"Das Beste aus beiden Bildungsbereichen nutzen"

BIBB-Präsident Esser eröffnet Fachtagung „Berufliche Aus- und Fortbildung in Zeiten der Akademisierung“

Foto: Prof. Esser am Rednerpult

Anlässlich der Eröffnung der Fachtagung „Berufliche Aus- und Fortbildung in Zeiten der Akademisierung“ erklärt der Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), Friedrich Hubert Esser: „Um die Attraktivität der beruflichen Bildung gegenüber der akademischen Bildung wieder zu stärken, sollten wir keinesfalls der Versuchung erliegen, beide Bildungsbereiche anzugleichen. Wir sollten vielmehr selbstbewusst die Stärken beider Bereiche betonen und tragfähige Brücken bauen, um die Durchlässigkeit zu erhöhen. Durchlässigkeit darf aber nicht mit Beliebigkeit und Nivellierung oder einer Verwischung von Profilen einhergehen.“

Daher komme es aus Sicht der Berufsbildung vor allem darauf an, die Zukunftsfähigkeit des Berufsbildungssystems in all seinen Teilbereichen – angefangen von der Berufsorientierung bis hin zur MeisterPlus-Ebene – sicherzustellen, um als Partner auf Augenhöhe für Kooperationen akzeptiert zu bleiben. „Von daher ist es auch dringend geboten, es aktuell nicht bei der Diskussion um mögliche Zusatzbezeichnungen für Fortbildungsabschlüsse zu belassen, sondern über geeignete Kommunikationsstrategien die Vorzüge der Aufstiegsfortbildung in der Öffentlichkeit zu bewerben.“

Wichtig sei es auch, so Esser weiter, das gegenseitige Verständnis für die sich unterscheidenden Ansätze zum Aufbau von Kompetenz und persönlicher Expertise im beruflichen und hochschulischen Bildungssystem zu stärken, um darauf aufbauend bessere Bedingungen für Anerkennung und Anrechnung zu schaffen, so wie es auch die Logik des Deutschen Qualifikationsrahmens vorsehe, der endlich mit Leben gefüllt werden müsse. „Die Herausforderung in Sachen Durchlässigkeit liegt nicht im Umgang mit Gleichartigkeit, sondern mit Gleichwertigkeit“, so der BIBB-Präsident.

Jüngste Forschungsergebnisse des BIBB, die unter anderem auf der heutigen Fachtagung in Bonn den rund 150 anwesenden Vertreterinnen und Vertretern der beruflichen Bildung aus Politik, Wissenschaft und Praxis vorgestellt werden, zeigen zwar, dass es keinen generellen Bedeutungsverlust der beruflichen Aus- und Fortbildung gibt. Dies gilt vor allem in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie in Branchen mit einer traditionell großen Bedeutung beruflicher Bildungswege, wie zum Beispiel dem Handel oder der Logistik. Sie zeigen aber auch, dass die Konkurrenz zwischen beruflicher Aus- und Fortbildung und dualen Studiengängen im betrieblichen Aufstieg und für die zukünftige Personalpolitik der Unternehmen zunimmt. Die Vorträge und Präsentationen auf der BIBB-Fachtagung befassen sich ferner mit den Bildungsentscheidungen und -verläufen der Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie den Rekrutierungs- und Einsatzstrategien der Unternehmen.

Weitere Informationen zur Fachtagung finden Sie im Internetangebot des BIBB unter www.bibb.de/de/89188.php

Bei Abdruck Belegexemplar erbeten.