X

Sie verwenden einen veralteten Browser, mit dem nicht alle Inhalte von BIBB.de korrekt wiedergegeben werden können. Um unsere Seiten in Aussehen und Funktion in vollem Umfang nutzen können, empfehlen wir Ihnen, einen neueren Browser zu installieren.

Govet

Studierende aus Bonn/Rhein-Sieg untersuchen Arbeitsschutz in Italien

Foto: WorldSkills Germany/Jörg Wehrmann

Studierende der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg untersuchten die Umsetzung des Arbeitsschutzes in italienischen Betrieben. Der Arbeitsschutz zählt neben der Gewinnung von Unternehmen für eine betriebliche Ausbildung zu den Herausforderungen der italienischen Bildungsreform, die im Sommer 2015 eingeleitet wurde. Im Rahmen ihres Studiengangs Sozialversicherung, Schwerpunkt Unfallversicherung arbeiteten die Studentinnen und Studenten im Forschungsprojekt „Arbeitsschutz und Ausbildung am Lernort Unternehmen in Italien“.

„Steht der Arbeitsschutz der Umsetzung von Praktika in Unternehmen entgegen?“ lautete die Forschungsfrage, zu deren Beantwortung die Studierenden eine Online-Umfrage unter italienischen Fachschulen, Unternehmen und Verbänden durchführten. Dabei sollten die Herausforderungen an den Arbeitsschutz für Unternehmen und Schulen in Hinblick auf die Einführung längerer betrieblicher Praktika in Italien ermittelt werden. Außerdem sollten Bedenken, Meinungen und Erfahrungen von Schulen und Unternehmen in Bezug auf Regelungen im Bereich der Sozialversicherung und insbesondere des Arbeitsschutzes erfasst und ausgewertet werden.

Auch wenn die Umfrage aufgrund ihres Umfanges nicht repräsentativ war, konnten erste Schlaglichter auf die italienische Bildungsreform geworfen werden. Die Ergebnisse des Projekts von Prof. Dr. Michael Heister, Abteilungsleiter im Bundesinstitut für Berufsbildung und Dr. Hannelore Kress, Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei GOVET, stehen auch den italienischen Partnern über das Goethe-Institut in Rom zur Verfügung und können in die Umsetzung der italienischen Bildungsreform einfließen. Für die italienischen Jugendlichen bedeutet die Reform, dass sich durch die praktische Vorbereitung auf das Erwerbsleben ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern. Gleichzeitig steigt jedoch auch die Verantwortung jedes Einzelnen, sich aus dem breiten Angebot die passenden Bausteine für die individuelle Karriere herauszusuchen.

Am 16. Juli 2015 trat das Gesetz zur Umsetzung einer Bildungsreform in Italien in Kraft. Die Reform soll die individuelle Orientierung der Schülerinnen und Schüler auf dem Arbeitsmarkt durch das Belegen von Praxis-Modulen stärken. Unternehmen für betriebliche Ausbildung zu gewinnen und die Einhaltung von Arbeitsschutzrichtlinien sind die zentralen Herausforderungen bei der Umsetzung der Reform.

In der Befragung begrüßen Unternehmen und Schulen grundsätzlich die neue Gesetzgebung. Die Schulen versprechen sich bessere Chancen für Jugendliche auf dem Arbeitsmarkt und mittelfristig einen wichtigen Baustein, um Fachkräfte zu gewinnen. Die Unternehmen glauben, dass sich durch die Praktika die Weitergabe von branchenspezifischem Wissen erhöht, so dass Passungsprobleme bei der Bewerberauswahl und Einarbeitungszeiten reduziert werden. Die Kammern werden als zusätzlich beratende Schnittstelle von beiden Seiten ausdrücklich begrüßt.

Unterschiedlich ist die Haltung von Schulen und Unternehmen bezüglich erforderlicher Unterstützung durch öffentliche Institutionen. Die Schulen fordern einen starken Beitrag durch die Kammern und die regionalen Ministerien bei der Umsetzung der Bildungsreform. Bei den Unternehmen konnte kein einheitliches Bild in der Umfrage gezeichnet werden. Die Forderung nach Unterstützung ist bei ihnen deutlich schwächer ausgeprägt. Beim Thema Arbeitsschutz sehen sich die Unternehmen gut aufgestellt und formulieren keinen Anpassungsbedarf, um Praxisphasen für Schülerinnen und Schüler in den Betrieben anbieten zu können. Die Schulen hingegen kommen zu einer anderen Einschätzung. Sie tragen die Hauptverantwortung für die Schülerinnen und Schüler, daher sei die Einhaltung von Arbeitsschutzbestimmungen ein zentrales Anliegen. Aus Sicht der Schulen bestehen noch Defizite bei der Umsetzung von Arbeitsschutzrichtlinien, die beseitigt werden müssen, bevor betriebliche Praktika durchgeführt werden können.

„Arbeitsschutz und Ausbildung am Lernort Unternehmen in Italien“ ist ein gemeinsames Semester-Forschungsprojekt von Prof. Dr. Michael Heister, Abteilungsleiter am Bundesinstitut für Berufsbildung, und Dr. Hannelore Kress, Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei GOVET, der Zentralstelle der Bundesregierung für internationale Berufsbildungskooperation.
Teil des Forschungsprojekts war eine Online-Befragung von italienischen Fachschulen, Unternehmen und Verbänden zu ihren Erfahrungen bei der Ausbildungsdurchführung unter Berücksichtigung bestehender Arbeitsschutzbestimmungen. Studierende des Studienganges Sozialversicherung, Schwerpunkt Unfallversicherung, der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg/Akademie der deutschen gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) führten die Befragung unter dem Titel „Arbeitsschutz und Ausbildung am Lernort Unternehmen in Italien“ durch.

Die Studierenden kamen nach diesem Einblick in das italienische Bildungssystem zu dem Fazit, dass beide Seiten, sowohl die Schulen als auch die Unternehmen, näher zusammenrücken müssen, um die Reform erfolgreich umzusetzen. Eventuelle Unsicherheiten könnten in regelmäßigen gemeinsamen Gesprächen ausgeräumt werden. Die Einrichtung von definierten Kommunikationsprozessen könnte die Verständigung unterstützen.

Die Projektverantwortlichen äußern sich über Leistung der angehenden Sozialversicherungsfachleute durchweg positiv. „Die Studierenden haben hochmotiviert und sorgfältig gearbeitet. Sie haben sich schnell in die Materie eingearbeitet und konnten so einen tiefen Einblick in die Umsetzung von Gesetzesreformen erlangen. Die Studierenden können durch solche Projekte an die Durchführung anwendungsorientierter Forschung herangeführt werden.“ lobt Prof. Dr. Michael Heister und ergänzt: „Durch die Befragung wurden wichtige Aspekte für die Umsetzung der Bildungsreform herausgearbeitet, die unsere italienischen Partnern unterstützen können“.

GOVET unterstützt fachlich die Aktivitäten der bilateralen Arbeitsgruppe des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) mit dem italienischen Unterrichtsministerium (MIUR). Im November 2012 wurde in einem Memorandum of Understanding die Zusammenarbeit in den Bereichen berufliche Bildung und Arbeitsmarkt vereinbart. Eine Erneuerung des Memorandums durch die Bildungsministerinnen, Prof. Dr. Johanna Wanka und Prof. Dr. Stefania Giannini, ist für den 3. Mai 2016 vereinbart.