BP:
 

Chile

Chile

In Chile besteht eine zwölfjährige Schulpflicht. Das chilenische Schulsystem gliedert sich in: eine Grundstufe (acht Jahre) und eine Sekundarstufe (vier Jahre).
Nach der Sekundarstufe legen alle Schulabsolventen eine nationale Prüfung ab, die mit der Allgemeinen Hochschulreife vergleichbar ist. (Technische) Sekundarschulen bieten in den letzten zwei Jahren technische Fachausrichtungen an. Einige dieser Sekundarschulen ermöglichen duale Ausbildungselemente, die in der Regel im letzten Jahr der Sekundarstufe greifen. Anschließend können die Schulabsolventen entweder: ein Universitätsstudium absolvieren (vier bis sieben Jahre) oder einen Beruf in Berufsbildungszentren (zweieinhalb Jahre) oder in Fachhochschulen (vier Jahre) erlernen. Diese sind in der Regel private Einrichtungen.

Bundesressorts und Durchführungsorganisationen

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
Im Rahmen der Kooperationsvereinbarung zwischen dem BIBB und dem chilenischen Bildungsministerium (MINEDUC) streben beide Kooperationspartner an, eine Prozessbeschreibung für das chilenische Ausbildungsordnungs¬verfahren auf nationaler Ebene festzulegen sowie Umsetzungshilfen für ausgewählte Berufe zu erstellen. Da viele aus Deutschland bekannte Ausbildungsberufe an chilenischen Fachhochschulen oder Instituten angeboten werden und dementsprechend in den Bereich der Hochschulbildung fallen, wurde das Spektrum der bisherigen MINEDUC-BIBB- Kooperation erweitert. Auf Anfrage der chilenischen Bildungsministerin und des chilenischen Botschafters umfasst die Zusammenarbeit seit dem im September 2013 im BIBB stattgefundenen Workshop nunmehr auch folgende Themen: Erhöhung der Attraktivität der Berufsbildung in Abgrenzung zur dualen Hochschulbildung, handlungsorientierte Berufsbildung für niedrigqualifizierte Jugendliche. So fand beispielweise vom 20. bis 23. Oktober 2014 ein BIBB-Seminar in Antofagasta und Santiago de Chile statt, wo ein vertieftes Verständnis vom Ablauf des Ordnungsverfahrens am Beispiel von Berufen im Bereich der erneuerbaren Energien erreicht werden konnte. Ende 2015 führt das BIBB im Rahmen dieser Kooperation einen Workshop zum Thema: „Das Duale Ausbildungsmodell - Akteure und deren Rollen“ für hochrangige Berufsbildungsvertreter aus Chile durch. Zur chilenischen Delegation werden Vertreter des MINEDUC, des Arbeitsministeriums, einer Gewerkschaft, eines Wirtschaftsverbands sowie Unternehmensvertreter, die chilenische Botschaft und die deutsch-chilenische Industrie- und Handelskammer (CAMCHAL) gehören. Auf deutscher Seite werden Vertreter des Gewerkschaftsbunds (DGB) sowie vom Kuratorium der deutschen Wirtschaft für Berufsbildung als Diskussionsredner teilnehmen.
Neben den klassischen Instrumenten wie Workshops, Trainingsmaßnahmen und Studienbesuchen fand auch ein Gastwissenschaftler-Aufenthalt im BIBB im Jahr 2012 im Rahmen der Kooperation mit dem MINEDUC statt.

Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)

Seit 1980 arbeiten die UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (spanische Abkürzung CEPAL) und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zusammen, um eine sozial und ökologisch nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung der Region zu fördern. Seit 2003 verbindet die beiden Akteure zudem eine strategische Partnerschaft, welche die Zusammenarbeit von BMZ-CEPAL mittels mehrjähriger Kooperationsprogramme nochmals intensiviert hat. Das BMZ beauftragt dabei die GIZ mit der Umsetzung der Maßnahmen. Zusammen mit chilenischen Partnerinstitutionen führt die GIZ Vorhaben im Bereich Dreieckskooperationen in unterschiedlichen Ländern Lateinamerikas durch, unter anderem zu den Themen Jugend¬beschäftigung und Abfallmanagement.
„Técnicos para Chile“ ist ein Stipendiatenprogramm des chilenischen Bildungsministeriums, das zur Erhöhung des Angebots an nationalen Fachkräften mit höherer Bildung in für die chilenische Wirtschaftsentwicklung wichtigen Sektoren beitragen soll (Laufzeit: 2014–2016). Mit der Durchführung der Fortbildungsmaßnahmen in Deutschland hat das chilenische Bildungsministerium die GIZ beauftragt. Das Programm bietet 8-10-monatige Weiterbildungsangebote, sowohl an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg als auch in dem Weiterbildungsinstitut Gesellschaft für Nachhaltige Entwicklung (GNE) an. Im Anschluss an den theoretischen Kompetenzerwerb in der Ausbildungsstätte wird den Stipendiaten ein praktischer Kompetenzerwerb in einem ausgewählten Unternehmen in Deutschland ermöglicht.

Im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) führt die GIZ das Projekt „Förderung der Solarenergie in Chile“ mit den Schwerpunkten Concentrated Solar Power (CSP) und Photovoltaik (PV) durch. Im Rahmen dieses Projektes (Gesamtlaufzeit 2014 bis 2019) ist u.a. die Einrichtung eines regionalen Fort- und Weiterbildungszentrums für CSP und PV-Großanlagen in Antofagasta geplant. Zunächst wurde ein Beratungsunternehmen mit einer Analyse der nationalen technischen Kapazitäten für Solarenergie für die Konzeptentwicklung zur Einrichtung einer derartigen Ausbildungsstätte beauftragt. Die Analyse definiert folgende mögliche Ziele für die Einrichtung des Zentrums: 1. Einbindung bereits bestehender regionaler Trainingsinitiativen, 2. Fortbildungsma߬nahmen für Lehrkörper und 3. Ausbildungsprogramme bzgl. CSP und PV für Ingenieure, Techniker und Installateure. Das Vorhaben hat neben der technischen eine finanzielle Komponente, die über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW Entwicklungsbank) abgewickelt wird.

Im Rahmen des Programms Centrum für Internationale Migration und Entwicklung (CIM) sind aktuell vier Internationale Fachkräfte im Berufsbildungsbereich engagiert. Eine Fachkraft unterstützt seit Januar 2015 die Deutsch-Chilenische Industrie- und Handelskammer (CAMCHAL) in der Berufsbildungsberatung, ein weiterer Experte arbeitet in der Arbeitsagentur des chilenischen Arbeitsministeriums, ein dritter Experte arbeitet in der Fundación Cristo Vive insbesondere zum Thema Handwerkerausbildung im Bereich Elektrotechnik, eine vierte CIM-Fachkraft unterstützt die umwelt-technische Ausbildungsstätte IDMA in Santiago in den Arbeitsfeldern Qualitätssicherung, Zertifizierungsprozesse und Konzeption des Ausbildungsangebots.



Wirtschaft und Gewerkschaften

Deutsch-Chilenische Industrie- und Handelskammer (CAMCHAL)
Seit Januar 2006 betreibt die CAMCHAL ein eigenes Zentrum für berufliche Weiterbildung in Chile. Das Centro de Excelencia y Capacitación (CEC) ist bei SENCE akkreditiert und setzt seinen Schwerpunkt auf den Wissenstransfer aus Deutschland in den Bereichen Umwelttechnologie und Qualitätsmanagement. Die deutschen Firmen BOSCH (Emasa) und Festo nutzen es und das Netzwerk der AHK Chile, um firmeneigene, offene und geschlossene Kurse anzubieten.
In Zusammenarbeit mit der CAMCHAL werden regelmäßig Delegationen aus Chile bestehend aus Vertretern des Bildungs- und Arbeitsministeriums und der Sozialpartner im BIBB empfangen. So besuchten Ende 2014 beispielweise Vorstands¬mitglieder der triparitätischen Berufsbildungs-partnerschaft „ChileValora“ das BIBB. Es wurde die Entstehung von Ausbildungsordnungen in Deutschland sowie die Modernisierung des Prüfungs- und Zertifizierungsverfahrens diskutiert. In einem Pilotprojekt plant ChileValora die Prüfung und Zertifizierung von anerkannten technischen Kompetenzen. Bis Ende 2017 benötigt ChileValora eine etwa zehnfache Menge an Prüfern in der Berufsbildung. Konkretes Interesse wurde daher am BIBB-Prüferportal gezeigt.
Deutsche Anbieter beruflicher Aus- und Weiterbildung wie die DQS Academy, Festo Didactic, TÜV Rheinland und die Montan Bildungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH (MBEG) sind seit einigen Jahren in Chile ebenso tätig.

Universitäten, Akademien, öffentliche Bildungseinrichtungen

Technische Universität Bergakademie Freiberg; Fachhochschule Georg Agrícola in Bochum
Beide Institute gründeten zusammen mit der Universidad de Atacama (UDA, Copiapó), der Universidad Católica del Norte (UCN, Antofagasta) und der Universidad de Concepción (UdeC, Concepción) unter der Schirmherrschaft des chilenischen Bergbauministeriums und des BMBF am 1. Oktober 2012 das “Deutsch-Chilenische Zentrum für bergbaubezogene Lehre und Forschung“ zu Ehren von Ignacio und Casimiro Domeyko (Domeyko-Bergbauexzellenzzentrum). Ziel der Initiative ist es, Ausbildungs- und Austauschprogramme für alle Bildungsniveaus zu entwickeln. Durch die Verbesserung der Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Bildungsstufen soll die Perspektive, Abschlüsse sowohl auf Facharbeiter- als auch akademischen Niveau in Etappen absolvieren zu können, erweitert werden. Das Zentrum operiert seit März 2013 unter der Federführung der TU Bergakademie Freiberg mit einer Anschubfinanzierung des BMBF.      

Fundación Laboral Fundación Cristo Vive

Die vom chilenischen Staat anerkannte gemeinnützige ökumenische Stiftung privaten Rechts wurde 1990 von der Deutschen Ordensschwester Karoline Mayer gegründet. Im Bereich der Berufsbildung hat die Fundación eine Berufsfachschule mit Elementen nach dem deutschen Modell eingeführt und bietet insbesondere für sozial Schwache kostenfreie Ausbildungsprogramme an.
Weitere Institutionen wie das Deutsche Lehrerbildungsinstitut Wilhelm von Humboldt (LBI), das Heidelberg Center Lateinamerika und das Berufsbildungszentrum INSALCO engagieren sich seit einigen Jahren im Bildungs- und Berufsbildungsbereich in Chile.

In Chile besteht eine zwölfjährige Schulpflicht. Das chilenische Schulsystem gliedert sich in:

  • eine Grundstufe (acht Jahre) und
  • eine Sekundarstufe (vier Jahre).

Nach der Sekundarstufe legen alle Schulabsolventen eine nationale Prüfung ab, die mit der Allgemeinen Hochschulreife vergleichbar ist. (Technische) Sekundarschulen bieten in den letzten zwei Jahren technische Fachausrichtungen an. Einige dieser Sekundarschulen ermöglichen duale Ausbildungselemente, die in der Regel im letzten Jahr der Sekundarstufe greifen. Anschließend können die Schulabsolventen entweder:
- ein Universitätsstudium absolvieren (vier bis sieben Jahre) oder
- einen Beruf in Berufsbildungszentren (zweieinhalb Jahre) oder in Fachhochschulen (vier Jahre) erlernen. Diese sind in der Regel private Einrichtungen.
General wurde der mangelnde Informationsaustausch zwischen den Bildungseinrichtungen mit der Wirtschaft landesintern wiederholt kritisiert.

Staatspräsidentin Michelle Bachelet hat im Oktober 2014 die Neugründung 15 staatlicher Centros de Formación Técnica (CFT) angekündigt. Die Reformbedürftigkeit der chilenischen Berufsbildungspolitik ist durch diese Ankündigung in der Öffentlichkeit präsenter geworden.

Innerhalb des MINEDUC wird diskutiert, wie durchlässig das chilenische Bildungssystem und die Ministerialstruktur sind. Zwar ist die MINEDUC-Berufsbildung-Abteilung EMTP für die technischen Sekundarschulen und die „Liceos duales“ zuständig; die MINEDUC-Abteilung für höhere Bildung DIVESUP hat jedoch ebenso berufsbildungsrelevante Kompetenzen, und zwar für die Berufsbildungszentren (CFT) und Berufsbildungsinstitute/ Fachhochschulen (IP).

Projekte in der Berufsbildungs­zusammenarbeit

Bildung

weiterlesen

Wirtschaft

weiterlesen

Allgemeine Informationen

weiterlesen

Nachrichten/Artikel/Studien

weiterlesen

Deutsches Engagement/Kooperationen

weiterlesen

Berufsbildung

weiterlesen
Pazifik-Allianz: Wie kann die Qualität beruflicher Bildung sichergestellt werden?
Mittwoch, 21. Juni 2017

Pazifik-Allianz: Wie kann die Qualität beruflicher Bildung sichergestellt werden?

Was ist wichtig, damit Ausbildung an den Lernorten Betrieb und Schule gut funktioniert? Darüber diskutierten Chile, Kolumbien, Mexiko und Peru Ende Mai in der Woche der Bildung und Arbeit der Pazifik-Allianz.

weiterlesen