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Russischer Röhrenhersteller setzt auf duale Berufsausbildung

Anna Poliakina leitet die duale Ausbildung bei ChelPipe in Pervouralsk. ChelPipe ist eines der größten Röhrenwerke im Land und hält einen Marktanteil von 20 Prozent.© Hannelore Kress / GOVET

Im eigenen Betrieb auszubilden, bietet große Vorteile. Viele Unternehmen im Ausland bilden bereits dual aus. Wie duale Berufsausbildung beim russischen Röhrenhersteller ChelPipe in der Region Ural funktioniert, zeigte Anfang Juli 2017 ein Besuch seines Ausbildungszentrums.

Russland reformiert sein Berufsbildungssystem und möchte auf duale Berufsausbildung nach deutschem Vorbild setzen. Einige deutsche Unternehmen haben das Modell bereits eingeführt, aber auch bei großen russischen Unternehmen findet es vermehrt Anklang, da die Fachkräftesicherung zu einem entscheidenden Investitionsfaktor gehört.

Bereits seit einigen Jahren bildet ChelPipe in mehreren Berufen mit einem dualen Ansatz aus. Zwei bis vier Jahre dauern die Ausbildungen zum Elektrotechniker/Mechaniker, Industriemechaniker, Maschinenbauer/Maschineneinsteller und Metalltechniker/Metallfacharbeiter. Der Praxisanteil liegt dabei zwischen 972 und 1080 Stunden, was einer Aufteilung von 40% Theorie und 60% Praxis über die Ausbildungsdauer entspricht. Jedes Jahr bietet ChelPipe 200 jungen Menschen Ausbildungsplätze an.

GOVET informierte sich bei einem Besuch des Werks und des Ausbildungszentrums im russischen Pervouralsk über den dualen Ausbildungsansatz des Unternehmens. ChelPipe ließ sich über die Einführung der dualen Berufsausbildung von Deutschland beraten und setzt unter anderem auf einen der Erfolgsfaktoren in der deutschen dualen Berufsausbildung: die Qualifizierung des Berufsbildungspersonals. Das Unternehmen investiert deshalb gezielt in die Weiterbildung seiner Ausbilder. Ausbildungstrainer schulen betriebliche Ausbilder in der Methode der sogenannten „handlungsorientierten Berufsausbildung“. Sie vermitteln den Ausbildern kontinuierlich das notwendige methodische und pädagogische Know-how, das diese benötigen, um junge Menschen auf den Beruf vorbereiten. Neben Weiterbildung und Training für Ausbildungspersonal und Auszubildende gehört auch die Beratung der Eltern und Jugendlichen zu den Aufgaben des Ausbildungszentrums. Als Vorbild dienten dabei die überbetrieblichen Bildungsstätten (ÜBS) in Deutschland.

In Russland sind insbesondere Qualifikationen gefragt, die Elektronik und Mechanik miteinander verbinden. Das Berufsbild „Mechatroniker“ auf Facharbeiter/Facharbeiterinnen-Niveau gibt es in Russland bisher noch nicht.© Hannelore Kress / GOVET

ChelPipe bindet seine Auszubildenden. Nach erfolgreich abgeschlossener Berufsausbildung ist eine Weiterbeschäftigung im Unternehmen möglich. Seit Einführung der dualen Ausbildungsgänge findet kaum noch ein Recruitment vom Arbeitsmarkt statt. Das Unternehmen bietet erst seinen Auszubildenden einen Arbeitsvertrag an.

Auch fördert das Unternehmen die Weiterentwicklung seiner Auszubildenden. Schon bei Ausbildungsbeginn reichen die Karrierepläne bis etwa zum 30. Lebensjahr und dem Aufstieg in eine Führungsfunktion. Die Wiedereinstellung nach dem verpflichtenden Militärdienst ist dabei berücksichtigt.

Die Investitionen in duale Ausbildung wirken. Bereits jetzt hat sich das geographische Einzugsgebiet der Schülerinnen und Schüler erweitert, die sich im Werk ausbilden lassen wollen. Auch Studenten der nahegelegenen Universitäten absolvieren Praktika bei ChelPipe oder möchten ihre Diplomarbeit zu einer aktuellen Fragestellung schreiben.

Die Ausbildungsleitung des Röhrenherstellers arbeitet intensiv mit Materialien, die im Rahmen der deutsch-russischen Zusammenarbeit erstellt wurden. So ist beispielsweise das Online-Portal „Prof-Mayak“ ein häufig genutztes Hilfsmittel. ChelPipe wünscht sich weiterhin eine enge Zusammenarbeit mit GOVET/BIBB in den Bereichen Kosten-Nutzen, Organisation der betrieblichen Praxis und Methodik.

Wie kann ich eine handlungsorientierte Ausbildung gestalten? Dies ist die zentrale Frage, die in insgesamt sechs Lernvideos beantwortet wird. Die Videos sind im Rahmen der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit entstanden. Sie sollen insbesondere Ausbilder/-innen und Berufsschullehrer/-innen einen Einblick in die Organisation einer praxisorientierten Ausbildung geben.