit der Arbeitskräfte ist, dass das Berufsbildungssystem und der Arbeitsmarkt miteinander verbunden werden. Eine bedeutsame Rolle wird dabei der Zusammenarbeit von Sozialpartnern und weiteren Akteuren der beruflichen Bildung zugesprochen. Über die regelmäßige Aktualisierung der Ausbildungsinhalte werden zukunftsfähige Kompetenzprofile entwickelt. Eine weitere Voraussetzung für die Innovationsfähigkeit ist die Durchlässigkeit des (Berufs-)Bildungssystems. Sei es sowohl auf horizontaler Ebene, die einen Wechsel zwischen Berufen gleichen Qualifikationsniveaus erlaubt, als auch auf vertikaler Ebene, die eine Höherqualifizierung bis hin zu einer hochschulischen Ausbildung ermöglicht. Durch ein durchlässiges (Berufs-)Bildungssystem können sich Arbeitskräfte auf sich ändernde Arbeitsanforderungen einstellen.

Die Herausforderungen sind dabei, die Interessen hochinnovativer und traditioneller Betriebe zu berücksichtigen, die Abstimmungen zwischen beruflichen und akademischen Bildungsinstitutionen sowie neue und internationale Betriebe für die Berufsausbildung zu gewinnen und zu integrieren. Weiterhin muss die Berufsausbildung attraktiv sein, so dass auch bedingt durch den demografischen Wandel genügend Auszubildende rekrutiert werden können.

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Prof. Dr. Elisabeth Krekel (BIBB)

In der sich anschließenden Diskussion, die Prof. Dr. Elisabeth Krekel moderierte, wurden Fragen zur Messung von Innovationen und der Innovationsfähigkeit von kleineren Betrieben erörtert. Ein Schwerpunkt lag auf dem Bildungstrend zur Akademisierung. Während in der Schweiz das Image der Berufsausbildung positiv besetzt ist, zeigt sich in Deutschland, dass immer weniger Jugendliche und junge Erwachsene sich um einen dualen Ausbildungsplatz bewerben und akademische Bildungswege bevorzugen. Hierdurch wird nicht nur der Fachkräftemangel befördert, sondern auch die Innovationsfähigkeit von Betrieben gemindert.

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Der Einladung zur Jahresvorlesung sind über 60 Personen aus Wissenschaft, Berufsbildungspraxis und -politik gefolgt. Die Gastgeber der Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Prof. Dr. Volker Kronenberg, Dekan der Philosophischen Fakultät, und Prof. Dr. Jörg Blasius, Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie, sowie das BIBB sind sich einig, dass mit der Jahresvorlesung der Dialog zwischen Wissenschaft, Praxis und Politik erfolgreich umgesetzt wird.