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Alkohol und Drogenkonsum bei Auszubildenden und jungen Berufstätigen

Eine explorative Studie

Veröffentlicht: 29.11.2005
URN: urn:nbn:de:0035-0163-2

Ulrich Degen, Werner Gerwin, Dr. Ernst Ross

Das Bundesinstitut für Berufsbildung hat im Zusammenhang mit der Analyse von Ausbildungs- und Berufsverläufen eine explorative Studie zum Zusammenhang von Alkohol- und illegalem Drogenkonsum und Ausbildungsschwierigkeiten bzw. Schwierigkeiten im beruflichen Umfeld durchgeführt.

Suchtprobleme stellen in unserer Gesellschaft nach wie vor eine enorme Herausforderung dar. Sie verursachen für Betroffene und deren Angehörige viel Leid und für die Gesellschaft hohe und großteils vermeidbare Kosten. Suchtprobleme bedeuten individuelle Tragödien, zugleich belasten sie die Gesellschaft als Ganzes.

Eine besondere Problemgruppe bei der Betrachtung von Suchtproblemen sind Jugendliche und junge Erwachsene. Dies gilt insbesondere angesichts aktueller Trends, wie dem so genannten "Binge drinking", dem gezielten Rauschtrinken, oder dem Mischkonsum in der "Party-Szene", den "Designerdrogen" oder den Alkopops.

Neben gesundheitlichen und sozialen Problemen bringt Drogenkonsum zahlreiche weitere direkte und indirekte Belastungen mit sich. Dazu gehören Probleme am Arbeitsplatz oder bei Jugendlichen Schul- und Ausbildungsversagen.

Auch die Entwicklung des künftig benötigten Fachkräftepotentials ist durch Alkohol- und illegalen Drogenkonsum gefährdet. Denn zusätzlich zur prognostizierten demografischen Entwicklung gefährdet einerseits eine hohe Quote von Ausbildungsabbrechern die Bereitstellung einer ausreichenden Zahl an Nachwuchsfachkräften, andererseits bedeutet Alkohol- und illegaler Drogenkonsum eine Verschwendung des existierenden Fachkräftepotenzials, was sich durch Fehlzeiten, mangelndes berufliches Engagement, Leistungseinbußen und Prüfungsversagen, Gefährdung der Arbeitssicherheit und ähnliches manifestiert.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat im Zusammenhang mit der Analyse von Ausbildungs- und Berufsverläufen eine explorative Studie zum Zusammenhang von Alkohol- und illegalem Drogenkonsum und Ausbildungsschwierigkeiten bzw. Schwierigkeiten im beruflichen Umfeld durchgeführt.

Ziel dieser Studie war es, die Relevanz des Themas Alkohol und Drogenkonsum bei Auszubildenden und jungen Berufstätigen in Unternehmen und Betrieben sowie bei betrieblichen Experten wie Betriebsinhabern, Vorgesetzten, Ausbildern, Sozialberatern zu eruieren, um gegebenenfalls Entscheidungen über ein Präventionsprojekt für die betroffene Personengruppe vorzubereiten. 01

Ergebnisse

Im Zentrum der Studie stand die Frage, ob Alkoholkonsum und der Konsum illegaler Drogen bei Auszubildenden und jungen Berufstätigen ein relevantes, ernst zu nehmendes Thema in den Betrieben ist, ob Alkohol- und illegaler Drogenkonsum unter jungen Mitarbeitern in den Betrieben in relevanter Anzahl vorkommt und ob es gegebenenfalls berechtigt ist, dem Phänomen Alkohol- und illegaler Drogenkonsum in der Ausbildung und bei jungen Fachkräften intensiver nachzugehen.

Diese zentralen Fragen können aufgrund der Ergebnisse uneingeschränkt mit "ja" beantwortet werden.

Die befragten Experten bestätigten überwiegend, dass Alkohol- und illegaler Drogenkonsum unter jungen Mitarbeitern ein wichtiges, relevantes Thema in den Betrieben ist und, dass Alkohol- und illegaler Drogenkonsum bei jungen Mitarbeitern in den Betrieben in ernst zu nehmender Häufigkeit und Intensität vorkommen.

Frage: Ist Alkohol- bzw. Drogenkonsum unter Jugendlichen (bis 25 Jahre) in Ihrer Firma ein Thema?

Frage: Wie schätzen Sie dieses Problem generell ein?

Die Studie ergab darüber hinaus Einblicke bezüglich der vermuteten Häufigkeit des Konsums von Alkohol und illegalen Drogen.

Danach schätzt die Mehrzahl der Befragten (18 von 58 Nennungen), dass bei mehr als zehn Prozent der jungen Mitarbeiter ein regelmäßiger Alkoholkonsum vorliegt - wobei die Schätzungen bis zu 70% gehen. Ähnlich viele (15) Befragte schätzen immerhin noch bis zu zehn Prozent der jungen Mitarbeiter als regelmäßige Alkoholkonsumenten ein; deutlich weniger (11) schätzen bis zu fünf Prozent als solche ein. Nicht wenige (14) Befragte sprechen von "Ausnahmen".

Frage: Wieviele junge Menschen sind nach Ihrer Einschätzung in Ihrem Betrieb vom regelmäßigen Alkoholkonsum betroffen?

Vom regelmäßigen Konsum illegaler Drogen sind nach Einschätzung der größten Zahl der Experten nur Ausnahmen betroffen. Nicht ganz so viele Experten sind der Ansicht, dass bis zu fünf Prozent der jungen Mitarbeiter regelmäßig illegale Drogen konsumieren; zehn Experten schätzten den Anteil auf bis zu zehn Prozent ein und weniger als die Hälfte der Experten schätzten ihn noch höher ein, wobei in Ausnahmefällen Angaben bis zu 50 Prozent gemacht werden. Allerdings ist auch bemerkenswert, dass ein relativ großer Teil der Befragten nicht weiß, ob von den Jugendlichen regelmäßig illegale Drogen konsumiert werden.

Frage: Wie viele junge Menschen sind nach Ihrer Einschätzung in Ihrem Betrieb vom regelmäßigen Konsum illegaler Drogen betroffen?

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Häufigkeit und Verbreitung des Konsums von Alkohol und illegalen Drogen von den Befragten aus dem Ausbildungsbereich tendenziell als geringer eingeschätzt werden als von Befragten, die in der Sozial- und Gesundheitsberatung der Betriebe tätig sind, obwohl auch Ausbilder oder Ausbildungsleiter teilweise ein drastisches Bild der Situation zeichnen. Stellvertretend dafür steht die Aussage eines Ausbildungsleiters: "Alkohol- und illegaler Drogenkonsum sind auch unter Auszubildenden ein großes Problem. Wer das abstreitet, kennt seine Auszubildenden nicht." Aber das Problem wird offensichtlich von denjenigen, deren Aufgabe in der Sozial- und Gesundheitsberatung die Regelung von Problemfällen ist, als gravierender eingeschätzt bzw. deutlicher wahrgenommen.

Die Studie hat noch zahlreiche weitere Ergebnisse z. B. zu den Auswirkungen des Alkohol- und illegalen Drogenkonsums auf Fehlzeiten, Arbeitsqualität, Arbeitssicherheit u. a., sowie zu den von den Betrieben getroffenen Maßnahmen und den im Problemfall eingreifenden Mitarbeitern erbracht. Ebenso konnten die Befragten sich zu Maßnahmen im Umgang mit der Problematik äußern. Sehr häufig wurden dabei Aufklärung, Fortbildung, Seminare für Vorgesetzte zum besseren Umgang mit dem Problem, aber auch ein konsequentes Verhalten im Umgang mit dem Problem durch Sanktionen, Verbote, konsequentes Verhalten der Vorgesetzten genannt. Nicht zuletzt denken die Befragten aber auch daran, dass es wichtig ist, den jungen Menschen einen Lebenssinn zu geben, ihnen Perspektiven zu eröffnen, sie zu fördern und ihnen Verantwortung zu übertragen.

Durch den am 30. November und 1. Dezember 2005 stattfindenden Expertenworkshop zur Diskussion der explorativen Studie sollen deren Befunde erläutert und diese um weitere Erkenntnisse durch Expertenbeiträge ergänzt werden.

Die Ergebnisse dieses Workshops gehen in eine geplante wissenschaftliche Dokumentation ein.

Die Ergebnisse wurden für die Veröffentlichung im Internet zusammengefasst.
Bei Rückfragen stehen U. Degen (AB 2.4) und W. Gerwin (AB 3.2) zur Verfügung.

Ausgewählte Publikationen des BIBB zum Thema

  • Althoff, Heinrich
    Vorzeitige Lösung von Lehrverträgen und Ausbildungsabbruch
    Problemaufriss und Untersuchung der methodisch-statistischen Grundlagen
    Forschung Spezial; Heft 4
  • 1

    Im Rahmen dieser Studie wurden insgesamt 78 Personen befragt. Dabei kamen orientierende Telefoninterviews (14), standardisierte computerunterstützte Telefoninterviews (CATI) (33), eine standardisierte online- und postalische Befragung (25) und Intensivinterviews (6) zum Einsatz.

Erscheinungsdatum, Hinweis Deutsche Nationalbibliothek

Veröffentlichung im Internet: 29.11.2005

URN: urn:nbn:de:0035-0163-2

Die Deutsche Bibliothek hat die Netzpublikation "Alkohol und Drogenkonsum bei Auszubildenden und jungen Berufstätigen" archiviert.
Diese ist dauerhaft auf dem Archivserver Der Deutschen Bibliothek verfügbar.

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