Wandel der Berufsbildung im Öffentlichen Dienst

BIBB-Projektbeirat gibt Empfehlungen zu aktiver Gestaltung

Teilnehmer/-innen der abschließenden Projektbeiratssitzung© BIBB

Im Öffentlichen Dienst verändert die fortschreitende Digitalisierung der Verwaltungsabläufe die Qualifikationsanforderungen der Beschäftigten, die Rahmenbedingungen wandeln sich durch Demografie sowie durch europäische und gesellschaftliche Entwicklungen hin zum Staat als transparent handelndem Dienstleister. Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat aufgrund dessen nötige Veränderungen der Berufsbildung im Öffentlichen Dienst in einem Entwicklungsprojekt untersucht. Dessen Projektbeirat hat jetzt abschließend die „Bonner Empfehlungen zur Beruflichen Bildung im Öffentlichen Dienst“ ausgesprochen und damit Perspektiven zur Weiterentwicklung eröffnet.

Der Projektbeirat, besetzt mit Vertreterinnen und Vertretern beider Sozialpartner, von Verordnungsgebern, Universitäten und Instituten sowie mit Expertinnen und Experten der Aus- und Fortbildungspraxis aus Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherungen, gibt insbesondere folgende Empfehlungen:

  • Attraktivität steigern: Im Wettbewerb um geeignete Nachwuchskräfte muss sich der Öffentliche Dienst (ÖD) als attraktiver Arbeitgeber positionieren. Dazu gehören eine transparente Karriereplanung, interessante Aufstiegsmöglichkeiten sowie eine horizontale und vertikale Durchlässigkeit der Bildungsgänge. Es gilt, durch Personalentwicklungsmaßnahmen Abwanderungen vorzubeugen. Bindung von Personal ist dabei genauso wichtig wie Nachwuchsgewinnung.
  • Berufsbilder neu ordnen: In den rund 20 Jahre alten Ausbildungsberufen des ÖD, zu denen unter anderem Sozialversicherungsfachangestellte, Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste oder auch Justizfachangestellte gehören, deutet sich Novellierungsbedarf an. Hier sind die Verantwortlichen gefragt, sich verstärkt mit der Neuordnung ihrer Berufsbilder zu befassen. Dies bietet den Beteiligten die Chance, sich intensiv mit den gewandelten Rahmenbedingungen im ÖD auseinanderzusetzen und Bildungsstrategien zu entwickeln.
  • Aufstiegskonzept sicherstellen: Aufstiegsfortbildungen im ÖD, insbesondere im Bereich der Fachwirte-Abschlüsse, entsprechen keinem durchformulierten Konzept, beispielsweise im Hinblick auf Standards oder Angebotslücken, die zu beruflichen Sackgassen führen, insbesondere bei Justizfachangestellten. Hier besteht Diskussions- und Handlungsbedarf.
  • DQR-Zuordnungen angehen: Der Deutsche und der Europäische Qualifikationsrahmen (DQR/EQR) und die Zuordnung von Qualifikationen zu Niveaus unterstützen die bessere Sichtbarkeit der Gleichwertigkeit und Unterschiede von Qualifikationen. Die Lernergebnis-Orientierung, die Qualitätssicherung und die Durchlässigkeit werden gefördert und das lebenslange Lernen gestärkt. Die Berufskonzepte des ÖD sollten entsprechend angepasst und zugeordnet werden.
  • Durchlässigkeit zu Beamtenlaufbahnen herstellen: Zur Eröffnung von Karrierewegen und für eine Durchlässigkeit der Bildungsgänge im ÖD ist insbesondere eine Durchlässigkeit zu beamtenrechtlichen Laufbahnen weiter zu diskutieren. So könnten die Berufsabschlüsse zu Fachangestellten auch den Erwerb der Laufbahnbefähigung im mittleren Dienst beinhalten.
  • Kommunikation ermöglichen: In Fragen der Berufsbildung besteht eine institutionelle Schwäche des ÖD, da seinen verschiedenen Ebenen und Bereichen eine gemeinsame institutionalisierte Kommunikationsplattform fehlt. Um gemeinsame Positionen entwickeln und formulieren zu können, sollte eine solche geschaffen werden.
  • Forschung stärken: Die Hochschulforschung sollte sich stärker mit Themen der Berufsbildung im ÖD auseinandersetzen, um Erkenntnisse für eine Weiterentwicklung von Bildungskonzepten zu liefern. Hierzu könnten im Rahmen einer „Forschungsinitiative“ verstärkt Mittel zur Verfügung gestellt werden.

Die „Bonner Empfehlungen“ des Projektbeirats sollen die Verantwortlichen der Berufsbildung im ÖD insbesondere in Fachministerkonferenzen, Fachgewerkschaften und zuständigen Stellen nach dem Berufsbildungsgesetz und Berufsbildungsausschüssen anregen, sich verstärkt mit der zukünftigen Ausgestaltung der Berufsbildung im ÖD auseinanderzusetzen.

Weitere Informationen:

Eine umfassende Dokumentation ist für Mitte 2018 geplant.

Das Thema wird auch beim BIBB-Kongress "Für die Zukunft lernen: Berufsbildung von morgen - Innovationen erleben" am 7. und 8. Juni 2018 in Berlin im Forum I „Berufsbildung 4.0: Aus- und Weiterbildung im digitalen Zeitalter“ behandelt. Weitere Informationen unter https://kongress2018.bibb.de/

Ansprechpartner: Martin Elsner; E-Mail: elsner@bibb.de

Bei Abdruck Belegexemplar erbeten.