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„Neue Impulse für die BIBB-Forschung“

Forschungsdirektor Prof. Dr. Hubert Ertl ein Jahr im BIBB

Seit dem 1. September 2017 ist Prof. Dr. Hubert Ertl Forschungsdirektor im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Im Interview mit der Internetredaktion des BIBB zieht er nach einem Jahr eine erste Zwischenbilanz und gibt Antworten darauf, wie die Berufsbildungsforschung im BIBB die Herausforderungen der kommenden Jahre zu meistern gedenkt.

Prof. Dr. Hubert Ertl

Frage: Als Forschungsdirektor haben Sie in der Forschungsplanung im Verlaufe Ihres ersten Jahres hier im BIBB eine Abkehr von „Themenschwerpunkten“ hin zu „Themenclustern“ eingeführt. Was ist Ihre Zielsetzung dabei?

Ertl: Themencluster dienen der mittelfristigen Forschungsplanung. Wir kommunizieren mit ihnen intern, aber vor allem auch extern, wo wir mittelfristig unsere Forschungsprioritäten setzen wollen. In den Themenclustern wollen wir die wesentlichen Herausforderungen der beruflichen Bildung aufgreifen, zentrale Fragen beantworten und so Handlungsempfehlungen ermöglichen. Gleichzeitig möchten wir im BIBB laufende Forschungsarbeiten unter den Themenclustern sinnvoll bündeln und damit auch nach außen sichtbarer machen. In diesem Zusammenhang diskutieren wir zurzeit auf unterschiedlichen Ebenen. Einmal auf einer inhaltlich-strategischen Ebene: Welche Themen müssen wir besetzen? Wie können wir uns in der Berufsbildungslandschaft und insbesondere in der Berufsbildungsforschung mit diesen positionieren? Und zweitens auf einer Ebene der Umsetzung im Rahmen von Ressourcenabwägungen: Was können wir konkret umsetzen? Dabei geht es nicht nur um finanzielle Ressourcen, sondern vor allem um personelle. Wie schaffen wir es, notwendige Freiräume für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schaffen, die aus unserer Sicht als Fachleute für die Bearbeitung der Themencluster unbedingt zur Verfügung stehen müssen?

Frage: Welche Themencluster wurden festgelegt und welche Themen sind Ihnen für das kommende Jahr besonders wichtig?

Ertl: Für die Festlegung der Themen haben wir einen Prozess in Gang gesetzt, in den wir sowohl die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des BIBB als auch unsere für die Forschung zuständigen Gremien – also den Unterausschuss Berufsbildungsforschung sowie den Wissenschaftlichen Beirat – involviert haben. Insgesamt haben sich in diesem iterativen Prozess sechs Themen herauskristallisiert, die wir weiterverfolgen möchten. Allerdings sind wir nicht in allen Themen so aufgestellt, dass wir unmittelbar im kommenden Jahr quasi sechsfach durchstarten können. Wir werden uns daher auf eine Auswahl von Themen fokussieren, von denen wir überzeugt sind, dass wir uns für deren Bearbeitung in einer guten Ausgangsposition befinden und zeitnah sehr gute Ergebnisse erzielen können. Andere Themen werden wir auf einer anderen Ebene weiterbetreuen und so vorbereiten, dass ein Übergang in ein Themencluster in den nächsten Jahren möglich wird.

Voraussichtlich werden wir uns ab dem kommenden Jahr thematisch stärker fokussieren auf und auseinandersetzen mit

• Fragen des Einflusses der Digitalisierung auf Tätigkeitsanforderungen,
• Fragen rund um die Integration in Ausbildung und Beruf,
• Fragen, wie berufliches Lernen gelingen und gemessen werden kann,
• Fragen, in welchem Zusammenhang Berufe und soziale Ungleichheit stehen, sowie
• Fragen, wie Betriebe ihre Entscheidungen zu Rekrutierung, Aus- oder Weiterbildung vor dem Hintergrund unterschiedlicher Rahmenbedingungen treffen.

Wir formulieren in diesen Feldern neue zentrale Fragstellungen, mit deren Beantwortung wir im nächsten Jahr beginnen möchten. Dieser Prozess läuft aktuell in enger Abstimmung mit unseren Gremien und wird Ende des Jahres abgeschlossen sein. Welche Fragestellungen im nächsten Jahr besonders im Fokus stehen werden, wird sich daraus ergeben.

Frage: Vor welchen Herausforderungen steht aus Ihrer Sicht das BIBB in den nächsten fünf Jahren als Institut und als Ressortforschungseinrichtung im Besonderen?

Ertl: Im BIBB haben wir gerade einen strategischen Prozess erfolgreich durchgeführt, an dessen Ende wir drei Geschäftsfelder definiert haben: Berufsbildungsforschung, Ordnung sowie Dienstleistungen zur Stärkung der beruflichen Bildung – mit Letzterem sind vor allem die vom BIBB betreuten Programme und Projekte gemeint. Der Definition von Geschäftsfeldern folgte eine organisationale Umstellung. Die Geschäftsfelder und ihre Zielgruppen sind nicht neu, aber mit den Umstellungen entstehen sehr viel deutlicher und expliziter als in der Vergangenheit Gestaltungsräume mit bestimmten Handlungslogiken. Eine Herausforderung wird darin bestehen, die potenzielle Versäulung der Geschäftsfelder zu verhindern und gleichzeitig vor allem im Geschäftsfeld Berufsbildungsforschung zu reüssieren. Dabei orientieren wir uns an den Empfehlungen des Wissenschaftsrates. So haben wir zum Beispiel ein umfassendes Konzept zur Graduiertenförderung entwickelt, das wir zeitnah umsetzen wollen. In diesem Konzept haben wir explizit vorgesehen, dass Forschung auch an den Schnittstellen zu den anderen Geschäftsfeldern stattfinden soll.

Gleichzeitig gilt es, sich mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen enger zu vernetzen. Deshalb möchten wir uns in der Nachwuchsförderung noch stärker engagieren. Davon erhoffen wir uns auch inhaltlich und methodisch neue Impulse für unsere Forschung. Es bleibt für uns als Ressortforschungseinrichtung eine der größten Herausforderungen, auch in Vorbereitung der nächsten Evaluation durch den Wissenschaftsrat, mit begrenzten Ressourcen für die Forschung den Spagat zu meistern zwischen der Schaffung von Rahmenbedingungen für exzellente Forschung auf der einen Seite und gelungener Politikberatung und Praxisgestaltung auf der anderen Seite.