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Die Entwicklung 2014 im Überblick

Im Jahr 20141 setzte sich u. a. durch sinkende Schulabgängerzahlen, gestiegene Studierneigung und Passungsproblem hervorgerufene Trend der vergangenen 3 Jahre auf dem Ausbildungsmarkt fort: Das Ausbildungsplatzangebot und die Ausbildungsplatznachfrage sanken, und die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ging nochmals zurück. Mit 522.200 Verträgen wurde im Jahr 2014 erneut ein Tiefstand erreicht. Hohe Anteile an unbesetzten Ausbildungsstellen und an erfolglosen Bewerbern und Bewerberinnen zeigen, dass Angebot und Nachfrage nicht ausreichend zueinanderfanden. Besonders stark nahm im Jahr 2014 der Anteil der unbesetzten Ausbildungsplatzangebote zu. Gleichzeitig konnten erneut weniger ausbildungsinteressierte Personen an dualer Berufsausbildung (nach BBiG/HwO) beteiligt und damit auch für eine solche Ausbildung gewonnen werden. Dies sind die zentralen Ergebnisse der Ausbildungsmarktbilanz   auf der Grundlage der Daten aus der BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zum 30. September 20142 in Verbindung mit der Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA).

2014 wurden bundesweit 559.300 Ausbildungsplatzangebote registriert (-3.900 bzw. -0,7 % im Vergleich zum Vorjahr), darunter 539.200 betriebliche Angebote (-2.400 bzw. -0,4 %) und 20.100 „außerbetriebliche“ Angebote (-1.500 bzw. -7,1 %) Tabelle A1-1.3 Die Ausbildungsplatznachfrage lag 2014 bei 603.400 Personen. Sie nahm im Vergleich zum Vorjahr um 9.700 bzw. 1,6 % ab. Da der Rückgang der Ausbildungsplatznachfrage noch stärker war als der Rückgang des Ausbildungsplatzangebotes, fiel die erweiterte Angebots-Nachfrage-Relation (eANR) im Jahr 2014 etwas höher aus als im Vorjahr (+0,8 Prozentpunkte). Dies galt sowohl für West- als auch für Ostdeutschland. Bundesweit entfielen rechnerisch 92,7 Ausbildungsplatzangebote auf 100  Ausbildungsplatznachfrager.

Begriffe der Ausbildungsmarktbilanzierung

Zum offiziellen Ausbildungsplatzangebot eines Jahres zählen die neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge, die das BIBB im Rahmen seiner Erhebung zum 30. September bei den zuständigen Stellen zählt (= erfolgreich besetztes Angebot), und die bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) registrierten Berufsausbildungsstellen, die der Arbeitsverwaltung während des Berichtsjahres zur Vermittlung angeboten wurden und am 30. September noch nicht besetzt waren (= erfolgloses Angebot).

Als Ausbildungsplatznachfrager gelten jene ausbildungsinteressierten Jugendlichen, die entweder einen neuen Ausbildungsvertrag abschlossen (und somit über die BIBB-Erhebung zum 30. September erfasst werden) oder aber zum Kreis der Ausbildungsstellenbewerber zählten, die auch noch am 30. September ihre Ausbildungsplatzsuche fortsetzten. Ausbildungsstellenbewerber/ -innen, die sich im Laufe des Berichtsjahres für eine Alternative entschlossen (z. B. erneuter Schulbesuch, Studium, Erwerbstätigkeit, berufsvorbereitende Maßnahme) und am 30. September nicht mehr oder vorerst nicht mehr nach einer Berufsausbildungsstelle suchen, werden grundsätzlich nicht  zu den Ausbildungsplatznachfragern gerechnet (d. h. auch dann nicht, wenn sie diese Alternative aufgrund erfolgloser Bewerbungen anstrebten).

Bei der statistischen Ermittlung der Höhe der Ausbildungsplatznachfrage sind darüber hinaus zwei Ansätze zu unterscheiden: Die traditionelle Berechnungsweise definiert den Kreis der erfolglosen Nachfrage sehr eng. Sie lässt all jene am 30. September noch suchenden Ausbildungsstellenbewerber/ -innen unberücksichtigt, die über eine alternative Verbleibsmöglichkeit verfügen. Bei der neuen, erweiterten Berechnung sind diese Personen dagegen einbezogen. Die verschiedenen Berechnungsweisen der Ausbildungsplatznachfrage erklären zugleich die Ergebnisunterschiede der beiden Varianten zur Berechnung der Angebots-Nachfrage-Relation.

Die Angebots-Nachfrage-Relation (ANR) gibt wieder, wie viele Berufsausbildungsangebote rechnerisch auf 100 Ausbildungsplatznachfrager entfielen. Da 2 Berechnungsweisen zur Ermittlung der Ausbildungsplatznachfrage genutzt werden, gibt es auch 2 Varianten in der ANR-Berechnung. In der Regel wird im Datenreport die erweiterte Angebots-Nachfrage-Relation (eANR) ausgewiesen.

Als Ausbildungsstellenbewerber/ -innen werden jene ausbildungsinteressierten Jugendlichen bezeichnet, welche die Beratungs- und Vermittlungsdienste der Agenturen für Arbeit, der Arbeitsgemeinschaften (ARGEn) und der zugelassenen kommunalen Träger (zkT) in Anspruch nehmen und deren Eignung für die von ihnen angestrebten Ausbildungsberufe geklärt ist. Die Ausbildungsstellenbewerber/ -innen bilden zusammen mit den gemeldeten Berufsausbildungsstellen die zentralen Größen der Ausbildungsmarktstatistik der BA.

Als Ausbildungsinteressierte gelten alle Jugendlichen, die entweder zu den erfolgreichen Ausbildungsplatznachfragern oder aber zumindest zu den registrierten Ausbildungsstellenbewerbern/ -bewerberinnen zählten. Es handelt sich somit um all jene Jugendlichen, die im Laufe eines Berichtsjahres den Wunsch nach einer Ausbildung geäußert hatten und institutionell erfasst wurden, sei es über die Eintragung ihrer Ausbildungsverhältnisse bei den zuständigen Stellen oder – sofern sie erfolglos blieben – im Rahmen ihrer Registrierung bei den Agenturen für Arbeit (AA) oder den Jobcentern in gemeinsamer Einrichtung (JCgeE) bzw. in alleiniger kommunaler Trägerschaft (JCzkT). Die Zahl der institutionell erfassten ausbildungsinteressierten Personen wird rechnerisch ermittelt, indem zur Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge jene registrierten Ausbildungsstellenbewerber hinzugerechnet werden, die nach der Verbleibstatistik der Arbeitsverwaltung nicht in eine Berufsausbildungsstelle einmündeten.

Durch den rechnerischen Bezug der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge auf die Zahl der Ausbildungsinteressierten lässt sich die Einmündungsquote ausbildungsinteressierter Personen in duale Berufsausbildung (EQI) ermitteln. Sie informiert darüber, wie hoch der Anteil unter den ausbildungsinteressierten Jugendlichen ausfällt, der für eine duale Berufsausbildung tatsächlich auch gewonnen werden konnte (Ulrich 2012 a; Ulrich 2012 b).

Im Berichtsjahr 2014 konnten insgesamt 37.100 der von der BA registrierten Ausbildungsstellen bis zum 30.  September nicht besetzt werden. Dies war der höchste Wert seit 1995 und stellte im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um 3.400 bzw. 10,0 % dar. Insgesamt blieben 6,9 % des offiziell4 errechneten betrieblichen Ausbildungsangebots vakant. Besonders betroffen von Stellenbesetzungsproblemen war erneut das Handwerk, in dem 12.800 Stellen bzw. 8,7 % des betrieblichen Ausbildungsangebots bis zum 30. September erfolglos angeboten wurden. Im ostdeutschen Handwerk blieb sogar jeder zehnte Ausbildungsplatz (10,1 %) unbesetzt (vgl. Kapitel A1.1).

Trotz insgesamt nachlassender Nachfrage suchten 81.200 der bei der BA registrierten Ausbildungsstellenbewerber/ -innen bis zum 30. September ohne Erfolg nach einer Ausbildungsstelle. Dies waren 2.400 bzw. 2,8 % weniger im Vergleich zum Vorjahr. Der Anteil der Erfolglosen fiel 2014 mit 13,5 % gemessen an der offiziellen Nachfrage immer noch vergleichsweise hoch aus; der Rückgang gegenüber 2013 betrug lediglich 0,1 Prozentpunkte. Der Ausbildungsmarkt war 2014 somit weiterhin von Passungsproblemen gekennzeichnet, wobei im Jahr 2014 vor allem die Besetzungsprobleme auf der Angebotsseite zunahmen, während die Versorgungsprobleme leicht abgenommen haben, aber immer noch auf zu hohem Niveau liegen.

Nicht alle Jugendlichen, die sich für einen Ausbildungsplatz interessieren und auch als „ausbildungsreif“ gelten, werden als Ausbildungsplatznachfrager erfasst. Denn diejenigen, die vor dem Stichtag der Ausbildungsbilanzierung ihren Vermittlungswunsch aufgegeben haben, werden nicht berücksichtigt (vgl. Kapitel A1.3). Die Gründe hierfür sind vielfältig: Ein Teil zieht Alternativen vor, und einige verschieben ihren Ausbildungswunsch auf später – oft, weil sie bei ihrer Suche nach einer Lehrstellensuche erfolglos blieben und frühzeitig nach einer Zwischenlösung (erneuter Schulbesuch, Praktikum, Jobben) suchten. Deshalb fällt die Zahl aller Personen, die sich im Laufe des Berichtsjahres als ausbildungsinteressiert zeigten, höher aus als die offiziell registrierte Ausbildungsplatznachfrage.

Die rechnerische Gesamtzahl aller im Laufe des Jahres 2014 institutionell erfassten ausbildungsinteressierten Personen, die neben den offiziell ausgewiesenen „Ausbildungsplatznachfragern“ auch jene Ausbildungsstellenbewerber/ -innen umfasst, welche ihren Vermittlungswunsch vor dem Bilanzierungsstichtag aufgaben, betrug 810.500 Personen. Dies waren 4.800 bzw. 0,6 % weniger als im Vorjahr. Bundesweit konnten 64,4 % von ihnen für eine duale Berufsausbildung gewonnen werden. Damit setzte sich 2014 der seit 2011 zu beobachtende Rückgang der Einmündungsquote ausbildungsinteressierter Jugendlicher in eine duale Berufsausbildung fort. Wie in den Jahren zuvor blieb die Einmündungsquote weiblicher Ausbildungsinteressierter (62,4 %) hinter der männlicher Ausbildungsinteressierter zurück (65,8 %).

Mit 522.200 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen wurden 7.300 (-1,4 %) Verträge weniger abgeschlossen als im Vorjahr. Der Rückgang der Neuabschlüsse betraf sowohl West- als auch Ostdeutschland: In Westdeutschland belief sich die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge auf 448.900 (-6.400 bzw. -1,4 % im Vergleich zu 2013) und in Ostdeutschland auf 73.300 (-900 bzw. -1,2 % im Vergleich zu 2013). Vor allem in Industrie und Handel gab es, wie bereits 2012 und 2013, einen deutlichen Rückgang bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen (2014 bundesweit um -6.500 bzw. -2,1 % auf nunmehr 310.800). Das Minus im Handwerk umfasste bundesweit dagegen nur 900 Verträge bzw. 0,6 %, und im Osten konnte das Handwerk sogar ein leichtes Plus erzielen (+1,4 %). Der Rückgang in Industrie und Handel war vor allem darauf zurückzuführen, dass viele Berufe aus dem Dienstleistungsbereich weniger Verträge meldeten, so der neu geordnete Beruf Kaufmann/ -frau für Büromanagement, in dem die 3 früheren Berufe Bürokaufmann/ -frau, Kaufmann/ -frau für Bürokommunikation und Fachangestellte/ -r für Bürokommunikation aufgingen, darüber hinaus die Berufe Bankkaufmann/ -frau, Hotelfachmann/ -frau, Verkäufer/ -in, Industriekaufmann/ -frau, Kaufmann/ -frau im Einzelhandel und Restaurantfachmann/ -frau. Dagegen wurden in einigen gewerblich-technischen Berufen Zuwächse erzielt (vgl. Kapitel A1.2).

Die niedrige Zahl von neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen kontrastiert deutlich mit der hohen Zahl an Studienanfängern im Jahr 2014. Die Relation zwischen der Zahl der Personen mit neuem Ausbildungsvertrag und der Zahl der Studienanfänger/ -innen hat sich in den letzten Jahren massiv verschoben. Standen im Jahr 1998 noch einem/einer Studienanfänger/ -in 2 Personen mit neuem Ausbildungsvertrag gegenüber, betrug das Verhältnis 2014 in etwa eins zu eins. 

Tabelle A 1-1: Ausbildungsmarktentwicklung von 2009 bis 2014 (Stichtag 30. September)

  • 1

    Sofern nicht explizit anders dargestellt, bezieht sich die Jahresangabe auf das Berichtsjahr der offiziellen Ausbildungsmarktbilanzierung, das am 1. Oktober des Vorjahres beginnt und am 30. September endet. 

  • 2

    Vgl. dazu auch www.bibb.de/de/2918.php 

  • 3
    „Außerbetriebliche“ Ausbildungsangebote sind zusätzlich bereitgestellte Plätze, die überwiegend öffentlich finanziert werden.
  • 4

    Mit dem Attribut „offiziell“ wird hier und im Folgenden darauf verwiesen, dass es sich um jenes Angebot und um jene Nachfrage handelt, die sich institutionell erfassen lässt. Erfolglose Marktteilnehmer/ -innen, die ihren Ausbildungswunsch nicht der Arbeitsverwaltung mitgeteilt hatten, sind in den offiziellen Größen nicht enthalten.