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Datenbank Berufsbildungszusammenarbeit

Reform der Berufsbildung in Vietnam
Land: Vietnam
Region: Landesweit
Themenschwerpunkt: Berufliche Bildung
Auftragnehmer: Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Partner vor Ort: Ministerium für Arbeit, Invaliden und Soziale Angelegenheiten (Ministry of Labour, Invalids and Social Affairs, MoLISA)
Weitere Kooperationspartner: KfW-Entwicklungsbank
Aktuelle Laufzeit: 01.04.2017 - 31.08.2020
Beschreibung:

Die Wirtschaft Vietnams hat in den letzten zwei Jahrzehnten eine beeindruckende Entwicklung erlebt. Jährliche Wachstumsraten von 7 Prozent haben eine wirtschaftliche Dynamik angestoßen, mit der sich Vietnam von einem der ärmsten Staaten der Welt zu einem Land mit mittlerem Einkommen im unteren Bereich entwickeln konnte. Heute ist dieser Erfolg jedoch durch einen steigenden Ressourcenverbrauch, Umweltverschmutzung und einen erheblichen Mangel an ausgebildeten Arbeitskräften – diese machen nur rund 22 Prozent der Erwerbsbevölkerung aus – in Gefahr. Das vietnamesische Berufsbildungssystem und die Kompetenzen und Fähigkeiten von Berufseinsteigern werden den wirtschaftlichen Erfordernissen derzeit noch nicht gerecht. Gründe dafür sind ein unzureichender Austausch zwischen Berufsbildungsinstituten und Unternehmen sowie überholte und wenig praxisrelevante Ausbildungsgänge. Im Gegensatz zum Studium an einer Hochschule sind Berufsausbildungen bei Heranwachsenden und Eltern daher nicht sehr beliebt.

Das Programm „Reform der Berufsbildung in Vietnam“ sieht eine Zusammenarbeit mit dem Direktorat für Berufsbildung (Directorate of Vocational Education and Training, DVET) des Ministeriums für Arbeit, Invaliden und Soziale Angelegenheiten (Ministry of Labour, Invalids and Social Affairs, MoLISA) vor, um das Berufsbildungssystem institutionell und rechtlich zu reformieren. Die Bildungsangebote sollen qualitativ verbessert und bedarfsorientierter gestaltet werden; zudem ist die Einrichtung von Kompetenzzentren geplant. Das Programm verfolgt dabei einen mehrstufigen Ansatz: Ausgewählte Berufsbildungsinstitute testen verschiedene Reformmaßnahmen, und die dabei gewonnenen Erfahrungen fließen in die Umgestaltung des Berufsbildungssystems ein. Gleichzeitig erhält das DVET Unterstützung in politischen Fragen, etwa bei der Ausarbeitung von Gesetzen und Vorschriften, durch die optimale Rahmenbedingungen für eine Kooperation mit der Privatwirtschaft geschaffen werden. Dabei geht es zum Beispiel um die Qualifizierung und Zertifizierung von innerbetrieblichen Ausbildern, die Gestaltung des Berufsbildungssystems nach ökologischen Maßstäben, die Entwicklung der Berufsbildungsinstitute sowie die Qualitätssicherung.

Die Zusammenarbeit im Rahmen des Programms umfasst zwölf vietnamesische Berufsbildungsinstitute, deren technische Ausstattung durch Mittel der KfW Entwicklungsbank modernisiert wurde. Internationale Experten beraten das Management- und Lehrpersonal bei technischen und organisatorischen Fragen. Zudem werden die Einrichtungen bei der Verbesserung der Qualität ihrer Angebote begleitet. Ein weiteres Ziel sind Kooperationen mit der Privatwirtschaft, damit praxisorientierte Ausbildungsgänge entwickelt, das innerbetriebliche Ausbildungs- und Prüfungspersonal qualifiziert, die strukturelle Ausbildung in Betrieben eingeführt und verbessert sowie an den Instituten Wirtschaftsbeiräte eingerichtet werden können. Das Programm trägt außerdem zur Entstehung, Entwicklung und Integration von ökologisch nachhaltigen Ansätzen in der Berufsbildung bei.

Die Schaffung von Kompetenzzentren – das sind Berufsbildungsinstitute, die sich durch eine besonders hohe Qualität und Nachfrageorientierung ihres Ausbildungsangebots auszeichnen – entspricht in den Fächern Mechanik, Mechatronik, Elektrotechnik und Abwassertechnik internationalen Standards. Die Kompetenzzentren übernehmen innerhalb des Berufsbildungssystems Zusatzfunktionen, etwa die Weiterbildung von Lehr- und Managementpersonal anderer Berufsbildungsinstitute oder von Vertretern der Wirtschaft. Im Rahmen von Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft (EPW) mit weltweit führenden Unternehmen werden Themen wie Digitalisierung und Industrie 4.0 bearbeitet.

Um die Öffentlichkeit für die Berufsbildung zu sensibilisieren, setzen die Beteiligten auf eine gendersensible Außenkommunikation. Die Berufsbildungsinstitute organisieren Tage der offenen Tür und Schnuppertage für Mädchen und Jungen, zudem bieten sie Frauen und Menschen mit Behinderung Stipendien an. Außerdem werden Leistungsvergleiche sowie die Teilnahme Vietnams an der  Berufsweltmeisterschaft WorldSkills unterstützt.

Wirkungen:
  • Über 160 fortgebildete Fach- und Führungskräfte des DVET und des MoLISA nutzen ihr dazugewonnenes Wissen, um einen Rechtsrahmen für die Reform des Berufsbildungssystems auszuarbeiten.
  • 127 Lehrkräfte aus unterstützten Kompetenzzentren wurden weitergebildet und haben ihr theoretisches Wissen, praktische und pädagogische Kompetenzen sowie Prüfungskompetenzen verbessert. Betriebliche Ausbilder wurden fortgebildet, um praktische Ausbildungsphasen kooperierender Unternehmen zu unterstützen.
  • Die verbesserten Ausbildungsbedingungen an den geförderten Berufsbildungsinstituten kommen jedes Jahr bis zu 21.000 neuen Auszubildenden zugute.
Link: https://www.giz.de/de/weltweit/18723.html
Kontakt: Jürgen Hartwig, Email: juergen.hartwig@giz.de