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Die Erhebung von Daten zu Angebots-, Anbieter- und Teilnahmestrukturen bei Fernlehrgängen hat in Deutschland eine langjährige Tradition: Seit 1984, also seit fast 30 Jahren, werden die Anbieter dieser Bildungsangebote jährlich auf freiwilliger Basis im Rahmen der Fernunterrichtsstatistik befragt. Dabei wurde – trotz Veränderungen im Hinblick auf die erhebende Stelle – der Fragebogen fast unverändert beibehalten. Der Fachverband „Forum DistancE-Learning (FDL)“ übernahm 2009 die Befragung und zeichnet seither für die Fernunterrichtsstatistik verantwortlich. Zusätzlich wurde für die nachfolgende Darstellung ergänzendes Datenmaterial der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) und des Gemeinnützigen Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) herangezogen.

Anbieter von Fernlehrgängen

Die Zahl der bei der ZFU registrierten Anbieter hat sich im Vergleich zum Vorjahr wieder deutlich erhöht, und zwar von 383 (Stichtag 1. August 2012) auf 400 (Stichtag 1. August 2013). Dies entspricht einer Zunahme um 4,3 %. Seit der Wiedervereinigung (hier: seit 1991) hat sich somit ihre Anzahl von 112 auf 400 mehr als verdreifacht Schaubild B2.3-1. Der kontinuierliche Anstieg in den 1990er-Jahren dürfte nicht zuletzt auf den erhöhten Weiterbildungsbedarf in den damals neuen Bundesländern zurückzuführen sein, während die fast sprunghafte Zunahme im Zeitraum 1999 bis 2005 wohl vor allem der technologischen Entwicklung (E-Learning) geschuldet war. Der kontinuierliche Anstieg verweist darüber hinaus auf die inhaltliche Ausdifferenzierung der Angebotspalette, in der sich eine große Zahl kleiner und kleinster Anbieter mit zum Teil hoch spezialisierten Nischenprodukten behauptet.

Nähere Aussagen über die Anbieterstruktur ermöglicht die Fernunterrichtsstatistik 2012 des FDL. Im Rahmen dieser Erhebung wurden 352 Fernlehrinstitute angeschrieben, von denen sich 105 (29,8 %) an der Befragung beteiligten. Im Vergleich zum Vorjahr (345 angeschriebene Institute) hat sich damit die Zahl der einbezogenen Anbieter zwar leicht erhöht, jedoch ließ die Beteiligungsbereitschaft im Zeitverlauf deutlich nach. 2011 beteiligten sich noch 34,8 % der angeschriebenen Institute an der Fernunterrichtsstatistik; 2010 waren es 38,1 %.

Die Marktsituation der 352 vom FDL befragten Fernlehrinstitute stellt sich folgendermaßen dar: Der größte Teil der angeschriebenen Anbieter (310; 88,1 %) ist relativ spezialisiert und bietet weniger als 11 Lehrgänge an; jeweils weitere 17 (4,8 %) haben bis zu 20 bzw. 21 bis 50 unterschiedliche Lehrgänge in ihrem Portfolio. 3 Anbieter (0,9 %) halten zwischen 51 und 100 verschiedene Lehrgänge bereit. Mehr als 100 Lehrgänge werden von 5 Instituten (1,4 %) angeboten.

Im Hinblick auf die Anzahl der Teilnahmen zeigt sich folgendes Bild: Von den beteiligten Instituten (n  =  105) haben 9 mehr als 5.000 Teilnahmen jährlich, 12 zwischen 1.001 und 5.000. 24 geben 101 bis 1.000 Teilnahmen an und 23 Institute 11 bis 100 Teilnahmen. 6 Institute haben 1 bis 10 jährliche Teilnahmen, und 31 weisen keine Teilnahmen aus.

Schaubild B2.3-1: Anbieter von zugelassenen Fernlehrgängen im Zeitraum 1991 bis 2013

Teilnehmende an Fernlehrgängen

Für das Jahr 2012 erhob der FDL bei den beteiligten Instituten insgesamt 172.353 Teilnahmen an staatlich zugelassenen Fernlehrgängen. Im Vergleich zu 2011 (180.910 Teilnahmen) verringerte sich ihre Zahl damit um 4,7 %.246 Mit 52,2 % ging der Frauenanteil 2012 im Vergleich zu 2011 (52,8 %) geringfügig zurück; die etwas stärkere Beteiligung von Frauen in (nicht akademischen) Fernlehrgängen, die seit einigen Jahren zu beobachten ist, setzte sich fort. Hinsichtlich des Alters der Teilnehmer/-innen zeigen sich im Vergleich zu den Vorjahren nur geringfügige Änderungen: Noch immer sind zwei Drittel (65,2 %) der Fernlernenden zwischen 21 und 40 Jahre alt (2011: 65,8 %) Tabelle B2.3-1.

Tabelle B2.3-1: Teilnehmende an Fernlehrgängen nach Altersgruppen (in %)

Fernlehrgänge – Angebot

Analog zur Anbieterentwicklung ist im aktuellen Berichtsraum – wie in den Vorjahren – eine deutliche Zunahme von staatlich zugelassenen Fernlehrgängen zu beobachten. Zum Stichtag 1. August 2013 waren bei der ZFU 3.076 zulassungspflichtige Bildungsangebote registriert, von denen ihren Angaben zufolge 2.811 beruflich verwertbare Themen behandeln und 265 der Freizeitgestaltung dienen. Im Vergleich zum Vorjahr (insgesamt 2.982 registrierte Fernlehrgänge) stieg das Gesamtangebot damit um 3 % an. Während sich der Anstieg bei den berufsbildenden Themen auf 2,8 % belief (absolut: 74 zusätzliche zulassungspflichtige Angebote im Vergleich zu 2012), nahmen zulassungspflichtige Angebote zur Freizeitgestaltung im Vergleich zum Vorjahr um 5,7 % zu (absolut: 15 zusätzliche Kurse).

Von den 3.076 staatlich zugelassenen Bildungsangeboten im Fernlernen bereiten knapp zwei Drittel (1.984; 64,5 %) auf eine Abschlussprüfung vor, während 1.092 ohne abschließende Lernerfolgskontrolle enden. Damit setzt sich der in den vergangenen Jahren zu beobachtende Trend zu Prüfungsabschlüssen in leicht abgeschwächter Form fort (prozentualer Anteil der Fernlehrgänge mit Abschlussprüfung 2012: 64,8 %). Dabei können nach Angaben der ZFU bei mehr als zwei Drittel der Bildungsangebote (67,2 %) nonformale Abschlüsse in Form von Teilnahmezertifikaten des Anbieters erworben werden. Einen öffentlich-rechtlichen Abschluss ermöglichen 20,5 % und eine allgemeinbildende Schul- bzw. eine Fachschulprüfung 11,5 % der Angebote. Weitere 0,8 % bereiten auf verbandsinterne Prüfungen vor.

Wie im Vorjahr haben rund zwei Drittel der zugelassenen Fernlehrgänge eine Laufzeit von bis zu 12 Monaten Schaubild B2.3-2.

Am häufigsten wurden erneut Lehrgänge mit Bildungsinhalten zu „Wirtschaft und kaufmännischer Praxis“ besucht (27,5 %; 2011: 27,3 %). An dieser Dominanz hat sich seit 1983 kaum etwas geändert. Während auch andere Lehrgangsinhalte über die Jahre hinweg eine relativ „eingepegelte“ Beteiligung aufweisen (z. B. EDV-Lehrgänge, die hier seit 2000 ausgewiesen werden), scheint die Beteiligung bei anderen Themen (z. B. Sprachlehrgänge) zyklisch zu verlaufen oder im Laufe der Zeit eher abzunehmen (z. B. Mathematik, Naturwissenschaften, Technik) Tabelle B2.3-2.

Schaubild B2.3-2: Lehrgangsdauer (in %)

Tabelle B2.3-2: Teilnahme an nicht akademischen Fernlehrgängen nach Themenbereichen 1983, 1990, 2000, 2006 und 2012 (in %)

Entwicklung bei Fernstudiengängen

Wie bereits 2011 stieg auch 2012 die Zahl der Fernstudierenden wieder deutlich an: So weist die Aufbereitung der Fernstudienstatistik des FDL für 2012 insgesamt 142.468 Fernstudierende aus, von denen 114.182 an einer Fern- und 28.286 an einer Präsenzhochschule immatrikuliert waren. Im Vergleich zu 2011, bei der die auf Daten des Statistischen Bundesamtes beruhenden Berechnungen des FDL 132.960 Fernstudierende erbracht hatten, ist dies eine Steigerung um 9.508 bzw. 7,2 %. Dabei legten insbesondere die staatlichen Hochschulen deutlich zu (2011: 92.232 Fernstudierende; 2012: 101.764 Fernstudierende – dies entspricht einem prozentualen Anstieg um 10,3 %), während die Zahl der Fernstudierenden an Privathochschulen leicht zurückging (2011: 40.728; 2012: 40.704). Die Beteiligung von Frauen an einem Fernstudium erhöhte sich nach den Berechnungen des FDL im Vergleich zum Vorjahr geringfügig (Gesamtdurchschnitt 2012: 44,5 %; 2011: 43,8 %). Damit dominieren im hochschulischen Sektor auch weiterhin männliche Fernstudierende.

Das gemeinnützige Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) untersuchte 2013 das Immatrikulationsverhalten von Studierenden ohne Abitur bzw. Fachhochschulreife. Danach haben „von den insgesamt 12.000 Studienanfängern und -anfängerinnen ohne allgemeine Hochschulreife und Fachhochschulreife im Jahr 2011 […] 6.022 [ein Universitätsstudium] aufgenommen“. Dennoch kann – legt man die tatsächlichen prozentualen Beteiligungsquoten zugrunde – „von einer Präferenz der beruflich Qualifizierten […] für die Fachhochschulen gesprochen werden. […] Eine weitere Besonderheit im universitären Bereich ist zudem, dass sich von den dort verzeichneten 6.022 beruflich qualifizierten Studienanfänger/-innen mehr als die Hälfte an einer einzigen Hochschule eingeschrieben hat, und zwar an der FernUniversität in Hagen.“ Dort besitzen „38,68 % der Erstsemester […] weder die allgemeine noch die Fachhochschulreife […] Alle übrigen Universitäten kommen im Durchschnitt auf lediglich 0,81 %“ (Gemeinnütziges Centrum für Hochschulentwicklung 2013, ohne Seitenangabe).

(Angela Fogolin)

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    Zusätzlich zu den erhobenen Daten ergänzt der FDL die Teilnahmezahlen um Schätzungen, die auf seiner Branchenkenntnis und seinem Marktüberblick basieren:
    Für das Jahr 2012 geht er von weiteren 68.400 Teilnehmenden aus und kommt somit auf insgesamt 240.753 Teilnahmen an staatlich zugelassenen Fernlehrgängen in 2012.
    2011 wurden 181.677 Teilnehmende erhoben und weitere 63.140 geschätzt, sodass die Fernunterrichtsstatistik 2011 des FDL insgesamt 244.817 Teilnahmen an staatlich zugelassenen Fernlehrgängen auswies.
    Grundlage für die Aufbereitungen der Fernunterrichtsstatistik des FDL im Datenreport des BIBB bilden ausschließlich die empirisch erhobenen Daten. Würden die Schätzungen ebenfalls berücksichtigt, wäre zwar 2012 im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls ein leichter Rückgang bei den Teilnahmen an zugelassenen Fernlehrgängen zu verzeichnen, jedoch beliefe sich dieser nur auf ca. 1,7 %.