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Eine mit Erfolg bestandene Aufstiegsfortbildung führt zu einem anerkannten Fortbildungsabschluss mit einer eigenen Berufsbezeichnung. Sie erhöht im Gegensatz zur beruflichen Weiterbildung das formale Qualifikationsniveau und bietet Karrierechancen, die in anderen Ländern ausschließlich Hochschulabsolventinnen und -absolventen vorbehalten sind.262 Die Aufstiegsfortbildung wird in der Regel nach einer Berufsausbildung und einschlägiger, meist mehrjähriger Berufserfahrung absolviert. Zu den quantitativ bedeutsamsten geregelten Fortbildungsberufen zählen Meister/-in, Techniker/-in, Betriebswirt/-in, Fachwirt/-in oder Fachkaufmann/-kauffrau. Aufstiegsfortbildungen nach BBiG/HwO sind durch Regelungen des Bundes (§ 53 BBiG bzw. § 42 HwO) oder der Kammern (§ 54 BBiG bzw. § 42a HwO) festgelegt (vgl. Kapitel B4.4). Neben diesen geregelten Berufen gibt es auf Landesebene auch Fortbildungen zum/zur Techniker/-in, die in Fachschulen angeboten werden (vgl. Kapitel B4.3). Das System der geregelten beruflichen Aufstiegsfortbildung weiter auszubauen wird als eine wichtige berufsbildungspolitische Aufgabe gesehen (vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung 2009, S. 43).

Neben der Entwicklung der jährlichen Fortbildungsprüfungen (vgl. Kapitel B4.3 und Kapitel B4.4) ist von Interesse, wie hoch der Anteil der Personen mit einem Fortbildungsabschluss unter allen Erwerbstätigen ist, unabhängig davon, wann die Fortbildung abgeschlossen wurde. Dies kann auf Basis verschiedener Mikrozensen, im Zeitverlauf berechnet werden. Daneben kann mit den Erwerbstätigenbefragungen des BIBB aufgezeigt werden, wie sich die Personengruppe mit einem „Fortbildungsabschluss“ nach Fachrichtungen (Meister/-in, Techniker/-in, Betriebswirte/-in, Fachwirte/-in und Fachkaufmann/-kauffrau) zusammensetzt und wie sich der Anteil der Erwerbstätigen speziell mit Meister- und Technikerabschluss im Zeitverlauf entwickelt hat.

Erwerbstätige mit Fortbildungsabschluss im Jahr 2011

Wie viel Prozent der Erwerbstätigen haben einen Fortbildungsabschluss erworben? Eine valide Berechnung dieser Quote ist auf Basis des Mikrozensus erst seit 2011 möglich, da ein „Meister-/Techniker- oder gleichwertiger Fachschulabschluss“ zuvor zusammen mit Abschlüssen einer 2- oder 3-jährigen Schule des Gesundheitswesens, einer Verwaltungsfachhochschule und einer Berufsakademie erfasst wurde.

Mikrozensus

Der Mikrozensus ist die amtliche Repräsentativstatistik des Statistischen Bundesamtes über die Bevölkerung und den Arbeitsmarkt, an der jährlich 1 % aller Haushalte in Deutschland beteiligt sind. Dabei werden jährlich etwa 830.000 Personen aus rund 390.000 Privathaushalten zu unterschiedlichen Themenfeldern befragt, u. a. zu Erwerbstätigkeit, Beruf und Ausbildung. Für die Erhebung besteht gemäß § 7 Mikrozensusgesetz Auskunftspflicht.

Erfassung von Fortbildungsabschlüssen im Mikrozensus

Bis zum Mikrozensus 2009 wurde ein „Abschluss einer Meister-/Technikerausbildung oder gleichwertiger Fachschulabschluss“ zusammen mit Abschlüssen einer 2- oder 3-jährigen Schule des Gesundheitswesens (also Abschlüssen auf der Ebene der Erstausbildung) sowie Abschlüssen einer Berufsakademie oder einer Verwaltungsfachhochschule (Hochschulebene) erfasst. Seit 2010 werden Abschlüsse an Berufsakademien und Verwaltungsfachhochschulen und seit 2011 auch die Abschlüsse einer 2- oder 3-jährigen Schule des Gesundheitswesens gesondert ausgewiesen.263 Die Kategorie „Fortbildungsabschluss“ (höchster Abschluss) wurde im Zeitverlauf wie folgt erfasst:

1999–2001    Meister-/Technikerausbildung oder gleichwertiger Fachschulabschluss, Abschluss einer 2- oder 3-jährigen Schule des Gesundheitswesens, Abschluss einer Fachakademie oder einer Berufsakademie, Abschluss einer Verwaltungsfachhochschule

2002–2009    Meister-/Technikerausbildung oder gleichwertiger Fachschulabschluss, Abschluss einer 2- oder 3-jährigen Schule des Gesundheitswesens, Abschluss einer Fachakademie oder einer Berufsakademie

2010    Abschluss einer Meister-/Technikerausbildung oder gleichwertiger Fachschulabschluss, einer 2- oder 3-jährigen Schule des Gesundheitswesens oder einer Fachakademie

2011    Meister/-in, Techniker/-in oder gleichwertiger Fachschulabschluss

Die Berechnungen führen für 2011 zu folgenden Ergebnissen: 6,7 % der Erwerbstätigen in Deutschland (absolut 2.624.428 Erwerbstätige) geben einen Fortbildungsabschluss als höchsten Ausbildungsabschluss an.264 Bei den Männern liegt die Quote mit 8,8 % höher als bei den Frauen mit 4,3 % Tabelle B4.5-1.

Mit rund 7 % ist die valide Quote der Erwerbstätigen mit Fortbildungsabschluss damit geringer, als bislang angenommen wurde. Berechnungen auf Basis früherer Mikrozensuserhebungen, in denen Fortbildungsabschlüsse zusammen mit den Abschlüssen einer 2- oder 3-jährigen Schule des Gesundheitswesens, einer Berufsakademie oder Verwaltungsfachhochschule erfasst wurden, überschätzten die Fortbildungsquote somit um rund ein Drittel. Dies gilt insbesondere für Frauen, da schulische Ausbildungsgänge in Gesundheitsdienstberufen einen Frauenanteil von rund 80 % haben (vgl. Statistisches Bundesamt 2012a). Die Fortbildungsquote (inkl. Schulen des Gesundheitswesens) auf Basis des Mikrozensus bis 2010 ist daher für Frauen weit stärker überschätzt als für Männer.

Tabelle B4.5-1: Erwerbstätige im Alter von 15 bis 65 Jahren mit Fortbildungsabschluss 2011 (in %)

Schaubild B4.5-1: Männliche Erwerbstätige im Alter von 15 bis 65 Jahren mit Fortbildungsabschluss* 1999 bis 2010 (in %)

Männliche Erwerbstätige mit Fortbildungsabschluss 1999 bis 2011

Um Veränderungen im Zeitverlauf nachzugehen, wurden die folgenden Analyseschritte auf Männer beschränkt und die über die Jahre wechselnden Kategorien so erweitert, dass Vergleiche möglich werden (größter gemeinsamer Zähler). Die Quote wird hierdurch zwar etwas überschätzt; die Überschätzung der Werte sollte jedoch über die Jahre ähnlich groß sein, sodass relative Veränderungen und Entwicklungen erkennbar werden Schaubild B4.5-1.

Der so berechnete Anteil der männlichen Erwerbstätigen mit Fortbildungsabschluss lag 1999 bei 12,3 % und sank dann kontinuierlich auf 10,0 % im Jahr 2007.265 Seit 2008 ist wieder ein leichter Anstieg zu beobachten; 2010 wurden 10,8 % erreicht. Führt man diese Berechnungen bis 2011 weiter, so liegt die entsprechend geschätzte Quote bei 10,9 %.266 Zur Erinnerung: Die valide Erfassung der männlichen Erwerbstätigen mit Fortbildungsabschluss (also ohne Abschlüsse einer 2- oder 3-jährigen Schule des Gesundheitswesens, einer Verwaltungsfachhochschule oder einer Berufsakademie) erbrachte für 2011 eine Quote von 8,8 % Tabelle B4.5-1.

Um welche konkreten Fortbildungsabschlüsse es sich jeweils handelt, kann mit dem Mikrozensus nicht berechnet werden. Solche Analysen sind hingegen auf Basis der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2012 möglich. In dieser wurden alle abgeschlossenen Aus- und Fortbildungsabschlüsse erfasst, sodass die Ergebnisse nach der Art der Aufstiegsfortbildung differenziert werden können.

Männliche Erwerbstätige mit Meister-/Technikerabschluss im Zeitverlauf

Berichtet werden nachfolgend Ergebnisse auf Basis der Erwerbstätigenbefragungen des BIBB für die Jahre 1979 bis 2012.

Erwerbstätigenbefragungen des BIBB

Die BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragungen 2006 und 2012 sind telefonische, computerunterstützte Repräsentativbefragungen (CATI) von jeweils 20.000 Erwerbstätigen in Deutschland, die gemeinsam vom BIBB und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) durchgeführt wurden (siehe www.bibb.de/arbeit-im-wandel). Grundgesamtheit sind Erwerbstätige ab 15 Jahren (ohne Auszubildende). Als Erwerbstätigkeit gilt eine Tätigkeit von regelmäßig mindestens 10 Stunden pro Woche gegen Bezahlung („Kernerwerbstätige“). Die Daten wurden durch Gewichtung nach zentralen Merkmalen auf Basis des Mikrozensus an die Strukturen der Grundgesamtheit angepasst. Die BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragungen schließen konzeptionell an die vom BIBB und dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) durchgeführten BIBB/IAB-Erhebungen an, die in den Jahren 1979, 1986, 1992 und 1999 durchgeführt wurden. Ein Zeitvergleich erfordert eine Vereinheitlichung der entsprechenden Stichprobenbasis (kleinster gemeinsamer Nenner).

7,6 % der Erwerbstätigen können 2012 als höchsten Ausbildungsabschluss eine Aufstiegsfortbildung nachweisen Tabelle B4.5-2. Der entsprechende Anteil liegt im Mikrozensus 2011 bei angeglichener Stichprobe (Kernerwerbstätige ohne Auszubildende) bei 7,3 %267, was für eine valide Erfassung in der Erwerbstätigenbefragung spricht. Auch hier ist die Quote für Männer mit 10,1 % deutlich höher als für Frauen (4,4 %). Die Art des Abschlusses variiert dabei stark nach dem Geschlecht. Während Männer mehrheitlich einen Meister- oder Technikerabschluss vorweisen können (55,5 % bzw. 19,3 %), schließen Frauen meist eine kaufmännische Fortbildung als Fach-/Betriebswirtin (33,5 %) oder Fachkauffrau (26,8 %) ab.268

Da in früheren Erhebungen lediglich Meister- und Technikerabschlüsse differenziert erfasst wurden und die Fallzahlen für Frauen zu gering sind, beschränkt sich der nachfolgende Zeitvergleich auf westdeutsche männliche Erwerbstätige im Alter von 15 bis 65 Jahren. Die Berechnungen führen zu folgenden Ergebnissen: Der Anteil männlicher Erwerbstätiger mit Meister- oder Technikerabschluss (höchster Abschluss), erreichte im Befragungsjahr 1992 mit 12,1 % den höchsten Wert. Seit dem Tiefstand im Jahr 2006 (7,0 %) stieg die Quote der Erwerbstätigen mit einem Fortbildungsabschluss zum Meister oder Techniker wieder an und erreichte 2012 einen Wert von 8,4 % Schaubild B4.5-2. Eine differenzierte Betrachtung nach Meister- und Technikerabschlüssen zeigt, dass die Anteile der Technikerabschlüsse unter westdeutschen männlichen Erwerbstätigen zwischen 2 % und 3 % liegen. Der Anteil der Erwerbstätigen mit einem Meisterabschluss ist hingegen zwischen 1992 (9,2 %) und 2012 (6,0 %) stark gesunken. Zurückzuführen ist diese Entwicklung auf sinkende Fortbildungsprüfungen in Handwerk und Industrie, insbesondere bei Fortbildungen zum Handwerks- und Industriemeister (vgl. Kapitel B4.4).

Tabelle B4.5-2: Art der Aufstiegsfortbildung von Erwerbstätigen im Alter von 15 bis 65 Jahren mit Fortbildungsabschluss (in %)

Schaubild B4.5-2: Anteil westdeutscher Erwerbstätiger Männer im Alter von 15 bis 65 Jahren mit Meister-/Technikerabschluss (in %)

Fazit

Den Anteil der Erwerbstätigen mit Fortbildungsabschluss im Zeitverlauf zu berechnen war Ziel dieses Beitrags. Aus methodischen Gründen musste sich die Darstellung auf Basis des Mikrozensus auf Männer und auf Basis der Erwerbstätigenbefragungen auf Meister und Techniker beschränken. Es zeigt sich bei beiden Erhebungen, dass das hohe Niveau Ende der 1990er-Jahre heute zwar nicht mehr erreicht wird, der Negativtrend der letzten Jahre scheint aber gestoppt zu sein. Seit dem Tiefstand 2007 stieg auf Basis des Mikrozensus der Anteil der Männer mit Aufstiegsfortbildung unter den Erwerbstätigen wieder an. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich auch unter männlichen Erwerbstätigen, die einen Meister- oder Technikerabschluss erreicht haben: Die Quote fiel zwischen 1999 und 2006 ab und stieg dann bis 2012 wieder an.

Ein Bedeutungsverlust der Aufstiegsfortbildung in der Erwerbstätigkeit kann somit nicht festgestellt werden. Auch bei der Entwicklung der bestandenen Fortbildungsprüfungen zeigt sich ein Ende des Abwärtstrends (vgl. Kapitel B4.4). Wie sich die positive Entwicklung der letzten Jahre, die anhand verschiedener Datenquellen zum Ausdruck kommt, fortsetzt, sollte in den nächsten Jahren weiter beobachtet werden.

(Anja Hall)

  • 262

    Im Rahmen des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) werden Abschlüsse zum/zur Meister/-in, Techniker/-in, Fachwirt/-in gleichwertig mit dem Bachelor auf der Niveaustufe 6 eingeordnet. 

  • 263

    In den Erhebungen 1996 bis 1998 blieb unklar, wo sich Personen mit Abschlüssen einer Verwaltungsfachhochschule, einer Berufsakademie oder einer 2- oder 3-jährigen Schule des Gesundheitswesens einordneten, da diese Abschlüsse nicht beispielhaft vorgegeben waren. Die Kategorien lauteten „Meister-/Techniker- oder gleichwertiger Fachschulabschluss“ sowie „Abschluss einer Lehrausbildung oder gleichwertiger Berufsfachschulabschluss“. Auch eine Betrachtung bis 1996 ist aufgrund der Umstellung vom letzten auf den höchsten beruflichen Ausbildungs- oder Hochschulabschluss im Jahr 1996 nicht möglich. 

  • 264

    Unter Erwerbspersonen (Personen, die erwerbstätig sind oder aktiv eine Beschäftigung suchen und dem Arbeitsmarkt unmittelbar zur Verfügung stehen [ILO-Konzept]) liegt die Quote mit 6,5 % (Männer: 8,5 %, Frauen: 4,2 %) etwas darunter. 

  • 265

    Eine mögliche Erklärung hierfür ist, dass Veränderungen auf der Unternehmensebene (Rationalisierungsmaßnahmen, neue Organisationsformen und Produktionskonzepte, Hierarchieabbau), wie sie seit Mitte der 1990er-Jahre zu beobachten sind, mit einem relativ starken Beschäftigungsabbau für Meister/-innen und Techniker/-innen verbunden waren (vgl. Plicht 1998 sowie Kapitel B4.4). 

  • 266

    Hierbei handelt es sich um einen Schätzwert, da die Kategorie „Berufsakademie“, wie sie noch 2010 ausgewiesen wurde, 2011 in „Berufsakademie/Duale Hochschule“ verändert wurde und unklar ist, inwieweit die Erhöhung des Anteils Berufsakademie von 0,7 % 2010 auf 1,7 % 2011 damit zusammenhängt. 

  • 267

    Bezogen auf alle Erwerbstätigen lag die Quote bei 6,7 % Tabelle B4.5-1

  • 268

    In der Regel baut eine Aufstiegsfortbildung auf eine zuvor abgeschlossene duale Berufsausbildung auf. Rund 90 % der Erwerbstätigen, die einen Fortbildungsabschluss zum/zur Meister/-in, Techniker/-in, Betriebswirt/-in, Fachwirt/-in oder Fachkaufmann/-kauffrau aufweisen können, haben auf Basis der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2012 zuvor eine duale Ausbildung abgeschlossen. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch eine Absolventenbefragung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags von 2011, in der 84 % der Absolventen und Absolventinnen einer Fortbildungsprüfung zuvor eine duale Ausbildung abgeschlossen haben (vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung 2012b).