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Türkei

Türkei

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das türkische Ministerium für Nationale Erziehung (MEB) gründeten 2005 die Deutsch-Türkische Arbeitsgruppe für berufliche Bildung (AG) in Ankara. Seitdem treffen sich Vertreter des BMBF und der deutschen Sozialpartner, sowie des MEB und der türkischen Arbeitgebervertreter in meist regelmäßigen Abständen, um sich zu aktuellen Entwicklungen im Bereich berufliche Bildung auszutauschen.

Am 08.02.2012 wurde eine Gemeinsame Absichtserklärung (MoU) der Bildungsminister zur vertieften Zusammenarbeit in der Berufsbildung mit einer Geltungsdauer von fünf Jahren unterzeichnet.

Aktuelle Schwerpunkte der Kooperation sind die Themen Anerkennung von deutschen und türkischen Berufsqualifikationen, Analyse und Früherkennung von Qualifikationsanforderungen sowie Ausbildung von Ausbildern.

 

 

 1. Bundesressorts und Durchführungsorganisationen

Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF):

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das türkische Bildungsministerium (MEB) gründeten 2005 die deutsch-türkische Arbeitsgruppe für berufliche Bildung (AG) in Ankara. Seitdem treffen sich zum Teil hochrangige Vertreter des BMBF und der deutschen Sozialpartner, sowie des MEB und der türkischen Arbeitgebervertreter in regelmäßigen Abständen, um sich zu aktuellen Entwicklungen im Bereich der beruflichen Bildung auszutauschen und konkrete Maßnahmen auszuloten. Thematische Schwerpunkte der Kooperation dabei waren:

a) Nationale Standards in der Berufsbildung
b) Rechtlicher Rahmen der Berufsbildung
c) Qualifizierung von Berufsbildungspersonal
d) Ausbildung im Tourismus- und Pflegebereich sowie zum Mechatroniker
e) Anerkennungsgesetz
f) Prüfungsverfahren

In der letzten Sitzung der bilateralen Arbeitsgruppe im November 2014 wurden drei Themenschwerpunkte für die zukünftige Zusammenarbeit festgelegt, die im Rahmen kleinerer Expertentreffen bearbeitet werden sollen. Zunächst soll eine Veranstaltung zur gegenseitigen Anerkennung von Bildungsabschlüssen durchgeführt werden. Dabei soll die Berufsbildung als einer der Anerkennungsbereiche neben schulischen und akademischen Abschlüssen behandelt werden. Darüber hinaus ist ein Fachseminar zum Thema „Berufsforschung und -entwicklung“ geplant. Schließlich soll das Thema „Ausbildung der Ausbilder“ bearbeitet werden. An die letztgenannte Veranstaltung soll sich das nächste Treffen der deutsch-türkischen Arbeitsgruppe anschließen.

Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS):

Im November 2014 fand ein bilaterales Treffen zwischen dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BAMS) und dem türkischen Ministerium für Arbeit und Soziale Sicherheit (CSGB) statt, zu dem außerdem Vertreter des türkischen Bildungsministeriums, des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) sowie der Bundesagentur für Arbeit geladen waren. Zentrales Thema war die Durchführung von Berufsbildungsprogrammen für über 500.000 Jugendliche in Deutschland mit türkischem Migrationshintergrund. Für die Zukunft ist ein weiterer interministerieller Austausch geplant.


2. Bundesländer


3. Wirtschaft und Gewerkschaften


4. Nichtregierungsorganisationen


5. Universitäten, Akademien, öffentliche Bildungseinrichtungen


6. Weitere

     

Die Türkei hat eine Bevölkerung von ca. 76 Millionen Einwohnern: Etwa die Hälfte ist jünger als 30 Jahre. Von den fast 55 Millionen Personen im erwerbsfähigen Alter (15-64 Jahre) sind nur 27 Millionen erwerbstätig.
Die Türkei verfügt über ein modular aufgebautes Berufsbildungssystem, welches vorwiegend schulisch und zentralstaatlich organisiert ist. Daneben gibt es auch eine duale Berufsausbildung, die in Teilen der deutschen gleicht. Voraussetzung für die Aufnahme einer Berufsausbildung ist ein erfolgreicher Abschluss der 8-jährigen Primarschule. Der gesamte Bereich der beruflichen Sekundarbildung fällt in die Zuständigkeit des Ministeriums für Nationale Erziehung (Milli Eğitim Bakanlığı). Vollzeitschulische Berufsausbildungsgänge werden in vier verschiedenen Schultypen durchgeführt:

• Berufliche Gymnasien (Meslek Lisesi)
• Berufliche Anadolu Gymnasien (Anadolu Meslek Lisesi)
• Technische Gymnasien (Teknik Lisesi)
• Technische Anadolu Gymnasien (Anadolu Teknik Lisesi)

Die beruflichen Gymnasien weisen im Vergleich zu den technischen Gymnasien eine stärkere berufsspezifische Orientierung auf. Die „Anadolu Gymnasien“ unterscheiden sich von den anderen Schultypen durch eine stärkere Fremdsprachenorientierung. Es werden auch einzelne berufsbezogene Fächer in Fremdsprachen unterrichtet – zumeist in Englisch. Zusätzlich zum Abschluss der Primarschule müssen die Jugendlichen eine Aufnahmeprüfung bestehen, um an diesen Schulen mit einer vierjährigen Ausbildung zu beginnen.

Mit dem Abschluss der vollzeitschulischen Berufsausbildung erwerben die Jugendlichen eine Doppelqualifikation: eine abgeschlossene Berufsausbildung sowie die allgemeine Hochschulreife. Die Inhaber dieser Diplomasi, bei denen jeweils der Schultyp im Titel angeführt ist (Teknik Lise Diplomasi, Anadolu Teknik Lise Diplomasi, Meslek Lise Diplomasi und Anadolu Meslek Lise Diplomasi), können sich, ohne zusätzliche Berufserfahrung zu sammeln oder Meisterkurse zu belegen, direkt zur Meisterprüfung anmelden und bei Bestehen einen Meisterbrief (Ustalik Belgesi) erwerben.
Die Aufnahme eines Studiums ist für die Inhaber eines Diplomasi mit aufwendigen, zentralstaatlich organisiert Zugangsprüfungen verbunden, da die Nachfrage die zur Verfügung stehenden Studienplätze bei weitem übersteigt. Neben den klassischen Hochschulstudiengängen bieten die Universitäten auch zweijährige höherqualifizierende Berufsbildungsgänge unterhalb des Bachelorniveaus an. Absolventen der Berufsgymnasien können sich für fachgebundene Ausbildungsgänge ohne Zugangsprüfung anmelden. Nach erfolgreicher Beendigung einer höherqualifizierenden Berufsausbildung können sich die Absolventen ohne Zugangsprüfung in einer Hochschule einschreiben.

Neben den vollzeitschulischen Berufsausbildungsgängen besteht in der Türkei auch die Möglichkeit, eine zwei- bis dreijährige duale Ausbildung mit dem Abschluss Kalfalik Belgesi zu absolvieren und im weiteren Verlauf der Berufskarriere den Meisterbrief zu erwerben. Im Jahr 2010 gab es 135 anerkannte Ausbildungsberufe, in denen jährlich ca. 70.000 Jugendliche eine duale Berufsausbildung begannen. Die Zahl an Auszubildenden hat in den vergangenen Jahren abgenommen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass einerseits die Ausbildungsbereitschaft und -kapazitäten der Betriebe begrenzt sind und andererseits diese Form der Ausbildung in der Türkei keine hohe Akzeptanz genießt. Bei den praktischen Ausbildungsbestandteilen hat das Ministerium für Nationale Erziehung einige Kompetenzen an die TESK, den Dachverband türkischer Gewerbetreibender und Handwerker, abgetreten. Zudem wurde ihm die Trägerschaft der überbetrieblichen „Zentren für Berufliche Bildung und Technologie" übertragen.
Allgemein werden zahlreiche traditionelle Berufsausbildungen auch heute noch vorwiegend im handwerklichen Bereich oder im elterlichen Agrarbetrieb praktiziert. Über den Umfang bzw. die Qualität dieser Ausbildungsform liegen gegenwärtig keine validen Daten vor.

Aktuelle Reformprozesse
Aufgrund von Reformbemühungen war das türkische Berufsbildungssystem in den letzten Jahren zahlreichen Veränderungen unterworfenen. Dazu haben u.a. auch die Teilnahme an europäischen Bildungsprogrammen (wie z.B. Leonardo Da Vinci und Erasmus) sowie der mögliche EU-Beitritt der Türkei beigetragen. Hervorzuheben ist die Bildungsreform in 2005: Durch die Einbeziehung von Betrieben soll die allgemeine und berufliche Bildung stärker vernetzt, Praxisnähe hergestellt und Qualitätsstandards entwickelt werden. Einzelne Berufsschulzentren neuen Typs wurden durch Industrie, Sozialpartner und in Kooperation mit ausländischen Partnern (BIBB, Firmen, Hochschulen) aufgebaut. Im Rahmen des Großprojekts „Specialized Vocational Training Centres (Skills '10)” wurde unter Beteiligung der Türkischen Handelskammer- und Börsenunion (TOBB) der Privatsektor erstmals an 111 ausgesuchten Berufsgymnasien in das System der Berufsausbildung einbezogen. Gleichzeitig wurde in einem Aktionsplan die Rolle der Kammern im Prozess der beruflichen Bildung institutionalisiert. Das landesweit durchgeführte Projekt erzielte erste Erfolge in der Stärkung lokaler Berufsbildungsakteure.

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