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Spanien

Spanien

Am 12. Juli 2012 unterzeichnete das Bundeministerium für Bildung und Forschung (BMBF) eine Vereinbarung über eine Kooperation in der Berufsbildung mit dem Spanischen Ministerium für Bildung, Kultur und Sport (MECD). Spanien ist außerdem einer der Unterzeichnerstaaten des Memorandums BMBF und den Bildungsministerien aus sechs europäischen Ländern (Griechenland, Spanien, Portugal, Italien, Lettland, Slowakei) vom Dezember 2012.

Auf Grundlage des Memorandums wurde eine bilaterale Arbeitsgruppe mit Vertretern der Bildungsministerien, von GOVET sowie Sozialpartnern beider Seiten eingerichtet, die über Aktivitäten zum gemeinsamen Lernen im Bereich der Berufsbildung zwischen Deutschland und Spanien entscheidet.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert durch das Projekt VETnet die Berufsbildungsaktivitäten der Auslandshandelskammern.

Im Rahmen des VETnet-Projekts berät die Deutsche Handelskammer für Spanien Unternehmen mit Interesse an dualer Ausbildung und bietet „Ausbildung der Ausbilder“-Kurse an.
Die Schulen der Formación Empresarial Dual Alemana (FEDA) bilden in Madrid und Barcelona bereits seit 1982 nach deutschem Vorbild aus, der Fokus liegt auf kaufmännischen Berufen. Die FEDA wird durch die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) unterstützt.

 

GOVET/BMBF

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ist durch das Projekt VETnet zur Förderung der dualen Berufsausbildung durch die Auslandshandelskammern (AHK) in Spanien aktiv (siehe dazu auch Kapitel „Deutsche Handelskammer für Spanien“).

Formación Empresarial Dual Alemana (FEDA)

Das Ausbildungszentrum FEDA ist eine Vereinigung ohne Gewinnerzielungsabsicht, die in Spanien betriebliche Ausbildungen nach dem Prinzip des deutschen dualen Berufsausbildungssystems für mehr als 80 Unternehmen in den Bereichen Industrie, Gewerbe und Logistik anbietet. Die FEDA wurde 1982 unter dem Namen ASET (Asociación Hispano-Alemana de Enseñanzas Técnicas) gegründet und ist an den Standorten Madrid und Barcelona vertreten. FEDA bietet eine duale Berufsausbildung in drei Berufen an: Industriekaufmann/-kauffrau, Kaufmann/Kauffrau für Spedition und Logistikdienstleistung sowie Verkäufer/-in. Die Ausbildung findet teilweise in deutscher, teilweise in spanischer Sprache statt. Die FEDA wird durch die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) organisatorisch, pädagogisch und finanziell unterstützt.

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)

Das Arbeitsministerium fördert über das Programm MobiPro EU seit Januar 2013 junge EU-Bürgerinnen und EU-Bürger bei der Aufnahme einer betrieblichen Berufsausbildung in Deutschland. Seit Programmstart wurden von rund 9.100 Personen Förderanträge gestellt. Davon waren rund 6.400 im Ausbildungssegment und 2.700 im Fachkräftesegment. Aufgrund der hohen Nachfrage aus dem EU-Ausland nach Ausbildungsplätzen in Deutschland wird sich das Förderprogramm zukünftig ausschließlich auf Ausbildungsinteressierte konzentrieren. Im Ausbildungsjahr 2015 sollen rund 2.000 Jugendliche aus Mitgliedstaaten der Europäischen Union die Möglichkeit erhalten, eine duale Ausbildung zu beginnen.

Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung

Im Auftrag des Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung baut die Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit in Kooperation mit Partnern in der spanischen Arbeitsverwaltung in Madrid eine Anlauf- und Beratungsstelle auf, um eine effektive Vermittlung von spanischen Fachkräften und Auszubildenden nach Hessen zu ermöglichen. Dabei kommt der Beratung zur Anerkennung von im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen nach BQFG und HBQFG eine zentrale Rolle zu. Ziel der Anerkennungsberatung ist es, eine bestmögliche Passung der interessierten Fachkräfte für zu besetzende Arbeitsstellen in Hessen/Deutschland sicherzustellen und damit das vorhandene Arbeitskräftepotenzial optimal zu nutzen.

Deutsche Handelskammer für Spanien

Die Deutsche Handelskammer für Spanien (AHK Spanien) ist Teil des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektes VETnet (German Chambers worlwide network for cooperative, work-based Vocational Education & Training). Im Rahmen des Projekts baut die AHK Spanien ihre Aktivitäten im Bereich der Berufsbildung aus. Die AHK Spanien berät Unternehmen, die die duale Berufsausbildung einführen wollen oder bereits eingeführt haben. Sie berät über die Erstellung von Ausbildungsplänen, die Führung von Berichtsheften sowie die Aufgaben der Ausbilder in Unternehmen. Darüber hinaus bietet die AHK Spanien „Ausbildung der Ausbilder“-Kurse an und führt mit der deutschen Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO) konforme Prüfungen durch. Ebenso wird über Möglichkeiten der Anerkennung spanischer Berufsausbildungsabschlüsse beraten.

Das spanische Berufsschulsystem ist traditionell schulbasiert. Erst seit Herbst 2012 gibt es Entwicklungen hin zu einer dual organisierten Ausbildungsform. Die Kompetenz für die Umsetzung und Ausgestaltung der Berufsbildung und der arbeitsmarktorientierten Aus- und Weiterbildung ist zwischen der Zentralregierung und den autonomen Gemeinschaften geteilt. Dies wird deutlich, wenn man die Entwicklung der Ausbildungsinhalte der Berufsbildung betrachtet. Die Entwicklung der Curricula erfolgt dreistufig: Zunächst werden auf nationaler Ebene die staatlichen Mindestinhalte festgelegt. Dies entspricht einem Anteil von 55 % der Ausbildungsinhalte. Die weiteren 45 % werden dann von den autonomen Gemeinschaften ergänzt. Im letzten Schritt sind die Schulen verpflichtet, die staatlichen und regionalen Standards umzusetzen und schuleigene Curricula zu entwickeln, die den Bedürfnissen der ansässigen Unternehmen und der Schüler entsprechen[1].

 

Die schulische Ausbildung gliedert sich in zwei Level von Ausbildungszyklen, den Grado Medio und den Grado Superior. Im Anschluss an die Sekundarstufe I setzt die Berufliche Bildung mittleren Grades (Ciclo Formativo de Grado Medio) an: Diese entspricht ISCED 3B und bietet in den 26 Berufsfamilien eine modulare Ausbildung von insgesamt 1300 bis 2000 Stunden an. Der Ausbildungsgang hat in der Regel eine Dauer von zwei Jahren. Der erfolgreiche Abschluss führt zum „Techniker“ (Título de Técnico). Die berufliche Bildung höheren Grades (Ciclo Formativo de Grado Superior) entspricht ISCED 5B und umfasst mindestens 2000 Stunden und ist vom Aufbau der Ausbildung mittleren Grades vergleichbar. Die Ausbildung dauert in der Regel zwei Jahre und führt zum Abschluss als „höherer Techniker“ (Título de Técnico Superior) und ist mit dem Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung verbunden.
Die Ausbildung beider Grade ist in verschiedene Ausbildungsbestandteile (Módulos) unterteilt. Es gibt fachspezifische und fachübergreifende Bestandteile. Es bestehen regionale und individuelle Möglichkeiten der Ausgestaltung. Über diese in erster Linie schulisch vermittelten Inhalte hinaus müssen die Teilnehmer beider Ausbildungsniveaus ein betriebliches Ausbildungsmodul (Módulo profesional de formación en centros de trabajo) absolvieren, das in Betrieben oder in schulischen Ausbildungswerkstätten, -laboren etc. durchgeführt wird. Der Praxisanteil in den Ausbildungsgängen liegt in der Regel bei 20 % und schließt sich nach Abschluss der theoretischen Ausbildung als Praktikumsblock an. Insgesamt ist die Praxisorientierung im bestehenden Berufsschulsystem jedoch eher gering[2].
Das Ansehen der Berufsbildung in Spanien ist schlecht. Dies wird unter anderem daran deutlich, dass sich lediglich ein Drittel der Jugendlichen für eine Berufsausbildung entscheiden[3]. Sogar in neu geschaffenen dualen Ausbildungsgängen, die auf eine Anschlussbeschäftigung ausgerichtet sind, gelingt es Firmen bislang nicht immer, die zur Verfügung gestellten Ausbildungsplätze mit qualifizierten Bewerbern zu füllen[4].

 

Die spanische Regierung hat seit 2012 Anstrengungen unternommen, die Berufsausbildung in Spanien zu einem dualen Modell umzubauen und eine höhere Arbeitsmarktorientierung zu erreichen. Ein wichtiger Meilenstein ist das Königliche Dekret 1529/2012 über die „Entwicklung von Verträgen für die Berufsbildung und Ausbildung und die Festlegung von Grundlagen der dualen Berufsausbildung“ („por el que se desarrolla el contrato para la formación y el aprendizaje y se establecen las bases de la formación profesional dual“) vom 8. November 2012. Erstmalig wird hier der Begriff der dualen Berufsausbildung (formación profesional dual) verwendet und definiert. Das Gesetz stellt einen Rahmen für die Entwicklung von Projekten der dualen Berufsausbildung mit Beteiligung der Ausbildungszentren und Betriebe dar[5].

 

An den Projekten der dualen Berufsausbildungen können Ausbildungszentren teilnehmen, die von den Bildungsbehörden der Autonomen Gemeinschaften für die entsprechenden Berufsausbildungen zugelassen wurden und Kooperationsvereinbarungen mit Unternehmen geschlossen haben. Die Vereinbarungen mit den Unternehmen sollen die Inhalte der Ausbildungsmodule in der Weise konkretisieren, dass die inhaltlichen Anteile des Betriebes und die des Ausbildungszentrums festgelegt werden ebenso wie die Dauer und die Evaluationskriterien. Die Ausbildung soll die Erreichung der in der Vereinbarung festgelegten Ziele gewährleisten.

 

Quellen:
[1]
Internationales Handbuch der Berufsbildung – Länderstudie Spanien (2014); Ergebnisse des Fact Finding im Dezember 2012 und Januar 2013.

[2]
Internationales Handbuch der Berufsbildung – Länderstudie Spanien (2014).
[3]
Internationales Handbuch der Berufsbildung – Länderstudie Spanien (2014).

[4]
Ergebnisse des Fact Finding im Dezember 2012 und Januar 2013.
[5] Internationales Handbuch der Berufsbildung – Länderstudie Spanien (2014).

 

 

 

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Berufsbildungskongress in Valencia mit deutscher Beteiligung
Dienstag, 2. April 2019

Berufsbildungskongress in Valencia mit deutscher Beteiligung

Das spanische Bildungsministerium, das seit 2018 das Wort „Berufsausbildung“ im spanischen Titel trägt, organisierte am 21. und 22. März 2019 in Valencia den ersten internationalen Berufsbildungskongress. Mit mehr als 600 Teilnehmern aus Berufsschulen, Unternehmen und öffentlicher Verwaltung.

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