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Bundesregierung baut internationale Zusammenarbeit in der Berufsbildung aus

Hans-Peter Baur, BMZ, Dr. Georg Schütte, BMBF; Prof. Dr. Maria Böhmer, AA, Dirk Wiese, BMWi
v.l.n.r.: Hans-Peter Baur, Ministerialrat im BMZ; Dr. Georg Schütte, Staatssekretär im BMBF; Prof. Dr. Maria Böhmer, Staatsministerin im AA; Dirk Wiese, Parlamentarischer Staatssekretär im BMWi bei der Pressekonferenz zur Bilanzkonferenz.© BMBF / Hans-Joachim Rickel

Ein positives Fazit aus ihrem internationalen Engagement in der Berufsbildungszusammenarbeit zog die Bundesregierung am 22. März in Berlin. Anlässlich der von GOVET / BIBB organisierten Bilanzkonferenz diskutierten die Ministerien über Erfolge und Herausforderungen bei ihren Auslandsaktivitäten mit Presse und Fachszene.

„Berufsbildung stärken, Perspektiven schaffen – das internationale Engagement der Bundesregierung“, so der Titel der Bilanzkonferenz am 22. März 2017 in Berlin, die von GOVET / BIBB organisiert wurde. Knapp vier Jahre nach Verabschiedung der Strategie der Bundesregierung zur Berufsbildungszusammenarbeit aus einer Hand trafen sich in Berlin über 150 Vertreterinnen und Vertreter der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit, um Bilanz zu ziehen. Gemeinsam diskutierten sie, wie weit die Strategie umgesetzt wurde und wie die internationale Zusammenarbeit in der Berufsbildung weiterentwickelt werden sollte.

Im Auftrag der Bundesregierung, unter Federführung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) organisierte GOVET die Konferenz. GOVET wurde auf Grundlage des Strategiepapiers der Bundesregierung zur Berufsbildungszusammenarbeit aus einer Hand gegründet. Aufgabe von GOVET ist u.a. die Beratung und Information der Akteure der Berufsbildungszusammenarbeit. Am Runden Tisch bringt GOVET deutsche Akteure der Berufsbildungszusammenarbeit zusammen und schafft eine Plattform für deren Austausch und Vernetzung. Eine weitere Kernaufgabe von GOVET ist die fachliche Begleitung der bilateralen Berufsbildungskooperationen des BMBF.

Dr. Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung
Dr. Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung© Paul Hahn

Bei der gemeinsamen Konferenz wurde deutlich: Berufsbildung wird immer wichtiger, und das deutsche Engagement der deutschen Akteure wird ausgebaut. Die Ministerien ziehen dabei an einem Strang. Die bisherige Strategie zur Zusammenarbeit der Akteure war erfolgreich. Ihre Weiterentwicklung wird jedoch ein elementarer Faktor für das weitere Gelingen sein. Den inhaltlichen Fokus dafür stellten die Ministerien in der Bilanzkonferenz vor.

Eröffnet wurde die Veranstaltung mit Keynotes von Dr. Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Prof. Dr. Maria Böhmer, Staatsministerin im Auswärtigen Amt (AA), Dirk Wiese, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) und Hans-Peter Baur, Ministerialrat im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). „Wir beraten Staaten innerhalb und außerhalb Europas, wie die berufliche Bildung nicht nur rein in der Schule erfolgen kann, sondern auch im Unternehmen“, so Dr. Georg Schütte vom BMBF. Dafür brauche es systemische Strukturveränderungen und langfristige Partnerschaften mit den zuständigen ausländischen Regierungsstellen, betonte er. Auch in Zukunft verfolge das BMBF diesen Ansatz und lege drei Schwerpunkte: Erstens sollen die internationalen Projekte stärker mit der Innovationspolitik und dem Technologietransfer verknüpft werden. Zweitens soll die Exportindustrie stärker mit einbezogen werden. Und drittens möchte das BMBF deutsche Bildungsanbieter weiter darin unterstützen, ihre Bildungsdienstleitungen im Ausland auszubauen.

Staatsministerin Maria Böhmer vom Auswärtigen Amt bilanzierte die Zusammenarbeit zwischen den verantwortlichen Ministerien sehr positiv. Berufsbildungszusammenarbeit habe enorm an Fahrt gewonnen. Initiativen aus einer Hand helfen dabei im Ausland sehr. Für die Zukunft sehe sie zwei Themen, die noch mehr in den Fokus rücken sollten: Zum einen sollten die Maßnahmen von meist vereinzelten Projekten überführt werden in langfristig angelegte Strukturen. Zum anderen solle mehr für das Image der dualen Berufsausbildung in den Ländern getan werden. Die duale Ausbildung habe in vielen Ländern noch nicht denselben Stellenwert wie ein akademisches Studium.

„Die Wirtschaft braucht qualifizierte Fachkräfte. Wir bringen uns daher mit unserem weltweiten Netz der Auslandshandelskammern engagiert in die Berufsbildungszusammenarbeit ein. Mit ‚Skills Experts‘ unterstützen wir deutsche und lokale Unternehmen bei der bedarfsgerechten betrieblichen Ausbildung von Jugendlichen vor Ort“, sagte Dirk Wiese vom BMWi. Für die Zukunft rücke das BMWi zwei Themen in den Fokus: Einerseits sollten die deutschen Unternehmen vor Ort stärker in die Bedarfsanalyse für mögliche Ausbildungsberufe einbezogen werden, und andererseits sollte die digitale Bildung einen größeren Stellenwert eingeräumt bekommen.

Deutschland sei weltweit der größte bilaterale Geber in der beruflichen Bildung, so Hans-Peter Baur vom BMZ, der die Rolle Deutschlands in der Berufsbildung hervorhob. Mit über 60 Partnerländern habe allein das BMZ kooperiert und mit seinen Maßnahmen etwa 1,8 Millionen Menschen erreicht. Neben der Erreichung der globalen Nachhaltigkeitsziele (SDGs), bei denen die berufliche Bildung von Frauen eine besondere Rolle spiele, werde die berufliche Bildung zukünftig in allen Maßnahmen des BMZ ausgebaut.

Viktor Elbling, Botschafter Deutschlands in Mexiko
Viktor Elbling, Botschafter Deutschlands in Mexiko© Paul Hahn

Einblicke in die Praxis boten den Teilnehmenden auch Beispiele der Berufsbildungszusammenarbeit von Praktikern aus den Ländern Italien, Mexiko, Slowakei und Südafrika. Die Herausforderungen, denen sich die deutschen Akteure in den vergangenen Jahren gemeinsam mit ihren Partnerländern stellten, waren sehr unterschiedlich. Wichtig in allen Kooperationen sei das gemeinschaftliche Vorgehen der Akteure. Nur zusammen sei man stark, betonte Viktor Elbling, Botschafter Deutschlands in Mexiko, der die Kooperation mit Mexiko vorstellte. Elbling nannte mehrere Gründe, die zum Erfolg der deutsch-mexikanischen Kooperation beitragen. Wichtig für die erfolgreiche Zusammenarbeit war beispielsweise der Runde Tisch an der deutschen Botschaft, an dem das Vorgehen der deutschen Akteure regelmäßig abgestimmt wurde. Darüber hinaus sei es ebenso wichtig gewesen, eng mit der mexikanischen Wirtschaft und den Sozialpartnern zusammenzuarbeiten.

Natasha Walker, Kommunikationsberaterin, führte durch die Veranstaltung.
Natasha Walker, Kommunikationsberaterin, führte durch die Veranstaltung© Paul Hahn

In der anschließenden Podiumsdiskussion zur Kooperation deutscher Organisationen mit dem Ausland kamen Praktiker der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit zu Wort: Birgit Thomann (BIBB), Matthias Anbuhl (DGB), Annika Calov (KfW Entwicklungsbank), Dr. Oliver Heikaus (DIHK), Kerstin Nagels (GIZ), Christian Osterhaus (Don Bosco Mondo e. V.) und André Weiß (ZDH) diskutierten über die bisherigen Erfolge undHerausforderungen und machten sich Gedanken über die Zukunft des gemeinsamen Engagements.

Die Panellisten betonten: Entscheidend für den Erfolg in einem Partnerland sei der Austausch mit anderen deutschen Akteuren, die mit diesem Land zusammenarbeiten. Denn so könne man von den Erfahrungen der anderen lernen und Kompetenzen bündeln. GOVET als zentrale Anlaufstelle für internationale Berufsbildungskooperation übernehme dabei eine wichtige Lotsenfunktion.

In vielen Ländern kann die internationale Berufsbildungszusammenarbeit bereits erfolgreiche Pilotprojekte vorweisen. Von diesen Projekte ausgehend müsse man nun zu übergreifenden Strukturen kommen.
Wichtig seien dabei individuelle Lösungen in den Partnerländern. Jedes Land, jede Region habe andere Grundvoraussetzungen und Rahmenbedingungen. Um Berufsbildung voranzutreiben, sei es notwendig, gemeinsam mit den Partnerländern die Chancen der vorhandenen Strukturen zu nutzen.

Eine große Herausforderung sei jedoch das Imageproblem. In vielen Ländern habe duale Berufsausbildung kein gutes Image, gaben die Panellisten zu bedenken. Viele junge Menschen entscheiden sich gegen eine Ausbildung und für ein Studium. Hier müsse Überzeugungsarbeit geleistet werden. Jungen Menschen, deren Eltern und Unternehmen müssten die Vorteile der dualen Berufsbildung aufgezeigt werden.

Eines ist klar: Um diese Herausforderungen anzugehen, wird die Lösung auch in Zukunft lauten: Ansätze für Veränderungen gemeinsam erarbeiten und gemeinsam ihre Umsetzung vornehmen. Das betonte Volker Rieke, Leiter der Abteilung für Europäische und internationale Zusammenarbeit des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, in seinem Schlusswort. Außerdem hob er die Impulse für die Zukunft hervor, die aus den facettenreichen Diskussionen im Rahmen der Konferenz gewonnen werden können.

Paneldiskussion: Was haben wir bewirkt und wie geht es weiter?