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Einmündungsquote der Ausbildungsinteressierten (EQI)

Systematische Indikatorenbeschreibung

Name 

Einmündungsquote der Ausbildungsinteressierten (EQI)

Kernaussage (am Beispiel des Berichtsjahres 2009)

Zugang zu den aktuellen Daten

Von allen Personen, die im Laufe des Berichtsjahres als ausbildungsinteressierte Personen institutionell erfasst werden konnten, sind zum Ende des Berichtsjahres 2009 66,3 % in eine Berufsausbildung eingemündet.

Aktualität

Das Berichtsjahr erstreckt sich vom 1. Oktober bis 30. September und orientiert sich am Berufsbildungsgesetz. Die Daten, auf denen der Indikator basiert, stehen bereits im dritten Monat nach Ende des Berichtsjahres zur Verfügung. Die EQI kann bereits somit sehr zeitnah berechnet werden, denn die Daten liegen im Dezember schon vor.

Bedeutung für die berufliche Bildung

  • Indikator, wie viele ausbildungsinteressierte Personen letztlich an einer Berufsausbildung beteiligt bzw. für eine Berufsausbildung gewonnen werden können.
  • Indikator zur Integration von ausbildungsinteressierten Personengruppen.
  • Vergleichbarkeit im Zeitverlauf, zwischen den beiden Geschlechtern und (eingeschränkt auch) zwischen Regionen.

Bezugsgrößen

Zähler:
Ausbildungsverträge, die im Berichtsjahr (Anfang Oktober des Vorjahres bis Ende September) neu abgeschlossen wurden und zum Ende des Berichtsjahres noch bestehen

Nenner:
Alle in einem Berichtsjahr institutionell erfassten ausbildungsinteressierten Personen.

Hierzu zählen alle Personen, die

  • entweder einen neuen Ausbildungsvertrag abschlossen (der zum Ende des Berichtsjahres auch noch bestand)
  • oder aber zumindest als Ausbildungsstellenbewerber/-innen bei den Agenturen für Arbeit, Arbeitsgemeinschaften (ARGEn) oder zugelassenen kommunalen Trägern (zkT) registriert waren.

Besonderheit des Nenners:
Per definitionem sind im Nenner nur ausbildungsinteressierte Jugendliche und junge Erwachsene zu finden, deren Berufseignung (und damit auch "Ausbildungsreife") offiziell als ausreichend eingestuft wurde - entweder durch die Beratungs- und Vermittlungsdienste oder aber durch die Betriebe, welche die Jugendlichen einstellten.

Berechnungsformel

Berechnungsformel: (Neue Ausbildungsverträge)/(Neue Ausbildungsverträge+Bewerber, die nicht in eine Ausbildung einmündeten )*100

(Neue Ausbildungsverträge)/(Neue Ausbildungsverträge+Bewerber, die nicht in eine Ausbildung einmündeten )*100

Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge lässt sich aus der BIBB-Erhebung zum 30. September entnehmen.
Die Zahl der Bewerber/-innen, die nicht in eine Ausbildung einmündeten, ergibt sich, indem von der Gesamtzahl aller gemeldeten Ausbildungsstellenbewerber/-innen die Zahl der Bewerber/-innen abgezogen wird, die nach der Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit zu den "einmündenden Bewerbern" gezählt werden.

Variante 1:

Berechnungsformel: (Neue betriebliche Ausbildungsverträge)/(Neue Ausbildungsverträge+Bewerber, die nicht in eine Ausbildung einmündeten )*100

(Neue betriebliche Ausbildungsverträge)/(Neue Ausbildungsverträge+Bewerber, die nicht in eine Ausbildung einmündeten )*100

Variante 1 spiegelt wider, wie viele ausbildungsinteressierte Personen letztlich an einer betrieblichen Berufsausbildung beteiligt bzw. für eine betriebliche Berufsausbildung gewonnen werden können.

Variante 2:

Berechnungsformel: (Neue außerbetriebliche Ausbildungsverträge)/(Neue Ausbildungsverträge+Bewerber, die nicht in eine Ausbildung einmündeten )*100

(Neue außerbetriebliche Ausbildungsverträge)/(Neue Ausbildungsverträge+Bewerber, die nicht in eine Ausbildung einmündeten )*100

Variante 2 informiert darüber, wie viele ausbildungsinteressierte Personen letztlich an einer außerbetrieblichen Berufsausbildung (d. h. überwiegend öffentlich finanzierten Berufsausbildung) beteiligt werden.

Mögliche Differenzierungen

  • Beteiligung an "betrieblicher" (= überwiegend betrieblich finanzierter) und "außerbetrieblicher" Berufsausbildung (siehe oben)
  • Geschlecht
  • Deutschland; mit Einschränkung auch nach West- und Ostdeutschland und nach Arbeitsagenturbezirken
  • jeweilige Kombinationen

Datenquellen

BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Berufsausbildungsverträge zum 30. September [Link]
Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit [http://statistik.arbeitsagentur.de/Navigation/Statistik/Statistik-nach-Themen/Ausbildungsstellenmarkt/Ausbildungsstellenmarkt-Nav.html] [letzer Zugriff: 16.11.2011]

Stichtag / Betrachtungszeitraum

Stichtag: 30. September
Der Indikator spiegelt die Situation in einem konkreten Berichtsjahr wider (beginnend im Oktober des Vorjahres bis Ende September).

Hinweise zur Güte des Indikators

Von den Indikatoren zur Einmündung in Berufsausbildung bildet die Einmündungsquote der Ausbildungsinteressierten (EQI) sicherlich den geeignetsten Ansatz, um auf Basis amtlicher Daten jahresaktuell den faktischen Beteiligungsgrad ausbildungsinteressierter Jugendlicher am dualen System abzuschätzen und diesen mit den Vorjahreswerten zu vergleichen.  Die Daten sind zeitnah verfügbar. Insofern eignet sich die EQI auch als leicht zu regionalisierende Variable, um im Rahmen wissenschaftlicher Analysen relativ valide die Versorgungs- und Beteiligungslagen von ausbildungsinteressierten Jugendlichen abzubilden.

Grenzen der Berechnung:
Pendlerbewegungen können die Ausprägungen des Indikators verzerren. Denn die neuen Ausbildungsverträge sind nach dem Betriebsort und nicht nach dem Wohnort zugeordnet, die registrierten Ausbildungsstellenbewerber/-innen dagegen nach dem Wohnort. Kommt es zu Abweichungen zwischen Betriebsort und Wohnort, werden die Beteiligungsquoten für jene Regionen zu niedrig eingeschätzt, in denen es mehr Aus- als Einpendler/-innen gibt. Umgekehrtes gilt für Regionen mit einem Einpendlerüberschuss. Die EQI bleibt zwar statistisch von dem Pendlerproblem nicht unberührt, sie wird durch dieses aber deutlich weniger verzerrt als z. B. die REQ (vgl. Abschnitt 7.2).
Ein weiteres statistisches Problem betrifft den Nenner: Die Zahl der nicht einmündenden Bewerber/-innen (als Teil des Nenners) ergibt sich durch Abzug der einmündenden Bewerber/-innen von der Gesamtzahl aller gemeldeten Bewerber/-innen. Da aber zu den nicht einmündenden Bewerbern auch unbekannt Verbliebene gerechnet werden, ist nicht auszuschließen, dass hierunter auch Personen zu finden sind, die faktisch (und ohne die BA davon in Kenntnis zu setzen) eine Berufsausbildung beginnen konnten. Umgekehrt ist aber auch nicht auszuschließen, dass ein Teil der einmündenden Bewerber/-innen nicht mit den Bewerbern mit neu abgeschlossenen Ausbildungsvertrag gleichgesetzt werden können, da sie keinen Vertrag unterschreiben (schulische Ausbildung in BBiG-Berufen), die Berufsausbildung erst nach dem 30.09. beginnt oder aber die begonnene Berufsausbildung bereits in der Probezeit abbrechen. Nach den Ergebnissen der BA/BIBB-Bewerberbefragung dürften beiden Formen potenzieller Verzerrungen begrenzten Ausmaßes sein; zudem heben sie sich weitgehend gegenseitig auf.

Sonstige Interpretationshinweise / (Häufig gestellte Fragen)

Ist eine ausreichende Versorgung der ausbildungsinteressierten Personen erst erreicht, wenn die EQI = 100 % beträgt?
Nein. Denn ein substanzieller Teil der Personen, die sich im Laufe des Berichtsjahres für eine Berufsausbildung interessiert zeigen, gibt sein Interesse aus freien Stücken wieder auf. Dies ist z. B. der Fall, wenn neben einer dualen Berufsausbildung auch die Alternativen einer schulischen Berufsausbildung oder eines Studiums in Betracht gezogen worden waren, denen nun tatsächlich auch der Vorzug gegeben wurde.

Wie hoch muss die EQI dann ausfallen, bis eine ausreichende Versorgung der ausbildungsinteressierten Personen erreicht ist?
Dies lässt sich nicht eindeutig festlegen. Wichtige Hinweise ergeben sich aber durch den Vergleich mit den EQI-Werten früherer Jahre (gerade auch entspannter Ausbildungsmarktjahre) bzw. durch den Vergleich mit anderen Regionen (wobei natürlich stets auch regionale Besonderheiten in Betracht zu ziehen sind).

Auszug aus: Dionisius, Regina; Lissek, Nicole; Schier, Friedel [Hrsg.]: Beteiligung an beruflicher Bildung - Indikatoren und Quoten im Überblick. - Bonn, 2012
(Wissenschaftliche Diskussionspapiere / Bundesinstitut für Berufsbildung ; 133)

Literaturhinweise

  • GERICKE, NAOMI; UHLY, ALEXANDRA; ULRICH, JOACHIM GERD: Wie hoch ist die Quote der Jugendlichen, die eine duale Berufsausbildung aufnehmen? Indikatoren zur Bildungsbeteiligung. Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis, 40 (2011) 1, S. 41-43