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Teilnehmer der Einstiegsqualifizierung im BIBB und in der GIZ tauschen sich mit Auszubildenden aus dem BIBB aus
Hasan und Mohammed (v.l.n.r.) sprechen mit Auszubildenden aus dem BIBB über das syrische Berufsbildungssystem und duale Berufsausbildung in Deutschland.© Sepehr Shahin / GOVET

Die Antwort kennen Hasan und Mohammed aus Syrien genau. Sie möchten auf eine duale Ausbildung setzen. Eine Einstiegsqualifizierung (EQ) bereitet sie darauf vor – Hasan absolviert die EQ bei der GIZ und Mohammed im BIBB. Auf Einladung von GOVET tauschten sie sich mit Auszubildenden im BIBB aus.

Hasan und Mohammed kommen aus Syrien. Aufgrund des Bürgerkriegs mussten sie ihre Heimat verlassen und damit alles, was ihr bisheriges Leben ausmachte. Jetzt sind sie hier. Sie haben Deutsch gelernt und an Integrationskursen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge teilgenommen. Beide erwecken den Eindruck, dass sie das Leben in Deutschland schon gut kennengelernt haben. Zurzeit nehmen sie an einer Einstiegsqualifizierung (EQ) teil. Es ist ein Programm der Bundesagentur für Arbeit mit dem Ziel, junge geflüchtete Menschen auf eine Ausbildung in Deutschland vorzubereiten.

Hasan hat das Interesse an internationalen Kooperationen zur Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH geführt. Mohammed hat im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) die Chance gesehen, seiner Neigung zu Informations- und Kommunikationstechnik in der IT-Abteilung des BIBB nachzugehen. GOVET hat Hasan und seine Praktikumsbetreuerin aus dem Sektorvorhaben Berufliche Bildung der GIZ ins BIBB eingeladen. Dort treffen sie auf Mohammed, seinen Praktikumsbetreuer und weitere Auszubildende aus dem BIBB. Es ist ein Erfahrungsaustausch über Arbeiten und die Ausbildung in beiden Häusern sowie über das Bildungswesen in Syrien. Schnell stellen Hasan und Mohammed fest, dass ihr Lebensweg ähnlich verlaufen ist: Beide haben in Syrien ihre schulische Laufbahn mit dem Abitur abgeschlossen. Beide wollten studieren. Doch dann tobte der Krieg und der Traum vom Studium zerbrach. „In meiner Heimatstadt gibt es mehrere Universitäten. Viele wurden zerstört. Viele gehen nicht mehr zur Schule oder zur Uni. Das betrifft auch Grundschulkinder“, sagt Hasan.

In Deutschland wurde in beiden Fällen das Abitur anerkannt. Dennoch gab es vor allem sprachliche und finanzielle Gründe, sich erstmal für eine berufliche Ausbildung zu entscheiden. Die jungen Männer haben genau erkannt, dass sie mit einer beruflichen Ausbildung eine gute Basis für Ihre Lebenssicherung in Deutschland und für ihre Zukunft schaffen können. Wo das sein wird, wissen beide noch nicht. Auch wissen und betonen sie, dass es nach der Ausbildung die Möglichkeit der weiteren Qualifizierung gibt. Das motiviert sie noch mehr, diesen Weg einzuschlagen.

Hasan hat eine Präsentation des syrischen Bildungssystems vorbereitet. Sie bezieht sich auf Daten aus dem Jahr 2011. Aktuelle Daten gibt es zurzeit nicht und die Situation ist kriegsbedingt eine andere, als es die sehr anschauliche Darstellung zeigt. Syrien hatte bis 2011 eine hohe Einschulungsrate, von fast 100%. Über 70% der jungen Syrer besuchten im Jahr 2011 eine Sekundarschule. Davon entschieden sich bis zu 20% für ein Hochschulstudium und ähnlich viele für eine berufliche Ausbildung. Diese dauert drei Jahre und ist vollschulisch mit Praxisanteilen. Die verbleibenden Jugendlichen folgten dem Prinzip „learning by doing“ und stiegen direkt ins Erwerbsleben ein. Motivation dafür war und ist immer noch der Wunsch nach schnellem Einkommen.

Hasan wollte in Syrien Jura studieren. Mit dem Bürgerkrieg änderten sich seine Pläne. Er wählte den direkten Weg in die Erwerbstätigkeit und gründete ein Internetcafé. Jetzt ist er in Deutschland und weiß genau, was er will. Er möchte sich aus- und weiterbilden und im internationalen Kontext arbeiten. Ein langer Weg liegt vor ihm. Dennoch blickt Hasan optimistisch in die Zukunft. Er hat überlegt, welche Fachkräfte und welche Berufe in seinem Heimatland nach dem Krieg benötigen werden: „Bauingenieure, Lehrer, Handwerker, und Fachkräfte im Gesundheitswesen.“ Das ist seine Einschätzung und er plädiert für ein duales Ausbildungssystem. „Lernen im Arbeitsprozess ist sehr gut. Man ist Teil des Teams und kann an richtigen Aufgabestellungen mitwirken.“ Das ist sein Fazit.

Auch Mohammed schlägt am Ende des Treffens gekonnt die Brücke in die Möglichkeiten der bestehenden Realität. Mit wenigen Klicks zeigt er, wo man sich im Internet über Aus- und Weiterbildung in Deutschland sowie zu Voraussetzungen und Anerkennung von ausländischen Abschlüssen informieren kann. „Es war eine sehr bereichernde Begegnung. Wir haben viel voneinander gelernt und blicken jetzt mit noch mehr Anteilnahme nach Syrien“, sagt eine Auszubildende aus dem BIBB nach dem Treffen.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) haben 2012 ein Kooperationsabkommen zur Stärkung ihrer Zusammenarbeit unterzeichnet.