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Das duale Studium bleibt auf Wachstumskurs. Das große Interesse bei Jugendlichen, Betrieben sowie (Fach-)Hochschulen und Berufsakademien an dieser speziellen Ausbildungsform ist weiterhin ungebrochen. So verzeichnete die AusbildungPlus-Datenbank im Jahr 2013 mit 11,4 % wieder eine zweistellige Zuwachsrate bei der Anzahl der dualen Studiengänge für die Erstausbildung, nachdem diese im Vorjahr bei 3,5 % und 2011 bei 20 % gelegen hatte. Seit ihrer Einführung in den 1970er-Jahren erfreut sich diese Studienform stetig wachsender Beliebtheit, da sie den Beteiligten eine Reihe von Vorteilen bieten: Für Unternehmen stellt sie eine Möglichkeit dar, ihren Fachkräftenachwuchs besonders praxisgerecht auszubilden. Zudem können sie Bewerberinnen und Bewerber durch diese attraktive Ausbildungsform frühzeitig an das Unternehmen binden. Jugendliche wiederum schätzen neben der Praxisnähe dualer Studiengänge besonders die Möglichkeit, während des Studiums ein Einkommen zu erzielen und die guten Übernahmechancen in den Unternehmen. Die Praxisnähe und der gute Kontakt zu den Unternehmen bietet den Hochschulen unter anderem eine willkommene Grundlage zur Abgrenzung gegenüber anderen Ausbildungsinstitutionen.

Duale Studiengänge

Als dualer Studiengang wird ein Studium an einer Hochschule oder Berufsakademie mit integrierter Berufsausbildung bzw. Praxisphasen in einem Unternehmen bezeichnet. Neben dem Begriff des dualen Studiums werden für diese Studienform auch Bezeichnungen wie „Verbundstudium“, „kooperatives Studium“, „Studium mit vertiefter Praxis“ u. v. m. verwendet. Von klassischen Studiengängen unterscheidet sich ein dualer Studiengang durch einen höheren Praxisbezug, der abhängig von Studiengang und Hochschule variiert. Kennzeichnend für duale Studiengänge sind außerdem immer die beiden Lernorte Hochschule bzw. Akademie und Betrieb, an denen sie stattfinden. Berufspraxis und Studium sind organisatorisch und curricular miteinander verzahnt. In der Literatur werden 4 Typen von dualen Studiengängen unterschieden:

  • Ausbildungsintegrierende duale Studiengänge verbinden das Studium mit einer Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf. Dabei werden die Studienphasen und die Berufsausbildung sowohl zeitlich als auch inhaltlich miteinander verzahnt. Es wird neben dem Studienabschluss, mittlerweile ist das im Regelfall der Bachelor, noch ein zweiter anerkannter Abschluss in einem Ausbildungsberuf erworben.
  • Praxisintegrierende duale Studiengänge verbinden das Studium mit längeren Praxisphasen im Unternehmen. Zwischen den Lehrveranstaltungen an der Hochschule und der praktischen Ausbildung besteht ein inhaltlicher Bezug. Voraussetzung für eine Immatrikulation in einen praxisintegrierenden Studiengang ist eine vertragliche Bindung an ein Unternehmen, häufig in Form eines Arbeitsvertrags oder auch Praktikanten- oder Volontariatsvertrags.
  • Berufsintegrierende duale Studiengänge sind Studiengänge für die berufliche Weiterbildung. Das Studium wird mit einer beruflichen Teilzeittätigkeit kombiniert. Ein wechselseitiger inhaltlicher Bezug zwischen der beruflichen Tätigkeit und dem Studium ist auch bei diesem Modell vorgesehen.
  • Berufsbegleitende duale Studiengänge ähneln Fernstudiengängen. Das Studium wird neben einer Vollzeitberufstätigkeit hauptsächlich im Selbststudium mit Begleitseminaren absolviert. Im Unterschied zu normalen Fernstudiengängen leistet bei diesem Modell der Betrieb einen spezifischen, dem Studium förderlichen Beitrag. Das kann beispielsweise die Freistellung von der Arbeit für die Präsenzphasen oder das Bereitstellen von betrieblichen Arbeitsmitteln sein.

Ausbildungs- und praxisintegrierende duale Studiengänge sind Angebote für die berufliche Erstausbildung und richten sich an Studienberechtigte mit Hochschul- bzw. Fachhochschulreife. Berufsintegrierende und berufsbegleitende duale Studiengänge sind auf die berufliche Weiterbildung ausgerichtet und sprechen diejenigen an, die neben ihrer beruflichen Tätigkeit ein Studium absolvieren möchten.

In der AusbildungPlus-Datenbank wurden 1.461 (30. April 2013) verschiedene duale Studiengänge erfasst. Diese Zahl enthält sowohl die dualen Studiengänge für die Erstausbildung wie auch die für die berufliche Weiterbildung. Letztere wurden 2012 erstmals in die Datenbank aufgenommen. Ihre Zahl sank leicht von 474 auf 447. Die Zahl der dualen Studienplätze lag vergleichsweise stabil bei rund 64.000, während die Zahl der Unternehmenskooperationen stark zurückging. Dies ist jedoch auf die Korrektur fehlerhafter Angaben in der Datenbank zurückzuführen und stellt einen Einmaleffekt dar. In Tabelle A7.3-1 wird die Entwicklung des Angebots von dualen Studiengängen von 2004 bis 2013 auf Basis der AusbildungPlus-Datenbank dargestellt.

AusbildungPlus

Die Datenbank AusbildungPlus ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Projekt des Bundesinstituts für Berufsbildung. Sie bietet einen Überblick über bundesweite Ausbildungsangebote mit Zusatzqualifikation und über duale Studiengänge (www.ausbildungplus.de). Diese werden seit 2001 in einer Datenbank erfasst und interessierten Jugendlichen, Unternehmen, Bildungsanbietern und der Wissenschaft zugänglich gemacht. Die AusbildungPlus-Datenbank stellt mit ihrem umfassenden Datenbestand einen sehr guten Indikator für Trends und Entwicklungen im Bereich hochwertiger Ausbildungsangebote dar. Die Daten basieren auf freiwilligen Angaben der Ausbildungsinstitutionen und bilden das entsprechende Angebot nicht im Sinne einer statistischen Vollerhebung ab. Dies gilt insbesondere für die Angabe der Zahl der Studienplätze. Da hierzu nicht von allen Ausbildungsinstitutionen Angaben vorliegen, dürfte ihre tatsächliche Zahl deutlich höher sein.

Tabelle A7.3-1: Duale Studiengänge 2004 bis 2013

Anbieter

Eine große Steigerung registrierte die AusbildungPlus-Datenbank bei den dualen Studienangeboten von Universitäten. Dieses stieg um 90 % von 30 auf 57 duale Studienangebote für die Erstausbildung. Dies ist besonders auffällig, da seit 2010 kaum Veränderungen im Angebot der Universitäten verzeichnet werden konnten. Dennoch bleiben duale Studiengänge für die Erstausbildung eine Domäne der Fachhochschulen. Sie boten 2013 mit 584 die meisten dualen Studiengänge an. In der Kategorie „sonstige Hochschulen“ verzeichnet die AusbildungPlus-Datenbank 218 Studiengänge, darin enthalten sind auch die Angebote der dualen Hochschule Baden-Württemberg. Sie wurde in Tabelle A7.3-2 ab 2010, mit der Zusammenfassung der Berufsakademien in Baden-Württemberg zur dualen Hochschule Baden-Württemberg, unter der Kategorie „sonstige Hochschulen“ geführt. Die Berufsakademien standen mit 155 Studienangeboten an dritter Stelle. Die Wirtschafts- und Verwaltungsakademien (VWA) werden nicht mehr gesondert ausgewiesen. Sie sind privatrechtliche Bildungseinrichtungen, die eine duale Abiturientenausbildung anbieten. Die Absolventen/Absolventinnen dieser Ausbildung erwerben in der Regel erst durch Kooperationen mit staatlich anerkannten Hochschulen oder Akademien einen akademischen Abschluss und werden in der Auswertung der AusbildungPlus-Datenbank bei den prüfenden Ausbildungsinstitutionen mitgezählt.

Tabelle A7.3-2: Anbieter von dualen Studiengängen 2004 bis 2013

Fachrichtungen

Das Angebot dualer Studiengänge für die Erstausbildung in der AusbildungPlus-Datenbank konzentriert sich auf die Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften sowie auf die Informatik. Tabelle A7.3-3 zeigt sehr deutlich den Einfluss der Unternehmen auf das Fächerspektrum dualer Studiengänge: Duale Studienplätze werden in den Fächern angeboten, mit deren Absolventen/Absolventinnen die Unternehmen ihren künftigen Fachkräftebedarf decken möchten. Der Anteil der Wirtschaftswissenschaften war mit über 40 % des Gesamtangebots in den Jahren von 2004 bis 2013 stabil. Das Schwerpunktfach ist die Betriebswirtschaftslehre. Auffällig war die Steigerung im Bereich Sozialwesen. Sie übertraf mit rund 32 % die Steigerungsrate von 24 % aus dem Jahr 2012 deutlich. Mit 2 dualen Studienangeboten im Fach Kommunikationsdesign entwickelte sich darüber hinaus ein unter dualen Studiengängen bisher noch gar nicht vertretener Fachbereich.

Regionale Verteilung

Die Bundesländer mit den meisten dualen Studienangeboten für die Erstausbildung waren 2013 Baden-Württemberg mit 245 Angeboten, Nordrhein-Westfalen mit 183 und Bayern mit 172 Studiengängen, wie Tabelle A7.3-4 zeigt. Besonders auffällig ist dabei die Entwicklung in Bayern, das sein Angebot dualer Studiengänge für die Erstausbildung in den vergangenen 5 Jahren verdreifacht hat.

Duale Studiengänge für die Weiterbildung

Bei den dualen Studiengängen für die Weiterbildung, die in der AusbildungPlus-Datenbank verzeichnet sind, dominieren die Wirtschaftswissenschaften, wie in Tabelle A7.3-5 dargestellt. 369 Studienangebote entfallen auf die Wirtschaftswissenschaften und die Rubrik Wirtschafts- und Gesellschaftslehre mit Kombinationen aus Wirtschafts- und Rechtswissenschaften. Informatik liegt mit 54 Studiengängen an zweiter Stelle. Außerdem sind 19 ingenieurwissenschaftliche Angebote in der AusbildungPlus-Datenbank enthalten. Von diesen dualen Studienangeboten werden 234 mit einem Bachelor abgeschlossen. Die Anzahl der Angebote, die mit einem Master abschließen, stieg von 184 auf 192. Dies zeigt, dass sich neue Möglichkeiten zum Erwerb des Masters im Bereich der dualen Studiengänge für die Weiterbildung entwickeln.

(Jochen Goeser)

Tabelle A7.3-3: Fachrichtung von dualen Studiengängen 2004 bis 2013

Tabelle A7.3-4: Regionale Verteilung dualer Studiengänge 2004 bis 2013

Tabelle A7.3-5: Fachrichtung von dualen Studiengängen für die Weiterbildung 2012 und 2013