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Die berufliche Fortbildung gehört zur Berufsbildung im Sinne des BBiG bzw. der HwO. Eine Fortbildungsprüfung nach BBiG/HwO wird in der Regel nach einer dualen Berufsausbildung und einschlägiger, meist mehrjähriger Berufserfahrung abgelegt. Aufgabe der beruflichen Fortbildung ist nach § 1 Abs. 4 BBiG, die beruflichen Kenntnisse und Fertigkeiten zu erhalten, zu erweitern, der technischen Entwicklung anzupassen (Anpassungsfortbildung) oder den beruflichen Aufstieg zu ermöglichen (Aufstiegsfortbildung).298 Der Bund kann nach § 53 BBiG bzw. § 42 HwO für die berufliche Aufstiegsfortbildung sogenannte Fortbildungsordnungen erlassen. Sie schaffen eine bundesweit einheitliche Grundlage hinsichtlich der zu vermittelnden Inhalte sowie der Prüfungsbestimmungen für staatlich anerkannte Fortbildungsabschlüsse. Sind bundeseinheitliche Reglungen nicht erlassen, können die zuständigen Stellen (Kammern) nach § 54 BBiG bzw. § 42a HwO selbst Fortbildungsprüfungsregelungen für ihren regionalen Zuständigkeitsbereich festlegen. Derzeit bestehen 223 Rechtsverordnungen des Bundes und ca. 2.600 Rechtsvorschriften einzelner Kammern zu 755 von ihnen geregelten Fortbildungsberufen (vgl. Kapitel B4.1).

Berichtet werden nachfolgend ausgewählte Ergebnisse der Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder (vgl. Statistisches Bundesamt 2016e). Die Statistik erfasst u. a. sämtliche nach BBiG bzw. HwO abgelegten Prüfungen in bundeseinheitlich durch Rechtsverordnung geregelten Fortbildungsberufen sowie derjenigen nach Fortbildungsregelungen der zuständigen Stellen. Ebenfalls zu den Fortbildungsprüfungen zählen die durchgeführten Meisterprüfungen in den jeweiligen Ausbildungsbereichen.299

Berufsbildungsstatistik

Die Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder (kurz: Berufsbildungsstatistik) erhebt jährlich u. a. die Teilnahmen und den Prüfungserfolg an Fortbildungsprüfungen nach BBiG/HwO. Die Statistik ist eine Vollerhebung, für die Auskunftspflicht besteht. Differenzierungsmerkmale sind das Geschlecht, der Ausbildungsbereich, der Prüfungserfolg, der Fortbildungsberuf, das Geburtsjahr der Teilnehmenden sowie regionale Merkmale. Die zuständigen Stellen melden die während des Kalenderjahres (Berichtsjahr ist das Kalenderjahr, Stichtag ist der 31.  Dezember) bei ihnen abgelegten Fortbildungsprüfungen (inkl. Meisterprüfungen). Bei Fortbildungsprüfungen, die aus mehreren Teilen (z. B. Kursen, Modulen) bestehen, werden Prüfungen und Teilnehmer/-innen erst erfasst, wenn es sich um die letzte Stufe handelt, nach deren erfolgreichem Abschluss die neue Berufsbezeichnung geführt werden darf. Gezählt werden auch jene Prüfungen, die nicht erfolgreich bestanden wurden, sofern keine weitere Wiederholungsmöglichkeit besteht. Es wird zudem erfasst, ob es sich bei der jeweiligen Prüfung um eine Wieder­holungsprüfung handelt oder nicht. Der Prüfungserfolg wird danach unterschieden, ob die Prüfung bestanden oder nicht bestanden wurde.

Im Zeitraum von 1992 bis zum Jahr 2006 zeigt sich ein deutlicher Rückgang der bestandenen Fortbildungsprüfungen nach BBiG/HwO von 132.424 Prüfungen im Berichtsjahr 1992 auf 96.526 Prüfungen im Berichtsjahr 2006 (-27,1 %).300  Der Rückgang in diesem Zeitraum fiel für Männer (-29,1 %) deutlich stärker aus als für Frauen (-22,9 %).301  In den letzten Jahren hat sich die rückläufige Entwicklung insgesamt deutlich stabilisiert. Die Zahl der bestandenen Fortbildungsprüfungen liegt seit 2011 über dem Niveau des Jahres 2006, wenngleich die Prüfungszahlen seit dem Höchststand 2012 wieder leicht rückläufig sind Schaubild B4.4-1.

Im Berichtsjahr 2015 haben 97.827 Teilnehmer und Teilnehmerinnen eine Fortbildungsprüfung erfolgreich bestanden Tabelle B4.4-1 (für eine lange Zeitreihe Tabelle B4.4-2 Internet). Die Zahl bestandener Fortbildungsprüfungen war damit im Vergleich zum Vorjahr leicht rückläufig (-909 Prüfungen). Insgesamt wurden 115.830 Teilnahmen an Fortbildungsprüfungen erfasst, 648 Teilnahmen mehr als im Vorjahr 2014 (+0,6 %). Dies erklärt sich über die weiter leicht gesunkene Prüfungserfolgsquote, die 2015 mit 84,5 % leicht unterhalb des Wertes vom Vorjahr lag (2014: 85,7 %). Männer schnitten 2015 wieder etwas erfolgreicher ab (85,5 %) als Frauen (82,5 %), auch dies ist ein Trend, der seit 1992 zu beobachten ist. Durchgeführt wurden die meisten der Fortbildungsprüfungen in den Ausbildungsbereichen Industrie und Handel sowie im Handwerk. Im Bereich Industrie und Handel stieg die Zahl der Teilnahmen als auch die Zahl bestandener Prüfungen im Vergleich zum Vorjahr erneut an: 2015 wurden 63.744 Teilnahmen gemeldet, 2014 waren es noch 60.846 Teilnahmen (2013: 58.092). Die Zahl der bestandenen Prüfungen erhöhte sich von 47.004 Prüfungen im Jahr 2014 (2013: 45.495) auf 48.267 Prüfungen im Jahr 2015. Im Handwerk verringerte sich hingegen die Zahl der bestandenen Prüfungen von 43.104 Prüfungen im Jahr 2014 (2013: 46.482) auf 40.683 Prüfungen im Jahr 2015. Gleiches gilt für die Gesamtzahl der Teilnahmen, die sich im Handwerk von 44.532 Teilnahmen im Jahr 2014 (2013: 47.898) auf 41.988 Prüfungen im Jahr 2015 reduzierten. Die Prüfungserfolgsquote lag im Handwerk 2015 mit 96,9 % wie auch in den Vorjahren deutlich über der Prüfungserfolgsquote im Bereich Industrie und Handel (75,7 %).

Nach Fachrichtungen differenziert zeigt sich eine Dominanz kaufmännischer Fortbildungsberufe Tabelle B4.4-3. 2015 qualifizierten 50.772 der 97.827 bestandenen Prüfungen (51,9 %) für einen kaufmännischen Beruf (1992 lag der Anteil noch bei 40 %). Unter den 50.772 bestandenen kaufmännischen Prüfungen fanden sich in erster Linie Fachwirte und Fachwirtinnen (28.398 Abschlüsse), Fachkaufleute (8.799 Abschlüsse) sowie Betriebswirte und Betriebswirtinnen (3.936 Abschlüsse). Unter den 36.798 bestandenen Meisterprüfungen sind an erster Stelle Prüfungen zum Handwerksmeister und zur Handwerksmeisterin zu nennen (21.450 Abschlüsse), gefolgt von Industriemeistern und Industriemeisterinnen (10.611 Abschlüsse) sowie Fachmeistern und Fachmeisterinnen (2.649 Abschlüsse). Die Zunahme der erfolgreichen Prüfungsteilnahmen seit 2009 (+16,5 %) verteilt sich relativ gleichmäßig auf kaufmännische Fortbildungsprüfungen (+24,6 %) und Meisterprüfungen (+21,7 %); rückläufig waren hingegen sonstige Fortbildungsprüfungen (-20,9 %). Die stärksten Zuwächse seit 2009 hatten Fachwirte und Fachwirtinnen (+53,1 %), die nach den zurückgehenden Prüfungszahlen in den letzten Jahren wieder Zuwächse verzeichnen konnten (+1.038 bestandene Prüfungen im Vergleich zum Vorjahr). Fachkaufleute konnten seit 2009 Zuwächse in Höhe von +23,4 % verzeichnen (im Vergleich zum Vorjahr gingen die Abschlusszahlen um 351 Prüfungen zurück). Auch bei Fachmeistern und Fachmeisterinnen sowie Industriemeistern und Industriemeisterinnen waren relativ hohe Zuwächse seit 2009 zu beobachten (53,4 % bzw. 33,6 %) mit kontinuierlich steigender Tendenz. Die Prüfungszahlen für Handwerksmeister/-innen sind relativ gesehen seit 2009 nur um 12,4 % angestiegen, in absoluten Zahlen trugen sie am Gesamtzuwachs seit 2009 aber ebenfalls einen großen Anteil (von 2009 auf 2011 +2.365 Abschlüsse). Der leichte Rückgang der erfolgreichen Prüfungsteilnahmen im Jahr 2015 im Vergleich zum Vorjahr (-0,9 %) verteilte sich ebenfalls nicht gleichmäßig auf die Fachrichtungen. Die stärksten Rückgänge waren bei Fachkaufleuten (-3,8 %), sonstigen kaufmännischen Fortbildungsprüfungen (-12,3 %), sonstigen gewerblich-technischen Fortbildungsprüfungen (-4,1 %) und Handwerksmeistern und Handwerksmeisterinnen (-3,6 %) zu beobachten. Positive Entwicklungen zeigten sich hingegen bei Fachmeistern/Fachmeisterinnen (+15,6 %) und Industriemeistern/Industriemeisterinnen (+2,3 %) sowie bei Betriebswirten/Betriebswirtinnen (+6,9 %) und Fachwirten/Fachwirtinnen (+3,8 %)

Schaubild B4.4-1: Entwicklung der bestandenen Fortbildungsprüfungen nach BBiG/HwO 1992 bis 2015 nach Geschlecht

Tabelle B4.4-1: Teilnahmen an Fortbildungsprüfungen und bestandenen Prüfungen nach BBiG/HwO 2009 bis 2015 nach Ausbildungsbereichen und Geschlecht

Tabelle B4.4-3: Teilnehmer/-innen mit bestandener Fortbildungsprüfung nach BBiG/HwO 2009 bis 2015 nach Fachrichtungen

Wie Tabelle B4.4-4 zeigt, unterscheiden sich die Fachrichtungen der absolvierten Fortbildungsabschlüsse deutlich nach dem Geschlecht. Da Frauen mehrheitlich in einem Dienstleistungsberuf und Männer mehrheitlich in einem Produktionsberuf ausgebildet werden (vgl. Kapitel A5.4), liegt der Anteil der Frauen, die eine kaufmännische Fortbildungsprüfung absolvierten, mit 74,5 % erwartungsgemäß höher als bei Männern (40,3 %). Bei Männern dominierten Meisterprüfungen (49,2 %), die bei Frauen nur einen Anteil von 15,0 % ausmachten. Der Anteil sonstiger Fortbildungsprüfungen lag bei Männern und Frauen ähnlich hoch (10,5 % bzw. 10,4 %), wobei Frauen meist Prüfungen zur Fachhelferin im Gesundheitswesen (7,8 %) und Männer sonstige gewerblich-technische Fortbildungsprüfungen (9,8 %) absolvierten. Der Frauenanteil bei den kaufmännischen Fortbildungsprüfungen lag 2015 mit 48,7 % somit erneut weit über dem durchschnittlichen Frauenanteil (33,9 %). Bei den Meisterabschlüssen lag der Frauenanteil mit 13,5 % hingegen wieder deutlich darunter.

(Anja Hall)

Tabelle B4.4-4: Teilnehmer/-innen mit bestandener Fortbildungsprüfung nach BBiG/HwO 2015 nach Fachrichtungen und Geschlecht

  • 298

    Die Teilnahme an einer geregelten Fortbildung kann durch staatliche Förderinstrumente wie das Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (vgl. Kapitel B3.2), das Aufstiegs- oder Weiterbildungsstipendium (vgl. Kapitel B3.3) sowie die Bildungsprämie (vgl. Kapitel B3.6) unterstützt werden (Bundesministerium für Bildung und Forschung 2013, S. 65 f.). 

  • 299

    Neben den auf Bundes- oder Kammerebene geregelten Berufen nach BBiG/HwO gibt es Aufstiegsfortbildungen an Fachschulen wie z. B. staatlich geprüfter Betriebswirt/staatlich geprüfte Betriebswirtin oder staatlich geprüfter Techniker/staatlich geprüfte Technikerin. Diese Abschlüsse setzen ebenfalls eine berufliche Erstausbildung und Berufserfahrungen voraus, sind aber auf der Grundlage der Schulgesetze länderspezifisch geregelt (vgl. Kapitel B4.3).

  • 300

    2007 erfolgte eine Revision der Berufsbildungsstatistik. Durch die Neukonzeption der Statistik im Jahr 2007 ist die Vergleichbarkeit der Ergebnisse vor und nach der Umstellung nur eingeschränkt möglich. Auch der „Einbruch“ in den Prüfungszahlen 2009 kann der Umstellungsphase geschuldet sein. Betrachtet man die Entwicklung der bestandenen Fortbildungs-/Meisterprüfungen zwischen 1980 und 1992 für das frühere Bundesgebiet, dann zeigt sich eine fast kontinuierliche Zunahme von 61.654 Personen mit bestandener Prüfung auf 108.598. Auch in den neuen Bundesländern wurde das Maximum an bestandenen Fortbildungs-/Meisterprüfungen im Jahr 1992 mit 23.826 Prüflingen erreicht (vgl. Statistisches Bundesamt 2016e).

  • 301

    Dies erklärt sich hauptsächlich durch den Rückgang der bestandenen Fortbildungsprüfungen von Handwerksmeistern und Handwerksmeisterinnen (Rückgang zwischen 1992 und 2006 um 53 %; -23.293) sowie Industriemeistern und Indus­triemeisterinnen (Rückgang zwischen 1992 und 2006 um 51 %; -7.608).