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Die Entwicklung 2013 im Überblick

Im Jahr 20131 sanken sowohl das Ausbildungsplatzangebot als auch die Ausbildungsplatznachfrage, und die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge fiel auf einen historischen Tiefstand, den niedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung. Zugleich nahmen die Passungsprobleme zu: Ein höherer Anteil des betrieblichen Ausbildungsangebots blieb unbesetzt, und mehr Ausbildungsplatznachfrager blieben bei ihrer Ausbildungsplatzsuche erfolglos. Insgesamt verschlechterte sich die Marktlage zulasten der Jugendlichen, und es gelang nicht mehr im selben Ausmaß wie in den 3 Jahren zuvor, ausbildungsinteressierte Jugendliche an dualer Berufsausbildung zu beteiligen. Dies sind die zentralen Ergebnisse der Ausbildungsmarktbilanz  auf der Grundlage der Daten aus der BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zum 30. September 20132 in Verbindung mit den Daten aus der Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit.

2013 wurden bundesweit 564.200 Ausbildungsplatzangebote registriert (-20.300 bzw. -3,5 % gegenüber dem Vorjahr), darunter 542.600 betriebliche Angebote (-16.100 bzw. -2,9 %) und 21.700 „außerbetriebliche“ Angebote (-4.200 bzw. -16,3 %; Tabelle A1-1). Insbesondere im Zuständigkeitsbereich von Industrie und Handel kam es zu einem größeren Rückgang des Ausbildungsangebots (-14.200 bzw. -4,0 %; vgl. Kapitel A1.1). Im Handwerk sank das Angebot bundesweit um 4.700 bzw. 3,0 %. Die Ausbildungsplatznachfrage verringerte sich bundesweit um 13.000 bzw. 2,1 % auf 614.300. Dies ist die niedrigste Zahl seit 2007, als die Berechnung der Ausbildungsplatznachfrage in der erweiterten Form erstmals möglich war. Gegenüber 2007 nahm die Ausbildungsnachfrage bereits um 142.600 bzw. 18,8 % ab Tabelle A1-2 Internet. Ursache ist vor allem die negative demografische Entwicklung in Deutschland bzw. die damit verbundene chronisch sinkende Zahl junger Menschen.

Die erweiterte Angebots-Nachfrage-Relation (eANR) verringerte sich 2013 auf 91,9 Ausbildungsangebote je 100 Ausbildungsplatznachfrager (-1,3  Prozentpunkte gegenüber 2012). Dabei sank die betriebliche eANR (betriebliche Angebote je 100  Nachfrager) nicht ganz so stark (-0,7 Prozentpunkte) wie die eANR insgesamt (d. h. unter Einschluss der außerbetrieblichen Plätze). In Ostdeutschland kam es sogar zu einer weiteren Verbesserung der betrieblichen eANR (+1,9 Prozentpunkte), weil hier der Rückgang der Ausbildungsplatznachfrage noch deutlich stärker als der Rückgang des betrieblichen Ausbildungsplatzangebots ausfiel.

Der nach Ländern höchste eANR-Wert wurde 2013 erneut aus Mecklenburg-Vorpommern vermeldet (2013: 104,7), der höchste betriebliche eANR-Wert wiederum aus Bayern (2013: 99,2). Besonders niedrige Angebots-Nachfrage-Relationen mit Gesamtwerten unter eANR = 90,0 wurden in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Hessen und Hamburg registriert Tabelle A1-3 Internet.

Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge sank 2013 gegenüber dem Vorjahr um 20.600 bzw. 3,7 % auf 530.700 (vgl. Kapitel A1.2). So wenige Ausbildungsverträge gab es im wiedervereinigten Deutschland noch nie. Selbst im Jahr 2005, dem Jahr mit dem bisher niedrigsten Wert, waren es mit 550.200 Verträgen immer noch 19.500 Verträge mehr gewesen. In Ostdeutschland wurden 2013 nur noch 74.200 Neuabschlüsse registriert, also halb so viele wie noch 1999 (148.800). Im Westen verringerte sich die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge auf 456.500. Zwar gab es hier seit der Wiedervereinigung einige Jahre, in denen noch weniger Neuabschlüsse vermeldet wurden (das bisherige Minimum lag im Krisenjahr 2005 bei 434.200), doch war der Westen infolge des starken Vertragsrückgangs im Jahr 2013 (-15.900 gegenüber dem Vorjahr) nicht mehr in der Lage, die großen Vertragsverluste im Osten zu kompensieren und den bundesweiten Tiefstand bei den neu abgeschlossenen Verträgen zu verhindern.
2013 konnten 6,2 % des offiziell errechneten betrieblichen Ausbildungsplatzangebots nicht besetzt werden. Die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze stieg um 300 bzw. 0,8 % auf 33.500. Dies ist der höchste Wert seit 1996. Dass es zu einem erneuten Anstieg der Vakanzen kam, obwohl die Zahl der betrieblichen Ausbildungsangebote insgesamt zurückging, zeigt, dass es für die Betriebe zunehmend schwieriger wird, Auszubildende für ihre Lehrstellen zu finden. Stellenbesetzungsprobleme gibt es vor allem im Handwerk und in jüngerer Zeit auch in der Landwirtschaft.

Deutlich mehr ausbildungsinteressierte Jugendliche (83.600) blieben 2013 erfolglos – trotz der geringeren Zahl der bei den Beratungs- und Vermittlungsdiensten gemeldeten Ausbildungsstellenbewerber (vgl. Kapitel A1.3) bzw. der geringeren Ausbildungsplatznachfrage. Die Quote der zum Stichtag 30.  September immer noch suchenden Bewerber lag bei 13,6 % bezogen auf die offizielle Gesamtzahl der 614.300  Ausbildungsplatznachfrager.

So kam es im zweiten Jahr in Folge dazu, dass sowohl die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze als auch die Zahl der erfolglos suchenden Jugendlichen zunahmen, während das Ausbildungsplatzangebot und die Ausbildungsplatznachfrage zugleich rückläufig waren.

Tabelle A1-1: Ausbildungsmarktentwicklung von 2009 bis 2013 (Stichtag 30. September)

Begriffe der Ausbildungsmarktbilanzierung

Zum offiziellen Ausbildungsplatzangebot eines Jahres zählen die neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge, die das BIBB im Rahmen seiner Erhebung zum 30. September bei den zuständigen Stellen zählt (=  erfolgreich besetztes Angebot), und die bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) registrierten Berufsausbildungsstellen, die der Arbeitsverwaltung während des Berichtsjahres zur Vermittlung angeboten wurden und die am 30. September noch nicht besetzt waren (=  erfolgloses Angebot).

Als Ausbildungsplatznachfrager gelten jene ausbildungsinteressierten Jugendlichen, die entweder einen neuen Ausbildungsvertrag abschlossen (und somit über die BIBB-Erhebung zum 30. September erfasst werden) oder zum Kreis der Ausbildungsstellenbewerber zählten, die am 30.  September noch einen Ausbildungsplatz suchen. Ausbildungsstellenbewerber, die sich im Laufe des Berichtsjahres für eine Alternative entschlossen (z. B. erneuter Schulbesuch, Studium, Erwerbstätigkeit, berufsvorbereitende Maßnahme) und am 30. September nicht mehr oder vorerst nicht mehr nach einer Berufsausbildungsstelle suchen, werden grundsätzlich nicht zu den Ausbildungsplatznachfragern gerechnet (d. h. auch dann nicht, wenn sie diese Alternative aufgrund erfolgloser Bewerbungen anstrebten).

Bei der statistischen Ermittlung der Höhe der Ausbildungsplatznachfrage sind darüber hinaus 2 Ansätze zu unterscheiden: Die traditionelle Berechnungsweise definiert den Kreis der erfolglosen Nachfrage sehr eng. Sie lässt all jene am 30. September noch suchenden Ausbildungsstellenbewerber unberücksichtigt, die über eine alternative Verbleibsmöglichkeit verfügen. Bei der neuen, erweiterten Berechnung sind diese Personen dagegen einbezogen. Die verschiedenen Berechnungsweisen der Ausbildungsplatznachfrage erklären zugleich die Ergebnisunterschiede der beiden Varianten zur Berechnung der Angebots-Nachfrage-Relation.

Die Angebots-Nachfrage-Relation (ANR) gibt wieder, wie viele Berufsausbildungsangebote rechnerisch auf 100  Ausbildungsplatznachfrager entfielen. Da 2 Berechnungsweisen zur Ermittlung der Ausbildungsplatznachfrage genutzt werden, gibt es auch 2 Varianten in der ANR-Berechnung. In der Regel wird im BIBB-Datenreport die erweiterte Angebots-Nachfrage-Relation (eANR) ausgewiesen.

Als Ausbildungsstellenbewerber werden jene ausbildungsinteressierten Jugendlichen bezeichnet, welche die Beratungs- und Vermittlungsdienste der Agenturen für Arbeit (AA), der Jobcenter in gemeinsamen Einrichtungen (JC gE; zuvor Arbeitsgemeinschaften SGB II [ARGEn]) und der Jobcenter in alleiniger kommunaler Trägerschaft (JC zkT) in Anspruch nehmen und deren Eignung für die von ihnen angestrebten Ausbildungsberufe geklärt ist. Die Ausbildungsstellenbewerber bilden zusammen mit den gemeldeten Berufsausbildungsstellen die zentralen Größen der Ausbildungsmarktstatistik der BA.

Als Ausbildungsinteressierte gelten alle Jugendlichen, die entweder zu den erfolgreichen Ausbildungsplatznachfragern oder aber zumindest zu den registrierten Ausbildungsstellenbewerbern zählten. Es handelt sich somit um all jene Jugendlichen, die im Laufe eines Berichtsjahres den Wunsch nach einer Ausbildung geäußert hatten und institutionell erfasst wurden, sei es über die Eintragung ihrer Ausbildungsverhältnisse bei den zuständigen Stellen oder – sofern sie erfolglos blieben – im Rahmen ihrer Registrierung bei den AA oder Jobcentern (JC). Die Zahl der institutionell erfassten ausbildungsinteressierten Personen wird rechnerisch ermittelt, indem zur Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge jene registrierten Ausbildungsstellenbewerber hinzugerechnet werden, die nach der Verbleibstatistik der Arbeitsverwaltung nicht in eine Berufsausbildungsstelle einmündeten.

Durch den rechnerischen Bezug der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge auf die Zahl der Ausbildungsinteressierten lässt sich die Einmündungsquote ausbildungsinteressierter Personen in duale Berufsausbildung (EQI) ermitteln. Sie informiert darüber, wie hoch der Anteil unter den ausbildungsinteressierten Jugendlichen ausfällt, der für eine duale Berufsausbildung tatsächlich auch gewonnen werden konnte (Ulrich 2012a; Ulrich 2012b).

Nicht alle Jugendlichen, die sich für einen Ausbildungsplatz interessieren und auch als „ausbildungsreif“ gelten, werden als Ausbildungsplatznachfrager erfasst. Dies ist dann nicht der Fall, wenn sie ihren Vermittlungswunsch vor dem Stichtag der Ausbildungsmarktbilanzierung aufgeben (vgl. Kapitel A1.3). Die Gründe hierfür sind vielfältig. Zum Teil ziehen sie Alternativen vor, zum Teil verschieben sie ihren Ausbildungswunsch auf später – oft, weil sie bei ihrer Suche nach einer Lehrstellensuche erfolglos blieben und frühzeitig nach einer Zwischenlösung (erneuter Schulbesuch, Praktikum, Jobben) suchten.

Deshalb fällt die Zahl aller Personen, die sich im Laufe des Berichtsjahres als ausbildungsinteressiert gezeigt haben, höher aus als die offiziell registrierte Ausbildungsplatznachfrage  . 2013 lag die rechnerische Zahl der ausbildungsinteressierten Personen bei 816.500; dies waren 9.500 bzw. 1,1 % weniger als im Vorjahr (vgl. Kapitel A1.1). Von diesen konnten 65,0 % eine duale Berufsausbildung aufnehmen; 2012 hatte die Quote noch bei 66,7 % und 2011 bei 68,2 % gelegen. Dabei sind 2013 weibliche Ausbildungsinteressierte merklich seltener bei der Ausbildungsplatzsuche erfolgreich (62,7 %) als männliche Ausbildungsinteressierte (66,6 %) und Jugendliche in Ostdeutschland seltener (63,3 %) als in Westdeutschland (65,3 %).

  • 1

    Gemeint ist mit „Jahr“, wenn nicht explizit anders dargestellt, stets das Berichtsjahr der offiziellen Ausbildungsmarktbilanzierung, das am 1. Oktober des Vorjahres beginnt und am 30. September endet.

  • 2

    Vgl. dazu auch http://www.bibb.de/de/5436.php.