Mediengestalter/in für Digital- und Printmedien

Ein neuer Ausbildungsberuf hat seine Bewährungsprobe in der Praxis bestanden!

Am 1. August 1998 wurde der neue Ausbildungsberuf "Mediengestalter/in für Digital- und Printmedien" erlassen - und er traf unmittelbar das Bedürfnis der Praxis: In den ersten Jahren nach seinem Inkrafttreten konnten zahlreiche neue Ausbildungsplätze geschaffen werden! Neu für die Ausbildung gewonnen wurden Betriebe mit keiner oder nur geringer Ausbildungstradition z.B. in den Bereichen Werbung und Multimedia, und in der ausbildungserfahrenen Druck- und Verlagswirtschaft konnten vorhandene Ausbildungskapazitäten weiter ausgebaut werden. Kleine und mittlere Betriebe waren dabei besonders engagiert: Mehr als drei Viertel der Betriebe, die den neuen Beruf ausbilden, haben weniger als 50 Beschäftigte, und 44 Prozent sogar weniger als 10. Ein wichtiges Ziel der Neuordnung wurde somit erfüllt: Mit dem Beruf "Mediengestalter/in für Digital- und Printmedien" und seinen vier Fachrichtungen "Medienberatung", "Mediendesign", "Medienoperating" und "Medientechnik" einen neuen Beruf aus ehemals fünf "alten" Berufen 01 zu entwickeln, der möglichst vielen Unternehmen den Einstieg in die Ausbildung bzw. die Vergrößerung ihres Ausbildungsplatzangebots ermöglicht - unabhängig von der Betriebsgröße, der Spezialisierung, den hergestellten Produkten, der technischen Ausstattung und der Organisationsstruktur.

Dies ist ein Ergebnis der Evaluierung des neuen Ausbildungsberufs, die vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) vom Juli 2000 bis Dezember 2003 durchgeführt wurde. Ziel war, in der Praxis die Akzeptanz des Berufs zu ermitteln, die Inhalte der Ausbildungsordnung zu überprüfen und Vorschläge für eventuell erforderliche Verbesserungen zu erarbeiten.

Weitere Ergebnisse der Untersuchung:

  • Der neue Beruf zieht vor allem Jugendliche mit hoher schulischer Allgemeinbildung an - und interessiert in hohem Maße die Mädchen: Die Hälfte der Auszubildenden verfügt über Abitur bzw. Fachabitur, über 35 Prozent haben einen mittleren Schulabschluss - und der Anteil der weiblichen Auszubildenden liegt bei über 50 Prozent.
  • Die vier Fachrichtungen des Berufs wurden bei den Neuabschlüssen unterschiedlich besetzt: Rund drei Viertel entfielen auf die Fachrichtung "Mediendesign", 20 Prozent auf "Medienoperating" und der Anteil der Fachrichtungen "Medienberatung" und "Medientechnik" lag bei jeweils 3-5 Prozent.
    In diesen beiden Fachrichtungen war das Angebot an Ausbildungsplätzen deutlich geringer. Bei der "Medienberatung" begründet sich dies in der Unsicherheit vieler Betriebe, erstmals technische und kaufmännische bzw. marketingorientierte Inhalte gemeinsam auszubilden. Hier muss die Ausbildungskompetenz der Betriebe gestärkt werden. Der geringe Prozentsatz bei der Fachrichtung "Medientechnik" lässt sich u.a. durch das geringe Wachstum des neuen Druckverfahrens "Digitaldruck" erklären - die dafür erforderlichen Fachkräfte werden (noch) nicht gebraucht.
     
  • Struktur und Inhalte der Ausbildungsordnung stießen bei der Praxis auf große Akzeptanz: Die Struktur bekommt überwiegend die Note "verständlich", und für fast zwei Drittel der Ausbildungsunternehmen stimmen die Ausbildungsinhalte mit den Anforderungen der beruflichen Praxis überein.
    Aufgrund der Evaluierungsergebnisse wird allerdings u.a. vorgeschlagen, der Fachrichtung "Mediendesign" ein ausgeprägteres, gestaltungsorientierteres Profil zu geben; bei der Fachrichtung "Medienoperating" sollte die Produktionsorientierung, d.h. die gestalterisch-technische Umsetzung der Kundenvorgaben stärker betont werden und es wird vorgeschlagen, neue Wahlqualifikationseinheiten wie z.B. "Systembetreuung" und "internationale Kompetenz" einzuführen.
     
  • Auch die neue, gestaltungsoffene Prüfungsform hat sich bewährt: Die offene Formulierung des Verordnungstextes wurde für die Entwicklung von handlungsorientierten Prüfungsaufgaben genutzt. Zu wenig Zeit wird allerdings dem praktischen Teil der Prüfung zugestanden: Hier wird eine Ausweitung des Zeitrahmens vorgeschlagen.
     
  • Ausgebildete Mediengestalter/innen für Digital- und Printmedien mussten nach Abschluss ihrer Prüfung nicht lange auf einen Arbeitsplatz warten: Entweder wurden sie direkt vom Ausbildungsbetrieb übernommen, fanden in anderen Betrieben eine Anstellung oder machten sich selbstständig.

Die gesamten Ergebnisse der Evaluierung werden vorgestellt in der jetzt vom BIBB herausgegebenen Veröffentlichung von Heike Krämer, "Evaluation Mediengestalter/in für Digital- und Printmedien. Ergebnisse und Ausblick". Die Veröffentlichung ist zum Preis von 14,90 € zu beziehen beim W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG, Postfach 10 06 33, 33506 Bielefeld, Tel. 0521/911 01-11, Fax: 0521/911 01-19, E-Mail: service@wbv.de