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Erstes deutsch-chinesisches Dialogforum: Innovation in der Berufsbildung

© Hans-Joachim Rickel (BMBF)

Im Zeichen des Dialogs auf Augenhöhe fand das erste deutsch-chinesische Fachforum zur Innovation in der Berufsbildung am 26.6.2019 in Berlin statt. Bundesministerin Anja Karliczek und Sun Chunlan, Vize-Premierministerin der VR China, eröffneten die Veranstaltung, die von GOVET konzipiert wurde.

Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, betonte vor den rund 180 Zuhörerinnen und Zuhörern im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), dass die berufliche Bildung ein „Garant gegen den Fachkräftemangel“ sei. Auch die chinesische Vizepremierministerin Sun Chunlan stellte die Wichtigkeit der zeitgemäßen Berufsbildung in den Mittelpunkt ihrer Ansprache. Sie berichtete von dem im Januar beschlossenen „Umsetzungsplan“, mit dem China verstärkt Unternehmen in sein Berufsbildungssystem einbeziehen und das Qualifizierungsniveau erhöhen will.

Berufsbildung im Zeichen der Digitalisierung

BIBB-Abteilungsleiterin Birgit Thomann spricht zu Chancen der Digitalisierung.© Amling (GOVET/BIBB)

In einer Keynote hob Birgit Thomann, Leiterin der Abteilung Berufsbildung International im BIBB, die Chancen der Digitalisierung für die Attraktivität der Berufsbildung hervor – das Thema flankierte alle fachlichen Impulse des Dialogforums. Neue Anforderungen seien im Rahmen eines dynamischen und flexiblen Berufsbildungssystems und innerhalb eines ganzheitlichen Berufskonzepts zu gestalten, skizzierte Frau Thomann die anstehenden Aufgaben. Dr. Ralf Hermann, Leiter GOVET im BIBB, führte durch das Panel „Berufliche Qualifizierung in China und Deutschland. Darin informierte u.a. Henrik Schwarz (BIBB) zum Thema „IT Berufe im Wandel des technologischen Fortschritts“ über die aktuellsten Entwicklungen bei der Neuordnung der IT-Berufe. Der Bedarf an hochqualifizierten Fachkräften in diesem Bereich wachse rapide, die Digitalisierung sei als „gesamtgesellschaftliche Aufgabe“ zu meistern. Seine chinesischen Kollegen berichteten zu aktuellen Ausbildungsformen in der chinesischen Automobilindustrie.

Vernetzung und Innovationen in der Berufsbildung

Josef Huber (Bruderhaus-Diakonie Tübingen) stellt mit EXPERTISE 4.0 Exoskelette für den Einsatz im Pflegebereich vor.© Göser (GOVET/BIBB)

In der Workshop-Session „Vernetzungsmöglichkeiten in der deutsch-chinesischen Berufsbildungskooperation“ stellte iMOVE-Leiter Dr. Andreas Werner die zugehörigen Unterstützungsinstrumente und Leistungen von iMOVE vor; auch die China Education Association for International Exchange (CEAIE) präsentierte sich als Austausch-Plattform. Impulse zur Berufsbildungsforschung setze eine zweite Parallelsession. Hierbei stand besonders die „Qualifizierung von Bildungspersonal“ im Fokus. In den Pausen konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu Projekten in China informieren, die der DLR-PT mit Förderung des BMBF umsetzt. Auf dem „Marktplatz der Innovationen im Handwerk“ imponierten der Nachhaltigkeitspreis-gekrönte 3D-Zähnedrucker (Bösing Dental), ein Exoskelett zur Unterstützung in der Pflege (Bruderhaus-Diakonie Tübingen) und die Citizen Science-Umweltmessstation Sensebox (Universität Münster/BIBB) dem interessierten Fachpublikum. Ausbildung Weltweit warb für mehr Mobilität deutscher Auszubildender und Ausbildender nach China.

Wie schnell geht Ausbildungsentwicklung?

BMBF-Abteilungsleiterin Susanne Burger moderiert die Paneldiskussion mit chinesischen und deutschen Bildungsexperten.© Göser (GOVET/BIBB)

„Was kann Deutschland von China lernen?“ Diese Frage richtete BMBF-Abteilungsleiterin Susanne Burger in einer abschließenden Panel-Diskussion an die chinesischen Berufsbildungsexperten. „Schnellere Entscheidungen über strategische Fragen der Ausbildung!“ folgte die Antwort prompt. Dementgegen hielt Mirko Wesseling vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) die Tradition und das kulturelle Gut eines Berufes, die man trotz der laufenden digitalen Evolution nicht vergessen dürfe. Er erläuterte in diesem Kontext das Konsensprinzip mit allen Sozialpartnern als wichtiges Kernelement bei Entscheidungsprozessen in der deutschen Berufsbildung, das eine entsprechende Abstimmungszeit benötige. Resümierend sah Peter Burggräf, Professor für International Production Engineering and Management an der Universität Siegen, die deutsche duale Ausbildung inhaltlich sehr gut aufgestellt. Als problematisch merkte er jedoch die rückläufigen Auszubildenden-Zahlen an.

Zum Ende des ersten deutsch-chinesischen Dialogforums unterstrichen Frau Burger und Herr Zhao Lingshan (CEAIE) den Wunsch nach vertieften Möglichkeiten des Austauschs. Ein geeignetes Instrument stelle das „1000-Lehrer-Programm“ dar, in dessen Rahmen China in den kommenden fünf Jahren jährlich 1.000 Lehrkräfte zur Fortbildung entsenden möchte. iMOVE wird das Programm auf deutscher Seite umsetzen. Noch in diesem Jahr werden zudem Studienreisen von deutschen Expertinnen und Experten nach China stattfinden.