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Rechnerische Einmündungsquote (REQ)

Systematische Indikatorenbeschreibung

Name

Rechnerische Einmündungsquote (REQ)

Kernaussage (am Beispiel des Berichtsjahres 2009)

Zugang zu den aktuellen Daten

Der rechnerische Anteil der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge an der Gesamtzahl aller Abgänger und Absolventen aus allgemeinbildenden Schulen beträgt im Berichtsjahr 2009 64,8 %. Rechnerisch stehen demnach 64,8 % der Schulabgänger und  absolventen je ein genutzter Berufsausbildungsplatz im dualen Berufsbildungssystem gegenüber.

Aktualität

Das Berichtsjahr erstreckt sich vom 1. Oktober bis 30. September und orientiert sich am Berufsbildungsgesetz. Die Daten, auf denen der Indikator basiert, stehen bereits im dritten Monat nach Ende des Berichtsjahres zur Verfügung. Die REQ kann bereits somit sehr zeitnah berechnet werden, denn die ersten vorläufigen Daten liegen im Dezember vor.

Bedeutung für die berufliche Bildung

Bei der REQ handelt es sich um eine Überschlagsrechnung, bei der die Zahl der neu besetzten Ausbildungsverhältnisse rechnerisch in ein Verhältnis zur aktuellen Zahl der Schulabgänger und -absolventen gesetzt wird. Rechtfertigen lässt sich eine solche Berechnung, da bislang zwischen der REQ und der AQ (vgl. Indikator Ausbildungsbeteiligungsquote - Abschnitt 8.2) ein enger statistischer Zusammenhang bestand (Korrelation der jeweiligen Veränderungen zwischen zwei benachbarten Jahren liegt im Zeitraum 1993 bis 2009 bei r = +0,858).  Infolge doppelter Abiturientenjahrgänge in bevölkerungsreichen Ländern weicht die REQ allerdings ab 2011 stark von der AQ ab, da die an einer Lehre nur zu einem geringeren Teil interessierten Abiturienten ein zu großes Gewicht erlangen und die REQ allein aus diesem Grund niedriger ausfällt. Die REQ ist somit ab 2011 für nicht mehr für Vergleiche mit den Ergebnissen früherer Jahre brauchbar. Die Vergleichbarkeit im Zeitverlauf und (eingeschränkt) auch zwischen den Regionen ist möglich.

Bezugsgrößen

Zähler:
Ausbildungsverträge, die im Berichtsjahr (Anfang Oktober des Vorjahres bis Ende September) neu abgeschlossen wurden und zum Ende des Berichtsjahres noch bestehen.

Nenner:
Alle Abgänger und Absolventen aus allgemeinbildenden Schulen.

Besonderheit des Nenners:
Einbezogen werden alle Abgänger und Absolventen aus allgemeinbildenden Schulen, unabhängig davon, ob sie an einer Berufsausbildung interessiert sind oder nicht.

Berechnungsformel

Berechnung: (Neue Ausbildungsverträge)/(Abgänger und Absolventen aus allgemeinbildenden Schulen )*100

(Neue Ausbildungsverträge)/(Abgänger und Absolventen aus allgemeinbildenden Schulen )*100

Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge lässt sich aus der BIBB-Erhebung zum 30. September entnehmen.
Die Zahl der Abgänger und Absolventen aus allgemeinbildenden Schulen wird den Sonderberechnungen des Statistischen Bundesamtes für die Vorbereitung des Berufsbildungsberichts entnommen. Unberücksichtigt bleiben dabei Teilnehmer am zweiten Bildungsweg (Abendhaupt-, Abendrealschule, Abendgymnasium, Kolleg) und Teilnehmer an der Schulfremdenprüfung. Die Werte unterscheiden sich deshalb von den offiziellen Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamtes zu den Abgängern und Absolventen aus allgemeinbildenden Schulen; vgl. STATISTISCHES BUNDESAMT 2011.

Mögliche Differenzierungen

Deutschland; mit Einschränkung auch nach West- und Ostdeutschland, nach Ländern und nach Arbeitsagenturbezirken.

Datenquellen

BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Berufsausbildungsverträge zum 30. September
Sonderberechnungen des Statistischen Bundesamtes zur Vorbereitung des Berufsbildungsberichts 

Stichtag / Betrachtungszeitraum

Stichtag: 30. September - Der Indikator spiegelt die Situation in einem konkreten Berichtsjahr wider.

Hinweise zur Güte des Indikators

Die rechnerische Einmündungsquote (REQ) bildet von den Indikatoren zur Einmündung in Berufsausbildung sicherlich den gröbsten Ansatz, um auf Basis amtlicher Daten jahresaktuell den faktischen Beteiligungsgrad ausbildungsinteressierter Jugendlicher am dualen System abzuschätzen und diesen mit den Vorjahreswerten zu vergleichen.
Angesichts des engen statistischen Zusammenhangs mit der AQ (vgl. Abschnitt 8.2) ließ sich die Berechnung der REQ jedoch rechtfertigen, zumal der Vorteil darin besteht, dass eine erste vorläufige Berechnung der REQ sehr zeitnah zum Abschluss des Berichtsjahres vorgenommen werden konnte.

Grenzen der Berechnung:
Pendlerbewegungen können die Ausprägungen des Indikators verzerren. Denn die neuen Ausbildungsverträge sind dem Betriebsort und nicht dem Wohnort zugeordnet, die Abgänger und Absolventen aus allgemeinbildenden Schulen dagegen nach dem Wohnort. Kommt es zu Abweichungen zwischen Betriebsort und Wohnort, werden die rechnerischen Einmündungsquoten für jene Regionen zu niedrig eingeschätzt, in denen es mehr Aus- als Einpendler/-innen gibt. Umgekehrtes gilt für Regionen mit einem Einpendlerüberschuss.
Zudem reagiert der Indikator nicht auf zeitlich und regional abweichende Zusammensetzungen in der Bildungsstruktur der Schulabgänger und -absolventen. Dies bedeutet, alle Schulabgänger und -absolventen gehen stets gleichgewichtig in den Nenner ein, auch wenn z. B. Abiturienten ein nur relativ geringes Interesse an dualer Berufsausbildung zeigen. Deshalb führen die doppelten Abiturientenjahrgänge in bevölkerungsreichen Ländern zu Verzerrungen, die ab 2011 in den betroffenen Regionen, aber auch auf Bundesebene keinen sinnvollen Vergleich der REQ mit den Vorjahreswerten mehr erlauben.

Sonstige Interpretationshinweise / (Häufig gestellte Fragen)

Wie hoch muss die REQ ausfallen, bis eine ausreichende Versorgung der ausbildungsinteressierten Personen erreicht ist?
Dies lässt sich nicht eindeutig festlegen. Wichtige Hinweise ergeben sich aber durch den Vergleich mit den REQ-Werten früherer Jahre (gerade auch entspannter Ausbildungsmarktjahre) bzw. durch den Vergleich mit anderen Regionen (wobei natürlich stets auch regionale Besonderheiten in Betracht zu ziehen sind).
Erfahrungswerte der Vergangenheit deuten darauf hin, dass eine ausreichende Versorgung auf Bundesebene ungefähr dann erreicht wäre, wenn die REQ kontinuierlich (über die Jahre hinweg) bei mindestens 66,6 % liegt. Dies war in den 2000er-Jahren jedoch nicht der Fall.

Auszug aus: Dionisius, Regina; Lissek, Nicole; Schier, Friedel [Hrsg.]: Beteiligung an beruflicher Bildung - Indikatoren und Quoten im Überblick. - Bonn, 2012
(Wissenschaftliche Diskussionspapiere / Bundesinstitut für Berufsbildung ; 133)

Literaturhinweise

  • GERICKE, NAOMI; UHLY, ALEXANDRA; ULRICH, JOACHIM GERD: Wie hoch ist die Quote der Jugendlichen, die eine duale Berufsausbildung aufnehmen? Indikatoren zur Bildungsbeteiligung. Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis, 40 (2011) 1, S. 41-43