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Seit vielen Jahren ermittelt das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) die Kosten und den Nutzen der dualen Berufsausbildung für Betriebe. Bisher wurden 5 Erhebungen für die Jahre 1980, 1991, 2000, 2007 und das Ausbildungsjahr 2012/2013 durchgeführt. Die Ergebnisse der letzten Erhebung, differenziert nach Ausbildungsbereichen, Betriebsgrößenklassen, Ausbildungsjahren, Ausbildungsdauer sowie Ost- und Westdeutschland, wurden im BIBB-Datenreport 2015, Kapitel A7.3, vorgestellt. Für eine ausführliche Ergebnisdarstellung und Informationen zu den grundlegenden Konzepten und Operationalisierungen siehe Schönfeld u. a. (2016). 

Betriebsbefragung zu Kosten und Nutzen der Ausbildung 2012/13 (BIBB-CBS [Cost-Benefit-Survey] 2012/2013)

In der Erhebung 2012/2013, die durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wurde, wurden Personal- und Ausbildungsverantwortliche in 3.032 Ausbildungsbetrieben aller Branchen und Betriebsgrößenklassen in persönlichen Interviews befragt. Integriert war auch eine Befragung von 913 Nichtausbildungsbetrieben. Themen waren, neben den Kosten und dem Nutzen der Ausbildung und allgemeinen Angaben zum Betrieb, die Ausgaben für die Personalgewinnung von Fachkräften vom externen Arbeitsmarkt, die Übernahme von Ausbildungsabsolventen/-absolventinnen und die Weiterbildung der im Betrieb beschäftigten Fachkräfte.

Zur Grundgesamtheit gehörten alle Betriebe in Deutschland. 45.481 Betriebe bildeten die Bruttostichprobe, die aus der Betriebsdatei der Bundesagentur für Arbeit zum Stichtag 31. März 2012 gezogen wurde. In dieser waren die Ausbildungsbetriebe deutlich überrepräsentiert. Die Ergebnisse der Befragung wurden mittels eines Gewichtungsverfahrens auf die Grundgesamtheit der Betriebe bzw. der Auszubildenden212 hochgerechnet. Sie sind daher repräsentativ für Deutschland.

Die Durchführung einer Ausbildung ist zunächst mit Kosten für die Betriebe verbunden. Im Ausbildungsjahr 2012/2013 entstanden den Betrieben im Durchschnitt pro Auszubildendem/Auszubildender und Jahr Bruttokosten in Höhe von 17.933 €. Diese setzen sich aus den Personalkosten für Auszubildende und das Ausbildungspersonal sowie Anlage-, Sach- und sonstigen Kosten zusammen. Während der Ausbildung erwirtschaften die Auszubildenden durch ihren produktiven Arbeitsein­satz bereits Erträge.213 Diese machten durchschnittlich 12.535 € aus und deckten 70 % der Bruttokosten. Nach Abzug der Erträge von den Bruttokosten ergaben sich somit für einen Aus­bildungsbetrieb durchschnittliche Nettokosten in Höhe von 5.398 € pro Jahr und Auszubildenden/Auszubildende. Für alle Kostenarten ist eine hohe Varianz zwischen den Betrieben zu beobachten. Ein Vergleich mit den Ergebnissen der Erhebung des Jahres 2007 (vgl. BIBB-Datenreport 2015, Kapitel A7.3 und Schönfeld u. a. 2016, Kapitel 10) zeigt, dass es einen moderaten Anstieg der Bruttokosten gab, während die Erträge relativ konstant geblieben sind. Die Nettokosten sind leicht gestiegen. Der Aufwand für die Betriebe hat sich demnach in den letzten Jahren nicht wesentlich erhöht.

Betriebe können durch die Übernahme von Ausgebilde­ten auch nach Ausbildungsabschluss noch von dieser profitieren (z. B. durch das Einsparen von Personalgewinnungskosten, die bei der Einstellung von Fachkräften über den externen Arbeitsmarkt anfallen). Werden darüber hinaus noch weitere Nutzenaspekte wie Imagegewinn oder die Verringerung des Risikos von Fehleinstellungen berücksichtigt, dürfte der Gesamtnutzen die Kosten, die während der Ausbildung angefallen sind, für einen Großteil der Betriebe mehr als aufwiegen.

Die Ausbildungskosten und -erträge wurden jeweils für einen bestimmten Ausbildungsberuf im dualen System, der nach den Regeln des Berufsbildungsgesetzes bzw. der Handwerksordnung ausgebildet wird, erfasst. Bildete ein Ausbildungsbetrieb in mehreren Berufen aus, wurde dieser Beruf aus den bis zu 6 am stärksten besetzten Ausbildungsberufen – bei gleicher Ziehungswahrscheinlichkeit – zufällig ausgewählt. Die Ausbildungskosten variieren erheblich zwischen den verschiedenen Berufen. Der Beruf stellt einen wichtigen Einflussfaktor für Kostenunterschiede dar. Daher sollen nachfolgend die Kosten für verschiedene Ausbildungsberufe betrachtet werden. In der Kosten-Nutzen-Erhebung 2012/2013 wurden Daten für 211 unterschiedliche Ausbildungsberufe erhoben. Für die meisten dieser Berufe liegen jedoch nur Angaben von wenigen Betrieben vor. Einzelauswertungen erfolgen daher nur für Berufe, für die Angaben aus mindestens 20 Betrieben vorliegen, da bei geringeren Fallzahlen die Repräsentativität eingeschränkt ist. Insgesamt sind Auswertungen für 43 Berufe möglich, deren Bruttokosten, Erträge und Nettokosten in Tabelle A7.3-1 aufgeführt sind.214

Die Kosten und Erträge streuen breit über die Berufe hinweg. Nettoerträge werden in 6 Berufen erzielt. Der/Die Bäcker/-in ist der Beruf mit den höchsten Nettoerträgen. Daneben übertreffen die Erträge die Bruttokosten in 4 kaufmännischen Berufen und im technischen Ausbildungsberuf Elektroniker/-in.215 Mit Abstand die höchsten Nettokosten fallen in 3 technischen Berufen216 des Ausbildungsbereichs Industrie und Handel an, deren Ausbildungsdauer dreieinhalb Jahre beträgt. Die Nettokosten liegen in diesen Berufen im Ausbildungsjahr 2012/2013 bei jeweils über 17.000 €. Im Beruf Kaufmann/Kauffrau für Marketingkommunikation, der die nächsthöheren Nettokosten aufweist, investieren die Betriebe pro Jahr und Auszubildende/-n mit 10.486 € einen erheblich niedrigeren Betrag. Die niedrigsten Bruttokosten wurden in den 3 Handwerksberufen Friseur/-in, Elektroniker/-in und Bäcker/-in gemessen, die höchsten Bruttokosten in den 3 bereits erwähnten technischen Berufen. Vergleichsweise niedrige Erträge unter 10.000 € erwirtschaften die Auszubildenden in 6 technischen Berufen und dem Ausbildungsberuf Friseur/-in. In den kaufmännischen Berufen werden zumeist besonders hohe Ausbildungserträge erwirtschaftet. Die 5 Berufe mit den höchsten Ausbildungserträgen gehören alle zu den kaufmännischen Berufen.

Tabelle A7.3-1: Bruttokosten, Erträge und Nettokosten pro Auszubildende/-n im Ausbildungsjahr 2012/2013 in € nach Ausbildungsberufen

Die Unterschiede in den Ausbildungskosten haben verschiedene Gründe. So spielt die Organisation der Ausbildung, die sich auch in der Verteilung der Kosten und Erträge widerspiegelt, eine Rolle. Zwischen den verschiedenen Wirtschaftszweigen (und damit auch in den in ihnen ausgebildeten Ausbildungsberufen) unterscheiden sich die tariflich vereinbarten Ausbildungsvergütungen deutlich (vgl. Kapitel A7.1). In einigen Berufen fallen außerdem erhebliche Kosten für Maschinen, Werkzeuge, Übungsmaterialien und weitere für die Ausbildung benötigte Geräte an. Im Folgenden sollen diese Unterschiede für kaufmännische, gewerbliche und technische Berufe217 aufgezeigt werden Tabelle A7.3-2 und Schaubild A7.3-1. Anhand ausgewählter Berufe aus diesen Berufsgruppen wird dabei differenziert auf verschiedene Möglichkeiten zur Gestaltung der Ausbildung und unterschiedliche Kostenverteilungen eingegangen.

In den kaufmännischen Berufen sind die Bruttokosten leicht höher als im Gesamtdurchschnitt aller Berufe. Dabei sind die Personalkosten der Auszubildenden und die Personalkosten des Ausbildungspersonals höher als in den beiden anderen Berufsgruppen, während die Anlage- und Sachkosten und die sonstigen Kosten (z. B. Kammergebühren, Kosten für die Ausbildungsverwaltung) geringer sind. In den kaufmännischen Berufen fallen mit Abstand die höchsten Erträge an. Dies gilt für die einfachen Tätigkeiten, die ansonsten von An- und Ungelernten durchgeführt werden, insbesondere aber für Tätigkeiten, die normalerweise von Fachkräften ausgeführt werden.218 Die kaufmännischen Auszubildenden verbringen wesentlich mehr Zeit mit produktiven Tätigkeiten als Auszubildende in anderen Berufen. So sind die kaufmännischen Auszubildenden an insgesamt 110 Tagen produktiv tätig, die Auszubildenden in gewerblichen Berufen an 90  Tagen und die Auszubildenden in technischen Berufen lediglich an 72 Tagen. Neben den vom Betrieb nur wenig zu beeinflussenden Abwesenheitszeiten durch Berufsschule, Urlaub oder Krankheit sind die kaufmännischen Auszubildenden nur an insgesamt 14 Tagen an anderen Lernorten außerhalb des eigentlichen Arbeitsplatzes (Lehrwerkstatt, innerbetrieblicher Unterricht, externe Ausbildungsphasen). Die Nettokosten sind mit 3.522 € rund 1.900 € niedriger als im Gesamtdurchschnitt aller Berufe. 81 % der Bruttokosten werden durch die Erträge gedeckt.

Tabelle A7.3-2: Bruttokosten, Erträge und Nettokosten pro Auszubildende/-n im Ausbildungsjahr 2012/2013 in € nach Berufsgruppen differenziert nach verschiedenen Kosten- und Ertragsarten

Schaubild A7.3-1: Zeitstruktur der Ausbildung nach Berufsgruppen in Tagen im Ausbildungsjahr 2012/2013

Nachfolgend werden 5 kaufmännische Berufe näher betrachtet. Der Ausbildungsberuf Hotelfachmann/-frau gehört zu den 4 kaufmännischen Berufen mit Nettoerträgen. In diesem Beruf fallen mit 13.411 € die zweitniedrigsten Bruttokosten unter den kaufmännischen Berufen an. Dies liegt an den Personalkosten der Auszubildenden, die etwa 2.000 € niedriger als im Gesamtdurchschnitt der kaufmännischen Berufe sind, sowie an den Personalkosten für das Ausbildungspersonal. Dort beträgt die entsprechende Differenz rund 2.400 €. Neben den eher niedrigen Löhnen im Hotelbereich ist auch die Stundenzahl, die je Auszubildende/-n bei der Berechnung der Kosten für das Ausbildungspersonal einbezogen werden, unterdurchschnittlich. Die Erträge durch die produktiven Leistungen der Auszubildenden sind mit 13.839 € rund 400 € höher als die Bruttokosten. Die Auszubildenden sind an insgesamt 127 Tagen produktiv tätig. Dies ist der höchste Wert unter allen Berufen, für die Einzelauswertungen möglich sind. An 71 Tagen verrichten die Auszubildenden Fachkräftetätigkeiten. Sie erreichen dabei mit 64 % einen überdurchschnittlichen Leistungsgrad.

Die zweitniedrigsten Erträge innerhalb der kaufmännischen Berufe fallen mit 11.161 € im Ausbildungsberuf zahnmedizinische/-r Fachangestellte/-r an. Sie sind damit rund 3.500 € niedriger als im Gesamtdurchschnitt der kaufmännischen Berufe. Zwar sind auch die Auszubildenden zur/zum zahnmedizinischen Fachangestellten ähnlich wie die Hotelkaufleute mit insgesamt 120 Tagen im Jahr etwa die Hälfte der Gesamtzeit produktiv tätig, mit 62 Tagen entfällt aber der größere Teil auf einfache Tätigkeiten. Hinzu kommt, dass auch in diesem Beruf das Lohnniveau für Fachkräfte und Un- und Angelernte vergleichsweise niedrig ist. Der Leistungsgrad bei der Ausübung der Fachkräftetätigkeiten ist mit 54 % unterdurchschnittlich. Die Bruttokosten sind mit 16.628 € etwa 1.600 € niedriger als im Gesamtdurchschnitt der kaufmännischen Berufe. Dies liegt insbesondere an den niedrigen Personalkosten der Auszubildenden (-1.983 € im Vergleich zum Durchschnitt der kaufmännischen Berufe), die Personalkosten für das Ausbildungspersonal sind allerdings etwa 1.100 € höher. Für die Betreuung eines/-r Auszubildenden werden durchschnittlich 5,8  Ausbilderstunden in die Kostenberechnung einbezogen, im Durchschnitt der kaufmännischen Berufe nur 4,8 Stunden. Außerdem werden bei den zahnmedizinischen Fachangestellten die Ausbilderleistungen, die durch Führungskräfte erbracht werden, mit einem besonders hohen Stundenlohn bewertet. Insgesamt sind die Nettokosten in diesem Ausbildungsberuf fast 2.000 € höher als im Gesamtdurchschnitt der kaufmännischen Berufe, lediglich 67 % der Bruttokosten können durch die Erträge gedeckt werden.

Die höchsten Bruttokosten innerhalb der kaufmännischen Berufe wurden im Ausbildungsberuf Industriekaufmann/ -kauffrau ermittelt. Zugleich erwirtschaften die Auszubildenden die zweithöchsten Erträge. Die Nettokosten liegen mit 3.608 € in etwa im Durchschnitt der kaufmännischen Berufe. Verantwortlich für die hohen Bruttokosten sind die Personalkosten für das Ausbildungspersonal (+2.354 € im Vergleich zum Gesamtdurchschnitt der kaufmännischen Berufe) und die Auszubildenden (+1.401 €). An insgesamt 117 Tagen sind die Auszubildenden produktiv tätig, an 66 Tagen werden sie für Fachkräftetätigkeiten eingesetzt. 55 % der Erträge erwirtschaften sie durch Fachkräftetätigkeiten, 45 % durch einfache Tätigkeiten. Der bei der Ausübung der Fachkräfte­tätigkeiten erreichte Leistungsgrad entspricht mit 60 % dem Gesamtdurchschnitt der kaufmännischen Berufe.

Während in den meisten kaufmännischen Berufen die Auszubildenden einen erheblichen Teil der Ausbildungszeit mit produktiven Tätigkeiten verbringen, gibt es auch einige Berufe, in denen die Auszubildenden deutlich seltener mit für den Betrieb verwertbaren Aufgaben befasst sind. Zu nennen sind hier die Berufe Kaufmann/Kauffrau für Versicherungen und Finanzen und Ver­waltungsfachangestellte/-r. Innerhalb der kaufmännischen Berufe ergeben sich in diesen Berufen die zweit- bzw. dritthöchsten Nettokosten. Die Auszubildenden zum/zur Verwaltungsfachangestellten sind lediglich an 85 Tagen am Arbeitsplatz produktiv tätig, die kaufmännischen Auszubildenden insgesamt an 110  Tagen. Es zeigt sich, dass die Auszubildenden zum/zur Verwaltungs­fachangestellten mit 36 Tagen relativ selten für einfache Tätigkeiten eingesetzt werden (52 Tage in den kaufmännischen Berufen insgesamt), deutlich häufiger für Fachkräftetätigkeiten. Hier ist der Unterschied mit 49  Tagen bei den Verwaltungsfachangestellten zu 58 Tagen im Durchschnitt aller kaufmännischen Berufe geringer. Insgesamt werden die Auszubildenden allerdings nicht in gleichem Umfang wie in anderen kaufmännischen Berufen mit produktiv verwertbaren Aufgaben betraut. Ursächlich für die geringen Einsatzmöglichkeiten am Arbeitsplatz sind lange Abwesenheitszeiten durch externe Ausbildungsphasen. An 41 Tagen lernen die Auszubildenden in Einrichtungen außerhalb des Betriebs. Diese Ausbildungsphasen dauern damit fünfmal so lange wie im Durchschnitt der kaufmännischen Berufe. Die Erträge sind mit 12.421 € etwa 2.300 € niedriger als im Gesamtdurchschnitt der kaufmännischen Berufe. Die Bruttokosten liegen mit 18.749 € nur geringfügig oberhalb des Durchschnittsniveaus der kaufmännischen Berufe.

Die Auszubildenden im Ausbildungsberuf Kaufmann/Kauf­frau für Versicherungen und Finanzen erstellen an 92 Tagen verwertbare Produkte und Dienstleistungen für ihren Betrieb. Dieser für einen kaufmännischen Beruf relativ niedrige Wert hängt mit der Organisation der Lernphasen zusammen: Die Auszubildenden erhalten an 10  Tagen innerbetrieblichen Unterricht, im Durchschnitt der kaufmännischen Berufe fallen hierfür nur 5 Tage an. Darüber hinaus sind die sonstigen Zeiten am Arbeitsplatz, zu de­nen z. B. Unterweisungs-, Übungs- und Selbstlernzeiten zählen, mit 32 Tagen ebenfalls höher als im Durchschnitt der kaufmännischen Berufe mit 26 Tagen. Insgesamt sind in diesem Ausbildungsberuf die Lernzeiten länger als in den meisten anderen kaufmännischen Berufen. Dennoch sind die Erträge nur etwa 500 € niedriger als im Gesamtdurchschnitt der kaufmännischen Berufe, da zum einen mit 50 Tagen der größere Teil der produktiven Tage auf die Fachkräftetätigkeiten entfällt und zum anderen in dieser Branche hohe Fachkräftelöhne gezahlt werden, mit denen diese Tätigkeiten bewertet werden. Das hohe Lohnniveau im Versicherungsgewerbe ist auch ursächlich für die hohen Bruttokosten, den dritthöchsten unter den kaufmännischen Berufen. Die höheren Bruttokosten resultieren fast ausnahmslos aus den Personalkosten für die Auszubildenden, die mit 15.097 € etwa 3.200 € höher als im Gesamtdurchschnitt der kaufmännischen Berufe sind. So werden nicht nur höhere Ausbildungsvergütungen gezahlt, die Auszubildenden profitieren zusätzlich von hohen freiwilligen und tariflichen Sozialleistungen.

Die Bruttokosten sind in den gewerblichen Berufen am niedrigsten, da sowohl die Personalkosten der Auszubildenden als auch die Personalkosten des Ausbildungspersonals niedriger als in den beiden anderen Berufsgruppen sind. Die Erträge sind mit 11.859 € niedriger als in den kaufmännischen Berufen, aber höher als in den technischen Berufen. In den gewerblichen Berufen wird ein deutlich größerer Anteil der Erträge durch einfache Tätigkeiten erbracht (55 % zu 40 % bei den Fachkräftetätigkeiten). Mit 48 Tagen verbringen die Auszubildenden auch mehr Zeit mit einfachen Tätigkeiten als mit Fachkräfte­tätigkeiten (42 Tage). Hinzu kommt, dass in den gewerblichen Berufen externe Ausbildungsphasen mit 22 Tagen eine größere Bedeutung als in den anderen Berufsgruppen haben. Bei den Nettokosten liegen die gewerblichen Berufe wie bei den Erträgen mit 4.257 € zwischen den Werten für die kaufmännischen und technischen Berufe.

Der gewerbliche Ausbildungsberuf Bäcker/-in weist von allen Berufen, für die eine ausreichende Fallzahl für eine Auswertung vorliegt, mit Abstand die niedrigsten Nettokosten auf. Bereits während der Ausbildung werden Nettoerträge in Höhe von 3.246 € erzielt. Die Bruttokosten sind mit 12.572 € rund 3.500 € niedriger als im Durchschnitt der gewerblichen Berufe. Dies ist einerseits auf die verhältnismäßig niedrigen Personalkosten der Auszubildenden zurückzuführen, entscheidender sind aber die besonders niedrigen Personalkosten für das Ausbildungspersonal. Mit 1.440 € wurde hier der niedrigste Wert unter allen Berufen ermittelt. Die kostenrelevante Gesamtstundenzahl des Ausbildungspersonals je Auszubildende/-n für Ausbildungsleistungen beträgt lediglich 1,9 Stunden, im Durchschnitt der gewerblichen Berufe 4,8 Stunden. Mit 15.818 € erzielen die Auszubildenden die zweithöchsten Erträge unter den gewerblichen Berufen. Dabei zeigt sich eine auffällige Aufteilung zugunsten der einfachen Aufgaben: Die Auszubildenden im Bäckerhandwerk werden an 88 Tagen mit einfachen Tätigkeiten beauftragt und lediglich an 25 Tagen mit Fachkräftetätigkeiten. Daher werden 82 % der Gesamterträge durch einfache Tätigkeiten erzielt, nur 18 % durch Fachkräftetätigkeiten.

Auch die Fachkraft für Lagerlogistik ist ein Beruf mit niedrigen Nettokosten. In diesem Beruf fallen mit 18.293 € die höchsten Bruttokosten unter den gewerblichen Berufen an, denen aber mit 17.176 € auch die höchsten Erträge gegenüberstehen, sodass 94 % der Bruttokosten durch die Erträge gedeckt werden. Die Personalkosten der Auszubildenden sind etwa 2.500 € höher als im Durchschnitt der gewerblichen Berufe. Bei den anderen 3 Bruttokostenarten gibt es nur geringe Unterschiede. Die Auszubildenden sind an 118 Tagen produktiv tätig. Mit 64 Tagen entfällt der größere Teil auf Fachkräftetätigkeiten. Dies ist mit Abstand der höchste Wert innerhalb der gewerblichen Berufe. Die Auszubildenden erreichen mit 69 % auch den höchsten Leistungsgrad innerhalb der gewerblichen Berufe.

Die höchsten Nettokosten innerhalb der gewerblichen Berufe fallen im Ausbildungsberuf Tischler/-in an. Die Bruttokosten sind etwa 800 € höher als im Gesamtdurchschnitt der gewerblichen Berufe. Dies liegt an den überdurchschnittlichen Personalkosten für das Ausbildungspersonal (+1.467 €). Die kostenrelevante Gesamtstundenzahl des Ausbildungspersonals je Auszubildende/-n ist mit 7 Stunden 2,2 Stunden höher als im Durchschnitt der gewerblichen Berufe. Die Erträge sind rund 450 € niedriger als im Gesamtdurchschnitt der gewerblichen Berufe. Ähnlich wie im Ausbildungsberuf Bäcker/-in wird ein erheblich größerer Anteil durch einfache Tätigkeiten erwirtschaftet, das Verhältnis liegt bei 54 % zu 36 %. 8 % der Erträge entfallen auf Leistungen in der Lehrwerkstatt, Zuschüsse von externen Stellen machen 2 % der Erträge aus. Die Zeiten, die die Auszubildenden produktiv am Arbeitsplatz verbringen, sind mit 86 Tagen unterdurchschnittlich, insbesondere ist auch die Anzahl der Tage, an denen schwierigere Tätigkeiten ausgeführt werden, mit 37 niedrig. Die Auszubildenden werden überdurchschnittlich häufig an Lernorten außerhalb des Arbeitsplatzes ausgebildet. So findet die Ausbildung an 17 Tagen in der Lehrwerkstatt statt, an 25  Tagen in externen Ausbildungsphasen.

Die technischen Berufe weisen die höchsten Bruttokosten und die niedrigsten Erträge auf. Sie haben damit mit Abstand die höchsten Nettokosten, die mit 8.939 € mehr als doppelt so hoch wie in den anderen Berufsgruppen sind. Lediglich etwas mehr als die Hälfte der Bruttokosten können durch die Erträge gedeckt werden. Während es bei den Personalkosten der Auszubildenden und des Ausbildungspersonals sowie den sonstigen Kosten nur geringe Abweichungen zum Gesamtdurchschnitt aller Berufe gibt, sind die Anlage- und Sachkosten deutlich höher. Sie sind mehr als dreimal so hoch wie in den gewerblichen Berufen und mehr als fünfmal so hoch wie in den kaufmännischen Berufen. Knapp die Hälfte der Anlage- und Sachkosten in den technischen Berufen entfallen auf den Unterhalt für Lehrwerkstätten. In den technischen Berufen sind die Auszubildenden lediglich an 72  Tagen produktiv tätig. Dies ist mit Abstand der niedrigste Wert der 3 Berufsgruppen. An insgesamt 40  Tagen sind die Auszubildenden entweder in der Lehrwerkstatt (18  Tage), in externen Ausbildungsphasen (17  Tage) oder im innerbetrieblichen Unterricht (5 Tage). Die Erträge durch einfache Tätigkeiten und Fachkräftetätigkeiten sind etwa gleich hoch. Mit 38 Tagen werden die Auszubildenden aber etwas häufiger für Fachkräftetätigkeiten als für einfache Tätigkeiten eingesetzt.

Der Ausbildungsberuf Industriemechaniker/-in gehört zu den 3 technischen Ausbildungsberufen219, deren Nettokosten mit über 17.000 € weit höher als die der anderen technischen Berufe mit höchstens 7.000 € sind. Die Bruttokosten sind in diesem Beruf mit 27.129 € mehr als 8.000 € höher als der Durchschnitt der technischen Berufe. In vielen Betrieben findet ein erheblicher Teil der Ausbildung in einer Lehrwerkstatt statt, deren Unterhalt mit hohen Kosten verbunden ist. Die gesamten Anlage- und Sachkosten sind daher mit 5.613 € mehr als 3.600 € höher als im Durchschnitt der technischen Berufe. Da ein erheblicher Teil der Ausbilderleistungen durch hauptberufliches Ausbildungspersonal erbracht wird, das im Durchschnitt höhere Löhne als Fachkräfte erhält, sind auch die Personalkosten des Ausbildungspersonals etwa 1.300 € höher. In diesem Beruf fallen auch die höchsten Personalkosten der Auszubildenden innerhalb der technischen Berufe an. Die Erträge hingegen sind erheblich niedriger, mit 8.509 € wurde hier der drittniedrigste Wert unter allen 43 Berufen, für die Einzelauswertungen möglich sind, ermittelt. Die Auszubildenden sind sehr viel seltener als in anderen Berufen am betrieblichen Arbeitsplatz produktiv tätig. So verrichten sie lediglich an 20 Tagen einfache Tätigkeiten, an 26 Tagen Fachkräftetätigkeiten. 47 Tage verbringen die Auszubildenden im Durchschnitt in einem Jahr in der Lehrwerkstatt. Obwohl sie auch dort für den Betrieb verwertbare Produkte und Dienstleistungen herstellen und damit 1.353 € erwirtschaften, können die Erträge nur 31 % der Bruttokosten decken. Die Auszubildenden in diesem Beruf müssen aufgrund der hohen Anforderungen bei den zu verrichtenden Tätigkeiten erst intensiv vorbereitet werden. Daher sind die Lernzeiten, insbesondere in der Lehrwerkstatt, erheblich höher als in anderen Berufen, ein produktiver Einsatz am Arbeitsplatz ist erst im Verlauf der Ausbildung möglich (vgl. zur Zeitverteilung in den einzelnen Ausbildungsjahren Wenzelmann/Schönfeld 2015).

Der/Die Elektroniker/-in ist der einzige technische Ausbildungsberuf mit Nettoerträgen. Die Bruttokosten sind mit 12.358 € rund 6.700 € niedriger als in den anderen technischen Berufen. Kosten für Anlagen und Maschinen fallen mit 302 € kaum an. Die Personalkosten der Auszubildenden und des Ausbildungspersonals sind jeweils mehr als 2.000 € niedriger als im Durchschnitt der technischen Berufe. Die Personalkosten der Auszubildenden sind die niedrigsten innerhalb der technischen Berufe. Mit 2,4 Stunden je Auszubildende/-n sind die Ausbilderstunden unterdurchschnittlich. Findet die Ausbildung in vielen technischen Berufen in einem erheblichen Maße in der Lehrwerkstatt statt, verbringen die Auszubildenden zum/zur Elektroniker/-in im Durchschnitt nur einen Tag dort, die Ausbildung erfolgt also zu größeren Teilen am Arbeitsplatz. An 96 Tagen sind die Auszubildenden produktiv tätig. Mit 13.721 € erwirtschaften sie überdurchschnittliche Erträge. Dabei wird – wie bei den Ausbildungsberufen Bäcker/-in und Tischler/-in – der größere Teil der Erträge durch einfache Tätigkeiten erzielt (62 % zu 37 % für Fachkräftetätigkeiten bzw. 54 zu 42 Tage).

Während die beiden zuvor vorgestellten technischen Berufe eine dreieinhalbjährige Ausbildungsdauer haben, wird der/die Fachinformatiker/-in in 3 Jahren ausgebildet. In diesem Beruf sind die Bruttokosten etwa 1.500 € höher als im Durchschnitt der technischen Berufe, die Erträge sind deutlich höher (+4.921 €). Die Nettokosten entsprechen mit 5.488 € in etwa dem Gesamtdurchschnitt aller Berufe, im Vergleich der technischen Berufe sind sie deutlich niedriger (-3.451 €). Die höheren Bruttokosten ergeben sich durch die höheren Personalkosten für die Auszubildenden und das Ausbildungspersonal (jeweils etwa +1.500 €). Bei den Erträgen wird der weitaus größte Teil durch Fachkräftetätigkeiten erarbeitet. Der Anteil liegt bei 62 %. Die Auszubildenden werden an 58 Tagen im Jahr mit Fachkräftetätigkeiten beauftragt und nur an 39 Tagen mit einfachen Aufgaben. Bereits im ersten Ausbildungsjahr verrichten die Auszubildenden an gleich vielen Tagen einfache und Fachkräftetätigkeiten (jeweils an 45 Tagen), im Durchschnitt über alle Berufe liegen die einfachen Tätigkeiten deutlich vorne (55 zu 30 Tage). Dies zeigt, dass es in diesem Beruf schon früh möglich ist, die Auszubildenden für schwierige Aufgaben einzusetzen.

Insgesamt zeigt sich, dass ein wichtiger Grund für die festgestellten Unterschiede bei den Kosten und Erträgen in der Ausbildungsorganisation liegt, die in den technischen und gewerblichen Berufen in größerem Maße an Lernorten außerhalb des Arbeitsplatzes erfolgt, sodass die Auszubildenden seltener für den Betrieb verwertbare Produkte und Dienstleistungen erstellen können. Die differenzierte Darstellung nach Ausbildungsberufen zeigt zudem, dass in den meisten Berufen die Bruttokosten die Erträge übersteigen und somit ein Großteil der Betriebe eine Nettoinvestition in die Ausbildung tätigt. Wie bereits angesprochen, können die Betriebe jedoch auch nach Ende der Ausbildung von dieser profitieren, wenn sie die Ausbildungsabsolventen/-absolventinnen als Fachkraft übernehmen. Nicht immer ist allerdings eine Übernahme möglich, da sowohl der Betrieb als auch der/die Ausbildungsabsolvent/-absolventin an einer weiteren Zusammenarbeit interessiert sein müssen. Das Interesse des Betriebs hängt zum einen davon ab, ob dieser überhaupt einen Bedarf an Fachkräften hat. Zum anderen sollte der/die Ausbildungsabsolvent/-absolventin den betrieblichen Anforderungen entsprechen. Das Interesse der Ausbildungsabsolventen/-absolventinnen ist von dem Angebot des Ausbildungsbetriebs im Vergleich zu den Angeboten anderer Betriebe bestimmt. Doch selbst bei einem guten Angebot sehen manche Ausbildungsabsolventen/ -absolventinnen ihre berufliche Zukunft nicht im Ausbildungsbetrieb, da sie z. B. studieren möchten.

Im Gesamtdurchschnitt hat jeder Betrieb220 im Zeitraum von 2011 bis 2013 59 % seiner erfolgreich Ausgebildeten übernommen.221 In den kaufmännischen Berufen werden 61 % der Ausgebildeten übernommen. In den Berufen Bankkaufmann/-kauffrau (94 %) und Verwaltungsfachangestellte/-r (95 %) werden nahezu alle Absolventen/Absolventinnen weiterhin in ihrem Ausbildungsbetrieb beschäftigt, in den Berufen Restaurantfachmann/ -fachfrau, Veranstaltungskaufmann/-kauffrau, zahn­medizinische/-r Fachangestellte/-r, medizinische/-r Fachangestellte/-r und Rechtsanwaltsfachangestellte/-r weniger als die Hälfte. In den gewerblichen Ausbildungsberufen ist die Übernahmequote mit 51 % unterdurchschnittlich. Gute Übernahmechancen haben die Absolventen/Absolventinnen des Berufs Fachkraft für Lagerlogistik (73 %), deutlich schlechtere die Absolventen/Absolventinnen in den Berufen Koch/Köchin (42 %) und Friseur/-in (47 %). In den technischen Berufen werden zwei Drittel der Absolventen/Absolventinnen übernommen. In allen technischen Berufen, für die es eine ausreichende Fallzahl für Einzelauswertungen gibt, sind die Übernahmechancen als eher gut anzusehen. Die niedrigsten Werte wurden mit 57 % in den Berufen Kraftfahrzeugmechatroniker/ -in und Elektroniker/-in ermittelt, im Beruf Industriemechaniker/ -in werden 95 % der Absolventen/Absolventinnen weiterbeschäftigt. Zu berücksichtigen ist, dass ein Teil der Übernahmen aufgrund einer tarifvertraglichen Bindung erfolgte. Der Anteil beträgt im Gesamtdurchschnitt 22 %, in den kaufmännischen Berufen ist die Quote mit 15 % niedriger, in den technischen (25 %) und gewerblichen Berufen (30 %) höher.

18 % der Ausbildungsabsolventen/-absolventinnen ver­lassen ihren Ausbildungsbetrieb auf eigenen Wunsch, auch wenn ein Übernahmeangebot vorgelegen hat. In den kaufmännischen (15 %) und technischen Berufen (16 %) kommt dies etwas seltener vor, in den gewerblichen Berufen (22 %) etwas häufiger. In den Berufen Maler/-in und Lackierer/-in (25 %), Anlagenmechaniker/-in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (26 %), Kaufmann/Kauffrau für Versicherungen und Finanzen (26 %), Friseur/-in (35 %) und Restaurantfachmann/-fachfrau (37 %) sehen besonders viele Auszubildende ihre berufliche Zukunft nicht in ihrem Ausbildungsbetrieb. Knapp ein Drittel der Ausbildungsabsolventen/-absolventinnen werden befristet übernommen. In den gewerblichen (28 %) und technischen Berufen (30 %) sind die Anteile leicht niedriger, in den kaufmännischen Berufen (35 %) etwas höher. Besonders hohe Anteile von über 50 % finden sich in den Berufen Verwaltungsfachangestellte/-r, Fachkraft für Lagerlogistik, Bankkaufmann/-kauffrau, Kaufmann/Kauffrau für Bürokommunikation, Industriemechaniker/ -in und Hotelfachmann/-frau.

Nach Angaben der Betriebe sind im Durchschnitt erfah­­rungsgemäß nach 5 Jahren noch 32 % der Ausbildungsabsolventen/-absolventinnen im Betrieb. In den gewerblichen Berufen trifft dies jedoch nur auf jede/ -n fünfte/-n ehemalige/-n Auszubildende/ -n zu, in den kaufmännischen (35 %) und technischen Berufen (42 %) sind die Werte deutlich höher. Eine hohe Abwanderung gibt es z. B. in den Berufen Restaurantfachmann/-fachfrau, Anlagenmechaniker/ -in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Koch/Köchin, Hotelfachmann/-frau oder Maler/-in und Lackierer/-in. Hier sind weniger als 15 % der Ausgebildeten nach 5 Jahren noch im Ausbildungsbetrieb. In den Berufen Kaufmann/Kauffrau für Versicherungen und Finanzen (56 %), Industriemechaniker/-in (63 %) und Verwaltungsfachangestellte/-r (68 %), in denen, wie zuvor gezeigt, überdurchschnittliche Nettokosten anfallen, bleiben besonders viele ehemalige Auszubildende im Ausbildungsbetrieb. Hier zeigt sich, dass sich auch zunächst hohe Ausbildungsinvestitionen langfristig durch die Gewinnung qualifizierter Fachkräfte auszahlen.

Ausbildungsbetriebe, die ihre Ausbildungsabsolventen/ -absolventinnen übernehmen, können durch die Übernahme Personalgewinnungskosten einsparen, da sie nicht auf dem Arbeitsmarkt nach Fachkräften suchen und zusätzliche Weiterbildungs- und Einarbeitungsmaßnahmen durchführen müssen, um die extern rekrutierten Fachkräfte zu integrieren. Die Höhe dieser Personalgewinnungskosten wurde in der BIBB-Kosten-Nutzen-Erhebung ebenfalls ermittelt. Insgesamt wendet ein Ausbildungsbetrieb durchschnittlich 9.382 € für die Personalgewinnung einer neuen Fachkraft auf (vgl. BIBB-Datenreport 2015, Kapitel  A7.3). Dieser recht hohe Wert zeigt, dass Ausbildungsbetriebe, die Ausbildungsabsolventen/-absolventinnen übernehmen, einen erheblichen Betrag einsparen können. Bei einer dreijährigen Ausbildung entsprechen z. B. die durchschnittlichen Personalgewinnungskosten mehr als drei Viertel der gesamten Nettokosten. In den kaufmännischen (10.249 €) und technischen Berufen (11.227 €) sind die Personalgewinnungskosten höher als im Gesamtdurchschnitt, in den gewerblichen Berufen mit 6.686 € niedriger. Auch nach verschiedenen Ausbildungsberufen222 treten deutliche Unterschiede zutage. In den Berufen Restaurantfachmann/ -fachfrau, Maler/-in und Lackierer/ -in und Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk sind sie z. B. niedriger als 5.000 €. In diesen Berufen sind auch die Nettokosten eher im unteren Bereich angesiedelt. Hohe Personalgewinnungskosten von über 15.000 € gibt es z. B. in den Berufen Fachinformatiker/-in, Industriekaufmann/ -kauffrau und Kaufmann/Kauffrau für Versicherungen und Finanzen.

(Gudrun Schönfeld, Felix Wenzelmann, Anika Jansen, Harald Pfeifer)

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    Auswertungen insbesondere zu den Personalgewinnungskosten, zur Übernahme von Ausbildungsabsolventen/-absolventinnen und zu Einschätzungen der Betriebe zum Nutzen der Ausbildung werden auf betrieblicher Ebene durchgeführt, die Berechnung der Kosten und Erträge der Ausbildung erfolgt auf Basis eines Auszubildendendatensatzes.

  • 213

    Zu den Erträgen der Ausbildung werden ebenfalls Zuschüsse gezählt, die die Betriebe aus verschiedenen Quellen wie Förderprogrammen von Bund, Ländern, dem Europäischen Sozialfonds, der Bundesagentur für Arbeit oder von Berufs- oder Branchenverbänden erhalten. Diese machen im Durchschnitt aber nur 2 % der Erträge aus.

  • 214

    Vgl. für eine ausführliche Darstellung der Kosten und Erträge in ausgewählten Ausbildungsberufen Kapitel A4.9 in Schönfeld u. a. 2016.

  • 215

    Hierbei handelt es sich um den Ausbildungsberuf im Handwerk mit den Fachrichtungen Automatisierungstechnik, Energie- und Gebäudetechnik und Informations- und Telekommunikationstechnik.

  • 216

    Mechatroniker/-in, Industriemechaniker/-in, Zerspanungsmechaniker/-in.

  • 217

    Für die Zuordnung zu den technischen Berufen wurde eine vom BIBB zusammengestellte Liste der technischen Ausbildungsberufe im dualen System (BBiG bzw. HwO) mit Stand 2012 genutzt. Technische Ausbildungsberufe sind demnach solche, deren Tätigkeits- und Kenntnisprofile hohe Technikanteile (z. B. hohe Anteile von Überwachen, Steuern von Maschinen, Anlagen, technischen Prozessen etc.) enthalten. Zu den kaufmännischen Berufen gehören zunächst die Berufe, die die Bezeichnung „Kaufmann/-frau“ führen (mit Ausnahme der Berufe Informatikkaufmann/-frau und Informations- und Telekommunikationssystemkaufmann/-frau, die den technischen Berufen zugeordnet werden), außerdem die Verkaufsberufe wie z. B. Verkäufer/-in oder Buchhändler/-in sowie, von wenigen Ausnahmen abgesehen, alle Berufe, die die Bezeichnungen „-fachangestellte/-r“ und „-fachmann/-frau“ enthalten. 31 % der Auszubildenden lernen einen technischen Beruf, 43 % einen kaufmännischen und 26 % einen gewerblichen Beruf.

  • 218

    Die Zeiten, die die Auszubildenden mit diesen Tätigkeiten verbringen, werden mit den jeweiligen Löhnen für Un- und Angelernte (einfache Tätigkeiten; produktive Tage I) bzw. für Fachkräfte (schwierigere Tätigkeiten; produktive Tage II) verrechnet. Bei den Fachkräftetätigkeiten wird zusätzlich noch der Leistungsgrad berücksichtigt, den die Auszubildenden im Vergleich zu einer durchschnittlichen Fachkraft erreichen.

  • 219

    Vgl. Fußnote 216.

  • 220

    Bei der Berechnung der Übernahmequoten wurden nur die Betriebe berücksichtigt, in denen in den Jahren 2011 bis 2013 mindestens ein Auszubildender/eine Auszubildende die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hat.

  • 221

    Statt des betrieblichen Durchschnitts kann auch die Summe aller übernommenen Auszubildenden durch die Summe der erfolgreich Ausgebildeten geteilt werden. Der Anteil aller übernommenen Auszubildenden an allen erfolgreich Ausgebildeten liegt bei 67 %. Diese Quote deckt sich mit der vom IAB auf Basis des IAB-Betriebspanels ermittelten Übernahmequote für das Jahr 2013 (vgl. Dummert/Frei/Leber 2014 und Kapitel A4.10.2).

  • 222

    Bei der Berechnung der Personalgewinnungskosten werden nur Betriebe be­rücksichtigt, die in den letzten 3 Jahren auch tatsächlich Fachkräfte in einem ausgewählten Beruf eingestellt haben. Daher sind die Fallzahlen in den einzelnen Berufen zum Teil sehr gering. Auswertungen erfolgen daher wie bei den Kosten und Erträgen nur für die Berufe, für die Angaben aus mindestens 20 Betrieben vorliegen. Dies trifft auf 24 Berufe zu.