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Govet

Berufsbildungszusammenarbeit mit Russland

Onlineportal, Qualifizierung von Berufsbildungspersonal und Wirtschaft 4.0

GOVET begleitet die Berufsbildungskooperation des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) mit Russland fachlich seit Jahren erfolgreich. Neben der Aus- und Weiterbildung von Berufsbildungspersonal und der Weiterentwicklung eines Online-Portals für Ausbildungspersonal gehört auch das Thema „Wirtschaft 4.0“ zu den Schwerpunkten der weiteren Zusammenarbeit. Im März wurden mit den Partnern in Moskau die Aktivitäten für 2016 abgestimmt. Auch bei der Konferenz der Schwellenländer (BRICS) Anfang April, für die Russland den Vorsitz hat, wird die Berufsbildung ein Schwerpunkt sein.

Im Vorfeld eines Besuchs von GOVET in Moskau vom 14. bis 17. März 2016 lobte Generaldirektorin für Berufsbildung im russischen Bildungs- und Wissenschaftsministerium, Dr. Natalia Zolotareva die intensive Beratung durch GOVET im Rahmen der Berufsbildungszusammenarbeit Russlands mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Insgesamt fiel ihr Fazit über die Entwicklung der Berufsbildung in Russland und langjährige deutsch-russischen Berufsbildungszusammenarbeit sehr positiv aus. Die Fortentwicklung des russischen Berufsbildungssystems in der jüngeren Vergangenheit ist durchaus bemerkenswert - auch dank deutscher Beratung.

Im November 2014 wurde die Online-Plattform „prof-mayak“ ins Leben gerufen, ein Portal für russisches Berufsbildungspersonal, auf dem Materialien und aktuelle Informationen bereitgestellt und fachliche Diskussionen geführt werden können. Vorbild war das deutsche Ausbildungsportal „foraus.de“. Die russischsprachige Fachcommunity nimmt das Angebot von „prof-mayak“ bereits sehr gut an. Es hat sich zudem zu einem strategischen Instrument des russischen Föderalen Instituts für die Entwicklung von Bildung (FIRO) in Verantwortung des Bildungsministeriums entwickelt, um fachliche und rechtliche Informationen zu verbreiten und den Zugang zu „Best Practice“-Beispielen zu sichern. Neue interaktive Module für Berufsbildungspersonal wurden nach dem Vorbild des BIBB Fachportals „foraus.de“ konzipiert und adaptiert. GOVET, das BIBB und das Goethe Institut Moskau unterstützen die qualitätsgesicherte Verstetigung des Portals.

Die Mechanismen der Qualifikation von Berufsbildungspersonal wurden 2015 grundsätzlich neu entwickelt. Das FIRO hat, nach intensiver Beratung durch GOVET, einen zweijährigen Magisterstudiengang für Berufspädagogen entwickelt, der ab Dezember an den höheren Instituten für Pädagogik angeboten wird. Des Weiteren pilotiert das FIRO ein Qualifizierungsprogramm für nicht-pädagogische technische Fachkräfte. Nach dem Vorbild der deutschen Industrie- Handelskammern erhalten die Absolventinnen und Absolventen ein Zertifikat nach Abschluss der Qualifizierungsmaßnahme mit einem Umfang von 250 Stunden.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung und das russische Föderales Institut zur Entwicklung von Bildung haben 2011 eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Zusätzlich besteht zwischen dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Russischen Föderation (MON) seit November 2012 ein Memorandum of Understanding (MoU). Darin wird die Absicht bekundet, die Einführung dualer Elemente der Berufsbildung nach deutschem Vorbild in das russische Berufsbildungssystem zu unterstützen. GOVET begleitet im Auftrag des BMBF fachlich die Berufsbildungskooperation.

Ende 2015 wurden in einem landesweiten Wettbewerb sechs Regionen vom russischen Bildungsministerium ausgewählt, in denen Leistungszentren für berufliche Bildung entstehen sollen. Noch in 2016 sollen diese Zentren aufgebaut werden und die Bereiche WorldSkills, duale Aus- und Weiterbildung sowie Qualifizierung von Berufsbildungspersonal bedienen. Auf dem Gelände einer Fachschule in Korolev bei Moskau wird beispielsweise das nationale Zentrum „Bau“ eingerichtet. Mit deutscher Unterstützung und Know-how sollen auch die Herausforderung im Zusammenhang mit „Wirtschaft 4.0“ mitgedacht werden. Weitere Leistungszentren entstehen in den Regionen Ulijanovsk (Transport/Logistik), Sverdlovsk (Schwermaschinen, Werkzeugbau, Metalltechnik), Tjumen (Dienstleistung, Kunst Design), Tschuwaschien (Automatisierung, Sensoren, Elektronik) und Tatarstan (IT und Kommunikationstechnik).

Bei dem Besuch in Moskau wurden die weiteren Maßnahmen im Rahmen der deutsch-russischen Berufsbildungszusammenarbeit konkretisiert. So ist die Weiterentwicklung des Onlineportals zur Berufsbildung „prof-mayak“ nun Teil der staatlichen Aufgaben des FIRO. Es soll verstärkt die Verbreitung von Inhalten und Informationen für die Fachöffentlichkeit vorantreiben. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Ausbau eines Netzwerkes „unabhängiger Zentren zur Leistungsbewertung in der Berufsbildung“. Zur Umsetzung arbeitet das FIRO eng mit russischen Arbeitgeberverbänden und verschiedenen Ministerien, wie dem Industrie-, Arbeits- und Wirtschaftsministerium zusammen. Methodische und didaktische Unterlagen werden im Rahmen des Netzwerks entwickelt, um künftig eine höhere Qualität von Abschlussprüfungen im Bereich der beruflichen Bildung gewährleisten zu können. In der Zusammenarbeit wurden bereits über 20 Berufe neu geordnet, also die Ausbildungsordnung des jeweiligen Berufs an die aktuellen Erfordernisse der Wirtschaft und die Rahmenbedingungen angepasst.   Beim Aufbau der Leistungszentren und beim Ausbau des Netzwerks übernehmen die deutschen Partner die Rolle einer beratenden Begleitung.

Russland hat 2015/2016 die Präsidentschaft über die Vereinigung der BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) inne. Die 8. Sitzung der Arbeitsgruppe des Wirtschaftsrates zur „Entwicklung von Fähigkeiten“ findet am 4. und 5. April in Moskau statt. GOVET wurde von der Agentur für Strategische Initiativen (ASI) eingeladen und wird vor dem Plenum der BRICS-Länder einen Vortrag zum Thema „Indikatoren und Perspektiven beruflicher Bildung – Jugendliche, Staat und Wirtschaft“ halten. Die Konferenz beschäftigt sich in verschiedenen Foren zudem mit den aktuellen Herausforderungen in der Beruflichen Bildung vor dem Hintergrund neuer technologischer Innovation.