BIBB-Präsident Esser: „Bildungsexpansion darf an beruflicher Bildung nicht vorbeigehen“

Zum "Tag des Ausbildungsplatzes" am 7. Mai appelliert der Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), Friedrich Hubert Esser, an die Betriebe, in ihren Ausbildungsanstrengungen nicht nachzulassen. "Bedingt durch die demografische Entwicklung und den anhaltenden Trend zu mehr höheren Schul- und akademischen Abschlüssen droht die berufliche Bildung ins Abseits zu geraten. Die sich spürbar entwickelnde Bildungsexpansion darf an betriebsnaher Qualifizierung nicht vorbeigehen", warnt Esser. Jüngste Modellrechnungen des BIBB hätten gezeigt, dass langfristig insbesondere bei Fachkräften mit abgeschlossener Berufsausbildung mit zum Teil gravierenden Engpässen zu rechnen sei. "Daher sind gerade jetzt die Betriebe gut beraten, in die berufliche Bildung zu investieren und ein offensives  Ausbildungsmarketing zu betreiben. Aufbauend auf der Erstausbildung bietet die berufliche Weiterbildung anspruchsvolle und attraktive Aufstiegsfortbildungsangebote, über die hochschuladäquate Abschlüsse erreicht werden können. Berufliche Aus- und Fortbildung sind deshalb nicht nur die beste Versicherung gegen den drohenden Fachkräftemangel, sondern eröffnen den Qualifizierten gleichermaßen attraktive Karriereperspektiven im In- und Ausland."

Sorge bereiten dem BIBB-Präsidenten Hinweise aus einer aktuellen repräsentativen Betriebsbefragung des BIBB, wonach 12 % der Unternehmen beabsichtigen, die Zahl ihrer derzeitigen Ausbildungsplatzangebote zu reduzieren oder die betriebliche Ausbildung einzustellen. Als Grund wird die Schwierigkeit angeführt, geeigneten Nachwuchs zu finden. "Genau dies aber wäre das falsche Signal", betont Esser. "Betriebe, die ihren zukünftigen Fachkräftebedarf sichern wollen, müssen ihre Anstrengungen darauf richten, alle Potenziale für Qualifizierung und Beschäftigung erschließen zu wollen. Dabei stehen ihnen die Bildungszentren der Wirtschaft sowie die beruflichen Schulen zur Seite."

Als "nach wie vor erfreulich" bezeichnet Esser die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. "Traditionell folgt der Ausbildungsstellenmarkt dem Arbeitsmarkt", so der BIBB-Präsident. "Die sinkende Arbeitslosigkeit und die im Vorjahresvergleich gestiegene Zahl der momentan bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen lassen aus Sicht der Jugendlichen auf einen sich weiter entspannenden Ausbildungsstellenmarkt im Herbst dieses Jahres hoffen."

Unterdessen setzt das Bundesinstitut für Berufsbildung seine Aktivitäten im Rahmen der Modernisierung des dualen Ausbildungssystems fort. Am 1. August werden mit Beginn des neuen Ausbildungsjahres voraussichtlich fünf modernisierte Ausbildungsberufe in Kraft treten:

  • Fachangestellte / Fachangestellter für Arbeitsmarktdienstleistungen
  • Pharmazeutisch-kaufmännischer Angestellter / Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte
  • Schilder- und Lichtreklamehersteller / Schilder- und Lichtreklameherstellerin
  • Schornsteinfeger / Schornsteinfegerin
  • Verfahrensmechaniker / Verfahrensmechanikerin für Kunststoff- und Kautschuktechnik

Nähere Informationen zu diesen sowie zu allen weiteren staatlich anerkannten Ausbildungsberufen unter www.bibb.de/berufe

Bei Abdruck Belegexemplar erbeten.