X

Sie verwenden einen veralteten Browser, mit dem nicht alle Inhalte von BIBB.de korrekt wiedergegeben werden können. Um unsere Seiten in Aussehen und Funktion in vollem Umfang nutzen können, empfehlen wir Ihnen, einen neueren Browser zu installieren.

Eine berufliche Ausbildung hat einen starken Einfluss auf den beruflichen Werdegang und die spätere Erwerbsbiografie. Hinsichtlich des Zugangs zu einer beruflichen Ausbildung spielt der Migrationshintergrund (MH) von jungen Menschen eine wichtige Rolle. Den Potenzialen und Ressourcen junger Menschen mit Migrationshintergrund sowie ihren Schwierigkeiten beim Zugang in berufliche Ausbildung gilt eine zunehmende bildungspolitische Aufmerksamkeit (Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration 2010). Seltener wird bisher ihr Bildungserfolg im Verlauf und bei Abschluss einer Ausbildung in den Blick genommen (Beicht/Granato/Ulrich 2011). 

Migrationshintergrund (MH)

„Migrationshintergrund“ ist in der Regel ein Konstrukt aus mehreren Merkmalen, das in verschiedenen Erhebungen und Studien auf unterschiedliche Weise operationalisiert wird. In den empirischen Untersuchungen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) werden meist die aktuelle Staatsangehörigkeit und die Muttersprache (bzw. die erste/-n erlernte/-n Sprache/-n), teilweise auch das Geburtsland und in Deutschland verbrachte Zeiten verwendet. Studien, die sich auf den Mikrozensus stützen, können auf die Merkmale Staatsangehörigkeit, Einbürgerung, Geburtsland und auf entsprechende Angaben zu den Eltern zurückgreifen. Außerdem wird im Mikrozensus zwischen Personen mit eigener Migrationserfahrung (Ausländer, Deutsche [Spät-]Aussiedler und Eingebürgerte) sowie Personen ohne eigene Migrationserfahrung (Ausländer der 2. und 3. Generation, Deutsche, d. h. Eingebürgerte, Deutsche mit mindestens einem zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil) unterschieden.

Unterschiedliche Definitionen und in der Folge uneinheitliche Kategorisierungen von Personen als solche mit bzw. ohne Migrationshintergrund führen nicht nur zu erheblichen quantitativen Unterschieden der so bestimmten Gruppe, sondern können auch die Ergebnisse von Studien und die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen und Handlungsempfehlungen beeinflussen. Die Offenlegung der für die Definition von Migrationshintergrund jeweils verwendeten Kriterien und die Begründung ihrer Auswahl ist deswegen zwingend erforderlich (Settelmeyer/Erbe 2010; Statistisches Bundesamt 2013).

Bildungserfolg von Jugendlichen mit Migrationshintergrund beim Zugang in eine berufliche Ausbildung

Der Übergang von der allgemeinbildenden Schule in eine Berufsausbildung ist für Jugendliche mit Migrationshintergrund auch weiterhin oft besonders schwierig und langwierig (vgl. Kapitel A3.1; BIBB-Datenreport 2013, 2011 und 2009, jeweils Kapitel A3; Beicht 2011; Beicht 2012; Beicht/Granato 2011).

Die BA/BIBB-Bewerberbefragung 2012132 zeigt, dass etwas mehr als ein Drittel der bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) registrierten Bewerber/-innen mit Migrationshintergrund in eine duale Berufsausbildung eingemündet ist (35 %), und zwar 29 % in eine betriebliche und 6 % in eine nicht betriebliche Ausbildung (vgl. Kapitel A3.1). Von denjenigen ohne Migrationshintergrund sind es dagegen 49 % (44 % in betriebliche und 5 % in nicht betriebliche Ausbildung). Auch unter Berücksichtigung des Schulabschlusses münden Bewerber und Bewerberinnen mit Migrationshintergrund seltener in eine betriebliche Ausbildung ein. Besonders deutlich sind die Unterschiede bei einem mittleren Abschluss: Während (knapp) die Hälfte der Bewerber/-innen ohne Migrationshintergrund (48 %) in eine betriebliche Ausbildung eingemündet ist, sind es bei denjenigen mit Migrationshintergrund nur 29 %. Deutliche Unterschiede treten bei einer Differenzierung nach der Herkunftsregion auch innerhalb der Gruppe der Bewerber/-innen mit Migrationshintergrund auf. Während die Einmündungsquote in eine betriebliche Berufsausbildung bei einer Herkunft aus osteuropäischen bzw. GUS-Staaten sowie aus südeuropäischen Staaten jeweils bei 31 % liegt, beträgt sie bei einer türkisch-arabischen Herkunft lediglich 25 % (vgl. Kapitel A3.1).

Wird der Verbleib133 von Bewerber/-innen betrachtet, d. h. in welchen Bildungsgängen oder sonstigen Aktivitäten sie sich am Jahresende befinden, so zeigt sich erneut eine deutliche Diskrepanz zwischen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund: Ende 2004 waren von den Bewerber/-innen mit Migrationshintergrund 27 % in betrieblicher Ausbildung; 2012 lag ihr Anteil bei 30 % (+3 Prozentpunkte). Demgegenüber stieg der Anteil der Bewerber/-innen ohne Migrationshintergrund, die sich zum Jahresende in einer betrieblichen Ausbildung befanden, um 8 Prozentpunkte von 38 % (2004) auf 46 % (2012) an. Die Bewerber/-innen mit Migrationshintergrund konnten demnach deutlich seltener von der sich verbessernden Lage auf dem Ausbildungsmarkt profitieren Schaubild A4.9-1.

Auf Basis der Berufsbildungsstatistik sowie der Bevölkerungsfortschreibung der statistischen Ämter des Bundes und der Länder kann die Ausbildungsanfängerquote ausländischer und deutscher Jugendlicher berechnet werden (vgl. Kapitel A4.5). Demnach war die Ausbildungsanfängerquote ausländischer Jugendlicher 2012 mit 29,4 % nur halb so hoch wie die deutscher Jugendlicher (58,9 %). Die Quote hat sich damit gegenüber 2009 sowohl bei ausländischen Jugendlichen (2009: 27,5 %) als auch bei deutschen Jugendlichen (2009: 56,4 %) etwas erhöht (vgl. BIBB-Datenreport 2012, Kapitel A4.5), wobei sich der Abstand zwischen den beiden Gruppen kaum veränderte. Weitere Unterschiede zeigen sich bei der Differenzierung nach Geschlecht. 2012 betrug die Ausbildungsanfängerquote junger Frauen ausländischer Nationalität 27,0 %, die junger Männer ausländischer Nationalität 31,7 %. Die Ausbildungsanfängerquote deutscher Frauen lag 2012 mit 48,6 % rund 22 Prozentpunkte höher als die ausländischer Frauen und die der männlichen deutschen Jugendlichen mit 68,7 % sogar rund 37 Prozentpunkte über derjenigen männlicher Jugendlicher ausländischer Nationalität. Zu beachten ist, dass die hier berücksichtigte Staatsangehörigkeit von Personen nicht mit dem Merkmal Migrationshintergrund gleichgesetzt werden kann. Aus der Ausbildungsanfängerquote abgeleitete Aussagen zur Teilhabe junger Menschen mit Migrationshintergrund an beruflicher Ausbildung können sich nur auf die Teilgruppe der Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit beziehen.

Auf die Fragen, wie es zu den Unterschieden in den Ausbildungschancen zwischen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund kommt und welche Folgen diese Unterschiede für ihren weiteren berufsbildenden Werdegang haben, können die amtlichen Statistiken (z. B. Berufsbildungsstatistik, Schulstatistik, integrierte Ausbildungsberichterstattung; vgl. Kapitel A6) keine Antworten geben. Hierzu muss auf Stichprobenerhebungen zurückgegriffen werden. Auf der Grundlage von Stichprobenuntersuchungen des BIBB hat das inzwischen abgeschlossene Forschungsprojekt „Ausbildungschancen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund“ in den vergangenen Jahren die Übergangsprozesse und Einmündungschancen junger Menschen mit Migrationshintergrund in eine berufliche Ausbildung untersucht (Granato u. a. 2011). Dabei zeigte sich, dass trotz einer hohen Bildungsorientierung (vgl. BIBB-Datenreport 2013, Kapitel A4.9) und engagierter Suchaktivitäten junge Menschen bei einem Migrationshintergrund erheblich häufiger schwierige Übergangsprozesse auf dem Weg in eine berufliche Ausbildung durchlaufen. Weder ungünstigere schulische Voraussetzungen und Schulleistungen bzw. berufliche Orientierungen, Berufspräferenzen oder Suchstrategien noch die bisher untersuchten kulturellen und sozialen Ressourcen bzw. Unterstützungsangebote im Übergangsprozess oder die regionale Ausbildungsmarktlage können die geringeren Zugangschancen junger Menschen mit Migrationshintergrund bzw. bestimmter Herkunftsgruppen in eine berufliche Ausbildung abschließend erklären (vgl. Kapitel A3.1; Beicht 2011; Beicht 2012; Beicht/Granato 2011; Diehl/Friedrich/Hall 2009; Geier/Kuhnke/Reißig 2011; Hupka-Brunner u. a. 2011; Kohlrausch 2011; Seeber 2011; Ulrich 2011).

Wenngleich prekäre Übergangsprozesse und geringere Einmündungschancen junger Menschen mit Migrationshintergrund in eine berufliche Ausbildung hinreichend empirisch belegt sind, lassen sie sich nicht abschließend erklären (Granato u. a. 2011). Lag der Fokus bisher auf dem Übergang Schule – Ausbildung, stellt sich nun zunehmend die Frage, welche Bedeutung die geringeren Einmündungschancen in eine berufliche Ausbildung für den Ausbildungsverlauf und den erfolgreichen Abschluss einer beruflichen Ausbildung haben. Nachfolgend wird daher vor allem darauf eingegangen, wie sich die geringeren Zugangschancen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund auf die Platzierung in berufliche Ausbildung auswirken, welchen Bildungserfolg sie in der Ausbildung erreichen und welche Faktoren sich auf den Ausbildungserfolg auswirken.

Bildungserfolg von Jugendlichen mit Migrationshintergrund im Verlauf und beim Abschluss einer beruflichen Ausbildung

Wie Jugendliche den Verlauf des Übergangs Schule – Ausbildung einschätzen, hängt in hohem Maße davon ab, ob es ihnen gelingt, in eine berufliche Ausbildung einzumünden. So bewerten 92 % der Bewerber/-innen mit und 97 % derjenigen ohne Migrationshintergrund, die erfolgreich in eine betriebliche Ausbildung eingemündet sind, ihre Situation eher positiv (vgl. Kapitel A3.1). Zu fragen ist, inwieweit diese Bewertungen mit einer unterschiedlichen Platzierung im Ausbildungssystem zusammenhängen.

Auszubildende mit Migrationshintergrund werden, so die BIBB-Übergangsstudie, mit 42 % signifikant seltener im Wunschberuf ausgebildet als Auszubildende ohne Migrationshintergrund (52 %; Beicht/Granato/Ulrich 2011).134 Auch unter Berücksichtigung zentraler Einflussfaktoren finden Schulabgänger/-innen bei einem Migrationshintergrund signifikant seltener einen Ausbildungsplatz in ihrem Wunschberuf (Diehl/Friedrich/Hall 2009). Andere Indikatoren weisen ebenfalls auf eine ungünstigere Platzierung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in der beruflichen Ausbildung hin. Auszubildende mit Migrationshintergrund werden, so die BIBB-Übergangsstudie, signifikant seltener betrieblich ausgebildet (mit MH 71 %, ohne MH 77 %). Zudem finden sie sich mit 41 % häufiger in Ausbildungsberufen wieder, in denen die durchschnittliche Vertragslösungsquote höher ist (ohne MH 33 %). Darüber hinaus werden Auszubildende mit Migrationshintergrund mit 64 % signifikant häufiger als Nichtmigranten/-migrantinnen mit 53 % in solchen dualen Ausbildungsberufen ausgebildet, in denen sie schulisch höher qualifiziert sind als der Durchschnitt der Auszubildenden in diesem Beruf (Beicht/Granato/Ulrich 2011).

Überproportional häufig erhalten Auszubildende mit Migrationshintergrund, so eine Studie im Bremer Handwerk, ihre Ausbildung in Betrieben, die von ungünstigeren Ausbildungsbedingungen geprägt sind (Quante-Brandt/Grabow 2009). Sie leisten beispielsweise häufiger Überstunden und erhalten hierfür seltener einen (finanziellen) Ausgleich als Auszubildende ohne Migrationshintergrund (Quante-Brandt/Grabow 2009). Seltener als einheimische Auszubildende haben sie, unter Kontrolle zentraler Einflussgrößen, die Möglichkeit, im Ausbildungsprozess Selbstständigkeit zu entwickeln. Die Fehlertoleranz der Ausbildenden im Arbeits- und Lernprozess erweist sich ihnen gegenüber als geringer. Dadurch sind sie an 2 für die Entwicklung „beruflicher Handlungsfähigkeit entscheidenden Aspekten der Ausbildung“ benachteiligt und haben im Verlauf ihrer handwerklichen Ausbildung seltener die Möglichkeit, berufliche Handlungskompetenzen zu entwickeln (Quante-Brandt/Grabow 2009, S. 46). Diese zum Teil regional und sektoral begrenzten empirischen Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich ein Migrationshintergrund ungünstig auf die Platzierung in Ausbildung sowie benachteiligend auf Ausbildungsbedingungen und -verlauf auswirken kann.

Dennoch durchläuft die große Mehrheit der Auszubildenden mit Migrationshintergrund die Ausbildung erfolgreich (77 %), allerdings signifikant seltener als Auszubildende ohne Migrationshintergrund (85 %). Auch ihre Prüfungsnoten fallen signifikant ungünstiger aus ([sehr] gute Prüfungsnote: mit MH 43 %, ohne MH 53 %). Zudem münden sie nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung deutlich seltener in eine qualifizierte Berufstätigkeit ein (mit MH 52 %, ohne MH 63 %) und werden – nach erfolgreichem Abschluss einer betrieblichen Ausbildung – auch seltener von ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen (mit MH 58 %, ohne MH 67 %) (vgl. Beicht/Granato/Ulrich 2011).

Inwieweit die aufgezeigten Ausbildungsbedingungen für die Erfolgschancen am Ende der Ausbildung relevant sind, wurde anhand multivariater Analysen untersucht (Beicht/Granato/Ulrich 2011).135 Dabei zeigt sich: Unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen der Ausbildung (Höhe der statistischen Vertragslösungsquote im Ausbildungsberuf, Ausbildung im Wunschberuf, Ausbildungsform u. a.), der schulischen Voraussetzungen sowie familiärer und kultureller Ressourcen lässt sich kein signifikanter Unterschied zwischen Auszubildenden mit und ohne Migrationshintergrund beim Erfolg der betrieblichen Ausbildung feststellen (vgl. Beicht/Granato/Ulrich 2011).

Schaubild A4.9-1: Verbleib in betrieblicher Ausbildung – Bewerber/ -innen mit und ohne Migrationshintergrund 2004 bis 2012

Fazit

Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass bei gleichen Ausbildungsbedingungen Auszubildende mit und ohne Migrationshintergrund am Ende der Ausbildung gleichermaßen erfolgreich sind im Hinblick auf den Abschluss einer Ausbildung, die Prüfungsnote, die Übernahmequote nach der Ausbildung und die Einmündung in eine qualifizierte Berufstätigkeit (vgl. Beicht/Granato/Ulrich 2011). Der Verlauf der Bildungsetappe „Berufsausbildung“ trägt unter Kontrolle der ungünstigeren Rahmenbedingungen (und kultureller und sozialer Ressourcen) zwar nicht zu einer zusätzlichen Vertiefung von Ungleichheit bei. Allerdings lassen sich die Verwerfungen, die für Jugendliche mit Migrationshintergrund beim Eintritt in eine berufliche Ausbildung entstehen, beim Ergebnis einer beruflichen Ausbildung nicht kompensieren. Insgesamt gesehen (re-)produziert die Bildungsetappe berufliche Ausbildung Verwerfungen entlang der Ungleichheitsachse ethnische Herkunft weniger im Verlauf, sondern vorrangig beim Zugang in berufliche Ausbildung, da es Jugendlichen mit Migrationshintergrund auch unter Kontrolle zentraler Merkmale seltener gelingt, einen Ausbildungsplatz zu finden.

Die Mehrheit der Auszubildenden mit Migrationshintergrund ist beim Abschluss der beruflichen Ausbildung zwar erfolgreich; sie könnten noch erfolgreicher sein, wenn sie die gleichen Ausbildungsbedingungen wie Auszubildende ohne Migrationshintergrund vorfinden würden, was bisher seltener der Fall ist. Denn bei gleichen Rahmenbedingungen der Ausbildung sowie gleichen kulturellen und sozialen Ressourcen haben Auszubildende mit Migrationshintergrund die gleichen Chancen auf erfolgreichen Abschluss und Verwertung der Ausbildung wie Nichtmigranten/Nichtmigrantinnen (Beicht/Granato/Ulrich 2011). Angesichts des künftig zu erwartenden Fachkräftemangels ist es für Betriebe zunehmend wichtiger, Jugendliche mit Migrationshintergrund als Auszubildende einzustellen und ihnen ebenso wie Auszubildenden ohne Migrationshintergrund (gleich) gute Ausbildungsbedingungen zur Verfügung zu stellen, um ihre Potenziale für die berufliche Qualifizierung tatsächlich ausschöpfen zu können (vgl. Granato u. a. 2011). Eine Studie des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration (2014) zeigt hier deutlichen Handlungsbedarf, denn Bewerber/-innen mit einem deutschen Namen haben bei sonst gleichen Vorraussetzungen eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit, eine Antwort auf ihre Bewerbung für eine Ausbildungsstelle zu erhalten, als Bewerber/-innen mit einem türkischen Namen.

(Mona Granato, Verena Eberhard)

  • 132

    In den BA/BIBB-Bewerberbefragungen gelten alle Jugendlichen mit deutscher Staatsangehörigkeit, die in Deutschland geboren wurden und mit Deutsch als alleiniger Muttersprache aufwuchsen, als Personen ohne Migrationshintergrund. Alle anderen Personen werden als Bewerber/-innen mit einem Migrationshintergrund betrachtet (vgl. Kapitel A3.1).

  • 133

    Die Verbleibsquote in betrieblicher Ausbildung liegt etwas höher als die Einmündungsquote in betriebliche Ausbildung. Zu den Bewerbern und Bewerberinnen, die in einer betrieblichen Ausbildung verbleiben, zählen auch einige Jugendliche (rund 4 %), die „aus einem bestehenden Ausbildungsverhältnis heraus nach einer neuen Ausbildungsstelle gesucht“ hatten und dann schließlich in ihrer ursprünglichen Ausbildung verblieben sind: Sie werden nicht zu den erfolgreich eingemündeten Bewerbern und Bewerberinnen gezählt (vgl. Kapitel A3.1; Beicht 2011, S. 14).

  • 134

    Basis der folgenden Ergebnisse auf der Grundlage der BIBB-Übergangsstudie 2006 sind in Westdeutschland lebende Probanden, welche die allgemeinbildende Schule maximal mit einem mittleren Abschluss verlassen haben und denen der Einstieg in eine vollqualifizierende Ausbildung gelungen ist (vgl. Beicht/Granato/Ulrich 2011). Der Migrationshintergrund wird indirekt definiert: Kein Migrationshintergrund wird angenommen, wenn ein/-e Jugendliche/-r die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, zudem als Kind in der Familie zuerst ausschließlich die deutsche Sprache gelernt hat und außerdem Vater sowie Mutter in Deutschland geboren sind. Trifft eine dieser Bedingungen nicht zu, wird von einem Migrationshintergrund ausgegangen (vgl. Beicht/Granato/Ulrich 2011). Rund 20 % der Probanden haben nach dieser Definition einen Migrationshintergrund.

  • 135

    Zur Identifizierung wichtiger Einflussgrößen wurden auf der Grundlage der BIBB-Übergangsstudie binär logistische bzw. Cox-Regressionen gerechnet. Berücksichtigt wurden folgende Einflussfaktoren: Ausbildungsbedingungen (betriebliche versus nicht betriebliche Ausbildung, Höhe der statistischen Vertragslösungsquote im Ausbildungsberuf, Anteil von Auszubildenden mit niedrigeren Schulabschlüssen im Ausbildungsberuf, Ausbildung im Wunschberuf, Ausbildung in einem Dienstleistungsberuf), individuelle schulische Voraussetzungen (Schulabschluss, Noten im Schulabgangszeugnis), die Übergangsbiografie (Besuch Übergangsmaßnahme, Besuch Fachoberschule/Fachgymnasium, Erwerb [höherer] Schulabschluss), sozioökonomischer Status der Familie (Berufsabschluss Eltern, qualifizierte Erwerbsarbeit), weitere familiäre bzw. soziale Ressourcen (offenes, problemorientiertes Gesprächsklima in der Familie, Interesse der Eltern an schulischem Engagement der Kinder), Situation auf dem Arbeitsmarkt in der Wohnregion (Arbeitslosenquote), soziodemografische Merkmale (Migrationshintergrund, Geschlecht, Siedlungsdichte in der Wohnregion). Für den erfolgreichen Übergang in Berufstätigkeit wurde zusätzlich der Einfluss der Note im Abgangszeugnis der Ausbildung berücksichtigt (Beicht/Granato/Ulrich 2011).