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Duales System vor großen Herausforderungen

Die Entwicklung des Ausbildungsmarktes im Jahr 2014

Illustration: Ausbildungsmarkt 2014
Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge 1992-2014

Im Jahr 20141 setzte sich der Negativtrend der vergangenen drei Jahre auf dem Ausbildungsmarkt fort: Sowohl das Ausbildungsplatzangebot als auch die Ausbildungsplatznachfrage sind gesunken und die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ging nochmals zurück: Mit 522.2002 Verträgen wurde im Jahr 2014 erneut ein Tiefstand erreicht: Seit der Wiedervereinigung Deutschlands hat es nie weniger neu abgeschlossene Ausbildungsverträge gegeben als 2014. Der Ausbildungsmarkt war außerdem weiterhin von Passungsproblemen gekennzeichnet. Hohe Anteile an unbesetzten Ausbildungsstellen und an erfolglosen Bewerbern3 zeigen, dass Angebot und Nachfrage nicht ausreichend zueinander finden. Besonders stark zugenommen hat im Jahr 2014 der Anteil der unbesetzten Ausbildungsplatzangebote. Gleichzeitig konnten erneut weniger ausbildungsinteressierte Personen an dualer Berufsausbildung4 beteiligt werden.

Entwicklung von Ausbildungsplatzangebot und -nachfrage

2014 wurden bundesweit 559.300 Ausbildungsplatzangebote registriert (-3.900 bzw. -0,7% im Vergleich zum Vorjahr), darunter 539.200 betriebliche Angebote (-2.400 bzw. -0,4%) und 20.100 „außerbetriebliche“ Angebote (-1.500 bzw. -7,1%).5

Die Ausbildungsplatznachfrage lag 2014 bei 603.400 Personen. Dies ist eine Verringerung um -9.700 bzw. -1,6% im Vergleich zum Vorjahr. Ein zentraler Hintergrund des erneuten Rückgangs ist die negative demografische Entwicklung in Deutschland und die damit verbundene kontinuierlich sinkende Zahl junger Menschen.

Da der Rückgang der Ausbildungsplatznachfrage noch stärker war als der Rückgang des Ausbildungsplatzangebotes, fiel die erweiterte Angebots-Nachfrage-Relation (eANR) im Jahr 2014 leicht höher aus als im Vorjahr (+0,8 Prozentpunkte). Dies gilt sowohl für West- als auch für Ostdeutschland. Bundesweit entfielen rechnerisch 92,7 Ausbildungsplatzangebote auf 100 Ausbildungsplatznachfrager.

Erfolglose Marktteilnehmer

Im Berichtsjahr 2014 konnten insgesamt 37.100 der von der Bundesagentur für Arbeit registrierten Ausbildungsstellen bis zum Bilanzierungsstichtag 30. September nicht besetzt werden. Dies ist der höchste Wert seit 1995 und stellt im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um +3.400 bzw. +10,0% dar. Insgesamt blieben 6,9% des offiziell6 errechneten betrieblichen Ausbildungsangebots vakant. Besonders betroffen von Stellenbesetzungsproblemen war erneut das Handwerk, in dem 12.800 Stellen bzw. 8,7% des betrieblichen Ausbildungsangebots bis zum 30. September erfolglos angeboten wurden. Im ostdeutschen Handwerk blieb sogar jeder zehnte Ausbildungsplatz (10,1%) unbesetzt.

Trotz insgesamt nachlassender Nachfrage suchten 81.200 der bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) registrierten Ausbildungsstellenbewerber bis zum Stichtag 30. September ohne Erfolg nach einer Ausbildungsstelle. Dies waren -2.400 bzw. -2,8% im Vergleich zum Vorjahr. Der Anteil der Erfolglosen fiel 2014 mit 13,5% gemessen an der offiziellen Nachfrage immer noch vergleichsweise hoch aus; der Rückgang gegenüber 2013 betrug lediglich 0,1 Prozentpunkte.

Der Ausbildungsmarkt war 2014 somit weiterhin von Passungsproblemen gekennzeichnet, wobei im Jahr 2014 vor allem die Besetzungsprobleme auf der Angebotsseite zunahmen, während die Versorgungsprobleme auf relativ hohem Niveau stagnierten.

Beteiligung ausbildungsinteressierter Jugendlicher an dualer Berufsausbildung

Die rechnerische Gesamtzahl aller im Laufe des Jahres institutionell erfassbaren ausbildungsinteressierten Personen, die neben den offiziell ausgewiesenen „Ausbildungsplatznachfragern“ auch jene Ausbildungsstellenbewerber umfasst, welche ihren Vermittlungswunsch vor dem Bilanzierungsstichtag aufgaben, betrug im Jahr 2014 810.500 Personen. Dies waren -4.800 bzw. -0,6% weniger als im Vorjahr. Bundesweit konnten 64,4% von ihnen für eine duale Berufsausbildung gewonnen werden. Damit setzte sich 2014 der seit 2011 zu beobachtende Rückgang der Einmündungsquote ausbildungsinteressierter Jugendlicher in eine duale Berufsausbildung fort. Wie in den Jahren zuvor blieb die Einmündungsquote weiblicher Ausbildungsinteressierter (62,4%) hinter der männlicher Ausbildungsinteressierter zurück (65,8%).

Entwicklung des Ausbildungsvolumens: Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge

Das Ausbildungsvolumen ist im Jahr 2014 bundesweit erneut gesunken. Mit 522.200 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen wurde der historische Tiefstand des vergangenen Jahres noch einmal unterboten: Seit der Wiedervereinigung Deutschlands gab es nie weniger neu abgeschlossene Ausbildungsverträge als 2014. Der Rückgang der Neuabschlüsse betraf sowohl West- als auch Ostdeutschland: In Westdeutschland belief sich die Zahl der neuabgeschlossenen Ausbildungsverträge auf 448.900 (-6.400 bzw. -1,4% im Vergleich zu 2013) und in Ostdeutschland auf 73.300 (-900 bzw. -1,2% im Vergleich zu 2013).

Die historisch niedrige Zahl an neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen kontrastiert deutlich mit der hohen Zahl an Studienanfängern im Jahr 2014. Die Relation zwischen der Zahl der Personen mit neuem Ausbildungsvertrag und der Zahl der Studienanfänger hat sich in den letzten Jahren massiv verschoben. Standen im Jahr 1998 noch einem Studienanfänger zwei Personen mit neuem Ausbildungsvertrag gegenüber, beträgt das heutige Verhältnis eins zu eins (Tabelle).

Tabelle: Ausbildungsmarktentwicklung von 2009 bis 2014 (Stichtag 30. September)

  2009 2010 2011 2012 2013 2014 Entwicklung 2014
gegenüber 2013
      absolut in %
Deutschland      
Ausbildungsplatzangebot      

   insgesamt

581.562 579.564 599.070 584.532 563.280  559.332  -3.948 -0,7
   besetzt (=NAA) 564.306 559.959 569.379 551.259 529.542  522.231  -7.311 -1,4
   zum 30.09. noch unbesetzt 17.255 19.605 29.689 33.274 33.738  37.101  +3.363 +10,0
   betrieblich 1) 535.761 538.521 568.608 558.627 541.599  539.193  -2.406 -0,4
   außerbetrieblich 2) 45.801 41.043 30.459 25.905 21.681  20.142  -1.539 -7,1
Ausbildungsplatznachfrage 3)                
   insgesamt 652.848 640.332 641.700 627.243 613.107  603.420  -9.687 -1,6
   erfolgreich (=NAA) 564.306 559.959 569.379 551.259 529.542  522.231  -7.311 -1,4
   zum 30.09. noch suchend 88.540 80.371 72.319 75.984 83.564  81.188  -2.367 -2,8
Angebots-Nachfrage-Relation 3)    
   insgesamt 89,1 90,5 93,4 93,2 91,9  92,7  +0,8 -
   betrieblich

82,1

84,1

88,6

89,1

 88,3

 89,4

+1,0

-

Ausbildungsinteressierte 4)

866.475

846.858

835.131

825.993

815.367

810.540

-4.827

-0,6

Einmündungsquote Ausbildungsinteressierte (EQI) in %

65,1

66,1

68,2

66,7

64,9

64,4

-0,5

-

Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge (NAA)

564.306

559.959

569.379

551.259

529.542  522.231  -7.311 -1,4
 
1) betrieblich = nicht (überwiegend) öffentlich finanziert
2) außerbetrieblich = (überwiegend) öffentlich finanziert

3) nach der neuen, erweiterten Definition im Sinne des Berufsbildungsgesetzes (BBiG). Der Berufsbildungsbericht soll nach § 86 "die Zahl
der (am 30. September) bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Ausbildungsplätze suchenden Personen" angeben.

4) Als (institutionell erfasste) Ausbildungsinteressierte gelten all jene Personen, die entweder einen Ausbildungsvertrag unterschrieben
oder aber zumindest bei der Bundesagentur für Arbeit als Ausbildungsstellenbewerber/-innen registriert waren.

Bei der Berechnung wurden nachträgliche Korrekturen früherer Jahre berücksichtigt.
Hinweis: Werte, die im Zusammenhang mit der BIBB-Erhebung zum 30. September stehen, wurden aufgrund von Bestimmungen des
Datenschutzes auf ein Vielfaches von drei gerundet.
Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Zeitreihe Bewerber und Berufsausbildungsstellen, Nürnberg, November 2014; Bundesinstitut für
Berufsbildung, Erhebung zum 30. September; eigene Berechnungen des BIBB-Arbeitsbereichs 2.1
  • 1

    Gemeint ist, wenn nicht explizit anders dargestellt, stets das Berichtsjahr der offiziellen Ausbildungsmarktbilanzierung, das am 1. Oktober des Vorjahres beginnt und am 30. September endet.

  • 2

    Absolutwerte werden im folgenden Text i.d.R. auf ein Vielfaches von 100 gerundet. Genauere Werte können den Tabellen entnommen werden, wobei auch hier alle Absolutwerte, die im Zusammenhang mit der BIBB-Erhebung zum 30. September stehen, aus datenschutzrechtlichen Gründen auf ein Vielfaches von drei gerundet wurden.

  • 3

    Wenn nicht explizit anders kenntlich gemacht, werden aus Gründen der Lesbarkeit im gesamten Text bei allen Personenbezeichnungen generische Maskulina verwendet. Gemeint ist also grundsätzlich sowohl die männliche als auch die weibliche Form.

  • 4

    Mit dualer Berufsausbildung ist in dem vorliegenden Artikel stets die Berufsausbildung nach Berufsbildungsgesetz (BBiG) und Handwerksordnung (HwO) gemeint.

  • 5

    „Außerbetriebliche“ Ausbildungsangebote sind zusätzlich bereitgestellte Plätze, die überwiegend öffentlich finanziert werden.

  • 6

    Mit dem Attribut „offiziell“ wird hier und im Folgenden darauf verwiesen, dass es sich um jenes Angebot und um jene Nachfrage handelt, die sich institutionell erfassen lässt. Erfolglose Marktteilnehmer, die ihren Ausbildungswunsch nicht der Arbeitsverwaltung mitgeteilt hatten, sind in den offiziellen Größen nicht enthalten.

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