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Kompetenzenentwicklung für nachhaltige Entwicklung

Kompetenzentwicklung

Nachhaltigkeitsorientierte Gestaltungskompetenzen werden in der beruflichen Facharbeit benötigt, damit z.B. energieeffizient und ressourcenschonend produziert und gearbeitet wird. Berufsbildung ist der Schlüssel, denn sie fördert Kompetenzen für nachhaltiges Arbeiten und Wirtschaften.

Was ist der Hintergrund nachhaltiger Entwicklung?

Unsere Gesellschaft verbraucht mehr Ressourcen unseres Planeten als vorhanden sind. Wir betreiben Raubbau an Rohstoffen und die Entsorgung von Müll, Abgasen u.a. Emissionen belastet unsere Erde erheblich. Um die natürlichen Lebensgrundlagen für alle Generationen zu sichern, ist erforderlich ökonomische, soziale und ökologische Verantwortung in bestmöglichen Einklang zu bringen. Nachhaltiges Wirtschaften und Arbeiten ist daher überlebensnotwendig für uns und unseren Planeten.

Schaubild 1: Nachhaltigkeitsdreieck
Quelle: Hauff/Kleine 2009, S.125

Welche Kompetenzen sind gefragt, wenn nachhaltige Entwicklung in der Berufsarbeit umgesetzt wird?

In diesem Zusammenhang gewinnen folgende Kompetenzen zunehmend an Bedeutung:

  • Schnittstellenkompetenzen, denn um ein Gebäude energieeffizient herzustellen, ist die enge Zusammenarbeit der Gewerke notwendig.
  • Kundenberatung und Kommunikationskompetenzen, denn Kunden und Verbraucher möchten beratenwerden, wie und wo sie z.B. Energie sparen können oder welche Dämmstoffe ressourcensparend sind.
  • Systemisches übergreifendes Denken, denn nur wer den gesamten Lebenszyklus eines Produkts im Auge hat, der kann bei Rohstoffen, Transportwegen, Energieverbrauch, Produktionsbedingungen, Entsorgung betriebswirtschaftliche UND gesellschaftliche Kosten und Ressourcen sparen.

Mehr zur Umsetzung vom Nachhaltigkeit im Berufsalltag und zu nachhaltigkeitsorientierten Kompetenzen siehe Download-Bereich rechts.

Wie werden nachhaltigkeitsorientierte Kompetenzen entwickelt?

Nachhaltige Entwicklung erfordert einen Paradigmenwechsel in Wirtschaft und Arbeitswelt. Sie erfordert einen Bewusstseinswandel und eine nachhaltigkeitsorientierte Gestaltungs- und berufliche Handlungskompetenz. Der Schlüssel zum nachhaltigen Arbeiten und Wirtschaften liegt in der Facharbeit, weshalb der beruflichen Bildung besondere Bedeutung zukommt. Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung soll vom beruflichen Handlungsfeld aus erfolgen (induktiv). Dabei steht die Integration und Umsetzung des Nachhaltigkeitsgedankens in den unterschiedlichen beruflichen Tätigkeiten, Arbeitsprozessen und Verfahren im jeweiligen Beruf im Fokus. Die Vermittlung eines nachhaltigkeitsorientierten Denkens und Handelns zielt auf fachliche, soziale und personale Kompetenzen. Bewusstsein und Verantwortung für nachhaltige Entwicklung in der Arbeitswelt kann so in das berufliche Handeln und in die berufliche Identität einfließen und zur Modernisierung und Attraktivität der Berufsbildung sowie zur Fachkräftesicherung beitragen.

Die Kompetenzentwicklung setzt demnach integrativ im konkreten berufliches Handlungsfeld, bei den fachlichen Tätigkeiten im Beruf also domänespezifisch bei der Entwicklung und Umsetzung von Produkten und Dienstleistungen an. Im Rahmen des Modellversuchsförderschwerpunkts „Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung 2010-2013" wurden zwei verallgemeinerbare Modelle mit diesem Ansatz entwickelt, die auf alle Berufsfelder übertragbar sind.

Gestaltung von Lernsituationen zur nachhaltigen Entwicklung

Mit dem Querschnittsthema nachhaltige Entwicklung sind nicht zusätzliche Inhalte im Ausbildungsrahmenplan gefordert, vielmehr ist das Thema integrativ zu behandeln. D.h. in den Arbeitsprozessen stellen sich neue Fragen, die andere Arbeitsweisen, Verfahren, Vorgehen und Abläufen erforderlich machen.
Beispielsweise bei der Bausanierung gibt es neue Dämmstoffe mit verschiedenen witterungsbedingten und physikalischen Eigenschaften. Es ist abzuwägen, ob dabei auch nachwachsende Rohstoffe oder Recycling Materialien in Frage kommen und wie wirtschaftlich das auf kurze oder lange Sicht ist. Wichtig ist, wie diese neuen Materialien verbaut werden, um die erwartete Energieersparnis zu bewirken. Beim Abbau/ Abriss ist die Frage der Entsorgung oder der möglichen Wiederverwertung von Materialien zu bedenken Die genannten Fragen werden in der Praxis bereits behandelt, jedoch z.T. nur punktuell. Entscheidend bei der nachhaltigen Entwicklung sind, das konsequente Vorgehen und die Umsetzung, die zum umfassenden Effekt führt. Dieses andere Denken und Handeln innerhalb der Facharbeit/ der Berufsarbeit erfordert die Vermittlung einer erweiterten/ nachhaltigkeitsorientierten beruflichen Handlungskompetenz es in der beruflichen Aus- und Weiterbildung.

Die Wissenschaftliche Begleitung im Rahmen des Förderschwerpunkts „Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung“ hat mit den Modellversuchen didaktische Leitlinien zur Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung entwickelt, die modellhaft -weil übertragbar - mit ihren Problem-/ Fragestellungen für alle Berufsfelder transferiert werden können.

Schaubild 2

Nachhaltigkeitsorientierte Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten - Fünf didaktische Leitlinien zur Förderung nachhaltiger Entwicklung: 

(vgl. Kuhlmeier/Vollmer 2014, siehe Literaturhinweise)

  • Soziale, ökologische und ökonomische Aspekte mit ihren Wechselbezügen, Widersprüchen und Dilemmata
    Die drei Anforderungen der Nachhaltigkeit - sozial, ökologisch, ökonomisch - sind voneinander abhängig und oftmals nicht gleichermaßen zu integrieren, da Wechselbezüge, Widersprüche und Dilemmata auftreten. Daher ist das „Denken in Alternativen“ eine nachhaltigkeitsbezogene Kompetenz. In beruflichen Lernsituationen kann an Widersprüchen die Auseinandersetzung mit moralischen Ansprüchen an Nachhaltigkeit und die Reflexion eigener Leitbilder gelernt werden.
  • Auswirkungen auf andere – lokal, regional und global
    Dem Lernenden begreifbar vermitteln, dass das eigene berufliche Handeln – Dienstleistungen und Produkte – immer Auswirkungen auf Arbeits- und Lebenswelt anderer Menschen zur Folge haben, indem Ressourcen verbraucht sowie Abfälle und Emissionen entstehen.
  • Auswirkungen in der Zukunft im Sinne einer positiven Vision
    Die Folgen des Tuns werden oftmals zeitlich verzögert deutlich. Die Verantwortung des Einzelnen für die Generationengerechtigkeit sollte mit positiven Zukunftsvisionen verbunden werden. Lernende sollen angeregt werden über ihre Mitwirkungsmöglichkeiten nachzudenken und eine positive Berufsidentität entwickeln.
  • Handlungsstrategien Suffizienz (Notwendigkeit), Effizienz (Wirkungsgrad) und Konsistenz (Naturverträglichkeit)
    Bei der Entwicklung von nachhaltigkeitsbezogenen Gestaltungskompetenzen als Teil der beruflichen Handlungskompetenz sind Notwendigkeit, Wirkungsgrad und Naturverträglichkeit zentrale Elemente, um Verschwendung zu vermeiden, Einsparung zu fördern und die Natur nicht weiter zu belasten.
  • Produktlebenszyklen und Prozessketten
    Arbeits- und Geschäftsprozesse können von der Arbeitsplatzeinrichtung über die Materialdisposition bis zur Arbeitsorganisation und Logistik nachhaltiger gestaltet werden (vgl. Schaubild 2). Bei Produkten und Dienstleistungen sind Funktionsdauer, Folgeaufwendungen, Energieverbrauch- und kosten, Ersatzteilversorgung und Recycling und Entsorgung zu überdenken, denn hier können die Stellschrauben der Nachhaltigkeit ansetzen.

Im Modellversuch der Fachhochschule Münster/Institut für berufliche Lehrerbildung wurde ein umfassendes Rahmencurriculum für Ernährungs- und Hauswirtschaftsberufe mit dem Fokus auf Gemeinschaftsverpflegung entwickelt. Die Herangehensweise in diesem Modellversuch kann für zukünftige Arbeiten zur Curriculumentwicklung als beispielgebend und übertragbar gelten.

Nachhaltigkeitsdreieck
Schaubild 3

Arbeitsprozessanalyse und Rahmencurriculum für Handlungsfelder (am Beispiel Speisenherstellung)

(vgl. Kettschau/Mattausch 2014, siehe Literaturhinweise)

  • Im ersten Schritt erfolgt eine Sektoranalyse des spezifischen Bereichs (z.B. der Gemeinschaftsverpflegung). Im Rahmen dieser Analyse werden relevante Berufe identifiziert (Hauswirtschafter/in, Koch/Köchin, Restaurantfachmann/-frau, Fachmann/-frau für Systemgastronomie) und nachhaltige Handlungsfelder ermittelt (z.B. die Speisenherstellung).
  • Zur Ermittlung der nachhaltigkeitsrelevanten Aspekte wird das „integrierende Nachhaltigkeitsdreieck“ (vgl. Schaubild oben) herangezogen. Dieses gewährleistet, dass alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit (ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeit) berücksichtigt und in Beziehung zueinander gestellt werden.
  • Die aktuellen Ordnungsmittel werden daraufhin geprüft, inwieweit bereits nachhaltigskeitsrelevante Aspekte berücksichtigt werden.
  • Die Arbeits- und Geschäftsprozesse im Bereich (z.B. der Gemeinschaftsverpflegung) werden analysiert und in ihren einzelnen Schritten dargelegt. Dadurch werden alle Handlungen in der gesamten Wertschöpfungskette erfasst und die zu ihrer Ausführung erforderlichen Kompetenzen bestimmt.
  • Schließlich werden mehrseitige „Prozessblätter“ erstellt, die zu jedem Prozessschritt die Inhalte und Handlungssituationen aufführen, die jeweiligen Nachhaltigkeitsbezüge aufzeigen und berufsspezifische Aufgabenstellungen enthalten.

Nachhaltigkeit im Berufsfeld Ernährung und Hauswirtschaft am Beispiel der Gemeinschaftsverpflegung

Kettschau, Irmhild; Mattausch, Nancy (Hrsg.)

Hamburg, Verlag Handwerk und Technik, 2014

Inhaltsverzeichnis und Probeseiten (PDF, 2.8 MB)

Strukturelle und curriculare Verankerung der Beruflichen Bildung für eine nachhaltige Entwicklung

Vollmer, Thomas; Kuhlmeier, Werner

In: Kuhlmeier, W.; Mohoric, A.; Vollmer, Th. (Hrsg.): Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung. Modellversuche 2010 – 2013: Erkenntnisse, Schlussfolgerungen und Ausblicke. Bielefeld 2014, S. 197 – 223.

Nachhaltigkeitsbildung in Ernährungs- und Hauswirtschaftsberufen – Grundlagen, Konzept, Ergebnisse

Kettschau, Irmhild

In: Kuhlmeier, W.; Mohoric, A.; Vollmer, Th. (Hrsg.): Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung. Modellversuche 2010 – 2013: Erkenntnisse, Schlussfolgerungen und Ausblicke. Bielefeld, S. 95-115.

Schaubild (PDF, 86 KB)

Benötigt Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung ein erweitertes Verständnis von Kompetenzentwicklung?

Hahne, Klaus | 2007

In: BWP 5/2007, S. 13-17 

Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung

Kuhlmeier, W.; Mohoric, A.; Vollmer, Th. (Hrsg.)

Modellversuche 2010 – 2013: Erkenntnisse, Schlussfolgerungen und Ausblicke. Berichte zur beruflichen Bildung. Bielefeld, 2014

Gestaltungskompetenzen als Kompetenzkonzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung

De Haan, Gerhard | 2008

In: Inka Bormann, Gerhard de Haan (Hrsg.): Kompetenzen der Bildung für nachhaltige Entwicklung – Operationalisierung, Messung, Rahmenbedingungen, Befunde. S. 23-43

Mitwirkung an der Energiewende lernen – Leitlinien für die didaktische Gestaltung der Berufsbildung für eine nachhaltige Entwicklung

Kastrup/Kuhlmeier/Reichwein/Vollmer | 2012

In: lernen & lehren 3/2012 (Heft 107, 27.Jg.), S. 117-124