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Verleihung des Hermann-Schmidt-Preises 2014

Vier innovative betriebliche Modelle der Inklusion in der dualen Berufsausbildung ausgezeichnet

Ziel einer inklusiven dualen Berufsausbildung muss es sein, die Ausbildung behinderter Menschen künftig stärker betrieblich auszurichten oder betrieblich mit Unterstützung durch externe Partner umzusetzen. Dadurch soll Menschen mit Behinderungen eine selbstbestimmte Teilhabe am beruflichen und gesellschaftlichen Leben ermöglicht werden. Aber wie müssen Lern- und Arbeitsbedingungen sowie Lern- und Arbeitsumgebungen gestaltet sein, damit Menschen mit und ohne Behinderung miteinander lernen und arbeiten können? Welche Anforderungen an die Qualifizierung des Ausbildungspersonals sind erkennbar, und wie können Lernortkooperationen erfolgreich gestaltet werden? „Innovative betriebliche
Modelle der Inklusion in der dualen Berufsausbildung“
lautete daher das diesjährige Thema des Wettbewerbs um den „Hermann-Schmidt-Preis“. Der Verein „Innovative Berufsbildung e.V.“ identifizierte und prämierte damit gezielt Projekte und Initiativen, die beispielhafte Modelle entwickelt und nachweislich umgesetzt haben. Vier Preisträger aus Berlin, Braunschweig und Hamburg wurden jetzt geehrt.

Gruppenfoto der Preisträger
Gruppenfoto aller Preisträger

Ziel des Vereins – der vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn sowie dem W. Bertelsmann Verlag (wbv) in Bielefeld getragen wird – ist es, mit dem jährlich verliehenen Preis auf innovative Ansätze in der Berufsbildungspraxis aufmerksam zu machen, diese zu fördern und zur Nachahmung zu empfehlen. Namensgeber ist der frühere Präsident des BIBB, Prof. Dr. Hermann Schmidt, der das Institut von 1977 bis 1997 leitete. Die Preisverleihung des in diesem Jahr bereits zum 18. Mal ausgetragenen Wettbewerbs fand am 29. Oktober während der 10. wbv-Fachtagung in Bielefeld statt.

v.l.n.r. W. Arndt Bertelsmann, Werner Heitz, Frederik Röhl, Margrit Zauner, Dr. Dirk Schwenzer, Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser
v.l.n.r. W. Arndt Bertelsmann, Werner Heitz,
Frederik Röhl, Margrit Zauner,
Dr. Dirk Schwenzer,
Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser

Aus den zum Wettbewerb eingereichten 19 Initiativen gingen als Sieger hervor:

Hermann-Schmidt-Preisträger 2014 (3.000 Euro): „Inklusion in der dualen Berufsausbildung ist keine Einbahnstraße – Neue Wege führen zum Ziel“ – Annedore-Leber-Berufsbildungswerk (ALBBW) und Mondelez Deutschland Produktion, Berlin
Ziel der Projektpartner, die seit 2013 eng kooperieren, ist es, eine reguläre betriebliche Ausbildung mit den Möglichkeiten einer Ausbildung in einem Berufsbildungswerk innovativ miteinander zu verzahnen. Die Mechatronik-Auszubildenden des ALBBW absolvieren zwei Jahre ihrer Ausbildung im Berufsbildungswerk, die anschließenden anderthalb Jahre im Betrieb. Im Gegenzug lernen die angehenden Industriemechaniker/-innen des Betriebs bestimmte Inhalte ihrer Ausbildung, wie zum Beispiel das CNC-Drehen oder -Fräsen, im Berufsbildungswerk. Die Lehrgänge finden in gemischten Teams und unter Leitung pädagogisch geschulter Ausbilder statt. Die Jury würdigt das innovative, beispielhafte Projekt für sein überzeugendes Inklusionskonzept und betont insbesondere die Möglichkeiten seiner Übertragbarkeit.
Kontakt: Dr. Dirk Schwenzer, Annedore-Leber Berufsbildungswerk Berlin, Paster-Behrens-Str. 88, 12359 Berlin, Tel.: 030 / 66 588-200, E-Mail: d.schwenzer@albbw.de, www.albbw.de

Sonderpreis "Iklusion konkret" Fördern durch Spielmittel e.V. Berlin
v.l.n.r. W. Arndt Bertelsmann, Siegfried Zoels,
Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser

Sonderpreis (1.000 Euro):
„Inklusion konkret“ – Fördern durch Spielmittel e.V., Berlin

Teil des ausgezeichneten Vereins sind zwei Berliner Handwerksbetriebe des 1. Arbeitsmarkts: eine Tischlerei und eine Schneiderei. Von den insgesamt 15 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen sind acht schwerbehindert. In beiden Betrieben arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung gleichberechtigt zusammen, Jugendliche mit und ohne Behinderung werden gemeinsam ausgebildet, zum Beispiel zum Schneider, Tischler bzw. „Holzbearbeiter“. Die Jury würdigt den umfassenden und nachhaltigen Inklusionsansatz des Projekts, den Umgang mit den Mitarbeitern, die Einbindung der Kunden sowie die Vernetzung mit dem Trägerverein, der für die Verbreitung der Projektergebnisse sorgt, als besonders innovativ.
Kontakt: Siegfried Zoels, Fördern durch Spielmittel e.V., Immanuelkirchstraße 24, 10405 Berlin,
Tel.: 030 / 44 29 293, E-Mail:
zoels@spielmittel.de, www.spielmittel.de

Sonderpreis "Seitentausch" Lebenshilfe Braunschweig
v.l.n.r. Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser,
Wolfgang Weidauer ,
Abdulmuhsin Ay, Viktoria Kucharczak,
Stefan Höpting, W. Arndt Bertelsmann

Sonderpreis (1.000 Euro):
„Seitentausch“ – Lebenshilfe Braunschweig

Auszubildende der Lebenshilfe Braunschweig mit einer geistigen Behinderung absolvieren einen Teil ihrer Ausbildung im Unternehmen MAN SE und werden dort von den betrieblichen Auszubildenden angeleitet. Im Gegenzug verbringen die betrieblichen Auszubildenden drei Wochen in der Werkstatt der Lebenshilfe. Beide Gruppen lernen durch diesen inklusiven Ansatz den respektvollen Umgang miteinander und profitieren für ihre weitere berufliche und persönliche Entwicklung. Idealerweise dient der Austausch den Auszubildenden der Lebens-hilfe als Einstieg in eine Fachpraktiker-Ausbildung. Die Jury betont die hohe Qualität des Projekts und würdigt insbesondere die didaktisch-methodischen Leitlinien.
Kontakt: Frank Rogalski, Lebenshilfe Braunschweig gemeinnützige GmbH, Kaiserstraße 18,
38100 Braunschweig, Tel.: 0531 / 4719-344, E-Mail:
frank.rogalski@lebenshilfe-braunschweig.de, www.lebenshilfe-braunschweig.de

Sonderpreis des Ministeriums für Wirtschaft und Energie
v.l.n-r. W. Arndt Bertelsmann,
Renata Dorn, Stefan Schnorr,
Kinga Ostrowski,
Marianela von Schuler Alarcon,
Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser

Sonderpreis des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (1.000 Euro): „Lebendige Inklusion gehörloser Menschen in der medizinischen Versorgung“ – In Deaf Med e.V., Hamburg
Die Zahnärztin und Vereinsgründerin von Schuler Alarcon hat sich auf die Behandlung von gehörlosen Menschen spezialisiert. In ihrer Praxis werden seit zwei Jahren vier gehörlose Mitarbeiterinnen – zwei im 2. und zwei im 1. Ausbildungsjahr – regulär zu Zahnmedizinischen Fachangestellten ausgebildet. Der Berufsschulunterricht und die Prüfungsanforderungen wurden angepasst sowie ein „Videolexikon“ entwickelt, um die zahnärztlichen Fachbegriffe in Gebärdensprache zu erläutern. Die Jury würdigt das herausragende persönliche Engagement, um Gehörlosen eine Berufsausbildung zu ermöglichen. Mit der Einrichtung einer Modellpraxis wird ein weiterer innovativer Schritt Richtung Nachhaltigkeit getan.
Kontakt: Marianela von Schuler Alarcon, In Deaf Med e.V., Böttgerstraße 12, 20148 Hamburg, Tel.: 040 / 45 65 47, E-Mail: zahnarzt@vonschuleralarcon.de, www.indeafmed.com