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Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge fällt auf historischen Tiefstand

Die Entwicklung des Ausbildungsmarktes im Jahr 2013

Veröffentlicht: 12.12.2013
URN: urn:nbn:de:0035-0516-9

Joachim Gerd Ulrich, Stephanie Matthes, Simone Flemming, Ralf-Olaf Granath, Elisabeth M. Krekel

Im Jahr 2013 sanken sowohl das Ausbildungsplatzangebot als auch die Ausbildungsplatznachfrage, und die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge fiel auf einen historischen Tiefstand, den niedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung. Zugleich nahmen die Passungsprobleme zu: ein höherer Anteil des betrieblichen Ausbildungsangebots blieb unbesetzt, und mehr Ausbildungsplatznachfrager blieben bei ihrer Ausbildungsplatzsuche erfolglos. Insgesamt verschlechterte sich die Marktlage zu Lasten der Jugendlichen, und es gelang nicht mehr im selben Ausmaß wie in den drei Jahren zuvor, ausbildungsinteressierte Jugendliche an dualer Berufsausbildung zu beteiligen.

Entwicklung von Ausbildungsplatzangebot und -nachfrage

2013 wurden bundesweit 564.200 Ausbildungsplatzangebote registriert (-20.300 bzw. -3,5% gegenüber dem Vorjahr), darunter 542.600 betriebliche Angebote (-16.100 bzw. -2,9%) und 21.700 "außerbetriebliche", d.h. überwiegend öffentlich finanzierte und zusätzlich bereitgestellte Plätze (-4.200 bzw. -16,3%). Insbesondere im Zuständigkeitsbereich von Industrie- und Handel kam es zu einem größeren Rückgang des Ausbildungsangebots (-14.200 bzw. -4,0%). Im Handwerk sank das Angebot bundesweit um 4.700 bzw. -3,0%.

Die Ausbildungsplatznachfrage - zugrunde gelegt wird hier die Nachfrage in ihrer erweiterten Berechnungsform, bei der neben den erfolgreichen Nachfragern als erfolglose Nachfrager alle zum Bilanzierungsstichtag noch suchenden Ausbildungsstellenbewerber berücksichtigt werden - verringerte sich bundesweit um 13.000 bzw. -2,1% auf 614.300. Dies ist die niedrigste Zahl seit 2007, als die Berechnung der Ausbildungsplatznachfrage in dieser Form erstmals möglich war. Gegenüber 2007 nahm die Ausbildungsnachfrage bereits um 142.600 bzw. -18,8% ab. Ursache ist vor allem die negative demografische Entwicklung in Deutschland und die damit verbundene chronisch sinkende Zahl junger Menschen.

Die Angebots-Nachfrage-Relation - wiederum berechnet in der erweiterten Form - verringerte sich 2013 auf 91,9 Ausbildungsangebote je 100 Ausbildungsplatznachfrager (-1,3 Prozentpunkte gegenüber 2012). Dabei sank die Angebots-Nachfrage-Relation, gemessen am betrieblichen Angebot, nicht ganz so stark (-0,7 Prozentpunkte), wie dies für das gesamte Angebot unter Einschluss außerbetrieblicher Plätze der Fall war. In Ostdeutschland kam es sogar zu einer weiteren Verbesserung (+1,9 Prozentpunkte), weil hier der Rückgang der Ausbildungsplatznachfrage noch deutlich stärker als der Rückgang des betrieblichen Ausbildungsplatzangebots ausfiel.

Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge

Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge fiel 2013 auf einen historischen Tiefstand. Sie sank gegenüber dem Vorjahr um 20.600 bzw. 3,7% auf nur noch 530.700. So wenige Ausbildungsverträge gab es im wiedervereinigten Deutschland noch nie. In Ostdeutschland wurden nur noch 74.200 Neuabschlüsse registriert, gerade mal halb so viel wie noch 1999 (148.800). Im Westen verringerte sich die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge auf 456.500. Zwar gab es hier seit der Wiedervereinigung einige Jahre, in denen noch weniger Neuabschlüsse registriert wurden (das absolute Minimum lag im Krisenjahr 2005 bei 434.200), doch war der Westen infolge des starken Vertragsrückgangs in 2013 (-15.900 gegenüber dem Vorjahr) nicht mehr in der Lage, die großen Vertragsverluste im Osten zu kompensieren und den bundesweiten Tiefstand bei den neu abgeschlossenen Verträgen zu verhindern.

Erfolglose Marktteilnehmer

2013 konnten 7,1% der bei den Beratungs- und Vermittlungsdiensten gemeldeten betrieblichen Stellen bzw. 6,2% des offiziell errechneten betrieblichen Angebots nicht besetzt werden. Die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze stieg um +300 bzw. +0,8% auf 33.500. Dies ist der höchste Wert seit 1996. Dass es zu einem erneuten Anstieg der Vakanzen kam, obwohl die Zahl der betrieblichen Ausbildungsangebote insgesamt zurückging, zeigt, dass es für die Betriebe zunehmend schwieriger wird, Auszubildende für ihre Lehrstellen zu finden. Stellenbesetzungsprobleme gibt es vor allem im Handwerk und seit jüngerer Zeit auch in der Landwirtschaft.

Aber auch unter den ausbildungsinteressierten Jugendlichen zählten 2013 mit 83.600 deutlich mehr zu den erfolglosen Marktteilnehmern ungeachtet der geringeren Zahl der bei den Beratungs- und Vermittlungsdiensten gemeldeten Bewerber bzw. der geringeren Ausbildungsplatznachfrage. Die Quote der zum Stichtag 30. September immer noch suchenden Ausbildungsstellenbewerber lag bei 14,9% bezogen auf die Zahl der bei der Arbeitsverwaltung registrierten Bewerber bzw. bei 13,6% bezogen auf die offizielle Gesamtzahl der Ausbildungsplatznachfrager.

Beteiligung ausbildungsinteressierter Jugendlicher an dualer Berufsausbildung

Nicht alle Jugendlichen, die sich für einen Ausbildungsplatz interessieren und auch als "ausbildungsreif" gelten, werden als Ausbildungsplatznachfrager erfasst. Dies ist dann nicht der Fall, wenn sie ihren Vermittlungswunsch vor dem Stichtag der Ausbildungsmarktbilanzierung aufgeben. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Zum Teil ziehen sie Alternativen vor, zum Teil verschieben sie ihren Ausbildungswunsch auf später, oft, weil sie bei ihrer Suche nach einer Lehrstellensuche erfolglos blieben und frühzeitig nach einer Zwischenlösung (erneuter Schulbesuch, Praktikum, Jobben) suchten.

Deshalb fällt die Zahl aller Personen, die sich im Laufe des Berichtsjahres als ausbildungsinteressiert gezeigt haben, höher aus als die offiziell registrierte Ausbildungsplatznachfrage. 2013 lag die rechnerische Zahl der ausbildungsinteressierten Personen bei 816.500, 9.500 bzw. 1,2% weniger als im Vorjahr. Von diesen konnten 65,0% an einer dualen Berufsausbildung beteiligt werden; 2012 hatte die Quote noch bei 66,7% und 2011 bei 68,2% gelegen. Dabei gelingt die Beteiligung von weiblichen Ausbildungsinteressierten deutlich seltener (2013: 62,7%) als von männlichen (2013: 66,6%), von ostdeutschen seltener (2013: 63,3%) als von westdeutschen Ausbildungsinteressierten (65,3%).

Tabelle: Ausbildungsmarktentwicklung von 2009 bis 2013 (Stichtag 30. September)

  2009 2010 2011 2012 2013 Entwicklung 2013
gegenüber 2012
  absolut in %
Deutschland  
Ausbildungsplatzangebot  
   insgesamt 581.562 579.564 599.070 584.532 564.249 -20.283 -3,5
   besetzt 564.306 559.959 569.379 551.259 530.715 -20.544 -3,7
   zum 30.09. noch unbesetzt 17.255 19.605 29.689 33.274 33.534 +261 +0,8
   betrieblich 1) 535.761 538.521 568.608 558.672 542.568 -16.059 -2,9
   außerbetrieblich 2) 45.801 41.043 30.459 25.902 21.678 -4.224 -16,3
Ausbildungsplatznachfrage 3)            
   insgesamt 652.848 640.332 641.700 627.243 614.277 -12.963 -2,1
   erfolgreich 564.306 559.959 569.379 551.259 530.715 -20.544 -3,7
   zum 30.09. noch suchend 88.540 80.371 72.319 75.984 83.564 +7.581 +10,0
Angebots-Nachfrage-Relation          
   insgesamt 89,1 90,5 93,4 93,2 91,9 -1,3  
   betrieblich 82,1 84,1 88,6 89,1 88,3 -0,7   
Neue Ausbildungsverträge 564.306 559.959 569.379 551.259 530.715 -20.544 -3,7
 
West (alte Länder)  
Ausbildungsplatzangebot  
   insgesamt 479.790 484.125 509.265 499.344 483.738 -15.603 -3,1
   besetzt 465.309 468.297 484.884 472.353 456.471 -15.885 -3,4
   zum 30.09. noch unbesetzt 14.481  15.828 24.381 26.989 27.269 +279 +1,0
   betrieblich 1) 456.921 461.649 490.527 481.773 468.900 -12.876 -2,7
   außerbetrieblich 2) 22.869 22.476 18.693 17.568 14.841 -2.730 -15,5
Ausbildungsplatznachfrage 3)            
   insgesamt 543.177 539.277 548.808 537.807 530.106 -7.698 -1,4
   erfolgreich 465.309 468.297 484.884 472.353 456.471 -15.885 -3,4
   zum 30.09. noch suchend 77.868 70.979 63.922 65.452 73.637 +8.184 +12,5
Angebots-Nachfrage-Relation          
   insgesamt 88,3 89,8 92,8 92,8 91,3 -1,6  
   betrieblich 84,1 85,6  89,4  89,6 88,5 -1,1  
Neue Ausbildungsverträge 465.309 468.297 484.884 472.353 456.471 -15.885 -3,4
 
Ost (neue Länder und Berlin)  
Ausbildungsplatzangebot  
   insgesamt 101.643 95.325 89.670 85.068 80.436 -4.629 -5,4
   besetzt 98.997 91.662 84.495 78.903 74.244 -4.659 -5,9
   zum 30.09. noch unbesetzt 2.644 3.662 5.175 6.163 6.193 +30 +0,5
   betrieblich 1) 78.711 76.758 77.904 76.731 73.599 -3.135 -4,1
   außerbetrieblich 2) 22.932 18.567 11.766 8.334 6.840 -1.497 -17,9
Ausbildungsplatznachfrage 3)            
   insgesamt 109.653 101.037 92.874 89.415 83.877 -5.538 -6,2
   erfolgreich 98.997 91.662 84.495 78.903 74.244 -4.659 -5,9
   zum 30.09. noch suchend 10.656 9.374 8.380 10.510 9.633 -876 -8,3
Angebots-Nachfrage-Relation          
   insgesamt 92,7 94,3 96,5 95,1 95,9 +0,8
   betrieblich 71,8 76,0  83,9 85,8 87,7 +1,9  
Neue Ausbildungsverträge 98.997 91.662 84.495 78.903 74.244 -4.659 -5,9
 
1) betrieblich = nicht (überwiegend) öffentlich finanziert
2) außerbetrieblich = (überwiegend) öffentlich finanziert. Wert für West in 2009 noch untererfasst.
3) nach der neuen, erweiterten Definition im Sinne des Berufsbildungsgesetzes (BBiG). Der Berufsbildungsbericht soll nach § 86 "die Zahl der (am 30. September) bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Ausbildungsplätze suchenden Personen" angeben.
Bei der Berechnung wurden nachträgliche Korrekturen früherer Jahre berücksichtigt.
Hinweis: Werte, die im Zusammenhang mit der BIBB-Erhebung zum 30. September stehen, wurden aufgrund von Bestimmungen des Datenschutzes auf ein Vielfaches von drei gerundet.
Quellen: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Zeitreihe Bewerber und Berufsausbildungsstellen 2009-2013, Nürnberg, November 2013; Bundesinstitut für Berufsbildung, Erhebung zum 30. September; Berechnungen des BIBB-Arbeitsbereichs 2.1

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Joachim Gerd Ulrich, Stephanie Matthes, Simone Flemming, Ralf-Olaf Granath, Elisabeth M. Krekel
Die Entwicklung des Ausbildungsmarktes im Jahr 2013
Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge fällt auf historischen Tiefstand
BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zum 30. September

Erscheinungsdatum, Hinweis Deutsche Nationalbibliothek

Veröffentlichung im Internet: 12.12.2013

URN: urn:nbn:de:0035-0516-9

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