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Indien

Indien

Berufsbildungszusammenarbeit mit Deutschland

Rahmen: Grundlage für die bilaterale Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung bildet die gemeinsame Absichtserklärung zwischen dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und dem indischen Indischen Ministry of Skill Development & Entrepreneurship (MSDE). Diese gemeinsame Absichtserklärung wird voraussichtlich im Rahmen der deutsch-indischen Regierungskonsultationen Ende 2019 um weitere vier Jahre verlängert.

Gesteuert wird die bilaterale Berufsbildungskooperation mittels regelmäßiger Treffen der deutsch-indische Arbeitsgruppe.

Bedarf nach Berufsbildungszusammenarbeit

  • Der Wirtschaft mangelt es an gut ausgebildeten Fachkräften
  • Hoher Anteil an prekären Arbeitsverhältnissen und damit verbundenen schlechten  Einkommenssituationen in der Bevölkerung
  • Demographische Dividende: sehr junge Bevölkerung; mehr als die Hälfte der 1,2 Milliarden Einwohner (Stand: Volkszählung 2011) ist jünger als 25 Jahre, zwei Drittel sind unter 35.
  • In den nächsten zehn Jahren werden jeden Monat bis zu 1 Millonen Menschen  neu auf den indischen Arbeitsmarkt drängen.
  • Ziel der indischen Regierung ist es, das Berufsbildungssystem bedarfsorientierter zu gestalten, eine bessere Qualifizierung des Lehrpersonals sicherzustellen und die vielen jungen Leute zu qualifizieren.

Bundesressorts

Ziel der Berufsbildungszusammenarbeit mit Indien sind die nachhaltige Stärkung des bestehenden indischen Berufsbildungssystems und die Unterstützung bei der (Weiter-)Entwicklung und Förderung von dualen Elementen in der indischen Berufsbildung.

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Ziel der Zusammenarbeit: Nachhaltige Stärkung des Berufsbildungssystems und (Weiter-)Entwicklung und Förderung von dualen Elementen in der indischen Berufsbildung.

Lokaler Partner: Ministry of Skill Development & Entrepreneurship (MSDE)

Grundlagen der Zusammenarbeit:

  • Gemeinsame bilaterale Absichtserklärung BMBF, BMZ, MSDE (aktuelle Absichtserklärung von 2015; zuvor Absichtserklärung von 2011 noch mit anderer Akteurskonstellation)
  • Strategiepapier der Bundesregierung zur internationalen Berufsbildungszusammenarbeit aus einer Hand (2019)

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)

Ziel der Zusammenarbeit: Verbesserung der Arbeitsmarktorientierung von Berufsbildungssystemen; Förderung beruflicher Bildung im ländlichen Raum; Aufbau von Qualifizierungssystemen für verschiedene Sektoren, in denen der Fachkräftemangel besonders hoch ist; Stärkung der beruflichen Bildung in der informellen Wirtschaft

Lokaler Partner: Ministry of Skill Development & Entrepreneurship (MSDE)

Grundlagen der Zusammenarbeit:

  • Gemeinsame bilaterale Absichtserklärung BMBF, BMZ, MSDE (aktuelle Absichtserklärung von 2015)
  • Regierungsverhandlungen

Auftrag an folgende Durchführungsorganisationen (Vorhaben siehe unten):

  • Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
  • Sequa gGmbH
  • Don Bosco

Durchführungsorganisationen und ressortnahe Institutionen

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)/German Office for International Cooperation in VET (GOVET)

Ziel der Zusammenarbeit: Das BIBB arbeitet seit 2008 in der deutsch-indischen Arbeitsgruppe zur Berufsbildung unter Federführung des BMBF eng mit der indischen Regierung sowie mit Institutionen und Verbänden bei der Modernisierung des indischen Berufsbildungssystems zusammen.

Lokaler Partner: Ministry of Skill Development & Entrepreneurship (MSDE)

Link zur Kooperation in der GOVET Datenbank
 

iMOVE (International Marketing of Vocational Education) / Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Ziel der Zusammenarbeit: Mit der Initiative iMOVEunterstützt das BMBF die Internationalisierung beruflicher Aus- und Weiterbildungsdienstleistungen aus Deutschland. Ziel der iMOVE-Aktivitäten in Indien ist es, ein möglichst optimales Umfeld für den Export von beruflichen Bildungsdienstleistungen zu schaffen. iMOVE betreibt im Auftrag des BMBF ein Büro in Delhi.

Lokaler Partner: Ministry of Skill Development & Entrepreneurship (MSDE)
Zeitraum: seit 2008

Link zur Kooperation in der GOVET Datenbank

 

Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
Ziel: Die GIZ führt im Auftrag des BMZ in Indien das „Indo-German Programme for Vocational Education and Training (IGVET)“ durch. Ziel ist, die Zusammenarbeit des privaten und öffentlichen Sektors zu stärken, um förderliche Konditionen für die Entwicklung und Verbesserung einer kooperativen, Arbeitsplatz basierten Berufsausbildung zu schaffen.
Lokaler Partner: Ministry of Skill Development & Entrepreneurship (MSDE)
Zeitraum: seit 2016
Link zum Projekt in der GIZ

 

Sequa gGmbH (Vorhaben mit Bezug zur Berufsbildung)
Ziel: Innovationspartnerschaft, Förderung von Kleinst-, Klein- und Mittlere Unternehmen (KKMU); Projektziel ist, dass ausgewählte indische Kammern und Verbände nachhaltig bedarfsorientierte Leistungen für KKMU erbringen. Wirtschaftsorganisationen sollen zu einem verbesserten Dienstleistungsumfeld für KKMU in mehreren Branchen und Regionen beitragen; diese können dadurch Einkommen und Beschäftigung erhöhen. Die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit vor allem kleinerer Unternehmen spielt eine wichtige Rolle bei der Armutsbekämpfung in Indien.
Link zum Projekt bei Sequa


Don Bosco 
Ziel: Don Bosco betreibt in Indien 136 Jugendzentren, 157 Pastoral-/Sozialzentren, 119 Vor- und Grundschulen, 118 Weiterführende Schulen, 72 Berufsbildungszentren sowie zwei Medienzentren. Die Arbeit der Salesianer hat in Indien im Jahr 1926 begonnen. Heute sind 2282 Salesianer in 10 Salesianerprovinzen tätig. Sie wirken in 223 Einrichtungen an 206 verschiedenen Standorten. Die Einrichtungen der Salesianer für Straßenkinder und Jugendliche in Risikosituationen umspannen wie ein Netz ganz Indien, besonders sind sie aber auch im Nordosten in der Bildungs- und ländlichen Entwicklungsarbeit unter den Ureinwohnerstämmen vertreten.

Wirtschaft und Gewerkschaften

Deutsch-Indische Industrie- und Handelskammer (IGCC)/VETnet
Seit Oktober 2013 fördert das BMBF das Projekt VETnet beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Es zielt auf die Implementierung dualer Elemente in die Berufsbildungssysteme ausgewählter Länder. VETnet startete zunächst an elf AHK-Standorten, darunter Pune in Indien.

Deutsche Firmen/Deutsche Anbieter beruflicher Aus- und Weiterbildung
Einige deutsche Firmen (z.B. VW, BOSCH, Groz-Beckert) setzen in Indien eine Ausbildung nach deutschem Vorbild um.

Wirtschaft

  • Arbeitsmarkt- und Berufsbildungssystem können nicht genügend arbeitsmarktfähige Fachkräfte für bestehende Wirtschaft ausbilden. Das hat Auswirkungen auf die Qualität der Ausbildung, der Arbeit, der Produkte und damit auch auf das Wachstum und die globale Wettbewerbsfähigkeit.
  • Die indische Wirtschaft öffnet sich nur langsam den Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Regierung und öffentlicher Verwaltung. Ein großer Teil der indischen Unternehmerschaft ist wenig ausbildungswillig, viele Betriebe sind nicht ausbildungsfähig.

Gesellschaft

  • Indien ist nach China mit mehr als 1,3 Mrd Menschen das bevölkerungsreichste Land der Erde
  • Das Land hat eine sehr junge Bevölkerung: Das Durschnittsalter wird 2020 bei etwa 29 Jahren liegen, das in China dagegen bei 37 Jahren.
  • Noch immer leben etwa 1/3 der Bevölkerung in extremer Armut
  • Alphabetisierungsrate liegt bei ca. 81% (2015)
  • Einige soziale Gruppen stark benachteiligt, wie z.B. Adivasi, Dalits, Muslime

Staat

Die indische Regierung ist bestrebt mittels der „Skills Initiative“, bis 2022 insgesamt 500 Millionen Menschenberuflich qualifizieren, was allerdings sehr wahrscheinlich nicht erreicht werden wird. Noch wird Berufsausbildung weitgehend als staatliche Aufgabe verstanden und ist überwiegend schulischer Natur. Für Berufsbildung ist hauptsächlich das Ministry of Skill Development & Entrepreneurship (MSDE) zuständig.

Berufsbildungssystem

  • Wie viele Länder fokussierte auch Indien seine bildungspolitischen Maßnahmen in der Vergangenheit vornehmlich auf den Ausbau allgemeinbildender und akademischer Bildungsgänge sowie auf die Verschulung der beruflichen Bildung.
  • Berufsbildung findet in Indien weit überwiegend informell, also durch Sozialisation, Anlernen und Nachahmung statt.
  • Nur fünf bis sechs Prozent der Gesamtbevölkerung sind formal in Universitäten oder Berufsbildungseinrichtungen qualifiziert.
  • Jährlich stehen zurzeit 3-4 Millionen Ausbildungsplätze in staatlichen und privaten außerbetrieblichen Berufsschulen, den Industrial Training Institutes (ITI), zur Verfügung, während jedoch mehr als 13 Millionen benötigt würden.

Herausforderungen für die Berufsbildung

  • Indien steht vor der Herausforderung, das gravierende Ungleichgewicht zwischen unzureichend qualifizierten Arbeitskräften und dem gleichzeitig wachsenden Bedarf der indischen Wirtschaft und internationalen Unternehmen an qualifizierten Fachkräften abzubauen.
  • Erforderlich ist daher der rasche Aufbau einer leistungsfähigen Berufsbildungsinfrastruktur, z.B. durch den Aufbau bzw. die Modernisierung von Ausbildungsstätten oder -zentren, qualifiziertes Bildungspersonal, moderne technische Ausstattung, die Entwicklung und Implementierung von Standards, moderne berufspädagogische Ausbildungsmethoden, Beteiligung der Wirtschaft an Berufsausbildung sowie Berufsbildungsforschung.
  • Das Interesse an handlungsorientierten, betriebsnahen und arbeitsbasierten Formen beruflicher Bildung, die für das deutsche Berufsbildungssystem charakteristisch sind, ist groß.

Projekte in der Berufsbildungs­zusammenarbeit

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Berufsbildung in Indien - Erster Fachdialog bei GOVET
Freitag, 14. September 2018

Berufsbildung in Indien - Erster Fachdialog bei GOVET

Der erste Fachdialog bei GOVET zur „Berufsbildung in Indien“ fand am 15. August in Bonn statt. Anlass war die Vorbereitung der neuen für Berufsbildung zuständigen Referentin an der Deutschen Botschaft in Delhi. Ziel war die Analyse des Berufsbildungssystems und die Diskussion der Entwicklungen.

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Brücken zwischen Ländern bilden: Bundeskanzlerstipendiaten tauschen sich in Berlin aus
Montag, 14. August 2017

Brücken zwischen Ländern bilden: Bundeskanzlerstipendiaten tauschen sich in Berlin aus

Pooja Gianchandani ist seit November 2016 als Bundeskanzlerstipendiatin im BIBB und wird von GOVET fachlich betreut. Beim Abschlusstreffen am 18. Juli 2017 trafen sie und weitere Stipendiat/-innen Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin.

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