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Was stabilisiert duale Ausbildungsverhältnisse?

BIBB-Analysen und Dokumentation von Maßnahmen zum Thema Vertragslösungen

Foto: Ausbildungsvertrag
© seen - Fotolia.com

Das Risiko einer vorzeitigen Vertragslösung hängt nicht allein von den Kompetenzen und Einstellungen der Jugendlichen ab. Laut BIBB-Analysen weist auch der betrieblich-berufliche Kontext einen eigenständigen Einfluss auf.

Ausbildungsabbrüche und vorzeitige Vertragslösungen in der dualen Berufsausbildung betreffen ein bildungspolitisch wichtiges Thema, das insbesondere vor dem Hintergrund eines sich abzeichnenden Fachkräftemangels stark an Aufmerksamkeit gewinnt. Vertragslösungen sind dabei nicht mit Ausbildungsabbrüchen gleichzusetzen, denn ein Großteil der Auszubildenden führt die Ausbildung im dualen System mit einem neuen Ausbildungsvertrag fort. Die Datenlage erlaubt hier aber nur eine grobe Kalkulation der Abbruchquote, die im Jahr 2013 bei rund 17 % lag und damit deutlich niedriger ist als die Studienabbruchquote, die bei Bachelorstudiengängen etwa 28 % (2012) betrug.

Die BIBB-Untersuchungen zeigen, dass die Lösungsquote, das heißt der Anteil vorzeitig gelöster Ausbildungsverträge an allen begonnenen Ausbildungsverträgen in der dualen Berufsausbildung, im Berichtsjahr 2013 mit 25 % im üblichen Schwankungsbereich der letzten 20 Jahre liegt. Dabei fällt auf, dass die Vertragslösungsquote in der Regel umso höher ausfällt, je günstiger die Ausbildungsmarktlage aus Sicht der Jugendlichen ist.

Die Vertragslösungsquote beträgt bei Auszubildenden ohne Hauptschulabschluss rund 38 % und somit fast das Dreifache der Lösungsquote von Auszubildenden mit Studienberechtigung, die im Berichtsjahr 2013 bei knapp 14 % lag. Das Risiko einer vorzeitigen Vertragslösung hängt jedoch nicht allein von den Jugendlichen, ihren Einstellungen und Kompetenzen ab. Die Quote vorzeitiger Vertragslösungen fällt auch in den dualen Ausbildungsberufen sehr unterschiedlich aus; sie schwankt zwischen unter 5 % und über 50 %.

Vertragslösungen werden meist als Scheitern der Auszubildenden betrachtet und mit Blick auf ihre Berufswahl- und Ausbildungsfähigkeit diskutiert. Laut Analysen des Bundesinstituts für Berufsbildung weist jedoch auch der betrieblich-berufliche Kontext einen eigenständigen Einfluss auf das Risiko von vorzeitigen Vertragslösungen auf. Eine aktuelle Untersuchung von Rohrbach-Schmidt/Uhly zeigt, dass diese Unterschiede nicht allein aufgrund der Schulabschlüsse der Auszubildenden resultieren. In aus Sicht der Jugendlichen unattraktiveren Berufen, in kleineren Betrieben und bei geringeren betrieblichen Ausbildungsinvestitionen fällt das Vertragslösungsrisiko höher aus. Dieses Risiko ist dann besonders hoch, wenn mehrere dieser Faktoren zusammenkommen. Bei höheren betrieblichen Ausbildungsinvestitionen und in aus Sicht der Jugendlichen attraktiveren Berufen fällt auch für Jugendliche mit geringerer schulischer Vorbildung das Vertragslösungsrisiko deutlich niedriger aus. Maßnahmen zur Senkung des Vertragslösungsrisikos, so folgern die BIBB-Autoren, müssen daher verstärkt auch die Rahmenbedingungen und Strukturen der Ausbildung in den Blick nehmen.

Erste Programme und Ansätze zur Senkung des Vertragslösungsrisikos binden daher verstärkt beide Seiten ein und bieten Angebote zur Unterstützung sowohl für Betriebe als auch für Jugendliche an. Dies will auch das neue Instrument „Assistierte Ausbildung“ leisten, das aktuell gesetzlich festgeschrieben wurde. Mithilfe der Assistierten Ausbildung wird eine reguläre Ausbildung mit Unterstützung für Betrieb und Auszubildende/-n möglich, statt den/die Jugendliche/-n aufgrund seiner/ihrer Defizite gesondert zu fördern. Darüber hinaus können ausbildungsbegleitende Hilfen bei drohendem Abbruch der Ausbildung bundesweit in Anspruch genommen werden. Auf kommunaler Ebene sind vereinzelt auch Mediationsservices zur Bearbeitung von Konflikten eingerichtet. Eine frühzeitige Berufsorientierung mit großer Nähe zur Betriebs- oder Berufsrealität, zum Beispiel über Praktika oder Werkstatttage, und eine auf Kontinuität angelegte Beratung und Begleitung, die die Persönlichkeit mit ihren Potenzialen in den Blick nimmt, sind weitere Schritte, um vorbeugend ungewollten Vertragslösungen entgegenzuwirken.

Informationen zu vorzeitigen Vertragslösungen aus Basis der Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder (Erhebung 31.12.)

Uhly, Alexandra: „Vorzeitige Vertragslösungen und Ausbildungsverlauf in der dualen Berufsausbildung. Forschungsstand, Datenlage und Analysemöglichkeiten auf Basis der Berufsbildungsstatistik“. Bundesinstitut für Berufsbildung (Hrsg.). Wissenschaftliche Diskussionspapiere, Nr. 157/2015.

Das BIBB stellt Daten und Berechnungen auf Basis der Berufsbildungsstatistik auch im „Datensystem Auszubildende“ (DAZUBI) bereit. Dort steht auch eine Tabelle für das Berichtsjahr 2013 mit den jeweils 20 dualen Ausbildungsberufen mit den höchsten und niedrigsten Lösungsquoten zur Verfügung.

Rohrbach-Schmidt, Daniela; Uhly, Alexandra: „Determinanten vorzeitiger Lösung von Ausbildungsverträgen. Eine Mehrebenenanalyse auf Basis der Berufsbildungsstatistik.“ In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Band 67, Heft 1 (2015), Seite 105-135.
DOI: 10.1007/s11577-014-0297-y 

Ansprechpartnerinnen:
Dr. Alexandra Uhly; uhly@bibb.de
Dr. Daniela Rohrbach-Schmidt; rohrbach@bibb.de

Dokumentation von Maßnahmen und Praxismodellen zum Thema Vertragslösungen

Ein „qualiboXX“-Dossier stellt Praxismodelle, Konfliktlösungswege, Meinungen und Förderprogramme zur Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen vor.

Die Good Practice Center-Themenseite bietet darüber hinaus Basisinformationen, wissenschaftliche Literaturhinweise und eine Dokumentation zu einem Praxisworkshop.

Ansprechpartner:
Frank Neises; neises@bibb.de